Tobias Daniel M.A.

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Wissenswertes aus aller Welt 

Rund um die Welt

In den folgenden Rubriken finden Sie einige wissenswerte Informationen aus den Themenbereichen Politik, Geschichte und Geographie. Es besteht kein Anspruch auf Aktualität und Vollständigkeit.

Deutschland: Politisches und wirtschaftliches Schwergewicht in der Mitte Europa

Die Bundesrepublik Deutschland liegt im Herzen Mitteleuropas. Das bevölkerungsreichste Land Europas ist seit 1990 wiedervereinigt und ist von kultureller Vielfältigkeit sowie regionalen Besonderheiten geprägt. Die 16 Bundesländer sind meist aus mehr als doppelt so vielen Königreichen, Fürstentümern und Residenzstädten hervorgegangen. Die Bundeshauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Berlin. Weitere Metropolen sind Hamburg, München und Köln.

Der größte Ballungsraum ist das RuhrgebietFrankfurt am Main ist als deutsches Finanzzentrum international von Bedeutung.In Deutschland gibt es ein überaus reiches kulturelles Erbe. Bei der UNESCO sind allein 46 Beiträge zum Weltkulturerbe verzeichnet - vom Aachener Dom über das Mittelrheintal bis hin zum Limes. Wirtschaftlich gehört Deutschland neben China, den USA und Japan zu den vier größten Volkswirtschaften der Welt.

Die 16 Bundesländer Deutschlands

Baden-Württemberg ist nach Einwohnerzahl und Fläche das drittgrößte Bundesland Deutschlands. Nach römischer, alemannischer und fränkischer Herrschaft entstanden zunächst Hunderte Grafschaften, Reichsstädte, geistliche Gebiete und ritterschaftliche Dörfer. 1806 begründete Napoleon das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden. Beide gingen 1918 in einem freien Volksstaat und einer demokratischen Republik auf. 1952 entstand aus den Bundesländern Württemberg-BadenWürttemberg-Hohenzollern und Baden das heutige Baden-Württemberg. Landeshauptstadt ist Stuttgart.

Der Freistaat Bayern ist das flächenmäßig größte und nach der Einwohnerzahl das zweitgrößte Bundesland Deutschlands. Bayern blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bereits bis ins frühe Mittelalter reicht. Von 1180 bis 1918 wurde es von den Wittelsbachern regiert, seit 1806 als Königtum. Seit 1957 stellt die CSU den bayerischen Ministerpräsidenten - von 1962 bis 2008 mit absoluter Mehrheit. Zudem gilt Bayern als eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer, das auf eine über 1.000 Jahre alte Kultur- und Geistesgeschichte zurückblickt. Traditionell gliedert sich der Freistaat in die Landesteile Franken, Schwaben und Altbayern. Hauptstadt ist München.

Berlin ist die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland sowie ein eigenständiges Bundesland. Es ist die größte Stadt Deutschlands und die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union (EU). Berlin ist nicht nur das politische Zentrum Deutschlands - es ist auch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt sowie ein wichtiges Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentrum Deutschlands. Über vierzig Jahre war das geteilte Berlin ein Symbol für die Teilung Europas. Heute verbindet die Stadt das westliche und östliche Europa miteinander. Der Dichter Jean Paul schrieb bereits um 1800: "Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt." 

Brandenburg ging historisch aus der Mark Brandenburg hervor, die vermutlich 1157 von Albrecht dem Bär erobert wurde. Von 1415 bis 1918 unterstand die Region dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern. Brandenburg gehörte zu den sieben Kurfürstentümern und bildete das Kernland des späteren Preußen. Nach der Wiedervereinigung wurde das Bundesland Brandenburg 1990 neu gegründet. Eine geplante Länderfusion mit Berlin scheiterte jedoch 1996 in einer Volksabstimmung. Mit über 3.000 Seen und über 33.000 Kilometer langen Fließgewässern ist Brandenburg das wasserreichste Bundesland. 

Bremen ist einer der drei Stadtstaaten und gleichzeitig das kleinste Bundesland Deutschlands. Es umfasst die Städte Bremen und Bremerhaven, die 53 Kilometer voneinander entfernt sind. Trotz seiner Größe sind in Bremen sehr viele naturbelassene Flächen zu finden, die teilweise unter Naturschutz stehen. Sie werden von vielen Bremern auch als Naherholungsgebiete genutzt. Bremen und Bremerhaven bilden gemeinsam den zweitgrößten Seehafen Deutschlands nach Hamburg. Im Gegensatz zum Hamburger Hafen ist der Hafen in Bremen jedoch tideunabhängig.

Hamburg ist als "Tor zur Welt" eine der schönsten Städte Europas. Es ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands und einer der drei deutschen Stadtstaaten. Wie kaum eine andere Metropole ist die Hansestadt vom Wasser geprägt. Ob die verästelten Fleete, der Hafen oder die Alster - nicht nur die Wirtschaft und Kultur, auch das Erscheinungsbild Hamburgs wird vom Wasser geprägt. Eine der wichtigsten Lebensadern ist der Hafen - einer der größten Europas. Zudem ist im Freihafen die über hundertjährige Speicherstadt angesiedelt - der größte Lagerhauskomplex der Welt. 

Hessen blickt auf eine lange Geschichte: im Jahre 1292 wurde die Landgrafschaft Hessen als Reichsfürstentum bestätigt - seine Wurzeln reichen jedoch bis ins 6. Jahrhundert zurück. Das heutige Bundesland Hessen entstand am 19. September 1945 auf Anordnung der US-Besatzungsmacht aus den ehemals preußischen Provinzen Nassau und Kurhessen sowie dem Volksstaat Hessen. Ein wichtiger Ballungsraum ist das Rhein-Main-Gebiet, in dem etwa die Hälfte der hessischen Bevölkerung lebt. Zudem besitzt es neben dem Ruhrgebiet die höchste Industriedichte Deutschlands. Landeshauptstadt ist Wiesbaden

Mecklenburg-Vorpommern im Nordosten Deutschlands entstand 1945 aus der Vereinigung des historischen Mecklenburg mit dem westlich der Oder-Neiße-Linie gelegenen Teil der ehemals preußischen Provinz Pommern. Mit einer Länge von ca. 1.700 Kilometern hat Mecklenburg-Vorpommern die längste Küste aller deutschen Bundesländer. Traditionell dominieren neben dem Tourismus - vor allem auf den Inseln Usedom und Rügen - die Agrar- und Ernährungsgüterwirtschaft. Das Land ist jedoch eine der ärmsten Regionen Deutschlands. Die größte Stadt des Bundeslandes ist Rostock - die Landeshauptstadt ist Schwerin

Niedersachsen ist das zweitgrößte Bundesland Deutschlands. Es entstand am 23. August 1946 durch eine Verordnung der britischen Militärregierung. Touristische Anziehungspunkte sind neben der Nordseeküste auch der Harz, das Alte Land oder das Weserbergland oder Städte wie Hannover, Braunschweig, Celle, Osnabrück oder LüneburgDer Landesname leitet sich vom Volksstamm der Sachsen ab und stammt bereits aus dem Mittelalter - zurückgehend auf den Niedersächsischen Reichskreis. Landeshauptstadt ist Hannover, die neben Wolfsburg auch zu den wirtschaftlichen Zentren des Bundeslandes gehört.

Nordrhein-Westfalen ist mit rund 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste und flächenmäßig das viertgrößte Bundesland Deutschlands. Landeshauptstadt ist Düsseldorf - die größte Stadt ist jedoch Köln. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen wurde am 23. August 1946 durch eine Verordnung der britischen Militärregierung aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz sowie der preußischen Provinz Westfalen gegründet. Anfang 1947 wurde zudem der Freistaat Lippe dem neuen Bundesland angegliedert. Wirtschaftlich wurde Nordrhein-Westfalen besonders durch die Textil- sowie die Kohle- und Stahlindustrie geprägt. 

Das Bundesland Rheinland-Pfalz wurde am 30. August 1946 durch eine Verordnung der französischen Militärregierung aus der ehemals bayerischen Pfalz, den preußischen Regierungsbezirken Koblenz und Trier, der früher zu Hessen-Darmstadt gehörenden Provinz Rheinhessen, aus Teilen der preußischen Provinz Montabaur und ehemals oldenburgischem Gebiet um Birkenfeld gebildet. Landeshauptstadt ist Mainz. Mit KoblenzAndernachTrierMainz und Worms liegen in Rheinland-Pfalz die meisten "ältesten" Städte Deutschlands. Zudem blickt das eher junge Bundesland auf eine rund 2.000 Jahre alte Kulturgeschichte zurück. 

Das Saarland ist seit 1957 ein deutsches Bundesland. Aufgrund seiner Grenzlage stand es besonders im 20. Jahrhundert abwechselnd unter deutschem und französischem Einfluss. Dies führte auch dazu, dass die Mentalität der Saarländer auch stark durch die französische Herrschaft geprägt ist. Geographisch gesehen besitzt das Saarland gemeinsam mit Baden-Württemberg und Hessen prozentual gesehen die größte Waldfläche Deutschlands. Zudem besitzt es die höchste Eigentumsrate an Grundbesitz in Deutschland. Hauptstadt des Bundeslandes ist Saarbrücken

Der Sachsen entstand 1918 nach dem Zusammenbruch des Königtums. Es blickt aber auf eine lange historische Tradition als Pfalzgrafenschaft und später als Kurfürstentum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zurück. Heute zählt der Freistaat zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Auch der Tourismus ist in Sachsen stark ausgeprägt - neben Leipzig und der Landeshauptstadt Dresden gehören unter anderem das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz, Bautzen oder Zwickau zu den touristischen Highlights. 

Das heutige Bundesland Sachsen-Anhalt war im Mittelalter einer der kulturellen Mittelpunkte Deutschlands. Zudem war Magdeburg eines der politischen Zentren des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Laut Landesmarketinggesellschaft besitzt Sachsen-Anhalt die meisten UNESCO-Weltkulturstätten in ganz Deutschland. Dazu zählen unter anderem das Bauhaus in Dessau, die Altstadt von Quedlinburg oder die Lutherstädte Wittenberg und Eisleben. Die Straße der Romanik verbindet zudem Dome, Burgen, Klöster und Kirchen aus der Zeit vom 10. bis 13. Jahrhundert. 

Schleswig-Holstein ist als "Land zwischen den Meeren" das nördlichste Bundesland Deutschlands und das zweitkleinste Flächenland. Zu den 2,8 Millionen Menschen gehört neben einer bedeutenden dänischen auch eine friesische Minderheit, deren Kultur und Sprache besonders geschützt werden. Neben Kiel gehören Flensburg und Lübeck zu den drei Oberzentren des Landes. Wegen seiner günstigen geografischen Lage zwischen Skandinavien und Osteuropa ist Schleswig-Holstein eine Drehscheibe für den Handel im Ostseeraum.Der Wahlspruch des Landes lautet "Up ewig ungedeelt"

Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und gilt wegen seines Waldreichtums auch als das "Grüne Herz Deutschlands". Die Geschichte des Freistaates reicht bis ins Mittelalter zurück - im Oktober 1990 wurde das Bundesland nach der Wiedervereinigung neu gebildet. Touristisch ist Thüringen vor allem durch seine Landschaften wie die Rhön und den Thüringer Wald oder seine Städte wie Weimar, Erfurt und Eisenach bekannt. Auch viele Residenzschlösser sind heute noch in Thüringen zu besichtigen. Neben Sachsen gehört Thüringen zu den wirtschaftlich stärkeren Bundesländern Ostdeutschlands.

Ehemalige Bundesländer

Das Land Baden wurde am 1. Dezember 1945 aus dem südlichen Teil der früheren Republik Baden gegründet. Bis zum 2. Dezember 1946 trug es die offizielle Bezeichnung "Südbaden" - Hauptstadt des Landes war Freiburg im Breisgau. Es umfasste eine Fläche von 9.646 km² und hatte etwa 1,3 Millionen Einwohner. Baden war zunächst Teil der Französischen Besatzungszone, bevor es 1949 ein eigenständiges Bundesland der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland wurde. Staatspräsident des Landes war Leo Wohleb (1947-1952). Im Jahre 1952 wurde es Teil des Südweststaates Baden-Württemberg. 

Württemberg-Baden entstand am 19. September 1945 als Teil der US-amerikanischen Besatzungszone und setzte sich aus den nördlichen Teilen der ehemaligen Länder Baden und Württemberg zusammen. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurde ein eigenständiges Bundesland. Hauptstadt Württemberg-Badens war Stuttgart. Es hatte mehr als 3,5 Millionen Einwohner und umfasste eine Fläche von 15.700 km². Ministerpräsident des Landes war Reinhold Maier (1945-1952). Im Jahre 1952 wurde es Teil des neuen Südweststaates Baden-Württemberg.

Das Bundesland Württemberg-Hohenzollern entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Französischen Besatzungszone und setzte sich aus dem ehemaligen Freien Volksstaats Württemberg sowie den zu Preußen gehörenden Hohenzollernschen Landen zusammen. Die Landeshauptstadt war Tübingen, der Landtag hatte seinen Sitz im ehemaligen Kloster Babenhausen. Das Bundesland hatte etwa eine Million Einwohner und umfasste eine Fläche von 10.406 km². Die früheren Grenzen des Landes sind seit einer Kreisreform von 1973 nicht mehr erkennbar. Am 25. April 1952 ging es im heutigen Baden-Württemberg auf.

Das geteilte Berlin

Der Westteil Groß-Berlins wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von den drei westlichen Besatzungsmächten Großbritannien, Frankreich und USA verwaltet. Mit der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 und der Verfassung von Berlin 1950 erhielt West-Berlin des Status eines Bundeslandes. Das Viermächteabkommen für Berlin von 1971 stellte jedoch fest, dass es kein "kontitutiver" Bestandteil der Bundesrepublik war. Während der Teilung war West-Berlin eines der "Auswanderungsziele" der westdeutschen Jugend und ein Ziel der Wehrdienstflüchtlinge. Das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt konzentrierte sich um den Kurfürstendamm

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete der Ostteil Groß-Berlins den sowjetischen Sektor. Er war zunächst Verwaltungszentrum der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). 1949 wurde Ost-Berlin faktisch zur Hauptstadt der DDR. Völkerrechtlich blieb es jedoch Teil der Viersektorenstadt und damit unter alliierter Verwaltung. Nach dem Viermächteabkommen für Berlin wurde der Ostteil Berlins - abgesehen von einigen alliierten Vorbehaltsrechten - de facto vollständig in die DDR integriert. Das Zentrum der Stadt bildete der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm als markantes Wahrzeichen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde Ost-Berlin ein Teil des Bundeslandes Berlin.

Die Oder-Neiße-Linie

Seit 1945 bilden die Flüsse Oder und Neiße die gemeinsame Staatsgrenze von Deutschland und Polen. Am 2. August 1945 verständigten sich die alliierten Siegermächte im Rahmen des Potsdamer Abkommens auf den Grenzverlauf mit der damaligen Volksrepublik Polen. Dadurch wurde faktisch ein Viertel des deutschen Staatsgebietes in den Grenzen von 1937 unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt.

Die DDR erkannte bereits mit dem Görlitzer Abkommen vom 6. Juli 1950 die Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnischen Grenzverlauf an. Die BR Deutschland erkannte die Oder-Neiße-Linie erst mit dem Warschauer Vertrag vom 7. Dezember 1970 an - allerdings vorbehaltlich einer Änderung im Rahmen einer Friedensregelung. 

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 wurde die Oder-Neiße-Grenze im Zwei-plus-Vier-Vertrag sowie im deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 endgültig als rechtmäßige Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen anerkannt. Zudem gab Deutschland alle Ansprüche auf die ehemaligen Ostgebiete endgültig auf.

Monumentale Denkmäler des Deutschen Kaiserreichs

Bereits vor der Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 suchten national gesinnte Kreise nach Orten und Figuren, um sich selbst des noch zersplitterten Vaterlandes zu gewissern. Der deutsche Sieg im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) und die deutsche Reichsgründung am 18. Januar 1871 mit dem folgenden wirtschaftlichen Aufschwung förderten das Bedürfnis nach nationalistischem Pomp und Gloria weiter. Die wichtigsten deutschen Monumentaldenkmäler aus dieser Epoche im Überblick:

Das Deutsche Eck in Koblenz ist eine künstlich aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein. Die im Jahre 1897 errichtete Reiterstatue sollte den ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. (1871-1888). Zwischen 1953 und 1990 diente der Sockel als Mahnmal der Deutschen Einheit. Im Jahre 1993 wurde wieder eine Nachbildung der Skulpturengruppe nach kontroversen Diskussionen auf dem Sockel angebracht. Heute ist das Deutsche Eck das Wahrzeichen der Stadt Koblenz und ein bedeutender Anziehungspunkt für Touristen. Seit 2002 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal.

Helgoland - Deutschlands einzige Hochseeinsel

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland liegt rund 70 Kilometer vom Festland entfernt in der Deutschen Bucht und gehört zum Bundesland Schleswig-Holstein. Die Hauptinsel aus Sandstein ist etwa einen Quadratkilometer groß und ragt bis zu 61 Meter aus dem Meer. Daneben liegt eine etwa 700.000 m² große Düne mit Badestränden, die im Jahre 1720 bei einer Sturmflut abgetrennt wurde.

Wegen ihrer Lage und Natur ist die Insel in der Nordsee ein beliebtes Ausflugsziel: allein im Jahre 2012 kamen rund 310.000 Tagesgäste auf die Insel - etwa 60.000 Urlauber blieben mindestens eine Nacht. Zu den tierischen Attraktionen zählen Seehunde und KegelrobbenTrottellummen sowie zahlreiche Zugvögel. Für die etwa 1.370 Einwohner ist der Tourismus daher die wichtigste Einnahmequelle.

Helgoland blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück: Im 7. Jahrhundert wurde die Insel von den Friesen besiedelt. Im Jahre 1402 fiel Helgoland an das Herzogtum Schleswig - später an Dänemark und Großbritannien. Mit dem Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 fiel die Insel an das Deutsche Reich. Am 18. April 1945 wurde Helgoland das Ziel eines britischen Luftangriffs, bei dem fast alle überirdischen Bauten zerstört wurden - zwei Jahre später wurden auch die unterirdischen Militäranlagen gesprengt.

In der Folgezeit blieb die Insel zunächst ein britisches Sperrgebiet und diente der Royal Air Force als militärisches Übungsgebiet. Erst am 1. März 1952 wurde Helgoland wieder an die Bundesrepublik zurückgegeben - mit dem Wiederaufbau entwickelten sich der Fremdenverkehr und der Kurbetrieb zu wichtigen Wirtschaftszweigen. Heute ist die Insel zwar ein Teil des deutschen Wirtschaftsgebiets, gehört aber weder zum Zollgebiet der Europäischen Union noch zum deutschen Steuergebiet.

Tor zur Welt: Der Hamburger Hafen

Der Hafen von Hamburg ist der offene Tidehafen der Freien und Hansestadt. Mit einer Fläche von 7.236 Hektar ist er der größte Seehafen Deutschlands. Europaweit steht er nach Rotterdam und an dritter Stelle. Als Universalhafen kann hier nahezu jede Form von Waren umgeschlagen werden. Diverse Schifffahrtslinien verbinden ihn zudem mit etwa 900 Häfen in etwa 170 Ländern. Im Jahre 2016 wurden 138,2 Millionen Tonnen an Waren umgeschlagen. 

Das restliche Drittel entfällt auf Massengüter wie Kohle, Erz, Mineralöl oder Getreideprodukte. Neben dem Warenumschlag erfolgt im Hamburger Hafen die gewerbliche Verarbeitung, Lagerung und Veredelung von zumeist importierten Gütern. Er dient als Standort für die Mineralindustrie und gilt zunehmend als Anlauf für Kreuzfahrtschiffe. Der Schiffbau auf den Hamburger Werften ist seit den 1960er-Jahren jedoch stark rückläufig.

Die Ursprünge des Hamburger Hafens reichen bereits bis ins 9. Jahrhundert zurück. Als offizielles Gründungsdatum gilt hingegen der 7. Mai 1189 als Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) den Hamburgern in einem Freibrief die Zollfreiheit für Hamburger Schiffe bis zur Elbmündung an der Nordsee gewährte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Hafen mit zahlreichen Hafenbecken und Kaianlagen bis zu seiner heutigen Größe erweitert. Verwaltet wird er von der Hamburg Port Authority.

Der Hafen bietet 320 Liegeplätze für Seeschiffe an 35 Kilometer Kaimauer. Davon sind 38 Großschiffsliegeplätze für Container- und Massengutschiffe, 97 Liegeplätze an Dalben und 60 Landeanleger einschließlich der Fähranleger der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG. Durch die Landflächen führen 137 Kilometer öffentliche Straßen, 156 Kilometer Uferstrecken und 314 Kilometer Hafenbahngleise. Es gibt drei Straßen- und Fußgängertunnel und 147 Brücken, davon 53 feste Eisenbahnbrücken, 52 feste Straßenbrücken, fünf Fußgängerbrücken, neun sonstige und elf bewegliche Brücken.

Im Jahre 2003 wurden zudem die Bauarbeiten für die HafenCity aufgenommen. Der Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte umfasst eine Gesamtfläche von rund 2,2 km² und gehörte ehemals zum Freihafen. Auf einer Fläche von 155 Hektar sollen hier bis Mitte der 2020er-Jahre Wohneinheiten für bis zu 12.000 Personen und Arbeitsplätze für bis zu 40.000 Personen - vornehmlich im Bürosektor - entstehen. Es ist das flächengrößte laufende Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs.

Der Nord-Ostsee-Kanal - ehemals kaiserliche Wasserstraße

Der Nord-Ostsee-Kanal gehört zu den meistbefahrenen Wasserstraße der Welt und verbindet die Nordsee von der Elbmündung in Brunsbüttel mit der Ostsee in Kiel. Die Bundeswasserstraße ist rund 99 Kilometer lang, meist 162 Meter breit und rund elf Meter tief. Eröffnet wurde der Kanal nach achtjähriger Bauzeit im Jahre 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal für die deutsche Kriegsflotte. Seine militärische Bedeutung hat der Kanal mittlerweile verloren.

Vielmehr vereinfacht er den Warenverkehr zwischen den Anrainerstaaten der Ostsee und dem Rest der Welt. Die Schiffe sparen durch den Kanal rund 250 Seemeilen; ohne Kanal müssten sie über die Skagerrak-Meerenge zwischen der Südküste Norwegens und der dänischen Halbinsel Jütland fahren. Allein im Jahre 2018 passierten 30.009 Schiffe den Kanal - ohne Sport- und sonstige Schiffe. Weitere wichtige Wasserstraßen sind der Mittellandkanal, der Sueskanal oder der Panamakanal.

Frankfurt am Main: Von der freien Reichsstadt zum Messe- und Finanzzentrum

Eine Freie Reichsstadt bezeichnete im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation jene Stadtgemeinden, die direkt dem Kaiser und keinem Reichsfürsten unterstanden. Basierend auf dem Status der Reichsunmittelbarkeit genoßen diese Städte eine innere Autonomie. Zudem besaßen eine eigene Gerichtsbarkeit, zu der auch die Blutgerichtsbarkeit gehörte. Die Reichsstädte entstanden aus Stadtgründungen, die von den Staufern im 12. und 13. Jahrundert vorgenommen wurden oder schon zuvor im Besitz der Könige und Kaiser waren. Nach dem Interregnum im Jahre 1273 erhielten die freien Reichsstädte einen neuen verfassungsmäßigen Status und damit auch Sitz und Stimme im Reichstag. Nach 1489 waren sie zudem im Reichsstädtekollegium zusammengeschlossen.

Frankfurt am Main wurde im Jahre 1245 zur unmittelbaren Reichsstadt erhoben, was ihren herausgehobenen Charakter nochmals unterstrich. Bereits zu Zeiten des Ostfränkischen Reiches wurde es "Principalis sedes regni orientalis" genannt; es war wiederholt Aufenthaltsort der Kaiser und Könige, die hier mehrfach Reichstage und Kirchenversammlungen abhielten. Die Goldene Bulle bestätigte Frankfurt zudem als ständige Wahlstadt der römisch-deutschen Könige; zwischen 1562 und 1792 wurden hier zudem die Krönungen vorgenommen. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 fiel Frankfurt zwar zunächst unter fremde Herrschaft; der Wiener Kongress beschloss am 8. Juni 1815 jedoch die Wiederherstellung der Freien Stadt Frankfurt innerhalb des Deutschen Bundes. Erst am 2. Oktober 1866 wurde es von Preußen annektiert und dem Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau unterstellt.

Wirtschaftlich und finanziell legte Frankfurt während dieser Zeit den Grundstein für seinen heutigen Ruf als Finanz- und Messestadt. Bereits am 11. Juli 1240 gewährte Kaiser Friedrich II. (1211/12-1250) das Messeprivileg: Demnach durfte jeder Bürger und Fremde frei seine Waren anbieten; die Messebesucher genoßen Geleit- und Gerichtsschutz. Dieses Privileg galt zunächst für die Frankfurter Herbstmesse; am 25. April 1330 gewährte Kaiser Ludwig IV. (1314-1347) der Stadt eine Frühjahrsmesse, auf der hauptsächlich Wintererzeugnisse wie Wolle oder Wein angeboten wurden. Im Jahre 1485 entstand auch die Frankfurter Buchmesse. Sie trug dazu bei, dass Frankfurt schon bald den Ruf eines Zentrums des deutschen und europäischen Buchdrucks inne hatte.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden seit 1950 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und seit 1956 der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Der Friedenspreis gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Mit ihm wird eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die auf dem Gebiet der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Der Preis wird vom Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Überreicht wird er am Ende der Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Albert SchweitzerCarl-Friedrich von WeizäckerHermann HesseMax FrischAstrid LindgrenYehudi MenuhinVáclav Havel oder Jürgen Habermas.

Seit 2005 wird zu Beginn der Buchmesse zudem der Deutsche Buchpreis (dpb) vergeben, der ebenfalls vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen wird. Mit ihm soll der "beste Roman in deutscher Sprache" gekürt werden. Die Titel dürfen von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht werden. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für eine Longlist aus - später wird die Auswahl auf eine Shortlist verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Buchmesse bekannt gegeben. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, die Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Buchpreis hat zudem eine hohe Publikumsresonanz - so schaffen es die Sieger in der Regel in die Bestsellerlisten.

Der Jugendliteraturpreis wird vom Bundesfamilienministerium für herausragende, anspruchsvolle Werke der internationalen Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Er wird in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch vergeben und jeweils mit 8.000 Euro dotiert. Hinzu kommt ein mit 10.000 Euro dotierter Sonderpreis.

Von 1951 bis 2020 war auch die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) auf dem Frankfurter Messegelände beheimatet. Sie gilt als weltweite Leitmesse der Automobilindustrie und wird vom Verband der Automobilindustrie (VDA) durchgeführt. So gilt die IAA nach Angaben des VDA als internationale Bühne für die gesamte Wertschöpfungskette des Automobils inklusive Fachmedien, Werkstattausrüstung, Ingenieursdienstleistern, Tuning und Telematiklösungen. Die Premiere der IAA liegt bereits über 110 Jahre zurück: erstmals wurden 1897 im Berliner Hotel Bristol acht Motorwagen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Darüber hinaus etablierte sich die Frankfurter Messe auch als Knotenpunkt für die Fernhandelsbeziehungen zu allen bedeutenden Handelszentren Europas. Durch den Handel kursierten somit viele unterschiedliche Währungen , für die es jedoch keine Wechselkurse gab. Am 9. September 1585 einigten sich die Frankfurter Messekaufleute erstmals auf Wechselkurse für die unterschiedlichen Währungen sowie auf Regeln für deren Handel - womit die Frankfurter Börse gegründet war. Mit der Ausweitung der Handelsgeschäfte ging somit auch die Entwicklung von Geld- und Kreditgeschäften einher.

Heute zählt die Frankfurter Wertpapierbörse zu den größten Börsen der Welt. Der Deutsche Aktienindex (DAX) gilt als wichtigster deutscher Aktienindex, der die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten an der Börse gelisteten Unternehmen widerspiegelt. Als wichtiges Stimmungsindikator für den DAX gilt dabei der Volatilitätsindex VDax: als Barometer der Anleger gibt er die Intensität der zu erwartenden Schwankungen der Aktienkurse an. Ist die Schwankungsbreite besonders groß, sprechen die Fachleute auf dem Börsenparkett daher auch von hoher Volatilität.

Weitere wichtige Aktienindizes sind der MDAX mit 50 mittelständischen Unternehmen aus den vorwiegend klassischen Branchen, der SDAX mit 50 kleineren Unternehmen, der TecDAX mit 30 der 35 wichtigsten Technologiewerte sowie der ÖkoDAX mit zehn Werten ausschließlich aus den Erneuerbaren Energien. Zudem erfasst der CDAX die Aktien aller Unternehmen, die derzeit an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert sind.

Daneben betreibt die Deutsche Börse AG auch den weltweit größten Marktplatz für Derivate - die Eurex. Im Februar 2011 wurden konkrete Verhandlungen über eine Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext bestätigt. Im Falle eine erfolgreichen Fusion wäre mit der neuen Megabörse die weltweite Nummer eins der Handelsplatz-Betreiber entstanden. Der Global Player hätte demnach etliche Handelsplätze auf zwei Kontinenten gesteuert: neben dem Stammgeschäft der NYSE an der Wall Street würden zudem auch die Handelsplätze in AmsterdamParis, Brüssel und Lissabon sowie die Londoner Terminbörse Liffe dazugehören. Am 1. Februar 2012 untersagte die EU-Kommission jedoch die geplante Börsenfusion.

Zudem gilt Frankfurt als führender Finanzplatz in Deutschland und als eines der wichtigsten Finanzzentren weltweit. Allein im Jahr 2010 waren etwa 73.200 Menschen bei Frankfurter Kreditinstituten beschäftigt. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch Deutsche Bundesbank haben ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main. Derzeit haben 219 Banken - 63 Inlands- und 156 Auslandsbanken - sowie 41 Repräsentanzen ausländischer Banken ihren Sitz in der Mainmetropole.

Frankfurt am Main gilt zudemals eine der wenigen europäischen Städte mit einer sehr ausgeprägten Skyline. In Anspielung an den New Yorker Stadtteil Manhatten wird die Mainmetropole daher nicht umsonst auch als "Mainhattan" bezeichnet. Die ersten Hochhäuser entstanden bereits in den 1950er-Jahren; die ersten Wolkenkratzer mit einer Höhe von mindestens 150 Metern entstanden seit Mitte der 1970er-Jahren. 

Die meisten Frankfurter Hochhäuser stehen heute vor allem im Bankenviertel. Seit 1996 findet zudem in unregelmäßigen Abständen das Wolkenkratzer-Festival statt, bei dem 15 Wolkenkrater und Hochhäuser in der Mainmetropole der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Begleitet wird Festival zudem von zahlreichen Shows wie Base Jumping, Fallschirmspringen, Konzerte, Feuerwerke und Lasershows.

Flughafen Frankfurt: Internationales Drehkreuz für den Flugverkehr

Der Verkehrsflughafen Frankfurt am Main ist der mit Abstand größte deutsche Flughafen und zugleich eines der weltweit bedeutendsten Luftfahrt-Drehkreuze. Allein im Jahr 2018 nutzten etwa 69,5 Millionen Passagiere den Flughafen. Auch bei der Luftfracht ist der Frankfurter Flughafen das wichtigste Drehkreuz in Deutschland. Mit großem Abstand folgen die Flughäfen Köln/Bonn und Leipzig/Halle.Mit 211 Einwohnern ist der Flughafen ein eigenständiger Stadtteil FrankfurtsDennoch verfügt der Frankfurter Flughafen über eine eigene Infrastruktur. 

Dazu zählen ein Krankenhaus, Gotteshäuser aller Weltreligionen, mehrere Restaurants und Hotels sowie eine vollautomatische Hochbahn. Mit etwa 70.000 Arbeitsplätzen ist der Rhein-Main-Flughafen der größte Arbeitgeber Deutschlands. Seinen Ursprung hat er im 1912 eröffneten "Luftschiffhafen am Rebstock". Betreibergesellschaft des Flughafens ist die im Jahre 1947 gegründete Fraport AG. Sie beschäftigt derzeit rund 20.600 Menschen und gehört mehrheitlich dem Land Hessen mit 31,5 Prozent und der Stadt Frankfurt mit 20,1 Prozent.

Allein im Jahre 2018 verbuchte die Fraport einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro mit einem Reingewinn von 505,7 Millionen Euro. Mit dem eigentlichen Luftverkehrsgeschäft wirft für sie hingegen kaum noch einen Gewinn ab. Die wirklichen Gewinnbringer für die Betreibergesellschaft sind die internationalen Beteiligungen und Dienstleistungen sowie die Vermietung der Park- und Einzelhandelsflächen oder die Vermarktung von Immobilien.

Zu den Hotspots des internationalen Luftfrachtverkehrs gehört auch die 1996 eröffnete Cargo-City Süd. Während Lufthansa Cargo im Norden ihr Geschäft abwickelt, sind auf der ehemaligen US-Airbase mehr 200 Speditionen, Airlines und andere Dienstleister auf einer Fläche von 98 Hektar angesiedelt. Einige Firmen haben per Erbrecht ihre Gebäude auf dem Flughafengelände errichtet und zahlen Pacht für ihre Grundstücke an die Fraport. Derzeit arbeiten rund 10.000 Menschen in den Frachtbereichen des Frankfurter Flughafens.

Mit dem Fernbahnhof wurde 1999 der größte Flughafenbahnhof Deutschlands eröffnet. Er wird täglich von mehr als 23.000 Reisenden genutzt; zudem halten hier täglich 210 Fernzüge, davon 185 ICEs. Neben dem Bahnhof Limburg Süd ist er außerdem der einzige reine Fernbahnhof der Deutschen Bahn AG. Seit 2002 ist er auch Teil der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main. Er ergänzt den heutigen Regionalbahnhof, der bereits am 14. März 1972 als nach zweiter Flughafenbahnhof nach Berlin-Schönefeld eröffnet wurde. Zwischen 1982 und 1993 wurde zudem vom Lufthansa-Airport-Express angefahren - er diente als Ersatz für Kurzstreckenflüge auf den Verbindungen von Düsseldorf und Stuttgart zum Flughafen.

Neben dem Frankfurter Flughafen diente der Flughafen Frankfurt-Hahn als weiteres Luftfahrtkreuz, um diesen dauerhaft zu entlasten. Die französische Besatzungsmacht baute ihn nach 1951 zunächst als Militärflugplatz im Hunsrück aus. Nach 1993 wirf der Flughafen im Rahmen der Konversion als ziviler Flughafen genutzt. Mittlerweile ist er der fünftgrößte Frachtflughafen Deutschlands. Im Passagierverkehr wird er vor allem von Billigfluggesellschaften genutzt. Für die irische Fluggesellschaft Rynair ist der Flughafen Frankfurt-Hahn sogar das wichtigste europäische Drehkreiuz nach London-Standsted. Sie ist zudem die größte Passagierfluggesellschaft am Flughafen. Betreibergesellschaft ist die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG). Im Jahr 2009 übernahm das Land Rheinland-Pfalz den Anteil der Fraport.

In Frankfurt am Main hat neben Condor und SunExpress Deutschland die Lufthansa ihre Heimatbasis. Sie wurde 1926 gegründet und zählt heute zu den größten Fluggesellschaften der Welt. Mit 687 Maschinen (einschließlich Tochtergesellschaften) fliegt sie derzeit 320 nationale und internationale Ziele an. Die Deutsche Lufthansa AG ist Initiatorin und Gründungsmitglied der Star Alliance - mit derzeit 28 Fluggesellschaften, 4.657 Maschinen und 641,10 Millionen Passagieren die größte Luftfahrtallianz der Welt. Zu den zahlreichen Tochtergesellschaften und Subunternehmen gehören unter anderem die Swiss - die Nachfolgegesellschaft der Swissair - und die Austrian Airlines. Seit 1993 betreibt die Lufthansa das Vielfliegerprogramm Miles & More.

Zu den Tochtergesellschaften der Lufthansa gehört auch die Lufthansa CityLine. Sie führt in deren Auftrag unter dem Namen Lufthansa Regional die innerdeutschen und europäischen Ziele durch. Die größte deutsche Frachtfluggesellschaft ist die Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo mit einem Streckennetz von etwa 300 Zielen auf fünf Kontinenten. Sie beschäftigt derzeit rund 4.570 Mitarbeiter und leistet einen großen Teil ihres Frachtgeschäfts über den Rhein-Main-Flughafen ab.

Nationales Wahrzeichen: Das Brandenburger Tor in Berlin

Das Brandenburger Tor in der Bundeshauptstadt Berlin zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands. Zudem ist es eines der wichtigsten nationalen Symbolen des Landes. Erbaut wurde das Tor zwischen 1788 und 1791 auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) vom Architekten Carl Gotthard Langhans (1732-1808) erbaut. Mit ihm sind viele Ereignisse in der Geschichte Berlins sowie in der deutschen und europäischen Geschichte.Hier tobten die Kämpfe der Märzrevolution 1848. Die Nationalsozialisten nutzten das Tor zur Inszenierung ihrer Fackelaufmärsche. 

Während der Teilung Berlins zwischen 1961 und 1989 stand das Tor isoliert auf der Ost-Seite der Stadt. Somit wurde es zu einem Symbol des Kalten Krieges sowie nach 1990 für die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas.

Mythos Adlon: Berlin erste Adresse für Politik und Prominenz

Das Hotel Adlon gehört heute zu den bekanntesten und luxuriösesten Hotels in Deutschland. Den Grundstein für das Traditionshaus legte der Hotelier Lorenz Adlon bereits im Oktober 1907. Bereits in seinen frühen Jahren wurde es zum Anlaufpunkt für Familien des Hochadels sowie ranghohe Politiker und Industrielle. Monarchen wie Kaiser Wilhelm II. (1888-1918), der Zar von Russland oder der Mahardscha von Patalia gehörten ebenso zu seinen Gästen wie Henry FordJohn D. Rockefeller oder Gustav Stresemann. Während der "Goldenen Zwanziger" war das Adlon der Anlaufpunkt für zahlreiche internationale Gäste. 

Nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten nahm der Höhenflug des Hotels ein vorläufiges Ende. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1945 brannte das Hotel jedoch aus bislang ungeklärten Gründen nahezu völlig aus. Erst am 23. August 1997 wurde es in seiner heutigen Form wiedereröffnet und gehört nun zur Hotelkette Kempinski.

Symbol der deutschen Teilung - die Berliner Mauer

Über 28 Jahre lang war die Berliner Mauer das Symbol für die Teilung Deutschlands während des Kalten Krieges. Sie grenzte die Westsektoren Berlins vom Ostteil der Stadt sowie von der DDR ab. Die Mauer umfasste 155 Kilometer und war vier Meter hoch - allein 43 Kilometer davon trennte die beiden Teile Berlins. Die innerdeutsche Grenze selbst war rund 1.400 Kilometer lang. Die Mauer unterbrach zwölf S-Bahn- und U-Bahnlinien sowie 193 Straßen. Entlang des Grenzwalls gab es acht Grenzübergänge zwischen West- und Ost-Berlin sowie sechs weitere zwischen der DDR und West-Berlin.

Einer der wohl bekanntesten Grenzübergange war der Checkpoint Charlie zwischen dem Ost-Berliner Bezirk Mitte und dem West-Berliner Bezirk Kreuzberg. Von 302 Beobachtungstürmen aus kontrollierten 11.500 Soldaten der DDR-Grenztruppen die Grenzbefestigungen vor sogenannter "Republikflucht". Insgesamt 127 Kilometer Signalzäune und 105 Kilometer Gräben sollten einen Durchbruch mit Autos verhindern. Zudem gehörten 259 Laufanlagen für Wachhunde zur Grenzbefestigung.

Erbaut wurde die Mauer am 13. August 1961 unter dem Deckname "Rose". Als "antifaschistischer Schutzwall" deklariert sollte sie jedoch vor allem die Menschen an der Flucht aus der DDR hindern. Dennoch versuchten in den folgenden Jahren mehr als 100.000 Menschen über die innerdeutsche Grenze in den Westen zu fliehen. Dabei kamen über 600 von ihnen ums Leben - allein an der Berliner Mauer starben mindestens 136 Menschen. Andere Forschungen gehen sogar von bis zu 245 Toten aus. Während sich die Westmächte mit Protesten zurückhielten, fühlte sich die DDR-Führung hingegen als Sieger. Erst am 9. November 1989 fiel die Mauer mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze durch die DDR.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 wurden die tödlichen Schüsse infolge des sogenannten "Schießbefehls" an der Mauer in den Mauerschützen-Prozessen juristisch aufgearbeitet. Seit 1998 erinnert zudem die nationale Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße den Todesopfern an der Berliner Mauer. Sie umfasst neben einem Dokumentationszentrum auch die Kapelle der Versöhnung sowie ein 60 Meter langes Teilstück der früheren Grenzanlagen.

Heute sind in der Hauptstadt nur noch einige Überreste der einstigen Grenzbefestigung zu sehen: Neben der Gedenkstätte in der Bernauer Straße ist die East Side Gallery das wohl bekannteste Mauerstück. Mit 1,3 Kilometern ist sie heute das längste noch erhaltene Mauerstück. Im Frühjahr 1990 bemalten 118 Künstler aus 21 Ländern mit riesigen Wandbildern - was sie zur längsten dauerhaften Open-Air-Galerie der Welt machten.

Von Dachau bis Auschwitz: Die Konzentrationslager der Nationalsozialisten

Das ehemalige KZ Dachau liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von München. Es war das erste große und dauerhaft angelegte Konzentrationslager während der Diktatur des Nationalsozialismus. Bereits wenige Wochen nach der "Machtergreifung" Adolf Hitlers wurde das KZ am 22. März 1933 errichtet. Die ersten Gefangenen waren politische Gegner des NS-Regimes - später folgten Kriminelle, engagierte Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie vor allem Juden. Zwischen 1933 und 1945 waren im Dachauer KZ sowie seinen 140 Außenstellen mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert.

Als das Lager am 29. April 1945 von US-Truppen befreit wurde, waren noch mehr als 30.000 Häftlinge aus 31 Nationen in den Baracken eingepfercht. Nach der Befreiung des KZ Dachau inhaftierten die Alliierten bis 1948 im Internierungslager Dachau ehemalige Angehörige der SS und der Waffen-SS sowie frühere Funktionäre der NSDAP. Heute befindet sich auf dem Gelände die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurde 1941 im deutsch besetzten Polen errichtet und war das größte Vernichtungslager während der NS-Diktatur. Bis Anfang 1945 wurden über 1,1 Millionen Menschen im räumlich größten KZ des "Dritten Reichs". Die meisten Opfer waren Juden aus den besetzten Gebieten Europas. Zudem wurden rund 70.000 Polen, 21.000 Sinti und Roma sowie 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und Menschen aus zahlreichen anderen Nationen ermordet oder starben an Hunger und Folter. Die Rote Armee befreite am 27. Januar 1945 rund 7.000 überlebende Gefangene.

In der Nachkriegsszeit wurde Auschwitz-Birkenau zum Symbol für den Holocaust. Heute ist das KZ-Gelände ein Teil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau; seit 2007 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen zudem den 27. Januar - der Tag der Befreiung - zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Anne Frank und ihr Tagebuch

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den eindringlichsten Dokumenten jüdischer Schicksale im "Dritten Reich". Darin schildert die Tochter eines jüdischen Bankiers das Leben, die Ängste und Hoffnungen in einem Hinterhaus in Amsterdam, wo sich ihre Familie und einige Freunde von 1942 bis 1944 vor dem Terror der Nationalsozialisten versteckten. Heute gehört das Tagebuch in Form von Briefen an Annes fiktive Freundin Kitty zu den bekanntesten und weltweit am meisten gelesenen Bücher. Zudem wurde es in Sprachen verlegt, verfilmt und für die Bühne aufbereitet. Seit 2009 gehört das Tagebuch zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. 1933 emigrierte ihre Familie in die Niederlande. 1942 musste sie wie tausende andere jüdische Menschen untertauchen, um der Deportation in die Konzentrationslager zu entgehen. Im August 1944 flog das Versteck der Familie Frank in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht durch Verrat auf. Das Mädchen wurde zunächst ins KZ Auschwitz-Birkenau, dann ins Lager Bergen-Belsen deportiert. Dort starb sie schließlich im Frühjahr 1945 an Typhus. Ihr Vater Otto Heinrich Frank überlebte den Holocaust und veröffentlichte 1947 das Tagebuch seiner Tochter.

München: Von der Residenzstadt zur Weltstadt

Über Jahrhunderte hinweg diente München als Residenzstadt für die bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige sowie für die Erzbischöfe von München und Freising. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Isarmetropole war die Erhebung des Kurfürstentums Bayern zum Königreich. Anlass hierfür war die Bündnistreue Bayerns mit Napoleon Bonaparte während der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805, die mit einem französischen Sieg endete. Im Frieden von Pressburg wurde Bayern zum Königreich proklamiert - Herzog Maximilian IV. Joseph (1799-1805) nahm zudem zum 1. Januar 1806 den offiziellen Titel "König Maximilian I. von Bayern" (1806-1825) an. Gemeimsam mit seinem Minister Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1799-1817) gilt er als Reformer des bayerischen Staates: als erster deutscher Staat erhielt Bayern eine ständeunabhängige Volksvertretung. Gleichzeitig beseitigte die Verfassung alle Relikte der Leibeigenschaft.

Doch nicht nur politisch spielte München als bayerische Haupt- und Residenzstadt in der Folgezeit eine wichtige Rolle. So wuchs München während der Regierungszeit von Maximilian I. Joseph zu einer der größten Städte in Europa heran. Unter seinem Nachfolger Ludwig I. (1825-1848) entwickelte sich München zu einer weithin bekannten Kunststadt. Neben bekannten Bauwerken wie der Feldherrnhalle oder dem Königsplatz entstanden auch weltbekannte Museen wie die Alte und Neue Pinakothek. König Maximilian II. Joseph (1848-1864) festigte den Ruf Münchens als Universitätsstadt und gründete das Maximilianeum zur Hochbegabtenförderung. Auch der Baustil - der sogenannte "Maximilianstil" - war für München prägend, wie etwa bei der Maximilianstraße.

Unter Prinzregent Luitpold (1886-1912) erfuhr München zudem einen enormen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung: so erlebte Schwabing eine Blüte als Künstlerviertel; im Jahre 1903 wurde das Deutsche Museum eröffnet und 1907 mit dem Tierpark Hellabrunn der weltweit erste Geo-Zoo. Im gleichen Jahr wurde auch die Künstlervereinigung Der Blaue Reiter ins Leben gerufen. Nicht zu vergessen: im Jahre 1899 fand in München die erste Fahrprüfung der Welt mit Ausgabe von Führerscheinen und ersten Zulassungsnummern statt. Luitpold übernahm 1886 die Regierungsgeschäfte für den entmündigten König Ludwig II. (1864-1886), der volkstümlich auch als "Märchenkönig" bezeichnet wurde. Dieser hatte sich in der bayerischen Geschichte vor allem als leidenschaftlicher Schlossbauherr - unter anderem von Neuschwanstein - ein Denkmal gesetzt.

Mit König Ludwig III. (1912-1918) endete 1918 nicht nur die Monarchie und die damit verbundene Herrschaft der Wittelsbacher. Revolutionäre Wirren wie die Münchner Räterepublik und der zweifelhafte Titel als "Hauptstadt der Bewegung" für die Nationalsozialisten prägten die Isarmetropole in den folgenden Jahrzehnten. Erst als Hauptstadt des Freistaates Bayern entwickelte sich München zu einer modernen Großstadt und zu einem bedeutenden High-Tech-Standort. Nicht umsonst wurde die bayerische Landeshauptstadt den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts auch als "Deutschlands heimliche Hauptstadt" bezeichnet. So fehlt es der Isarmetropole an nichts, womit auch andere Großstädte aufwarten können - sie ist nur übersichtlicher und gemütlicher.

Größtes Volksfest der Welt - Das Oktoberfest

Bierdurst und Bierdunst sind alljährlich auch auf dem Oktoberfest zu finden. Früher waren diese Feste in Bayern keine Seltenheit, um das  neue Märzenbier vor der neuen Biersaison aufzubrauchen. Das erste große Münchner Oktoberfest hatte jedoch einen anderen Anlass, nämlich die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hilburghausen am 17. Oktober 1810. Aus diesem Grund veranstaltete der Bankier und Major Andreas Michael Dall'Armi fünf Tage zuvor - am 12. Oktober 1810 - auf einer Wiese vor den Stadtmauern von München ein großes Pferderennen. Seitdem heißt das Gelände auch Theresienwiese, woher auch die mundartliche Bezeichnung "Wiesn" für das Oktoberfest stammt.

Vier Jahre nach der Proklamation des Königreiches Bayern, dem nun auch große Teile Schwabens und Frankens angehörten, sollte mit dem Fest das Gemeinschaftsgefühl der Neubayern sowie die Ausrichtung auf die Residenzstadt München und die Wittelsbacher fördern. Bei der Ur-Wiesn 1810 gab es noch keine geschlossenen Zelte, sondern nur offene Buden aus Brettern. Die Maß braunes Kellerbier kostete drei Kreuzer und drei Pfennige - und Rauchen im Bierzelt war noch kein Thema. Nach Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten sollte das Fest nun jedes Jahr wiederholt werden. Das Königshaus übertrug dem "Landwirthschaftlichen Verein" die Aufgabe, ein "Nationalfest" zu organisieren.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich immer mehr zum Volksfest; zudem wurde es wegen des Altweibersommers auf den September vorverlegt, so dass nur das letzte Wochenende noch im Oktober liegt. Sogab es bereits 1818 das erste Karussell und zwei Schaukeln - zudem kamen Kegelbuden und verschiedene Spielangebote auf wie Sacklaufen oder Wagenradlaufen. Die ersten Bierburgen wurden 1896 von unternehmungslustigen Wirten aufgestellt. Die Pferderennen als ältester Bestandteil des Volksfest wurden jedoch 1938 aus organisatorischen Gründen eingestellt und erst zum 200-jährigen Jubiläum der Wiesn 2010 wiederbelebt.

Mittlerweile fanden 183 Oktoberfeste statt - rund zwei Dutzend mal musste das Volksfest aber wegen Seuchen, Kriegen und Inflation ausfallen. In den Jahren 1854 und 1873 wurde es wegen Cholera abgesagt. Auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren gab es keine Oktoberfeste - so feierte man während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 keine Wiesn. Nach dem Sturz der Monarchie und der Niederschlagung der Münchner Räterepublik fanden 1919 und 1920 nur zwei kleine Herbstfeste statt, die jedoch nicht als Oktoberfest zählen. In den Jahren 1923 und 1924 fiel die Wiesn wegen der Inflation aus. Auch während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) fiel das Oktoberfest aus. Nach 1946 entwickelte sich die Wiesn jedoch sehr rasch zum Publikumsmagneten - bereits 1950 kamen rund fünf bis sechs Millionen Besucher.

Heute zieht es jährlich fast sechs Millionen Besucher an. Dabei kommen die Gäste auch immer zahlreicher aus dem Ausland - insbesondere aus Italien, Japan, den USA und Australien. Für das Oktoberfest brauen die Münchner Brauereien zudem ein spezielles Bier ("Wiesn Märzen") mit mehr Stammwürze und mit höherem Alkoholgehalt. Jährliche Highlights des Oktoberfestes sind der Einzug der Wiesnwirte, um das Fest zu eröffnen, sowie der Trachten- und Schützenzug. Die teilnehmenden Vereine und Gruppen kommen größtenteils aus Bayern, aber auch aus anderen deutschen Bundesländern, Österreich, der Schweiz, Norditalien und aus anderen europäischen Ländern.

Mit bis zu 9.000 Teilnehmern und einer Länge von etwa sieben Kilometern gilt der Trachtenumzug zudem als einer der größten der Welt. So gab es bereits 1818 das erste Karussell und zwei Schaukeln - zudem kamen Kegelbuden und diverse Spielangebote wie Sacklaufen oder Wagenradlaufen auf. Seit 1896 stellten unternehmungslustige Wirte die ersten Bierburgen auf. Die Pferderennen als ältester Bestandteil des Volksfestes wurden 1938 schließlich aus organisatorischen Gründen eingestellt und erst zum 200-jährigen Jubiläum des Volksfestes 2010 wiederbelebt.

Das Oktoberfest ist heute als größtes Volksfest der Welt ein einziger Superlativ und bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • Jährlich kommen rund sechs Millionen Besucher auf die Wiesn. Der Rekord lag bei 7,1 Millionen im Jahr 1985. Mehr Gäste möchte die Stadt München jedoch nicht anlocken - da es sonst zu eng wird. Beim 186. Oktoberfest 2019 kamen etwa 6,3 Millionen Gäste aus aller Welt, darunter 550.000 Menschen auf die "Oide Wiesn". Dabei wurden 7,3 Millionen Maß Bier getrunken sowie 124 Ochsen und 29 Kälber verzehrt.
  • Das Wiesn-Gelände ersteckt sich auf einer Fläche von 34,5 Hektar. An besucherstarken Tagen drängen sich etwa 400.000 Menschen auf dem Areal. Für allzu menschliche Bedürfnisse bieten die Toiletten auf dem Areal rund 1.400 Sitzplätze, etwa 880 Meter Stehplätze und 31 behindertengerechte stille Örtchen.
  • Gigantisch sind auch die Bierzelte - das größte ist das Hofbräuzelt mit 10.000 Sitzplätzen inklusive Biergarten. Zudem ist der Trachten- und Schützenzug mit bis zu 9.000 Teilnehmern und sibene Kilometern einer der größten der Welt. Eröffnet wid das Oktoberfest durch den Fassanstich, der vom Münchner Oberbürgermeister durchgeführt wird. Die Bestmarke liegt bei zwei Schlägen - Rekordhalter ist das frühere Stadtoberhaupt Christian Ude (2005, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012 und 2013). Erstmals zum Schlegel griff der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer im Jahre 1950 - damals benötigte er noch 19 Schläge. Traditionell erhält der bayerische Ministerpräsident die erste Maß. Danach werden auch in den anderen Bierzelten die ersten Fässer angezapft und Bier an die Wiesnbesucher ausgeschenkt.
  • Auch für die Umwelt wird auf den Wiesn einiges getan: Demnach sind der Restmüll und Wasserverbrauch um ein Vielfaches gesunken. Dennoch liegt der Jahresverbrauch bei etwa drei Millionen Kilowattstunden. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 1.200 Haushalten. Der Restmüll liegt bei gut 900 Tonnen - die Speisereste und Knochen liegen bei etwa 410 Tonnen.
  • Allein 2019 wurden 3.778 Fundstücke gezählt - darunter 780 Ausweise, 690 Kleidungsstücke und 420 Smartphones und Handys. Aber auch kuriose Sachen wurden im Wiesn-Fundbüro abgegeben - etwa ein ein Gebiss, ein Ehering oder ein Küchensieb.

Trauriger Höhepunkt war jedoch das Oktoberfestattentat am 26. September 1980: Bei einem Terroranschlag mit rechtsextremen Hintergrund kamen 13 Menschen ums Leben - 211 Besucher wurden teils schwer verletzt. Der Anschlag gilt bis heute als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dennoch findet das Oktoberfest heute weltweit zahlreiche Kopien - derzeit werden mehr als 2.000 Nachahmer gezählt mit steigender Tendenz. Einer der größten Ableger ist das Oktoberfest in der brasilianischen Großstadt Blumenau. Auch aus JapanRusslandVietnamBahrain oder Hawaii und selbst in der Antarktis wurden schon Ableger des Bierfestes gemeldet.

Die Buchmessen in Deutschland

Die Wurzeln der Frankfurter Buchmesse reichen bis ins Jahr 1485 zurück - sie trug dazu bei, dass Frankfurt schon bald den Ruf eines Zentrums des deutschen und europäischen Buchdrucks inne hatte. Heute gilt die größte deutsche Buchmesse gleichzeitig als größte Medien- und Buchmesse der Welt. Allein 2015 verzeichnete sie etwa 275.791 Besucher. Zudem nahmen über 7.100 Anbieter aus etwa 100 Ländern teil. Die Buchmesse dient zudem als Fachmesse vor allem Verlegern, Agenten, Buchhändlern, Bibliothekaren, Wissenschaftlern, und anderen Anbietern als Plattform, um ihr Angebot vorzustellen und Geschäfte abzuschließen. Seit 1988 hat die Messe zudem ein Gastland oder eine Gastregion, die einen besonderen Schwerpunkt bilden und ein besonderes Rahmenprogramm veranstalten. Für 2020 ist Kanada mit als Ehrengast vorgesehen.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden seit 1950 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und seit 1956 der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Der Friedenspreis gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Mit ihm wird eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die auf dem Gebiet der LiteraturWissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Der Preis wird vom Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Überreicht wird er am Ende der Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Albert SchweitzerCarl-Friedrich von WeizäckerHermann HesseMax FrischAstrid LindgrenYehudi MenuhinVáclav Havel oder Jürgen Habermas.

Seit 2005 wird zu Beginn der Buchmesse zudem der Deutsche Buchpreis (dpb) vergeben, der ebenfalls vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen wird. Mit ihm soll der "beste Roman in deutscher Sprache" gekürt werden. Die Titel dürfen von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht werden. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für eine Longlist aus - später wird die Auswahl auf eine Shortlist verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Buchmesse bekannt gegeben. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, die Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Buchpreis hat zudem eine hohe Publikumsresonanz - so schaffen es die Sieger in der Regel in die Bestsellerlisten.

Der Jugendliteraturpreis wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) für herausragende, anspruchsvolle Werke der internationalen Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Er wird in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch vergeben und jeweils mit 8.000 Euro dotiert. Hinzu kommt ein mit 10.000 Euro dotierter Sonderpreis.

Die Leipziger Buchmesse blickt mittlerweile auf eine lange Tradition zurück. Ihre Geschichte reicht bereits bis ins 17. Jahrhundert zurück und war zeitweise der größte Branchentreff im deutschsprachigen Raum. Heute gilt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands im Frühjahr mit der Präsentation der Neuerscheinungen als wichtiger Impulsgeber für den Büchermarkt. Sie ist zudem in erster Linie auch eine Publikumsmesse, bei der "die Begegnung zwischen Autor und Besucher in den Vordergrund" gestellt wird. Die Atmosphäre gilt daher als familiär und entspannt.

In die Buchmesse mit eingebunden ist seit 1991 auch das Lesefestival "Leipzig liest" - mit etwa 2.600 Veranstaltungen an über 350 Orten gilt es als größtes Festival seiner Art in Europa. Zudem wird seit 2005 auch der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Dieser Preis soll jedoch nicht bereits erfolgreiche Bücher ehren, sondern vielmehr Neuerscheinungen in den Vordergrund stellen. Verliehen wird der Preis jeweils am ersten Messetag mit Unterstützung der Stadt Leipzig und des Freistaates Sachsen und in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin. Der Preis ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert; der Jury gehören sieben Literaturkritiker und -fachleute an. 

Die Bundesgartenschau (BGA)

Die Bundesgartenschau (BUGA) wird seit 1951 alle zwei Jahren in Deutschland veranstaltet. Im Rhythmus von jeweils zehn Jahren wird die BUGA durch eine Internationale Gartenschau (IGS) ersetzt. Nach Angaben der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG) in Bonn verzeichneten die Blumenfeste mehr als 140 Millionen Besucher. Zudem ist die Vorbereitung im Laufe der Jahre immer stärker zur Landschafts- und Stadtentwicklung genutzt worden. Wer eine BUGA ausrichten darf, wird von der DBG entschieden, wobei die öffentlichen Kassen an der Finanzerung beteiligt werden. Zudem ist die Vorbereitung der Ausstellungen immer stärker zur Landschafts- und Stadtentwicklung genutzt worden.

Die letzte Bundesgartenschau fand 2017 in Berlin statt und verbuchte etwa 1,8 Millionen Besucher. Die nächste Bundesgartenschau soll vom 17. April bis zum 6. Oktober 2019 in Heilbronn stattfinden. Insgesamt wurden die nationalen Blumenschauen in über 20 Städten ausgerichtet - allein Hamburg und Stuttgart waren die Gastgeber für jeweils drei BUGAs. Lediglich in BremenSchleswig-HolsteinSachsen und im Saarland gab es bislang keine Bundesgartenschauen.

documenta

Die documenta gehört zu den weltweit bedeutendsten Kunstaustellung und ist die wichtigste Reihe für zeitgenössische Kunst. Sie findet im Abstand von fünf - ursprünglich vier - Jahren in Kassel statt und dauert 100 Tage. Das "Museum der 100 Tage" fasst nicht nur aktuelle Tendenzen der modernen Kunst zusammen - sie ist gleichzeitig auch der Ort für neue Ausstellungskonzepte. Begründet wurde die Kunstausstellung im Jahr 1955 vom Maler und Kunstprofessor Arnold Bode und war ursprünglich als Beiprogramm zur Bundesgartenschau gedacht. Während der ersten documenta wollte Bode die von den Nationalsozialisten "Entartete Kunst" zeigen. Wegen ihres großen Erfolges wurde die documenta jedoch in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig wiederholt. Zählte die erste Ausstellung noch etwa 130.000 Zuschauer, stieg die Besucherzahl kontinuierlich auf mehr als 860.000 im Jahr 2012.

Eurovision Song Contest (ESC)

Der Eurovision Song Contest (ESC) wird seit 1956 jedes Jahr von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) veranstaltet. Der EBU gehören neben den europäischen Fernseh- und Radiostationen auch einige afrikanische und asiatische Sender an. Jedes teilnehmende Land ist mit einem Lied im Wettbewerb vertreten - gemäß der Regel trägt immer der Vorjahressieger den jeweils aktuellen Contest aus. Seit 2004 gibt es zudem ein Halbfinale, um die Teilnehmerrzahl von mehreren Dutzend zu reduzieren. Erfolgreichstes Land mit dem ESC-Rekord von sieben Siegen ist Irland (1970198019871992199319941996). 

Deutschland gewann den Wettbewerb 1982 und 2010. 26 der bislang 52 teilnehmenden Nationen haben den Wettbewerb bislang noch nicht gewonnen. Lediglich Liechtenstein und der Vatikan haben bislang noch nie am früheren Grand Prix Eurovision de la Chanson teilgenommen. Einziger arabischer Teilnehmer war Marokko im Jahr 1980. Die anderen arabischen Mitglieder der EU Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien und Libanon haen islang noch nie am Wettbewerb teilgenommen. Erster überseeischer Teilnehmer war Australien (20152016).

Glanz und Glamour auf der Berlinale

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin - kurz Berlinale - gehören mit den Festivals in Cannes und Venedig zu den bedeutendsten der Welt. Das Festival wurde erstmals im Jahre 1971 mit US-amerikanischer Unterstützung im Berliner Titania-Palast veranstaltet. Mit dem Festival wollten die drei West-Alliierten die einstige Bedeutung Berlins als Filmstadt wiederbeleben. Zu den Gästen der ersten Jahre gehörten bekannte Schaupieler wie Sophia LorenGary CooperJean-Paul BemondoCary GrantRita Hayworth oder Errol Flynn.

Das Festival verstand sich als kulturelles Aushängeschild des Westens im eingeschlossenen Berlin. Während des Kalten Krieges wurde es dann zu einer wichtigen Begegnungsstätte von Filmemachern aus Ost und West. Im Gegensatz zum Glamour der Festivals in Frankreich und Italien sollte die Berlinale angesichts der Ost-West-Beziehungen vor allem eon Forum des politisch engagierten Films sein. Mit der Liberalisierung des Ostblocks konnten in den 1980er-Jahren auch lange unterdrückte Filme auf dem Filfestival gezeigt werden. Die erfolgreichsten Filme werden mit dem Goldenen und dem Silbernen Bär ausgezeichnet. Die Trophäen wurden von der Berliner Künstlerin Renée Sintenis (1888-1965) erschaffen; seit 1951 werden sie vom Traditionsunternehmen Hermann Noak gefertigt.

Die Internationale Filmfestspiele von Venedig gelten als ältestes Filmfestival der Welt, das immer noch an einem Ursprungsort stattfindet. Es wurde 1932 gegründet und zählt zu den sogenannten A-Festivals sowie neben der Berlinale und Cannes zu den drei wichtigsten Filmfestspielen der Welt. Das Festival ging vermutlich auf eine kommerzielle Idee des italienischen Grafen Guiseppe Volpi, dem Besitzer des Hotels "Excelsior" auf dem Lido. Mit dem Filmfestival suchte er nach einer Möglichkeit, die sommerliche Touristensaison zu verlängern. Heute ist das Festival ein Teil der Biennale - einer internationalen Kunstausstellung, die auch Veranstaltungen rund um Musik, Theater oder Architektur organisiert.

Das Internationale Filmfestival von Locarno gehört als A-Festival zu den wichtigsten Filmfestivals in Europa. Seit August 1946 pilgern alljährlich im August mehrere Tausend Zuschauer in die Stadt am Lago Maggiore in der italienischen Schweiz. Ursprünglich war das Filmfest als Anreiz für den Tourismus gedacht - heute setzt das Publikumsfestival vor allem auf den finnischen Nachwuchs. Seit 1968 wird als Hauptpreis der "Goldene Leopard" ("Pardo d'oro") verliehen. Das Preisgeld über 90.000 Schweizer Franken (etwa 75.000 Euro) geht dabei zu gleichen Teilen den Regiseur und den Produzenten des Siegerfilms. Einige bedeutende Regisseure von Weltformat wie Roberto RoselliniClaude Chabrol oder Milos Forman erhielten hier ihre ersten Auszeichnungen. Sein besonderes Profil erhält das Festival durch seine abendlichen Vorführungen auf dem "Piazza Grande" - dem Renaissance-Marktplatz von Locarno.

Musikalische Höhepunkte des Wiener Gesellschaftslebens

Der Wiener Opernball ist der Höhepunkt in der österreichischen Ballsaison und gilt mit seinen rund 12.000 Besuchern als größter Treffpunkt der Alpenrepublik für Kunstschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland. Der erste Opernball unter seinem heutigen Namen fand bereits am 26. Januar 1935 zugunsten der Winterhilfe statt. Allerdings blickt er auf eine wesentlich längere Tradition zurück: Bereits im 18. Jahrhundert veranstalteten verschiedene Kaiser verschiedene Tanz- und Musikveranstaltungen in Wien, um ihre Untertanen bei Laune zu halten. Heute ist das Fest im größten Ballsaal der Welt in der Wiener Staatsoper vor allem für seine Mischung aus Prominenz, Pomp und Prinzessinnentraum bekannt.

Das wohl schönste Bild ist die perfekt einstudierte Choreographie der 100 Debütanten-Paare, die den Opernball eröffnen. Aber auch prominente Politiker, Staatsoberhäupter oder Hollywood-Sternchen sorgten in den vergangenen Jahren für Aufsehen - darunter etwa König Juan Carlos I. von Spanien, der französische Spitzenpolitiker Jacques Chirac, die italienische Schauspielerin Sophia Loren oder der spanische Startenor Plácido Domingo. Nicht immer begeistert sind die Organisatoren hingegen von der bezahlten Boulevard-Prominenz für deren Auftritt als Gäste des österreichischen Bauunternehmers Richard ("Mörtel") Lugner - wie beispielweise die Serienschauspielerin Pamela Anderson oder die Hotelerbin Paris Hilton.

Neben dem Opernball zählt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu den bekanntesten Neujahrskonzerten der Welt. Musikalisch ist es vor allem den Werken der Strauss-Dynastie gewidmet. Das Konzert wird derzeit in 92 Länder übertragen und von mehr als 50 Millionen Zuschauern live gesehen. Seit 1959 wird das Konzert vom ORF übertragen.

Weitere Informationen

Geografie: Von den Tiefen der Erde auf das Dach der Welt

Europa

Europa bildet gemeinsam mit Asien die eurasische Landmasse. Es gilt aber allgemein als eigenständiger Kontinent, der etwa einem Fünftel der Landmasse in Anspruch nimmt. So ist Europa zwar der zweitkleinste Kontinent der Welt, besitzt aber die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Politisch besteht es derzeit aus 47 souveränen Staaten. Hinzu kommen verschiedene abhängige Gebiete mit innerer Autonomie - darunter Åland, Färöer oder Gibraltar. Geographisch ist Europa stark zergliedert - höchster Punkt ist der Mont Blanc mit 4.792 Meter.

Afrika

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent nach Asien der Erde mit derzeit etwa 16 Prozent der Weltbevölkerung. Im Altertum bezeichnete "Africa" nur das Gebiet um das heutige Tunesien, zurückgehend au den römischen Senator Publius Cornelius Scipio Africanus. Heute ist der Erdteil von der kulturellen Vielfalt seiner Völker, dem Erbe des Kolonialismus und den Folgen der Armut geprägt. Der längste Strom des Kontinents ist der Nil mit 6.671 Kilometern. Das Kilimandscharo-Massiv ist mit 5.895 Metern das höchste Bergmassiv des Kontinents. Auf der Basis der "Out-of-Africa-Theorie" gilt Afrika heute als "Wiege der Menschheit".

Amerika

Der amerikanische Doppelkontinent erstreckt sich auf einer Länge von etwa 15.000 Kilometern von Nord nach Süd. Klassisch wird er in Nordamerika (einschließlich Zentralamerika) und Südamerika aufgeteilt. Der Name geht auf den Italiener Amerigo Vespucci (1451-1512) zurück, der den Kontinent erstmals als eigenständigen Erdteil definierte. Höchster Berg Amerikas ist der Aconcagua in den chilenischen Anden mit 6.962 Metern. Längster Fluss Amerikas ist der Amazonas mit 6.448 Kilometern. Er ist zudem der wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als NilMississippi River und Jangtse zusammen.

Asien

Asien ist der größte Kontinent der Erde und umfasst etwa ein Drittel der Landmasse. Zudem leben in Asien etwa 60 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Der Name Asiens leitet sich aus dem assyrischen Wort "Assu" ("Sonnenaufgang") ab. Längster Fluss des Kontinents ist der Jangtsekiang - er ist gleichzeitig auch der drittgrößte Strom der Erde. Zudem befindet sich in Asien mit dem Himalaya der größte Gebirgszug der Welt. Höchster Gipfel der Welt ist der Mount Everest mit 8.848 Metern. Asien ist zudem eine Wiege der Hochkulturen - beispielsweise in MesopotamienIndienChina oder Japan. Auch alle Weltregionen entstanden in Asien.

Ozeanien

Ozeanien bezeichnet kulturelle und wirtschaftliche Zusammengehörigkeit der Inselwelt im Pazifik. Dazu gehören über 7.500 Inseln mit einer Landmasse von 1,3 Millionen Quadratkilometern auf einem Meeresgebiet von 70 Millionen Quadratkilometern. In bezug auf die Landmasse ist Ozeanien der kleinste Kontinent der Welt. Tektonisch ist es kein eigenständiger Kontinent, da die Inseln auf verschiedenen Erdplatten liegen. Im engeren Sinne gehören die Inseln und Inselgruppen PolynesienMelanesien und Mikronesien zu Ozeanien - im weiteren Sinne auch Australien und Papua-Neuguinea. Häufig wird auch Australien als eigenständiger Kontinent gewertet.

Antarktis

Die Antarktis umfasst die Meeres- und Landgebiete rund um den Südpol. Im Zentrum der Region liegt der Kontinent Antarktika - auch Südkontinent genannt. Gemäß des Antarktis-Vertrages von 1959 darf der Kontinent nur zur friedlich und wissenschaftlich genutzt werden. Dabei soll das ökologische Gleichgewicht gewahrt werden - militärische Operationen und Abbau von Bodenschätzen sind verboten. Derzeit werden dort etwa 45 Milliarden Barrel Erdöl, 115 Billionen Kubikmeter Erdgas, Kohle, Titan-, Chrom-, Eisen- und Kupfererz sowie Uranerz vermutet. Auch Platin- und Goldvorkommen wurden in der Antarktis gefunden. 

Arktis

Die Arktis ist eine meist eisbedeckte Land- und Meeresfläche rund um den geografischen Nordpol, der reich an Bodenschätzen ist. Insbesondere Erdöl, Erdgas, Kohle, Eisen, Silber, Zink und Gold sind hier vorhanden. Die fünf Anrainerstaaten streiten sich allerdings um das etwa 26 Millionen Quadratkilometer große Gebiet. Bereits in den 1920er-Jahren zog Kanada seine Grenzen bis zum Nordpol. Danach beanspruchten die ehemalige Sowjetunion, die USA mit AlaskaDänemark mit Grönland und Norwegen mit Spitzbergen ihr "Tortenstück" von ihren Küsten bis zum Pol.

Der größte Teil des Nordpolarmeeres wurde bis vor wenigen Jahren als internationales Gebiet angesehen. Nach dem Internationalen Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) vom 10. Dezember 1982 können Staaten bei der UNO über ihre 200 Seemeilen reichende Wirtschaftszone hinaus Hoheitsrechte beantragen. In diesem "Juristischen Kontinentalschelf" ist die Ausbeutung von Rohstoffen erlaubt. Zudem wurde 1996 der Arktische Rat gegründet: Bei diesem handelt sich um ein zwischenstaatliches Forum, das einen Ausgleich zwis chen arktischen Anrainerstaaten und den indigenen Völkern finden soll. Zudem sollen der Klimaschutz und die Sicherheit in der Region gefördert sowie Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte koordiniert werden.

Der Marianengraben

Als tiefste Senke der Erdoberfläche gilt der Marianengraben im westlichen Pazifik. Er zieht sich an der Nahtstelle zweier Erdplatten entlang über eine Länge von rund 2.000 Kilometern. Die größte hier bislang ausgelotete Meerestiefe beträgt in der sogenannten Witjastiefe etwa 11.034 Meter. Der Mount Everest als höchster Berg der Erde würde somit vollständig darin verschwinden - und sich trotzdem immer noch etwa zwei Kilometer unter der Wasseroberfläche befinden. Der Wasserdruck beträgt am tiefsten Punkt 1.170 bar. Am 23. Januar 1960 tauchten der Schweizer Jacques Piccard und der US-Amerikaner Don Walsh als erste Menschen mit dem Tauchboot Trieste auf eine Tiefe von 10.916 Meter in den Graben hinab. Im Marianengraben befinden sich noch weitere Tiefs: das Challengertief mit 10.994 Metern, das Triestetief mit 10.916 Metern und das HMRG-Tief mit 10.809 Metern.

Bekannte Wissenschaftler und Entdecker

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Historische Staaten der deutschen Geschichte

Preußens Glanz und Gloria

Preußen war ein Staat im nördlichen Mitteleuropa und erhielt seinen Namen von den baltischen Ureinwohnern - den Prußen. Es entstand aus der historischen Landschaft Preußen und bildete im Mittelalter das Zentrum des Deutschordensstaates. Nach der Teilung 1466 und folgender Säkularisierung entstand 1525 das Herzogtum Preußen

Nach der Erhebung zum Königreich im Jahre 1701 entwickelte sich zur führenden Macht Deutschlands und einer europäischen Großmacht. Nach 1871 wurde Preußen zudem der dominierende Teilstaat des neugegründeten Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Preußen in einen Freistaat umgewandelt. Durch den Preußenschlag am 20. Juli 1932 verlor es faktisch seine eigenständige Rolle. Mit dem alliierten Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 wurde Preußen rechtlich aufgelöst.

Die Entwicklung Preußens zu einem modernen Staat unterscheidet sich jedoch deutlich von anderen europäischen Mächten wie Großbritannien oder Frankreich. So war es kein Produkt einer gewachsenen Kultur oder die Konsequenz der geschichtlichen Entwicklung eines Volkes. Da die Gebiete Preußens zudem weit verstreut waren, fehlte zudem der Anreiz für die Organisation und Zusammenfassung geografisch zusammenhängender Gebiete. 

So war der preußische Staat vor allem der Ausdruck seiner politischen Eliten. Darüber hinaus passten sich viele historisch gewachsene Staaten den Bedürfnissen ihrer Gesellschaften an; in Preußen hingegen - so die These - habe der Staat die Gesellschaft nach seinen Bedürfnissen geformt. Demnach entstand ein straff durchorganisierter Herrschaftsapparat, der durch seine Machtfülle und Organisationsfähigkeit seinen Nachbarn für einige Jahrhunderte überlegen war und damit den Erfolg dieses "Preußischen Staatsmodells" begründete. Ein wichtiger Bestandteil dabei waren die Preußischen Reformen - eine Reihe von Staats- und Verwaltungsreformen, die von gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen begleitet wurden.

Dieses Modell stützte sich vor allem auf eine besondere Form von Ethik, die oftmals als "Preußischer Geist" bezeichnet wird. So verbindet man mit Preußen vor allem die von protestantischen Werten geprägten "Preußischen Tugenden" wie Zuverlässigkeit, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Fleiß und Toleranz.

Sie verschafften dem Staat zudem eine fortschrittliche Rechtsordnung und Verwaltung, ein der Krone loyales Offizierskorps und einen "Vernunftpatriotismus", der seinen Aufstieg vom herkömmlichen Barockstaat des Großen Kurfürsten zur modernen Großmacht förderte. Dennoch standen die preußischen Tugenden auch in der Kritik: So kritisierten das Bürgertum und die Arbeiterbewegung sie vor allem wegen ihrer ursprünglichen Wissenschafts- und Kunstferne, ihrer staatswirtschaftlichen und soldatischen Ausprägung ("Befehl und Gehorsam") und Demokratiefeindlichkeit.

Dennoch blieb Preußen auch nach seiner Auflösung im Jahre 1947 im Alltagsleben, in der Kultur oder im Sport und selbst in Namensbezeichnungen erhalten. So sind viele Länder rechtlicher, insbesondere staats- und völkerrechtlicher Hinsicht Nachfolgestaaten Preußens. Das Regierungs- und Verwaltungsmodell war maßgeblich für eine Vielzahl politischer Institutionen auf Länderebene und drückt sich noch heute in Bezeichnungen aus. 

Die heutigen Landschaftsverbände gehen auf die preußischen Provinzialverbände zurück. Die Union Evangelischer Kirchen ging aus einem Kirchenbund der altpreußischen evangelischen Landeskirchen hervor. Zudem umfasst die Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen der größten und universellsten Sammlungskomplexe der Welt.

Als Hauptstadt des preußischen Staates und Reichshauptstadt des Deutschen Reiches wurde Berlin auch 1990 Bundeshauptstadt des wiedervereinigten Deutschland. Mehrere Bundesinstitutionen sind heute in Gebäuden früherer preußischer Einrichtungen angesiedelt, wie etwa der Bundesrat im Preußischen Herrenhaus. Im 15. Jahrhundert wurde Berlin zudem auch Wohnsitz der Hohenzollern - einem der bedeutendsten deutschen Adelshäuser.

Ihren Stammsitz hat das Geschlecht auf der Burg Hohenzollern am Rande es Ostalbkreises. Der Name leitet sich von "Söller" ab und deutet auf kugelförmigen Burgberg bei Hechingen - den Stammsitz der Zollern - hin. Seit dem Mittelalter hat sich das Adelshaus der Hohenzollern in mehrere Haupt- und Nebenlinien aufgeteilt. Die Linie Brandenburg-Preußen stellte ab 1701 die preußischen Könige sowie zwischen 1871 und 1918 die Deutschen Kaiser. Eine weitere Linie stellte zudem zwischen 1866 und 1947 die Könige von Rumänien. 

Zu den bedeutendsten Herrschern der Hohenzollern gehörten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der "Große Kurfürst"Friedrich Wilhelm I. (der "Soldatenkönig")Friedrich II. der Große ("Alter Fritz") sowie die Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. Seit 1994 ist Georg Friedrich Prinz von Preußen das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern.

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (HRR)

Das HRR war die offizielle Bezeichnung der römisch-deutschen Kaiser vom frühen Mittelalter bis zum Jahr 1806. Sein Name leitete sich vom Anspruch der Herrscher ab, die Tradition des antiken Römischen Reiches fortzusetzen und die Herrschaft als christliche Legitimation Gottes zu begründen. Das Reich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen aus dem Ostfrankenreich heraus. 

Aufgrund seines vor- und übernationalen Charakters entwickelte es nie zu einem Nationalstaat oder Staat moderner Prägung, sondern blieb ein monarchisch geführtes, ständisch geprägtes Gebilde aus Kaiser und Reichsständen mit nur wenigen gemeinsamen Reichsinstitutionen.

Die Goldene Bulle gilt als wichtigstes Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie wurde am 10. Januar 1356 auf dem Nürnberger Hoftag verkündet und regelte die Modalitäten für die Wahl und Krönung der römisch-deutschen Könige durch die Kurfürsten. Die Bedeutung des Dokuments wurde mit einem goldenen Metallstempel (lateinisch: "bulla") besiegelt. Sie blieb bis zum Ende des mittelalterlichen Reiches im Jahre 1806 gültig.

Die kaiserliche Kanzlei stellte insgesamt sieben Ausfertigungen der Bulle aus - als berühmteste Ausfertigung gilt das "Reichsexemplar" in Frankfurt am Main. Es befindet sich heute im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte. Im Jahre 2013 wurde die Goldene Bulle von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Rheinbund

Der Rheinbund war eine Konföderation deutscher Fürsten, die im Jahre 1806 mit dem Austritt einiger deutscher Staaten aus dem Verbund des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und auf Initiative Napoleon Bonapartes gegründet wurde. Auf der Grundlage der Rheinbundakte diente der Rheinbund vor allem als Mililtärallianz mit dem Kaiserreich Frankreich. Das Ziel, diese Allianz zu einem Staatenbund mit eigenständigen Verfassungsorganen aufzubauen, scheiterte allerdings am Widerstand der größeren Mitgliedstaaten. Nach der französischen Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 brach der Rheinbund schließlich zusammen.

Königreich Hannover

Das Königreich Hannover entstand im Jahre 1814 auf dem Wiener Kongress als Nachfolgestaat des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg. Zwischen 1814 und 1837 hatten die Könige von Hannover in Personalunion auch die britische Krone inne. Zudem entstammte das Haus Hannover dem Adelsgeschlecht der Welfen. Hannover war 1815 ein Gründungsmitglied des Deutschen Bundes und trat 1854 auch dem Deutschen Zollverein bei. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 wurde Hannover von Preußen annektiert und eine Provinz umgewandelt. Erst 1946 wurde das Land Hannover zwar wieder errichtet, ging aber dann im heutigen Bundesland Niedersachsen auf.

Deutscher Bund

Der Deutsche Bund war ein lockerer Zusammenschluss der deutschen Staaten, der am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongress gegründet wurde. Insgesamt unterzeichneten 39 Mitgliedstaaten - 35 Fürstentümer und vier freie Städte - die Deutsche Bundesakte. Er folgte auf das aufgelöste Heiligen Römischen Reich und den napoleonischen Rheinbund. Das zentrale Bundesorgan war die Bundesversammlung, die in Frankfurt am Main tagte. Zudem verfügte er über eine Bundeskriegsverfassung und ein Bundesheer. Nach dem Deutschen Krieg wurde der Bund 1866 im Prager Frieden aufgelöst. Ihm folgte mit dem Norddeutschen Bund der erste föderativ organisierte deutsche Staat nach.

Deutsches Kaiserreich

Das Deutsche Kaiserreich entstand am 18. Januar 1871 durch die Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. (1861-1888) zum Deutschen Kaiser. Es umfasste die Mitglieder des Norddeutschen Bundes und die mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten im Deutsch-Französischen Krieg. Das Kaiserreich wurde als Bundesstaat unter der Herrschaft der preußischen Hohenzollern im Rahmen einer kleindeutschen Lösung gegründet, womit erstmals ein deutscher Nationalstaat entstand. Ökonomisch war es von der Hochindustrialisierung geprägt - politisch von der Ära Bismarck und dem Wilhelminismus. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges endete auch das Kaiserreich

Weimarer Republik

Die "Weimarer Republik" bezeichnet die demokratische Phase des Deutschen Reiches zwischen den Jahren 1918/19 und 1933. Sie beginnt mit der Novemberrevolution und der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 und endet mit der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten im Januar 1933. Die Weimarer Republik galt als eine der fortschrittlichsten ihrer Zeit. Allerdings gab es keinen tragfähigen Verfassungskonsens, der alle Teile des politischen Spektrums von rechts bis links eingebunden hätte. Zudem war der Reichstag parteipolitisch zersplittert und die Regierungen instabil. Der Aufstieg des Nationalsozialismus bedeutete schließlich deren Ende.

NS-Staat

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 errichteten die Nationalsozialisten eine totalitäre Diktatur mit einer Staatspartei, einem Führerkult, Militarismus, aggressivem Nationalismus, antidemokratischen, antikommunistischen und totalitären Zielen. Im Unterschied zum Faschismus kam ein radikaler Rassismus und Antisemitisms hinzu. Die NS-Diktatur gilt als hauptverantwortlich für den Zweiten Weltkrieg, die Massenverbrechen an ethnischen, religiösen, sozialen und politischen Minderheiten sowie den Holocaust an etwa sechs Millionen europäischen Juden. Mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 endete der Tiefpunkt der deutschen und europäischen Geschichte.

Alliierte Besatzungszeit

Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und der damit verbundenen Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg übernahm der Alliierte Kontrolrat die höchste Regierungsgewalt. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Groß-Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt und von der Alliierten Kommandantur verwaltet. Mit der Entnazifizierung sollte Deutschland von allen Einflüssen des Nationalsozialismus befreit, demokratisiert und demilitarisiert werden. Mit dem beginnenden Kalten Krieg zwischen der UdSSR und den USA manifestierte sich jedoch 1949 die Teilung Deutschlands.

Saarprotektorat

Das Saarprotektorat entstand 1947 durch den wirtschaftlichen Anschluss des Saargebietes an Frankreich. Es erhielt mit dem Saar-Franken eine eigene Währung, eine eigene Staatsangehörigkeit und Hymne sowie ein eigenes Nationales Olympisches Komitee (NOK) und eine eigene Fußball-Nationalmannschaft. Demokratische Grundrechte wurden den Saarländern lange nicht zugebilligt. Zudem waren politische Parteien, die für eine Wiedervereinigung mit Deutschland eintraten, verboten. Erst mit den Luxemburger Verträgen vom 27. Oktober 1956 wurde das Saarland zum 1. Januar 1957 als Bundesland in die Bundesrepublik eingegliedert.

Deutsche Demokratische Republik (DDR)

Wenige Wochen nach Konstituierung der Bundesrepublik wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Sie umfasste das Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und definierte sich als sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat. Dabei beharrte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) zwar mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf ihre politische Führungsrolle. Faktisch war die DDR jedoch ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Wirtschaftlich war die DDR zudem planwirtschaftlich auf der Grundlage von Fünfjahresplänen organisiert. Ihr Ende fand sie nach der Wende mit dem Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.

Historische Staaten der Weltgeschichte

Österreich-Ungarn

Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bezeichnet die Habsburgermonarchie, die zwischen 1867 und 1918 in Mittel- und Südosteuropa exstierte. Es entstand 8. Juni 1867 im Rahmen des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs aus dem Kaisertum Österreich. Der Kaiser von Österreich war in Personalunion auch König von Ungarn, unter dessen Leitung die Außenpolitik, die gemeinsame Armee und Kriegsmarine sowie die notwendigen Finanzen in den entsprechenden Ministerien zu verwalten. Im Juli 1914 führte das Attentat von Sarajevo in den Ersten Weltkrieg. Mit Kriegsende 1918 zerfiel der Vielvölkerstaat in zahlreiche Einzelstaaten.

Tschechoslowakei 

Nach dem Zerfall der Donaumonarchie Österreich-Ungarn wurde am 28. Oktober 1919 die Tschechoslowakei programiert. Neben Slowaken und Tschechen hatte der Vielvölkerstaat auch zahlreiche Minderheiten - darunter Ungarn, Juden, Polen oder die Sudetendeutschen. In den 1930er-Jahren führte die Sudetenkrise zu vermehrten Spannungen mit Deutschland. Mit dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 wurde die Tschechoslowakei zunächst zerschlagen. Mit Kriegsende 1945 wurde die Tschechoslowakei wieder errichtet, geriet jedoch nach 1948 unter sowjetischen Einfluss. Nach der Samtenen Revolution löste sich die Tschechoslowakei zum 31. Dezember 1992 auf.

Königreich Jugoslawien 

Das Königreich Jugoslawien entstand im Jahre 1918 aus dem Zusammenschluss der südslawischen Völker Österreich-Ungarns mit dem Königreich Serbien und dem Königreich Montenegro. Von Beginn an war SHS-Staat vom Konflikt zwischen den zentralistisch orientierten serbischen Parteien und den föderalistisch ausgerichteten kroatischen Parteien geprägt. Die Serben bestimmten hingegen weitgehend die Politik und Gesellschaft des Landes. Am 6. Januar 1929 errichtete König Alexander I. (1921-1934) eine Königdiktatur, die aber später wieder parlamentarische Züge erhielt. 1941 wurde das Königreich von deutschen Truppen besetzt, 1945 fand schließlich sein Ende.

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien

Die Föderative Sozialistische Republik Jugoslawien am 29. November 1945 entstand unter der Führung Jozip Titos als sozialistischer Bundesstaat aus sechs Teilrepubliken. Bereits 1948 erfolgte jedoch der Bruch mit der Sowjetunion und Jugoslawien näherte sich als Teil der Blockfreien dem Westen an. Nach dem Tod Titos am 4. Mai 1980 nahmen die ethnischen Spannungen in den Folgejahren zu. Diese entluden sich nach 1991 in den Jugoslawienkriegen, die schließlich zur Abspaltung der meisten jugoslawischen Telrepubliken führten. Lediglich Serbien und Montenegro blieben bis 2006 zunächst in einer Bundesrepublik bzw. einer Staatenunion miteinander verbunden.

Zarenreich Russland

Das Russische Kaiserreich entstand im Jahre 1721 aus dem Zarentum Russland und hatte seine Wurzeln im Großfürstentum Moskau. Mitte des 19. Jahrhunderts war es das größte zusammenhängende Weltreich der Neuzeit. Zwischen 1742 und 1867 reichte es von den baltischen Staaten, Finnland und Ostpolen über Sibirien bis nach Alaska. Während Zar Peter I. der Große und Zarin Katharina II. die Große das Land reformierten und nach Westen öffneten, drang die Industrialisierung jedoch nicht bis in die Provinzen der Riesenreiches vor. Die Armut der Bevölkerung, mangelnde Demokratisierung und der Erste Weltkrieg führten schließlich 1917 zur Revolution und dem Ende des Zarentums.

Sowjetunion (UdSSR)

Die Sowjetunion wurde am 30. Dezember 1922 als zentralistisch regierter, föderativer Einparteienstaat gegründet. Ihr Kerngebiet bestand aus der Russischen Sowjetrepublik, die im Zuge der Oktoberrevolution am 7. November 1917 aus dem Zarenreich hervorgegangen war. Das Territorium der UdSSR erstreckte sich von Osteuropa über den Kaukasus und Zentralasien sowie das gesamte Nordasien. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg sie neben der USA zur Weltmacht auf und sicherte sich ihren Einfluss in den osteuropäischen Satellitenstaaten. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde die Sowjetunion schließlich durch die Alma-Ata-Erklärung am 21. Dezember 1991 aufgelöst.

Osmanisches Reich

Das Osmanische Reich ist der Begriff für die Dynastie der Osmanen, die zwischen 1299 und 1923 existierte. Es ging aus den Resten des Sultanats der Rum-Seldschuken hervor und war jahrhundertelang die dominierende Macht in Kleinasien, dem Nahen Osten, in Nordafrika, auf dem Balkan und auf der Krim. Hauptstadt des Reiches war Konstantinopel, das am 29. Mai 1453 von den Türken erobert wurde. Im 19. Jahrhundert wurde das Osmanische Reich durch Aufstände geschwächt und zum "Kranken Mann am Bosporus". In den Nachkriegswirren des Ersten Weltkrieges proklamierte Kemal Mustafa Atatürk schließlich am 29. Oktober 1923 die heutige Republik Türkei.

Republik Venedig

Die Republik Venedig war zwischen dem 7./8. Jahrhundert und 1797 eine führende Wirtschafts- und Seemacht im Mittelmeerraum, deren Zentrum im Nordwesten der Adria lag. Zudem verfügte die Adelsrepublik über ein Kolonialreich, das Oberitalien bis Kreta und zeitweise sogar bis Zypern und zur Krim reichte. Zudem unterhielt es Kaufmannskolonien in Flandern und dem Maghreb, in Alexandria, Akkon, Konstantinopel, Trapezunt sowie in zahlreichen weiteren Städten an der Adria. Am 14. Mai 1797 wurde die Adelsrepublik aufgelöst. Im Jahre 1866 wurde Venedig nach französischer und österreichischer Herrschaft an das Königreich Italien angeschlossen.

    • Kolonialreich der Republik Venedig

    Kirchenstaat

    Der Kirchenstaat bezeichnete das weltlich-politische Herrschaftsgebiet des Papstes und existierte zwischen 756 und 1870. Rechtliche Grundlage war die "Pippinische Schenkung". Während seiner größten Ausdehnung umfasste er im 15. Jahrhundert weite Teile Mittelitaliens. Mit der Einigung Italiens fand der Kirchenstaat am 20. September 1870 mit der Einnahme durch italienische Truppen sein Ende. Papst Pius IX. erklärte sich fortan zum "Gefangenen des Vatikan". Erst am 11. Februar 1929 konnte die "Römische Frage" mit den Lateranverträgen geklärt werden. Dabei wurde dem Staat der Vatikanstadt wieder die politische Unabhängigkeit und volle staatliche Souveränität garantiert.

    Königreich Italien

    Das Königreich Italien entstand im Jahre 1861 in Folge der Italienischen Unabhängigkeitskriege. Die vier Könige Italiens enstammten dem Haus Savoyen. Die ersten Jahre des jungen italienischen Staates waren zunächst durch wirtschaftliche und soziale Spannungen - insbesondere dem Nord-Süd-Gegensatz und dem Brigantenwesen in Süditalien - geprägt. Die anhaltende wirtschaftliche, soziale und politische Krise nach dem Ersten Weltkrieg ebnete schleßlich in den 1920er-Jahren den Weg für den Aufstieg des Faschismus. Nach dessen Ende entschied sich die Bevölkerung am 9. Mai 1946 in einem Referendum knapp für die Einführung der Republik.

    Kaiserreich China

    China gehört zu den ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Geschichte. Schriftlichen Quellen zufolge reicht sie rund 3.500 Jahre zurück - dem Mythos nach wurde die chinesische Kultur von den drei Urkaisern begründet. Als eigentlicher Kulturschöpfer gilt der "Gelbe Kaiser" Huangdi. Das Kaiserreich wurde 221 v. Chr. von Kaiser Qin Shihuangdi aus mehreren zuvor eroberten Königreichen gegründet. In seiner wechselvollen Geschichte wurde es von mehreren Dynastien regiert - zu den bedeutendsten gehören die Tang-, die Ming- und die Qing-Dynastie. Mit deren Niedergang fand auch das Kaiserreich sein Ende: Am 1. Januar 1912 proklamierte Sun Yat-sen die Republik.

    Mogulreich 

    Das Mogulreich umfasste nahezu den gesamten indischen Subkontinent sowie Teile Afghanistans und bestand von 1526 bis 1858. Das Kernland des Reiches lag in der nordindischen Indus-Ganges-Ebene um die Städte Delhi, Agra und Lahore. Die Bezeichnung "Mogul" als Bezeichnung der Herrscher Nordindiens leitet sich von dem persischen Wort "mughul" für "Mongole" ab. Das Reich der Mogule entstand unter Großmogul Babur. Bedeutendster Herrscher war jedoch Akbar, der es militärisch, politisch und wirtschaftlich festigte. Der letzte Großmogul Bahadur Shah II. wurde 1858 abgesetzt - sein Territorium wurde ein Teil von Britisch-Indien.

    Abessinien

    Das Kaiserreich Abessinien bestand von etwa 980 v. Chr. bis ins Jahr 1974 auf dem Gebiet es heutigen Äthiopien und Eritrea. Zu seiner Zeit war es der älteste noch existierende Staat der Welt und das einzige Land Afrikas, das sich der europäischen Kolonialisierung erfolgreich entziehen konnte. Lediglich zwischen 1936 und 1941 war Abessinien Teil von Italienisch-Ostafrika. Die abessinischen Kaiser trugen den offiziellen Titel "Negus Negest" ("König der Könige"). Sie entstammten der Zagwe-Dynastie und der Salomonischen Dynastie. Der letzte Kaiser Haile Selassie dankte am 12. September 1974 ab - Abessinien wurde von der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien abgelöst.

    Konföderierte Staaten von Amerika (CSA)

    Die Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) waren ein nordamerikanischer Bundesstaat, der 1861 mit der Abspaltung der Südstaaten der USA entstand. Allerdings wurde die CSA weltweit nicht anerkannt. Die Ursache war eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, die vor allem in der Sklavenfrage zu Tage trat. Mit der Sezession der Südstaaten begann am 12. April 1861 der Sezessionskrieg zwischen der Union im Norden und der Konföderation. Ohne Unterstützung hatten der Süden jedoch nur wenige Chancen, den Konflikt mit dem Norden zu gewinnen. Mit der Kapitulation im Jahre 1865 wurden die Südstaaten wieder in die Union integriert.

    Weitere historische Staaten

    Weitere historische Reiche

    Kolonialreiche der Geschichte

    Aktuelle Überseegebiete

     Großbritannien: Inselkönigreich mit großer Vergangenheit

    Nach Deutschland und Frankreich ist das Vereinigte Großbritannien und Nordirland zwar erst das drittgrößte Land Europas - es ist aber vor allem auch das Land von Musik, Film, Schwarzem Humor und der Traditionen. Besonders stolz sind die Briten heute noch auf ihre Geschichte: bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war Großbritannien mit seinem Weltreich das Mutterland des British Empire. Noch heute gehören 14 Überseegebiete zum Vereinigten Königreich. Die meisten ehemaligen britischen Kolonien sind zudem im Commonwealth of Nations mit Großbritannien verbunden.

    Das politische System Großbritanniens basiert auf dem Gewohnheitsrecht: bis heute gibt es im Vereinigten Königreich keine geschriebene Verfassung. Dessen Regierungsform - das Westminster-System - wurde auch von anderen Staaten übernommen, darunter Australien, Neuseeland, Kanada oder Jamaika. Zudem ist die britische Monarchie heute eine konstitutionelle Monarchie: der britische Monarch übt seine Hoheitsrechte gewohnheitsmäßig aber nicht mehr selbstständig aus.

    Die Vergangenheit als Kolonialmacht hat zudem auch die britische Bevölkerung maßgeblich beeinflusst: demnach sind heute mehr als eine Million Briten schwarzer Hautfarbe mit Wurzeln in Afrika oder der Karibik. Mehr als 2,5 Millionen Menschen wanderten zudem aus Asien - insbesondere aus Indien, Pakistan und Bangladesch - ein.

    Politisch ist die Bedeutung Großbritanniens in den vergangenen Jahrzehnten zwar etwas zurückgegangen - dennoch ist die Atommacht eines der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat. Heute ist das Vereinigte Königreich vor allem eine Dienstleistungs- und Handelsnation - etwa zehn Prozent des BIP werden über Finanzdienstleistungen bestritten. Staatsoberhaupt Großbritanniens ist seit nunmehr 60 Jahren Königin Elisabeth II. Zum Vereinigten Königreich gehören neben dem größten Landesteil England auch Schottland, Wales und Nordirland.

    Ein Auseinanderbrechen der britischen Union ist allerdings durchaus möglich: so ist in Schottland ein Unabhängigkeitsreferendum für 2014 geplant und auch in Nordirland herrscht seit Jahrzehnten ein Konflikt zwischen den probritischen Loyalisten und den proirischen Republikanern.

    Schottland zwischen Historie und Moderne

    Schottland wird bereits seit mehreren Jahrhundert von der britischen Hauptstadt London aus regiert. Im Jahre 1603 wurden mit dem Herrschaftsantritt Jakobs I. die Schottland und das benachbarte England unter einer Krone vereinigt. Erst im Jahre 1707 beschloss das schottische Parlament mit dem "Act of Union" für seine eigene Auflösung und den Zusammenschluss mit England zum Königreich Großbritannien. Erst durch den Scotland Act wurde die Grundlage für die Neuerrichtung des schottischen Parlaments mit Sitz in der schottischen Hauptstadt Edinburgh geschaffen.

    Trotz der Union mit England bewahrte Schottland sein Rechtssystem, eine eigene Kirche und ein separates Bildungsystem bewahrt. Mit einer Fläche von rund 78.000 km² ist der britische Landesteil größer als Bayern, hat aber nur rund fünf Millionen Einwohner. Etwa 70.000 Menschen sprechen noch das keltische Gälisch. Eine ebenso lebendige Tradition ist das Clan-Bewusstsein, dass sich in unterschiedlichen Karo-Mustern auf dem schottischen Kilt widerspiegelt. Als Symbole der "schottischen Identität" gelten zudem die jeweils eigene Fußball- und Rugbynationalmannschaft. Im September 2014 entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung in einem Referendum jedoch gegen eine Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich aus. 

    Die schottische Wirtschaft war einst von der Schafzucht und Fischerei geprägt. Im 18. Jahrhundert sorgen große Kohlevorkommen für den Beginn der Industrialisierung. Seit den 1970er-Jahren werden zudem die reichen Erdgas- und Ölvorkommen vor der schottischen Küste in der Nordsee ausgebeutet, wodurch Zehntausende neue Arbeitsplätze entstanden. Zudem gewähren die Schotten ihren Bürgern weitaus mehr soziale Leistungen als die Engländer. So sind die Zuzahlungen im Gesundheitssystem niedriger und Studiengebühren gibt es nicht für Einheimische. In Großbritannien stehen sie daher auch als "Subventions-Junkies" in der Kritik.

    London: Bunte Metropole der Gegensätze

    Die britische Hauptstadt London gilt heute als Stadt der Superlative und der Gegensätze: sie ist Hauptstadt des Geldes und Kapitale der Kultur, Schmelztiegel der Kulturen und Residenz der britischen Royals. In London herrschen aber auch Armut und Kriminalität, Luftverschmutzung und Verkehrschaos. Heute leben etwa acht Millionen Menschen in der britischen Hauptstadt, die neben der City of London aus Boroughs besteht.Verwaltet wird Greater London seit 2000 von der Greater London Authority verwaltet. Regiert wird die Stadt seit 2016 von Oberbürgermeister Sadiq Khan, dem ersten muslimischen Stadtoberhaupt in der Geschichte. Die Legislative liegt bei der London Assembly.

    London ist heute auch eine besondere Touristenattraktion: jedes Jahr besuchen Millionen Menschen bekannte Sehenswürdigkeiten wie den TowerBuckingham Palace, die Tower BridgeTrafalgar Square, das London EyeThe MallSt. Paul's CathedralMadame Tussauds oder das British Museum. Auch die Routemaster oder die schwarzen Taxis ("Black Cabs") gehören zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zudem war London Gastgeber der XXX. Olympischen Sommerspiele 2012 und damit nach den Spielen von 1908 und 1948 zum dritten Mal der Austragungsort eines der größten Sportereignisse der Welt.

      Kanzler und Präsidenten: Die politischen Entscheidungsträger Deutschlands

      Die deutschen Bundespräsidenten: Von Theodor Heuss bis Frank-Walter Steinmeier

      Verfassungsgemäß ist der Bundespräsident das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Da seine politische Macht allerdings eher beschränkt ist, sind seine Aufgaben daher repräsentativer Natur. So vertritt er die Bundesrepublik völkerrechtlich, er ernennt und entlässt den Bundeskanzler und die Bundesminister sowie die Bundesbeamten. Als "oberster Bundesnotar" kann er zudem die Unterschrift bei Gesetzen aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern. Allerdings muss der Bundespräsident sein Amt verfassungsgemäß überparteilich ausüben. 

      Er wird für eine Amtszeit von fünf Jahren von der Bundesversammlung gewählt. Nach Ablauf der Amtszeit ist eine einmalige Wiederwahl möglich.Unterstützt wird er vom Bundespräsidialamt - der obersten deutschen Bundesbehörde. Die etwa 180 Mitarbeiter unterstützen den Bundespräsidenten in seiner Arbeit; so informieren sie ihn unter anderem über über alle wichtigen politischen und wirtschaftlichen Themen oder bereiten Entscheidungen und Reden vor. Seit Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 gab es bislang zwölf Bundespräsidenten - von Theodor Heuss bis Frank-Walter Steinmeier.

      Deutschlands erster Bundespräsident Theodor Heuss (1949-1959) prägte das Amt wie kaum ein anderer: Der Liberale konnte dem Amt durch seine weitgehend überparteilische Amtsausübung sowie durch und konnte durch seinen demokratischen und kulturellen Hintergrund auch im Ausland Vertrauen in den neuen deutschen Staat schaffen.

      Dessen Nachfolger Heinrich Lübke (1959-1969) erwarb sich vor allem Verdienste als Besucher und Fürsprecher der Entwicklungsländer. Zudem versuchte er die Politik aktiv mitzugestalten, indem er beispielsweise Gesetze nicht unterschrieb, die nicht dem Grundgesetz entsprachen. Allerdings blieben auch viele rhetorische Fehlgriffe während seiner Präsidentschaft in Erinnerung.

      Gustav Heinemann (1969-1974) verschrieb sich der "Verankerung der Demokratie und der Ausgestaltung des sozialen Rechtsstaates". Der "Bürgerpräsident" aus Essen bekleidete als erster SPD-Politiker das Amt und gilt als unbequemer Mahner.

      Als singender Bundespräsident bleibt Walter Scheel (1974-1979) in der Erinnerung: So war der Rheinländer vor allem wegen seiner leutseligen Art populär. Mit seiner Entscheidung, das Gesetz zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerern nicht zu unterscheiden, sorgte er zudem für Aufsehen.

      Ähnlich wie sein Vorgänger wurde Karl Carstens (1979-1984) als wandernder Bundespräsident populär. Zu Beginn seiner Amtszeit war der aus Bremen stammende Jurist wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP einigen Feindseligkeiten ausgesetzt.

      Der erste gesamtdeutsche Bundespräsident Richard von Weizäcker (1984-1994) beeinflusste wie kaum ein anderer durch seine Reden das politische Klima in Deutschland. Besonders eine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 brachte ihm großen internationalen Respekt, aber auch Kritik aus den konservativen Kreisen ein. Wie kein anderer Bundespräsident agierte von Weizäcker zudem nach der Maxime der Überparteilichkeit. Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte hatte der Spross einer pfälzisch-württembergischen Adelsfamilie bei seiner Wiederwahl 1989 keinen Gegenkandidaten.

      Bekannt wurde Roman Herzog (1994-1999) vor allem durch seine "Ruck-Rede", mit welcher der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts die Politik kritisierte. Er begründete damit die Tradition der Berliner Rede, die von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde.

      Gemäß seinem Lebensmotto "Versöhnen statt spalten" trat Johannes Rau (1999-2004) für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein. Historisch war zudem seine Rede vor dem israelischen Parlament - der Knesset - als er um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust bat.

      Der Ökonom Horst Köhler (2004-2010) war der erste Seiteneinsteiger an der Spitze des Staates. Manche trauten dem ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) daher auch eine größere Unabhängigkeit und Distanz zu. Nach Kritik an missverständlichen Äußerungen zum deutschen Afghanistan-Einsatzes trat Köhler jedoch am 31. Mai 2010 völlig überraschend mit sofortiger Wirkung zurück.

      Mit Christian Wulff wurde der bislang jüngster Bundespräsident seit Bestehen der Bundesrepublik zum Staatsoberhaupt gewählt. Zu Beginn seiner Amtszeit setzte der frühere Ministerpräsident von Niedersachsen Akzente in der Debatte um die deutsche Integrationspolitik. Ende 2011 geriet Wulff jedoch wegen seiner Kredit- und Medienaffäre zunehmend in Kritik. Am 17. Februar 2012 trat er schließlich vorzeitig vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Mit 598 Tagen hatte Wulff zudem die bislang kürzeste Amtszeit aller Bundespräsidenten inne.

      Zu seinem Nachfolger wurde am 18. März 2012 der Theologe Joachim Gauck gewählt. Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen war zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht nur der bislang älteste Amtsinhaber. Er war auch der erste parteilose und ostdeutsche Bundespräsident. Vor seiner Amtszeit engagierte sich Gauck gesellschaftspolitisch mit Vorträgen und Medienaktivitäten für die Demokratie - darunter auch als Vorsitzender des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie".

      Mitte Februar wurde der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier zum 12. Bundespräsidenten gewählt. Der studierte Jurist und politische Quereinsteiger begann seine politische Karriere unter dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder

      Als Kanzleramtsminister war Steinmeier maßgeblich an der Entwicklung der Agenda 2010 beteiligt. Zwischen 2007 und 2009 sowie von 2013 bis 2017 hatte Steinmeier das Amt des Bundesaußenministers inne. In diesem Amt erarbeitete er sich schnell den Ruf eines Krisenmanagers, der bei vielen internationalen Konflikten vermittelte. Bei den Bundesbürgern erfreute er sich zudem außergewöhnlicher Beliebtheit.

      Die deutschen Bundeskanzler - von Konrad Adenauer bis Angela Merkel

      Der deutsche Bundeskanzler ist gemäß der Verfassung der mächtigste Amtsträger in der Bundesrepublik, obwohl er in der protokolarischen Rangordnung Deutschlands erst an dritter Stelle steht. Als Regierungschef bestimmt er die Richtlinien der deutschen Politik und schlägt zudem die einzelnen Bundesminister vor. Der Bundeskanzler wird vom Deutschen Bundestag für vier Jahre gewählt. Vor Ablauf der Amtsperiode kann er nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst werden.

      Die Amtszeit Konrad Adenauers (1949-1963) war vor allem durch außenpolitische Ereignisse geprägt. Neben der Westbindung mit dem Beitritt zur NATO und der Gründung der EGKS standen vor allem die deutsch-französische Aussöhnung und die deutsch-jüdische Versöhnung im Mittelpunkt seiner Außenpolitik. Innenpolitisch war seine Regierungszeit vom wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands - dem sogenannten "Wirtschaftswunder" - geprägt.

      Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard (1963-1966) - Vater des Wirtschaftswunders - war als Bundeskanzler eher glücklos. Seime Amtszeit dauerte gerade mal drei Jahre. Sein Nachfolger Kurt-Georg Kiesinger (1966-1969) bildete 1966 die erste Große Koalition von CDU/CSU und SPD in der bundesdeutschen Geschichte. Im Mittelpunkt seiner dreijährigen Amtzeit stand vor allem die Durchsetzung der Notstandsgesetze.

      Im Jahre 1969 zog mit Willy Brandt (1969-1974) der erste Sozialdemokrat in das Bundeskanzleramt ein. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Ostverträge und die damit verbundene Aussöhnung Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn ein. Auch die Beziehungen zur DDR stellte er auf eine neue Grundlage. Mit der Enttarnung seines engsten Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion trat Brandt am 6. Mai 1974 zurück.

      Die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt (1974-1982) war zunächst durch den Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) - insbesondere im Deutschen Herbst 1977 - geprägt. Innenpolitisch verfolgte Schmidt einen eher konservativen Kurs. Seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses brachte ihm zudem viel Kritik aus den eigenen Reihen ein.

      Am 1. Oktober 1982 wurde Schmidt als erster und bislang einziger Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum von Helmut Kohl (1982-2998) abgelöst. Mit einer Amtszeit von 16 Jahren ist er der bislang am längsten amtierende Bundeskanzler in der Geschichte. Ihren Höhepunkt fand sie zweifellos in der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Das Ende seiner Kanzlerschaft wurde hingegen durch die CDU-Spendenaffäre überschattet.

      Unter Gerhard Schröder wurde erstmals eine rot-grüne Regierungskoalition auf Bundesebene gebildet. Innenpolitisch war seine siebenjährige Amtszeit (1998-2005) vor allem durch eine Reihe von Reformprojekten - darunter der Agenda 2010 - geprägt. Außenpolitisch knüpfte Schröder - mit Ausnahme des Irak-Krieges 2003 - an die transatlantische Partnerschaft seiner Vorgänger an.

      Mit Angela Merkel wurde am 22. November 2005 erstmals eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. Bei ihrem Amtsantritt war die Naturwissenschaftlerin zudem mit 51 Jahren die jüngste Amtsinhaberin und die erste ehemalige DDR-Bürgerin im Kanzleramt - zunächst gestützt auf eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und Sozialdemokraten. Von 2009 bis 2013 regierte sie in einer Koalition mit den Freien Demokraten. Als größte Herausforderung ihrer Kanzlerschaft gelten die Verringerung der Arbeitslosigkeit sowie die Bewältigung der Finanz- und Euro-Krise. Hinzu kommen die Flüchtlingskrise 2015/16 und die Corona-Pandemie.

      Reichskanzler der Reichseinigung

      Otto von Bismark zählt zu den bedeutendsten und zwiespältigsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Sein Name steht für die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland, den Kampf gegen die Sozialdemokraten ("Sozialistengesetz") und die katholische Kirche ("Kulturkampf"). Durch seine von "Blut und Eisen" geprägte Kriegspolitik erlangte Preußen die unangefochtene Vormachtstellung in Kontinental-Europa. 

      Als Ministerpräsident von Preußen (1862-1890) und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes (1867-1871) war von Bismarck maßgeblich an der Gründung des Deutschen Reiches beteiligt. Dabei setzte er sich sogar über das Parlament hinweg und konnte im Deutsch-Dänischen Krieg und im Deutschen Krieg zwischen 1864 und 1866 die Deutsche Frage im kleindeutschen Sinne unter der Vorherrschaft Preußens lösen. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war er die treibende Kraft bei der Gründung des Deutschen Reiches

      1871 wurde er schließlich von Kaiser Wilhelm I. (1871-1888) zum ersten Reichskanzler berufen. Während seiner Kanzlerschaft trieb es maßgeblich die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland ein. 1890 wurde von Bismarck wegen Meinungsverschiedenheiten von Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) entlassen.

       Historische Herrscher und Politiker der Weltgeschichte

      Ägypten

      Mit Pharao Thutmosis III. (1479-1425 v. Chr.) ist vor allem eine Ära der militärischen Auseinandersetzungen und Expansion verbunden. Militärischer Höhepunkt war die Schlacht bei Megiddo am 26. April 1457 v. Chr. Seine historische Bedeutung in der ägyptischen Geschichte ist jedoch umstritten. Demnach sehen manche Historiker ihn als größten Pharao der gesamten ägyptischen Geschichte und als ersten großen Feldherrn des Orients.

      Während der Regierungszeit von Pharao Ramses II. dem Großen (1279-1213 v. Chr.) erlebte das antike Ägypten seine größte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Durch seine geschickte Diplomatie gelang es ihm außerdem, eine fast fünfzigjährige Friedenszeit mit den Nachbarvölkern Ägyptens - darunter auch mit den Hethitern - zu halten. Der Friedensvertrag mit den Hethitern vom 21. November 1259 v. Chr. gilt zudem als ältester bekannter Friedensschluss der Welt. Mit 66 Jahren und zwei Monaten gehört er zu den am längsten regierenden Herrschern der Weltgeschichte.

      Zu den herausragendsten weiblichen Herrschern des alten Ägypten zählt Kleopatra VII. Philopator (51-30 v. Chr.). Ihr Ziel, das Land zu stabilisieren, konnte sie allerdings nicht gegen die Weltmacht Rom durchsetzen. Durch ihre Liebesaffären mit Gajus Julius Cäsar und Marcus Antonius gelang es ihr zwar für einige Zeit, die Machtstellung Ägyptens deutlich zu erhöhen. Mit der militärischen Niederlage gegen den späteren Kaiser Augustus endete ihre Herrschaft. Mit ihrem Selbstmord am 12. August 30 v. Chr. endete die Herrschaft der Pharaonen in Ägypten, das als römische Provinz bis 642 n. Chr. unter römischer und später byzantinischer Herrschaft stand.

      Persien

      Als Gründer des antiken Perserreiches gilt Kyros II. der Große (559-530 v. Chr.). Dank seiner ausgedehnten Expansionspolitik reichte das persische Großreich schließlich von Indien über den Iran bis nach Babylon, Kleinasien und Ägypten. Schon bald nach seinem Tod wurde Kyros vor allem wegen seiner religiösen Toleranz als idealer König verklärt.

      Unter den Herrschern des alten Persiens gehört Dareios I. der Große (522-486 v. Chr.) zu den bedeutendsten Großkönigen. Seine Verwaltungsreform des Reiches gilt als vorbildhaft. Zudem förderte er die Künste - insbesondere die Architektur. Dazu zählt unter anderem auch die Gründung von Persepolis. Von besonderer weltpolitischer Bedeutung ist zudem seine militärische Niederlage in der Schlacht von Marathon am 12. September 490 v. Chr., die zu den Höhepunkten der Perserkriege zählt.

      Zu den bedeutendsten Herrschern des neuzeitlichen Persiens gehört Mohammad Reza Schah Pahlavi (1941-1979). Zu dessen wichtigten innenpolitischen Maßnahmen gehört neben der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie die sogenannte Weiße Revolution". Mit seinem Sturz 1979 und der Islamischen Revolution endete jedoch die Monarchie in Persien.

      Mit Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini (1902-1989) wurde der Iran in eine Islamische Republik mit starken theokratischen Elementen umgewandelt. Chomeinis Politik war vor allem durch seine antiwestliche Linie geprägt. Dabei schreckte er auch nicht vor Terror und Massenhinrichtungen zurück. Die Außenpolitik stand in dessen Regierungsjahren neben der internationalen Isolation vor allem ganz im Zeichen des Ersten Golfkrieges (1980-1988).

      Griechenland

      In der Zeit des antiken Griechenland gehörte Perikles (490-429 v. Chr.) zu den führenden Staatsmännern Athens. Mit seinem Wirken war er maßgeblich am Aufbau der Attischen Demokratie beteiligt. Zudem sicherte er die Vormachtstellung Athens im Attischen Seebund und förderte den Bau der Athener Akropolis. Als Strategos war er zudem mitverantwortlich für den sich anbahnenden innergriechischen Machtkampf mit Sparta und seinen Verbündeten, der schließlich im Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.) mündete.

      Makedonien

      König Alexander III. der Große (336-323 v. Chr.) gilt als bedeutendster Herrscher des antiken Makedonien. Zu seinen größten Leistungen zählt die Eroberung des Achämenidenreiches bis zum Indischen Subkontinent. Mit seiner Regentschaft begann auch das Zeitalter des Hellenismus, deren kulturelle Traditionen noch über Jahrhunderte fortdauerten.

      Rom

      Der römische Staatsmann, Feldherr und Autor Gajus Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) entstammte einer alten römischen Patrizierfamilie und stieg schnell zu den führenden Köpfen Roms auf. Als Prokonsul eroberte er zwischen 58 und 51 v. Chr. das freie Gallien. Im anschließenden Römischen Bürgerkrieg (49-45 v. Chr.) errang Cäsar die Alleinherrschaft in Rom und war somit maßgeblich am Untergang der Römischen Republik beteiligt. Sein Name wurde in der Folgezeit zum Bestandteil des Titels aller nachfolgenden Herrscher des römischen Kaiserreichs. Er entlehnt sich außerdem auch in den Titeln "Kaiser" und "Zar".

      Cäsars Großneffe und Haupterbe Octavian (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) konnte die Machtkämpfe nach der Ermordung Cäsars am 15. März 44. Chr. für sich entscheiden. Unter dem Ehrennamen "Augustus" stieg er schließlich zum ersten Kaiser der römischen Antike auf. Seiner Regentschaft war von einerr lang andauernden Friedenszeit - der "Pax Augusta" - geprägt: Diese Zeit brachte Rom, Italien und den meisten Provinzen eine langandauernde Zeit von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Seine Außenpolitik war zudem eher defensiv; von besonderer Bedeutung war jedoch der Verlust von drei römischen Legionen in der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr.

      In der römischen Geschichtsschreibung gilt Trajan (98-117 n. Chr.) als bester römischer Princeps ("optimus princeps"). Während seiner Herrschaft erlebte das Römische Reich mit der Eroberung Mesopotamiens, Armeniens und Dakiens seine größte Ausdehnung. Innenpolitisch wollte Trajan mit umfangreichen Sozial- und Baumaßnahmen die Stellung Italiens stärken, während er in den Provinzen die Romanisierung förderte. Mit seinem Vorgänger Nerva begründete Trajan zudem die Epoche des Adoptivkaisertums.

      Besonders folgenreich war die Regentschaft von Kaiser Konstantin I. der Große (324-337 n. Chr.). Während er innenpolitisch mehrere Reformen vorantrieb und außenpolitisch auf die Sicherung und Stabilität der Reichsgrenzen setzte, leitete er mit der Konstantinischen Wende den Aufstieg des Christentums ein. Im Mailänder Edikt garantierte er den Christen die freie Religionsausübung im gesamten Reich und beendete damit die allgemeinen Christenverfolgungen. Zudem verlegte er im Jahre 324 n. Chr. die Residenz des Reiches nach Konstantinopel.

      Byzanz

      Als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike gilt der byzantinische Kaiser Justinian I. der Große (527-565). Seine Regierungszeit marktiert einen wichtigen Übergang von der Antike zum Mittelalter und damit von römischer Tradition zu byzantinischer Regierung. Während Justinian sich als "schlafloser Kaiser" um viele innenpolische Angelegenheiten selbst kümmerte, war seine Außenpolitik von den Auseinandersetzungen mit dem persischen Sassanidenreich sowie einer weitgehenden Rückeroberung der einstmals weströmischen Gebiete geprägt. Heute werden er und seine Frau Theodora I. in der orthodoxen Kirche als Heilige verehrt.

      Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (HRR)

      Otto I. der Große (936-973) zählt zu den bedeutendsten Herrschern des frühen Mittelalters. Während seiner Regentschaft setzte er die Unteilbarkeit des Königtums durch und schaffte die Grundlagen für das Reichskirchensystem. Mit seiner Kaiserkrönung am 2. Februar 962 begründete er zudem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Untrennbar verbunden mit seinem Namen ist auch die Gründung des Erzbistums Magdeburg im Jahre 968.

      Unter Heinrich IV. (1056-1105) fand der politische Konflikt zwischen dem Kaisertum und dem Papsttum im sogenannten Investiturstreit um die Amtseinsetzung von Geistlichen seinen Höhepunkt. Der Streit eskalierte mit der Exkommunikation Heinrichs durch Papst Gregor VII. (1073-1085) im Jahre 1076. Um daraufhin seine volle Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen und den Papst zur Aufhebung des Bannes zu bewegen, zog Heinrich Anfang 1077 zum Bußgang nach Canossa.

      Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) erhielt seinen Beinamen ("Rotbart") in Italien wegen seines rötlich schimmernden Bartes. Seine Regentschaft war vor allem durch den Ausgleich zwischen weltlicher und kirchlicher Macht - basierend auf der Zweischwerterlehre - geprägt. Innenpolitisch vertrat Friedrich den Anspruch höchster königlicher Autorität. Demnach sollte der König selbst einziger Ausgangspunkt für Herrschaftsgewalt sein.

      Zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen unter den mittelalterlichen Herrschern gilt Friedrich II. (1211/12-1250). Der Kaiser - von seinen Zeitgenossen als "stupor mundi" ("Staunen der Welt") bezeichnet - war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen. Zudem war er vielseitig interessiert - vor allem an naturwissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen und theologischen Fragen. So verfasste er auch ein wissenschaftliches Werk über die Falknerei. Seine Kaiseridee war ganz in der staufischen Tradition universell ausgelegt, wobei er aber auf eine Gleichberechtigung mit dem Papst bestand.

      Kaiser Karl V. (1519-1556) zählt zu den bedeutendsten Herrschern aus dem Hause Habsburg und gilt als mächtigster Herrscher seiner Zeit in Europa. Bereits 1516 würde er als "Karl I." zum König von Spanien gekrönt, drei Jahre später zum römisch-deutschen König gewählt. Im Jahre 1520 wurde er zum Kaiser des  Heiligen Römischen Reiches gewählt. Er wurde zugleich als letzter römisch-deutscher König offiziell vom Papst zum Kaiser gekrönt. Während seiner Regentschaft verfolgte Karl das Konzept der Universalmonarchie - der Kaiser hatte Vorrang vor allen Königen. So verstand er sich als Friedenswahrer in Europa, Schützer des Abendlandes vor den Osmanen und sah sich zuständig für den Schutz und die Reform der Kirche. Zudem war seine Herrschaftszeit auch durch den Konflikt mit den Protestanten geprägt.

        Preußen

        König Friedrich II. der Große von Preußen (1740-1786) - auch bekannt als "Alter Fritz" - zählt zu den bedeutendsten preußischen Herrschern der Geschichte. Als "erster Diener des Staates" gilt er zudem als führender Repräsentant eines aufgeklärten Absolutismus. Sehr zum Missfallen seines Vaters - dem "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. - interessierte er sich mehr für LiteraturMusikPhilosophie und die französische Sprache. Während seiner Regierungszeit galt Friedrich daher auch als großer Förderer der schönen Künste - legendär waren zudem auch seine Tafelrunden, zu deren Gästen auch der französische Philosoph Voltaire zählte. Außenpolitisch machte sich Friedrich auch als Feldherr einen Namen: mit den Schlesischen Kriegen - darunter dem Siebenjährigen Krieg - stieg Preußen als fünfte Großmacht in die Pentarchie mit FrankreichGroßbritannienRussland und Österreich auf.

        Bayern

        Er ist wohl der berühmteste und bekannteste der bayerischen Monarchen: König Ludwig II. von Bayern (1864-1886). Zahlreiche Lieder ranken sich noch heute um das Leben und den Tod des Wittelsbachers. Der bayerische Geheimbund der "Guglmänner" versteht sich noch heute als Hüter der bayerischen Monarchie und hält auch die Verschwörungstheorien um Ludwigs Tod am 13. Juni 1886 am Leben. Während Ludwig II. zu Lebzeiten vor allem nach einem mystisch geprägten Idealbild eines christlichen Königtums strebte, zeigte er während seiner Regierungszeit kaum praktisch-politische Initiative. So hat sich Ludwig II. in der bayerischen Geschichte vor allem als leidenschaftlicher Schlossbauherr ein Denkmal gesetzt, weshalb er volkstümlich auch als "Märchenkönig" bezeichnet wird.

        Das wohl berühmteste Bauwerk ist heute das idyllisch in den Bergen gelegene Schloss Neuschwanstein. Rund 1,3 Millionen Besucher besichtigen jedes Jahr das Märchenschloss bei Füssen. Schloss Linderhof bei Oberammergau ist das kleinste von Ludwigs Schlössern. Es ist zudem das einzige, das noch zu seinen Lebzeiten vollendet wurde. Die besondere Attraktion ist die Venusgrotte - eine künstlich angelegte Tropfsteinhöhle mit einem Wasserfall und See. Schloss Herrenchiemsee gilt als Abbild des Schlosses von Versailles auf der Herreninsel - der größten Insel des Chiemsees - und sollte ein Denkmal für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. (1643-1715) werden. Im Königshaus am Schachen verbrachte Ludwig II. seine Geburtstage in der Abgeschiedenheit des Wettersteingebirges. Heute ruht der bayerische Monarch in der Fürstengruft der Münchner Jesuitenkirche St. Michael.

        Deutsches Reich

        Als wilhelminische Epoche ging die Regentschaft des deutschen Kaisers Wilhelms II. (1888-1918) in die Geschichte ein. Wesentliches Kennzeichen seiner Politik war das Streben des Kaisers, das Deutsche Reich als wichtige Größe in der Reihe der Weltmächte zu positionieren. Die Vorliebe Wilhelms für militärischen Prunk führte auch gesellschaftlich zu einer überbetonten Rolle des Militärs - auch in der zivilen Gesellschaft. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wollte Wilhelm zudem die deutsche Innen- und Außenpolitik maßgeblich selbst mitbestimmen. Das "persönliche Regiment des Kaisers" entpuppte sich jedoch bald als eine von wechselnden Beratern gesteuerte Politik, welche die Entscheidungen Wilhelms als widersprüchlich und unberechenbar erscheinen lassen. Im Zuge der Novemberrevolution musste Wilhelm II. schließlich am 9. November 1918 abdanken.

        Der Regierungsantritt Wilhelms II. im Jahre 1888 fiel noch in die Amtszeit des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1871-1890). Dieser hatte als preußischer Ministerpräsident (1862-1890) und gleichzeitig als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes (1867-1871) maßgeblich die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 vorangetrieben. Als Reichskanzler prägte er bis zu einer Entlassung 1890 entscheidend die Politik des neugeschaffenen Reiches mit: Während er außenpolitisch mit seiner Bündnispolitik ein Gleichgewicht der europäischen Mächte anstrebte, führte er innenpolitisch zahlreiche Reformen durch. Dazu zählen unter anderem die Einführung des Zivilehe und die Schaffung des Sozialversicherungssystems. Zudem war seine Kanzlerschaft vom andauernden Konflikt mit der katholischen Kirche - dem sogenannten "Kulturkampf" - geprägt.

        Den dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte markiert die Zeit des nationalsozialistischen Terrors im "Dritten Reich" von 1933 bis 1945. Maßgeblich verantwortlich dafür war Adolf Hitler (1889-1945), dessen Regime nach der "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 die pluralistische Demokratie, den Föderalismus und den Rechtsstaat in Deutschland abschafften. Basierend auf der antisemitischen und rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus begann zudem die systematische Verfolgung und Ermordung politisch Andersdenkender sowie religiöser und ethnischer Minderheiten - darunter der beispiellose Holocaust an sechs Millionen Juden. Hitlers Regime ist zudem für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit Millionen von Kriegstoten sowie der Zerstörung weiter Teile Deutschlands und Europas verantwortlich.

        Deutsche Demokratische Republik (DDR)

        In den Anfangsjahrzehnten der DDR galt Walter Ulbricht als bedeutendster Politiker. Von 1950 bis 1971 stand er an der Spitze des Zentralkomitees der SED verfügte er über die höchste politische Entscheidungsgewalt. Zudem wurde er 1960 wurde zum ersten Vorsitzenden des Staatsrates der DDR ernannt. Mit sowjetischem Einverständnis trieb Ulbricht den Aufbau des Sozialismus in der DDR voran und war maßgeblich für den Bau der Berliner Mauer verantwortlich. Am 3. Mai 1971 erklärte Ulbricht jedoch "aus gesundheitlichen Gründen" seinen Rücktritt von fast allen politischen Ämtern. Faktisch kam sein Rücktritt aber einer Entmachtung gleich. Die Begrüundung: Ulbricht sei nicht mehr in der Lage, die wirtschaftlichen und politischen Realitäten richtig einzuschätzen Zudem verfolge er mit seiner Haltung gegenüber der Bundesrepublik eine Linie, die das zwischen der SED und der KPdSU abgesprochene Vorgehen empfindlich störe.

        Dessen Nachfolge trat 1971 Erich Honecker an. Bis zu seinem Rücktritt am 18. Oktober 1989 galt er als mächtigster Politiker in der DDR-Geschichte. Zu dessen größten außenpolitischen Erfolgen galt die Aufnahme der DDR in die UNO am 18. September 1973 und dessen offizieller Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland im September 1987. Die zunehmenden wirtschaftlichen Probleme des Landes und die innenpolitische Lage sowie die gespannten Beziehungen mit der Sowjetunion führten schließlich 1989 zu dessen Sturz und Rücktritt von allen Staats- und Parteiämtern.

        Österreich

        Erzherzogin Maria Theresia von Österreich (1740-1780) gehört heute zu den prägendsten Monarchen des aufgeklärten Absolutismus. Während sich ihr Ehemann Franz I. Stephan (1740-1765) vor allem der finanziellen Absicherung seiner Familie widmete, führte Maria Theresia die Regierungsgeschäfte. So leitete sie innenpolitisch umfassende Reformen - darunter in der Staatsorganisation sowie im Justiz- und Bildungswesen - ein und verfolgte wirtschaftspolitisch eine neue Form des Merkantilismus. Außenpolitisch suchte Maria Theresia den Ausgleich mit Frankreich.

        Mit beinahe 68 Jahre gehört Kaiser Franz Joseph I. von Österreich (1848-1916) zu den am längsten regierenden Herrschern der Weltgeschichte. Innenpolitisch war seine Regentschaft geprägt von der Auseinandersetzung mit dem liberalen Bürgertum, der Entwicklung von einer absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie, dem Ausgleich mit Ungarn und dem schwelenden Nationalitätenkonflikt. 

        Außenpolitisch beherrschten vor allem der Konflikt mit Preußen im Deutschen Bund, das österreichische Engagement auf dem Balkan und der Erste Weltkrieg seine Amtszeit. Bereits zu Lebzeiten wurde Franz Joseph zudem mit einem nostalgischen Flair umgeben - nicht zuletzt auch wegen seiner Ehe mit Kaiserin Elisabeth (1854-1898) sowie seiner zahlreichen Schicksalsschläge wie der Ermordung seiner Frau 1898, der Hinrichtung seines Bruders Maximilian in Mexiko 1867 oder der Selbstmord seines Sohnes Kronprinz Rudolf am 30. Januar 1889.

        England

        Mit Alfred dem Großen (871-899) wurden die Grundlage für die Vereinigung der angelsächsischen Königreiche unter der Oberhoheit von Wessex gelegt. Während seiner Regentschaft erfuhr zudem die angelsächsische Kultur eine Blütezeit; auch die altenglische Sprache und Literatur wurden gefördert.

        Eduard der Bekenner (1042-1066) war der letzte angelsächsische König in England und galt als überaus religiös. Während seiner Regentschaft wurde mit dem Bau der Westminster Abbey begonnen. Nach seinem Tode wurde Eduard als Heiliger verehrt.

        Sein Cousin Wilhelm I. der Eroberer (1066-1087) beanspruchte mit dem Tode Eduards die englische Krone für sich und schuf mit der Eroberung Englands das anglo-normannische Königreich. Darüber hinaus veranlasste Wilhelm den Bau des Tower von London.

        Um König Richard I. Löwenherz (1189-1199) ranken sich nach seiner kurzen Lebens- und Herrschaftszeit zahlreiche Legenden. In Sagen und der Literatur gilt er als der Inbegriff des weisen, guten Königs größter Ritterlichkeit. Während seiner Regentschaft führte Richard den Dritten Kreuzzug (1190-1192) an und geriet auf dem Rückweg nach England in die Gefangenschaft des römisch-deutschen Kaisers.

        Während der Regentschaft seines Bruders Johann Ohneland (1199-1216) wurde 1215 die Maga Charta unterzeichnet. Diese gilt als wichtigste Quelle des englischen Verfassungsrechts und garantierte dem englischen Adel grundlegende politische Freiheiten gegenüber dem König.

        König Eduard III. (1327-1377) gilt als bedeutendster englischer Monarch des Mittelalters. So festigte er während seiner Regentschaft die Königsmacht und begünstigte den wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem entwickelte er England zu einer des bestorganisierten Militärmächte Europas.

        Berühmt-berüchtigt wurde König Heinrich VIII. (1509-1547) vor allem durch seine sechs Eheschließungen - von denen zwei mit Scheidung und zwei mit der Hinrichtung der jeweiligen Ehefrau endeten. Heinrichs Regentschaft war darüber hinaus von großen sozialen und religiösen Veränderungen geprägt. So löste er im Jahre 1531 die Kirche von England vom Supermat des Papstes und machte die englische Krone zu deren Oberhaupt.

        Seine Tochter Elisabeth I. (1558-1603) löste die englische Kirche endgültig vom Katholizismus und begründete die Seemachtstellung Englands. Das Elisabethanische Zeitalter markiert zudem einen Höhepunkt in der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte Englands.

        Mit Oliver Cromwell (1649-1658) wurde die kurze republikanische Periode Englands eingeleitet. Als Lordprotektor fungierte er faktisch als Staatsoberhaupt des Commonwealth of England. In der britischen Geschichte gilt Cromwell als umstrittene Persönlichkeit: So bewerten ihn manche Historiker als Königsmörder und Diktator, andere sehen in ihm einen Freiheitshelden.

        Während der Regentschaft von Wilhelm III. von Oranien (1689-1702) nahm der englische Staat die Form einer konstitutionellen Monarchie an. So regelte die Bill of Rights die Rechte des britischen Parlaments gegenüber dem Königtum.

        Schottland

        Robert I. the Bruce (1306-1329) gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Schottlands. Während der Schottischen Unabhängigkeitskriege war er zudem einer der wichtigsten Anführer der aufständischen Schotten.

        Aufgrund der zahlreichen künstlerischen Nachbetrachtungen ihres Lebens gilt Maria I. (Stuart) (1542-1567) zu den schillerndsten Monarchen Schottlands. Ihre Regentschaft war vor allem auch durch die Konflikte mit der englischen Königin Elisabeth I. (1558-1603) geprägt. 1587 wurde sie wegen Hochverrats hingerichtet, nachdem sie verdächtigt wurde, an einem Attentat auf die englische Königin beteiligt gewesen zu sein.

        Ihr Sohn und Nachfolger Jakob VI. (1567-1625) wurde nach ihrer Absetzung zum schottischen König gekrönt. Im Jahre 1603 begründete er die Personalunion mit den Königreichen England und Irland. Zudem proklamierte er den vorwiegend geografisch verwendeten Begriff Großbritannien als politischen Begriff und führte den Union Jack als britische Flagge ein. Eine Verschmelzung der Staaten konnte er aber nicht durchsetzen.

          Großbritannien

          Die Regierungszeit von Königin Victoria (1837-1901) lange Regierungszeit (die zweitlängste nach Elisabeth II.) war vor allem von der Entwicklung Großbritanniens zu einer konstitutionellen Parteiendemokratie geprägt - einhergehend mit damit verbundenen Machtverlust der Monarchie. Im Viktorianischen Zeitalter erlebte das britische Kolonialreich seinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als konstitutionelle Monarchin war sie proforma Herrscherin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung. Durch ihre zahlreichen Nachkommen erhielt sie auch den Beinamen "Großmutter Europas".

          Mit Eduard VIII. (1936) erfuhr die britische Monarchie ihre erste Krise. Da er gegen den Willen der Regierung die zweimal geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson heiraten wollte, dankte er noch im ersten Jahr seiner Regentschaft wieder ab.

          Seit mehr als 65 Jahren trägt Elisabeth II. die britische Krone - und genießt heute den Ruf als Fels in der Brandung. Während ihrer Regentschaft hatten ihr seit 1952 bislang Premierminister gedient. Ihre Krönung am 2. Juni 1953 in Westminster Abby wurde zu einem medialen Großereignis. Auch wenn die Queen heuute mit nur wenigen Machtbefugnissen ausgestattet ist, fungiert sie immer noch als Staatsoberhaupt von insgesamt 16 Staaten - den sogenannten "Commonwealth Realms". Politisch war ihre Regentschaft von mehreren bedeutenden politischen Prozessen geprägt: von Entkolonialisierung des britischen Weltreichs über den Kalte Krieg und bis hin zum Nordirlandkonflikt. Seit September 2015 gilt die Queen als Regentin mit der längsten Amtszeit in der britischen Geschichte. Zudem gilt sie derzeit als das am längsten regierende Staatsoberhaupt der Welt.

          Einer der führenden britischen Politiker in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war William Ewert Gladstone. Zwischen 1868 und 1894 hatte er vier Mal das Amt des britischen Premierministers inne. Während seiner Amtszeiten führte er die allgemeine Schulpflicht ein und reformierte grundlegend das britische Bildungssystem sowie das Wahlrecht und das Gerichtswesen. Zudem bemühte er sich um eine Entschärfung des Konfliktes in Irland. Außenpolitisch waren seine Amtszeiten vor allem durch den Mahdi-Aufstand (1881-1899) im Anglo-Ägyptischen Sudan geprägt.

          Sir Winston Churchill gilt als bedeutendster britischer Staatsmann des 20. Jahrhunderts, der zweimal das Amt des Premierministers (1940-1945 und 1951-1955) bekleidete. Seinen Ruf erwarb sich Churchill vor allem aber als britischer Kriegspremier während des Zweiten Weltkrieges (1939-1940) sowie als Vordenker der "Vereinigten Staaten von Europa". Zudem wurde er auch als Autor politischer und historischer Werke bekannt, für die er im Jahre 1953 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

          Als erste Frau in der Geschichte bekleidete Margaret Thatcher (1979-1990) das Amt des britischen Premierministers. Wirtschaftspolitisch war die Amtszeit der "Eisernen Lady" durch den von ihr vertretenen "Thatcherismus" geprägt. Außenpolitisch zählten der Falklandkrieg 1982 und die deutsche Wiedervereinigung 1989/90 zu den Höhepunkten ihrer Regierung.

          Frankreich

          König Franz I. (der Ritterkönig) (1515-1547) zählt zu den bedeutendsten Renaissance-Fürsten Europas und als Begründer des französischen Absolutismus. So beendete er die Epoche der Loire-Könige, trieb die Zentralisierung der Macht auf Paris voran und brach die Macht der letzten französischen Kronvasallen. Seine Außenpolitik richtete sich vor allem gegen die Habsburger, womit er die Grundlage für den rund 240 Jahre andauernden Habsburgisch-Französischen Gegensatz (1516-1756) schuf. Franz I. ging zudem als großer Kunstförderer in die Geschichte ein: Mit dem Ankauf zahlreicher italienischer Werke legte er den Grundstein für den späteren Louvre.

          Als bedeutendster Monarch der französischen Geschichte gilt allerdings Ludwig XIV. (1643-1715) - auch bekannt als der "Sonnenkönig". Er vollendete den Absolutismus seiner Vorgänger, in dem die Hofkultur ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten wurde. Zudem war Ludwig XIV. ein großer Mäzen der Künste und Wissenschaften, was zu einer Blütezeit der französischen Kultur in Europa führte. Als Höhepunkt seiner Regentschaft gilt zudem der Bau des Schlosses von Versailles. Mit 72 Jahren ist Ludwig XIV. zudem das am längsten amtierende Staatsoberhaupt in der europäischen Geschichte.

          Zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte gehört der gebürtige Korse und französische General Napoleon (I.) Bonaparte (1799-1815). Dank seines militärischen Talents stieg Napoleon während der Französischen Revolution in der Armee auf. Vor allem seine Feldzüge in Italien und Ägypten machten ihn schnell populär und zu einem politischen Hoffnungsträger. Durch den Staatstreich des 18. Brumaire gelang es Napoleon, die Macht in Frankreich zu übernehmen und sich am 2. Dezember 1802 zum Kaiser krönen zu lassen. Innenpolitisch hat Napoleon dank zahlreicher Reformen - darunter etwa mit dem Code Civil - die staatlichen Strukturen Frankreichs bis heute geprägt. Außenpolitisch errang er, gestützt auf die Armee, zeitweise die Herrschaft über weite Teile Kontinentaleuropas. Nach seiner endgültigen Niederlage in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 wurde Napoleon als Kriegsgefangener auf die britische Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 starb.

          Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (1959-1969) zählt zu den bedeutendsten französischen Staatsmännern des 20. Jahrhunderts. Während des Zweiten Weltkrieges führte der französische General den Widerstand des "Freien Frankreich" gegen die deutsche Besetzung. Als französischer Ministerpräsident setzte de Gaulle eine umfangreiche Verfassungsreform durch, mit der er im Jahre 1959 die Fünfte Französische Republik begründete. Während seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt beeinflusste er maßgeblich die französische Politik durch seine Ideologie des Gaullismus. Die Außenpolitik während seiner Amtszeit war maßgeblich vom Algerienkrieg (1954-1962) und der Deutsch-Französischen Aussöhnung geprägt.

            Monaco

            Zu den bekanntesten monegassischen Fürsten zählt Rainier III. (1949-2005). Während seiner Regentschaft verwandelte er Monaco zu einem Zentrum der internationalen High Society, wozu auch die Heirat mit der US-amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly am 19. April 1956 maßgeblich beitrug. Zudem baute er die Wirtschaft Monacos mit neuen Investoren aus der Chemie-, Pharma-, Feinmechanik- und Kosmetikbranche aus und förderte das Kongresswesen. Rainiers privates Vermögen betrug etwa zwei Milliarden Euro; zu seinem Besitz gehörten auch der Fürstenpalast von Monaco, eine Sammlung von 180 Oldtimer-Automobilen oder eine der kostbarsten Briefmarkensammlungen der Welt. Im Jahre 1974 rief er mit dem Zirkusfestival von Monte Carlo das weltweit berühmteste Festival seiner Art ins Leben.

            Vatikan (Kirchenstaat)

            Als einer der bedeutendsten Päpste gilt Gregor I. der Große (590-604). Der jüngste der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike entstammte vermutlich der römischen Patrizierfamilie der Anicier. Als "Mönchspapst" bezeichnete sich Gregor auch als "Knecht der Knechte Gottes" und schrieb den Titel "Papst" als ausschließliche Bezeichnung für den Bischof von Rom fest.

            Zu den wichtigsten Kirchenoberhäuptern des Mittelalters zählt Papst Innozenz III. (1198-1216). Ein wichtiges Ziel seines Pontifikates war die juristische Fixierung des Papsttums und dessen endgültige Etablierung als weltliche Macht. So verdoppelte er den kirchlichen Besitz des Kirchenstaates, während er seine Herrschaft im Innern durch geschickte Familienpolitik bzw. Nepotismus. Zudem befürwortete Innozenz III. die Kreuzzüge und förderte neugegründete Orden wie die Humiliaten, die Dominikaner oder Franziskaner.

            Eine der schillerndsten Päpste war der Renaissancefürst und Machtpolitiker Alexander VI. (1492-1503). Der gebürtige Spanier entstammte der Adelsfamilie der Borgia und galt als lebenslustig, sinnlich und machtbewusst. Zu seinen prominentesten Kritikern gehörte der Dominikanermönch Girolamo Savonarola (1452-1498); dieser sorgte für besonderes Aufsehen mit seiner Kritik am Lebenswandel des herrschenden Adels und Klerus. Innerkirchlich wirkte Alexander für eine geordnete Verwaltung und des Kirchenstaates. Zudem engagierte sich der Borgia-Papst für die Mission Südamerikas: mit dem Vertrag von Tordillas von 1494 teilte Alexander die Welt zwischen den beiden konkurrierenden Seemächten Spanien und Portugal neu auf.

            Papst Julius II. (1503-1513) wurde durch seine Kriegszüge, sein politisches und individuelles Machtstreben sowie sein großzügiges Mäzenatentum bekannt. Im Jahre 1506 legte er den Grundstein für den Bau des Petersdoms - einen der größten Kirchenbauten der Welt. Im gleichen Jahr begründete er mit der Schweizergarde die heutige Leibwache des Papstes. Während seines Pontifikates verstand sich Julius II. vor allem als weltlicher Territorialfürst und weniger als Kirchenoberhaupt.

            Mit 31 Jahren und acht Monaten ist das Pontifikat von Papst Pius IX. (1846-1878) das längste in der Geschichte der katholischen Kirche. Papst Pius veröffentlichte zahlreiche theologische Schriften, darunter die Enzyklika Ubi primum mit dem Dogma der unbefleckten Empfängnis. In seiner Enzyklika Quanta Cura vom 8. Dezember 1864 verurteilte Pius scharf die Religionsfreiheit und die Trennung von Kirche und Staat. Gleichzeitig verurteilte das Syllabus Errorum insgesamt 80 Aussagen als falsch; zu den vom Papst definierten Irrtümern gehörten auch der NaturalismusSozialismus und Kommunismus. Den Höhepunkt seines Pontifikats bildete hingegen das Erste Vatikanische Konzil von 1869/70, auf dem auch das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkündet wurde. In sein Pontifikat fällt auch das Ende des Kirchenstaates im Sommer 1870, worauf sich Pius zum "Gefangenen im Vatikan" erklärte.

            Sein Nachfolger Papst Leo XIII. (1878-1903) ging als ausgesprochen politischer Papst in die Geschichte ein. Dessen Ziel war es, die katholische Kirche aus der selbst gewählten Isolierung gegenüber den neuen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen handelte sich Leo XIII. auch die Bezeichnung "Arbeiterpapst" und den Beinamen "der Soziale" ein. So wurde am 15. Mai 1891 die erste Sozialenzylkika "Rerum Novarum" veröffentlicht, womit der Papst die katholische Soziallehre maßgeblich aufwertete. Insgesamt veröffentliche Papst Leo XIII. während seines Pontifikates 86 Enzykliken.

            Besonders umstritten war Papst Pius XII. (1939-1958) wegen seiner Haltung zum Nazi-Regime in Deutschland und den Verbrechen des Holocaust. Ausgelöst wurde die Debatte maßgeblich von Rolf Hochmuths Drama "Der Stellvertreter" aus dem Jahre 1963. Der Hauptvorwurf gegen den Papst lautet seitdem, er habe trotz zahlreicher Bitten um öffentlichen Protest gegen den Holocaust dennoch geschwiegen - ob nun aus Gleichgültigkeit, Deutschfreundlichkeit oder aus Angst gegenüber den Kommunisten. Durch die heutige Quellenlage werden viele Kritikpunkte zwar widerlegt oder relativiert - dennoch erschwert sie immer noch eine objektive Beurteilung von Pius XII. So sind die Quellen aus seiner Zeit als Nuntius in Deutschland (1920-1929), als Kardinalstaatssekretär (1930-1939) und als Papst heute noch teilweise verschlossen.

            Mit Papst Johannes Paul II. (1978-2005) wurde erstmals ein Slawe sowie der erste Nichtitaliener seit über 450 Jahren zum "Stellvertreter Christi" gewählt. Im Fernsehzeitalter genoss der Pontifex wie kein anderer seiner Vorgänger den Ruf des "Medienpapstes", dem heute eine maßgebliche Rolle bei der Überwindung des Sozialismus in seinem Heimatland Polen zugeschrieben wird. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow schrieb zudem in seinen Memoiren, dass die Ereignisse in Osteuropa ohne den polnischen Papst nicht möglich gewesen seien. Während Johannes Paul II. innerkirchlich eine strikt konservative Haltung einnahm, setzte er sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern verstärkt für den interreligiösen Dialog ein - besonders mit dem Judentum und dem Islam. Auch die Ökumene mit anderen christlichen Konfessionen war ihm ein besonderes Anliegen.

            Spanien

            Zu den bedeutendsten spanischen Königen zählt Philipp II. (1556-1598), ältester und einzig legitimer Sohn von Kaiser Karl V. (1519-1556). In die Geschichte ging er als "düsterer König" ein, der während seiner Regentschaft ausschließlich kastilischen Kloster Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial residierte. Er umgab sich zudem mit einem undurchdringlichen Hofzeremoniell, wobei nur wenige wirklich Zutritt zu ihm erlangten. Wegen seiner Unnahbarkeit galt er fast schon als eine Art Gottheit und als ein weltentrückter Mönchskönig. Zu den Höhepunkten seiner Regentschaft zählen die Seeschlacht von Lepanto am 7. September 1571 sowie der Untergang der Spanischen Armada im Jahre 1588.

            In der jüngeren Geschichte zählt vor allem Francisco Franco (1936-1975) als prägende Gestalt im 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1936 putschte Franco gemeinsam mit rechtsgerichteten Teilen der Armee gegen die demokratische Regierung Spaniens und löste den Spanischen Bürgerkrieg aus. Mit seinem Sieg im Jahre 1939 errichtete Franco ein diktatorisches Regime - basierend auf der Ideologie Franquismus - mit politisch motivierten Verbrechen und politischen Säuberungen. Sein Regime basierte auf traditionellen konservativen Wertvorstellungen und faschistischen Prinzipien. Demokratische und regionalistische Tendenzen wie im Baskenland oder in Katalonien wurden systematisch unterdrückt. Dank eines stabilen Rückhaltes durch das Militär, die katholische Kirche und die spanischen Großgrundbesitzer gelang es Franco, sein Regime bis zu seinem Tode am 20. November 1975 aufrecht zu erhalten.

            Dessen Nachfolger König Juan Carlos I. (1975-2014) war maßgeblich an der Transition in Spanien - dem Übergang des Landes von der franquistischen Diktatur zu einer parlamentarischen Erbmonarchie - beteiligt. So scheiterte auch der Putschversuch vom 23. Februar 1981 an seinem entschlossenen Auftreten zugunsten des Demokratieprozesses. Außenpolitisch und wirtschaftlich profitierte Spanien vor allem vom Beitritt zur Europäischen Union (EU) am 1. Januar 1986. Am 19. Juni 2014 dankte er zugunsten seines Sohnes und heutigen spanischen Königs Felipe VI. ab.

              Dänemark

              In der Geschichtsschreibung aller skandinavischen Länder spielt Königin Margarethe I. (1387-1412) eine zentrale Rolle. Ihr zentrales politisches Lebensziel war die Vereinigung der drei skandinavischen Königreiche unter einem Dach und ihrer Herrschaft. Mit der Gründung der Kalmarer Union am 17. Juni 1397 wurde Skandinavien faktisch für zweieinhalb Jahre vereint, wobei jedes Königreich seinen eigenen Reichsrat und Regierungsaufbau behielt.

              Schweden

              Zu den schillerndsten Figuren der schwedischen Geschichte zählt König Gustav II. Adolf (1611-1632). Durch sein politisches und militärisches Handeln trug er wesentlich dazu bei, die Hegemonialstellung Schwedens bis ins 18. Jahrhundert hinein zu sichern. Innenpolitisch organisierte und reformierte er die Verwaltung sowie das Steuer- und Rechtswesen. Zudem machte er das schwedische Schulwesen zu den besten in Europa und förderte den wirtschaftlichen Aufschwung Schwedens. Er führte die Wehrpflicht ein und schuf mit der Volksarmee eine der schlagkräftigsten Armeen in Europa. Im Jahre 1630 intervenierte Gustav Adolf zugunsten der deutschen Protestanten im Dreißigjährigen Krieg. Am 16. November 1632 fiel schwedische König jedoch in der Schlacht bei Lützen.

                Russland

                Als erster Kaiser des Russischen Reiches zählt Zar Peter I. der Große (1862-1721) zu den herausragendsten Persönlichkeiten der russischen Geschichte. Seine Petrinischen Reformen dienten dem Ziel, Russland zu einem modernen Staat zu entwickeln. Zudem gründete er im Jahre 1703 die Stadt Sankt Petersburg, die er 1710 zur russischen Hauptstadt erhob. Peter schuf zudem die Grundlage für die Kaiserlich-Russische Marine.

                Kaiserin Katharina II. die Große (1762-1796) gilt als Vertreterin des aufgeklärten Absolutismus und ist gleichzeitig die einzige Herrscherin, die in der Geschichtsschreibung den Beinamen "die Große" erhielt. Zentrales Ziel ihrer Innenpolitik war die Etablierung der russischen Staatsgewalt in allen Ecken des Riesenreiches. Zu diesem Zweck führte sie 1775 eine groß angelegte Gouvernementsreform durch, mit der erstmals eine einheitliche Verwaltung mit Statthalterschaften, Gouvernements und Kreisen eingeführt wurde. Außenpolitisch dehnte sie den Machtbereich Russlands aus wie kein anderer russischer Herrscher vor ihr. Während der russisch-türkischen Kriege (1768-1774 und 1787-1792) eroberte sie den Zugang zum Schwarzen Meer und weite Küstengebiete. Auch die Teilungen Polens verschafften Russland erhebliche Gebietsgewinne. Katharina haftet noch heute der Ruf an, sexbesessen und machtgierig gewesen zu sein - namentlich sind mehr als zwanzig Liebhaber bekannt.

                Mit Zar Nikolaus II. (1894-1917) ist der endgültige Zusammenbruch der russischen Monarchie verbunden. Während seiner Regierungszeit galt er als konservativer Vertreter des Gottesgnadentums und hielt an der autokratischen Politik sowie fehlenden Reformbereitschaft seines Vorgängers fest. So stützte Nikolaus II. seine Macht weiterhin auf den Adel, die Armee und das Bauerntum. Politische und soziale Reformen lehnte er strikt ab und hielt vielmehr an den überkommenen halbfeudalen Gesellschaftsverhältnissen fest. Gleichzeitig wandte er sich kompromisslos gegen die Selbstverwaltungsbestrebungen der nationalen Minderheiten, vor allem der Polen, Finnen und Balten. Außenpolitisch setzte Nikolaus II. auf Expansion, vor allem in Ostasien und auf dem Balkan. Allerdings endete der Russisch-Japanische Krieg (1904/05) mit einem militärischen Debakel für Russland.

                Anfang 1917 glich Russland schließlich einem Pulverfass. Die militärischen Misserfolge während des Ersten Weltkrieges (1914-1918), die hohen Verlustzahlen und mangelhafter Versorgung der Truppen sowie die schlechte Versorgungslage und fehlenden Reformen heizten die Stimmung gegen das Zarentum immer weiter auf. Im Zuge der Februarrevolution dankte der Zar schließlich ab. Im Juli 1918 wurde die gesamte Zarenfamilie von den Bolschwiki ermordet. Erst 2000 wurden die Gebeine in der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau beigesetzt. In der russisch-orthodoxen Kirche wird Nikolaus II. heute als Märtyrer und Heiliger verehrt.

                Vereinigte Staaten von Amerika (USA)

                Der Präsident der USA ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef der Vereinigten Staaten sowie Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Eine Amtszeit dauert vier Jahre, wobei eine einmalige Wiederwahl möglich ist. Wegen des Status der USA als Supermacht sowie der Machtfülle des US-Präsidenten gilt er auch als mächtigste Person der Welt und als einer der meist geschützten Menschen. Während des Kalten Krieges wurde der US-Präsident auch als "Führer der freien Welt" bezeichnet. Der Vizepräsident der USA gilt in der Nachfolge als die erste Person, die im Falle des Todes, eines Rücktritts oder einer Amtsenthebung des Präsidenten dessen Amt übernimmt. Gleichzeitig hat er den Vorsitz im US-Senat inne. Bislang gab es 45 US-Präsidenten - von George Washington bis Donald Trump.

                Mit George Washington (1789-1797) wurde einer der Gründerväter der USA zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1775-1783) gilt er als "Vater der Nation". Während seiner Präsidentschaft traf Washington wegweisende Entscheidungen für die Entwicklung der USA zu einer republikanischen Demokratie.

                Thomas Jefferson (1801-1809) gilt als Hauptverfasser der US-Unabhängigkeitserklärung und als einer der wichtigsten Staatstheoretiker der Vereinigten Staaten. Zudem setzte er sich für eine strikte Trennung von Staat und Religion, für eine föderale Struktur der USA und eine große Freiheit des Einzelnen ein. Jefferson gilt zudem als einer der Gründerväter der Demokratischen Partei.

                Als erster "Volkspräsident" zieht Andrew Jackson (1829-1837) ins Weiße Haus ein, da er aus ärmlichen Verhältnissen stammt und vor allem bei den einfachen Wählern enorm populär ist. Zudem ist er auch der erste US-Präsident in der Geschichte, der das sogenannte "Spoils-System" anwendet - also die personelle Neubesetzung in den einzelnen Bundesbehörden. Außerdem gilt er als Hauptverantwortlicher für die gewaltsame Vertreibung der "fünf zivilisierten Indianerstämme" mit unzähligen Todeopfern.

                Die Präsidentschaft von Abraham Lincoln (1861-1865) gilt heute als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaen. Er betrieb erfolgreich die Abschaffung der Sklaverei in den USA. Dies führte allerdings auch zur Sezession der Südstaaten vom Norden und dem damit zum Amerikanischen Bürgerkrieg (1851-1865). Zudem war Lincoln der erste Präsident aus den Reihen der Republikanischen Partei. Am 15. April 1865 fiel er als erster US-Präsident einem Attentat zum Opfer.

                Der Demokrat Grover Cleveland (1885-1889 und 1893-1897) ist der einzige US-Präsident in der Geschichte, der mit einer Unterbrechung für eine zweite Amtszeit gewählt wurde. Zu den markantesten Meilensteinen seiner Präsidentschaft gehören die Einweihung der New Yorker Freiheitsstatue, die Weltausstellung in Chicago sowie der Pullman-Streik - der bis dato größte Arbeitnehmerprotest in der US-Geschichte.

                Mit 42 Jahren ist Theodore Roosevelt (1901-1909) bis heute der jüngste US-Präsident in der Geschichte. Innen- wie außenpolitisch ist er um den Ausgleich verschiedener Interessen bemüht; er versuchte die Macht der Kartelle zu beschränken und gründete zum Schutz der Natur eine Reihe von Nationalparks. Als erster US-Präsident erhielt Roosevelt im Jahre 1906 den Friedensnobelpreis für seine Vermittlung im Russisch-Japanischen Krieg. Zudem unterzeichnete er am 18. November 1903 den Hay-Bunau-Varilla-Vertrag, mit dem der Panama-Kanal in den Besitz der USA überging. Zudem ging er auch als Namensgeber für den Teddybären in die Geschichte ein.

                Woodrow Wilson (1913-1921) gilt als Gründer der Bundeshandelskommission und der US-Zentralbank. Außenpolitisch bemühte er während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) zunächst um eine neutrale Position, die er aber 1917 aufgeben musste. Nach Kriegsende erhielt er für seine Bemühungen um den Völkerbund den Friedensnobelpreis. In seine Präsidentschaft fällt auch die landesweite Alkoholprohobition.

                Der einzige Präsident mit mehr als zwei Amtszeiten ist Franklin D. Roosevelt (1933-1945). Innenpolitisch bündelte er mit dem New Deal die Wirtschafts- und Sozialreformen als Antwort auf die Massenarmut und -arbeitslosigkeit, die durch die Weltwirtschaftskrise hervorgerufen wurden. Außenpolitisch bemühte sich Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges zunächst offiziell um Neutralität, unterstützte die Alliierten aber indirekt mit dem Leih- und Pachtgesetz. Der japanische Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 führte aber schließlich zum offiziellen Kriegseintritt der USA.

                Erst unter seinem Nachfolger Harry S. Truman (1945-1953) endete im August 1945 der Pazifikkrieg mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Außenpolitisch war seine Präsidentschaft durch den Bruch der Anti-Hitler-Koalition und den beginnenden Kalte Krieg, der 1948 mit der Berlin-Blockade einen ersten Höhepunkt erlebte. Zudem intervenierte er im Korea-Krieg (1950-1953) zugunsten des antikommunistischen Südens. Innenpolitisch war Trumans Amtszeit vor allem durch den Beginn der Mc-Carthy-Ära mit dem Komitee für unamerikanische Untriebe geprägt.

                Die Präsidentschaft von John F. Kennedy (1961-1963) währte nur 34 Monate und war von entscheidenden außenpolitischen Ereignissen geprägt. Dazu zählen neben der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht und dem Bau der Berliner Mauer vor allem die Kuba-Krise im Oktober 1962. Innenpolitisch bemühte er sich um Reformen und unterstützte die US-Bürgerrechtsbewegung, die sich für eine Aufhebung der Rassentrennung einsetzte. Am 22. November 1963 wurde Kennedy jedoch in Dallas bei einem Attentat getötet.

                Dessen Nachfolger Lyndon B. Johnson (1963-1969) trat sein Amt unmittelbar nach Kennedys Ermordung an. Während seiner Präsidentschaft wurde mit dem Civil Rights Act von 1964 die Rassentrennung abgeschafft und die Gleichstellung der Afroamerikaner staatlich gewährleistet. Außenpolitisch war die Amtszeit Johnsons durch den Vietnamkrieg (1964-1975) geprägt, der aber in der Bevölkerung zunehmend auf Kritik stieß.

                Richard Nixon (1969-1974) ist vor allem mit der Watergate-Affäre verbunden, die zum bislang einzigen Rücktritt eines US-Präsidenten geführt hat. Außenpolitisch war Nixon vor allem um eine Entspannungspolitik bemüht. Als erster US-Präsident reiste Nixon zu Staatsbesuchen in die Sowjetunion und in die Volksrepublik China. In seine Amtszeit fiel zudem auch die erste Mondlandung. Nixons Nachfolger Gerald Ford (1974-1977) ist zudem der einzige US-Präsident, der weder von den vom Volk bestimmten Wahlmännern gewählt oder im Amt bestätigt wurde.

                Der überzeugte Antikommunist Ronald Reagan (1981-1989) setzte außenpolitisch auf eine massive Aufrüstung den Kalten Krieg durch eine Verschiebung des "Gleichgewichts des Schreckens" zugunsten der USA zu entscheiden. Auch in anderen außenpolitischen Fragen zeigte er sich wenig zimperlich - so beispielsweise in der Iran-Contra-Affäre oder der Invasion auf Grenada. Wirtschaftspolitisch gelang Reagan mit seinem Prinzip der "Reaganomics" ein gewisser Wohlstand, allerdings um den Preis eines Rekord-Haushaltsdefizits.

                Bill Clinton (1993-2001) widmete sich innenpolitisch vor allem der Bekämpfung von Drogenmissbrauch, Armut und Waffengewalt. Zudem strebte er die Senkung der Staatsverschuldung und die Einführung einer Krankenversicherung ein. In der Außenpolitik betrieb Clinton eine Aussöhnung mit China und Russland; zudem vermittelte er das Dayton-Abkommen, der den dreieinhalbjährigen Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina beendete. Das Ende seiner Präsidentschaft war vor allem von der Lewinsky-Affäre gekennzeichnet.

                Die Präsidentschaft seines Nachfolgers George W. Bush (2001-2009) stand ganz unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 und dem daraus resultierenden Krieg gegen den Terror. Innenpolitisch waren die Anschläge der Anlass für den USA PATRIOT Act zur Terrorabwehr - verbunden mit der Einschränkung der Bürgerrechte. Seine Amtszeit endete mit der größten Finanzkrise seit der Great Depression.

                Mit Barack Obama (2009-2017) zog erstmals ein Afroamerikaner ins Weiße Haus ein. Zudem ist er der erste US-Präsident, der außerhalb des amerikanischen Kontinents geboren wurde - nämlich auf Hawaii. Während er innenpolitisch mit einem Konjunkturprogramm über 787 Milliarden US-Dollar die heimische Wirtschaft wieder ankurbeln wollte, setzt er außenpolitisch vor allem auf die Zusammenarbeit der Völker und die internationale Diplomatie.

                Vor der Präsidenschaftswahl 2012 blieben jedoch viele Probleme noch ungelöst: das Konjunkturprogramm Obamas blieb hinter den Erwartungen zurück und die Zahl der Arbeitslosen stieg von elf Millionen bei seinem Amtsantritt auf derzeit 14 Millionen. Der Schuldenberg stieg wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise, der Kriege im Irak und in Afghanistan sowie wegen den Steuererleichterungen seine Vorgängers auf mehr als 15 Billionen US-Dollar. Nur knapp konnte Obama die Zahlungsunfähigkeit der Regierung abwenden. Auch die US-Militärstrategie muss angesichts scharfer Sparzwänge und neuer globaler Bedrohungen radikal überholt werden. So sollen die verkleinerten US-Streitkräfte flexibler und technologisch besser ausgerüstet werden.

                Mit Obamas Nachfolger Donald Trump wurde erstmals ein Kandidat ins Präsidentenamt gewählt, der niemals zuvor ein politisches oder militärisches Amt bekleidet hatte. Mit 70 Jahren ist er zudem der bislang älteste Präsident bei der Amtseinführung. Die Präsidentschaftswahl 2016 war vor allem von kontroversen Auseinandersetzungen zwischen Trump und der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton und Skandalen geprägt.

                Nicht in der Liste der US-Präsidenten zu finden ist hingegen Jefferson Davis. Während des Bürgerkrieges war er von 1861 bis 1865 der einzige Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika und damit Führer der Südstaaten. Nach dem Krieg wurde er zunächst wegen Verrats verhaftet und angeklagt, allerdings wurde das Verfahren im Jahre 1869 eingestellt. Am 17. Oktober 1978 wurde die Davis die US-Staatsbürgerschaft postum wieder zuerkannt.

                Auch der texanische Politiker und General Sam Houston ist nicht in der offiziellen Liste geführt, obwohl er zu den Schlüsselfiguren in der Geschichte des heutigen US-Bundesstaates Texas zählt. So gewann Houston während des Texanischen Unabhängigkeitskrieges (1835-1836) große Popularität als Kriegsheld. Am 5. September 1836 wurde er zum ersten Präsidenten der Republik Texas gewählt. Nach der Aufnahme von Texas in die USA am 29. Dezember 1845 vertrat Housten den neuen US-Bundesstaat für einige Jahre im US-Senat, bevor er 1859 zum Gouverneur von Texas gewählt wurde.

                Sowjetunion (UdSSR)

                Mit dem Untergang des Russischen Kaiserreiches und der Oktoberrevolution 1917 übernahmen die Bolschewiki unter der Führung von Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) die Macht in Russland. Der marxistische Theoretiker und Ministerpräsident der Russischen SFSR (1917-1924) trieb maßgeblich die Umwandlung Russlands in den ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat voran. Dabei bejahte Lenin zur Umgestaltung der russischen Gesellschaft auch das Mittel des Terrors. Daneben war Lenin auch maßgeblich an der Gründung der Sowjetunion im Jahre 1922 beteiligt. Nach seinem Tod am 21. Januar 1924 nahm Lenin in vielen Staaten des Realsozialismus die Rolle einer Symbolfigur ein.

                Über Jahrzehnte hinweg genoss der sowjetische Parteichef Josef Stalin (1922-1953) eine jahrzehntelange Glorifizierung. Während seiner Regierungszeit errichtete er eine totalitäre Diktatur und ließ durch politische "Säuberungen" vermeintliche und tatsächliche Gegner verhaften, in Schau- und Geheimprozessen zu Zwangsarbeit verurteilen oder hinrichten sowie Millionen weiterer Sowjetbürger und ganze Volksgruppen besetzter Gebiete in Gulag-Strafarbeitslager deportieren. Zu seinen Erfolgen wird hingegen die sowjetische Industrialisierung gezählt. Zudem entwickelte sich die Sowjetunion während seiner Regierung von einem rückständigen Agrarstaat zu einer atomaren Supermacht. Sein Regime und seine Interpretation des Markismus und des Leninismus werden als Stalinismus bezeichnet.

                Einen ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Geschichte Europas hatte der letzte sowjetische Staats- und Parteichef Michail S. Gorbatschow (1985-1991). Durch seine Politik der Glasnost und der Perestroika leitete das Ende des Kalten Krieges ein. Dies ermöglichte in maßgeblich auch die deutsche Einheit 1990. Für diese Politik erhielt er 1990 als einziger sowjetischer Politiker den Friedensnobelpreis. Ende 1991 trat Gorbatschow als sowjetischer Staatspräsident zurück, nachdem die UdSSR mit der Alma-Ata-Erklärung vom 21. Dezember 1991 aufgelöst wurde.

                Jugoslawien

                Über Jahrzehnte hinweg prägte Jozip Bros Tito (1892-1980) die Politik des Vielvölkerstaates Jugoslawien. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) führte er als Marshall die kommunistischen Partisanen gegen die deutsche Besatzung an. Nach dem Krieg wurde er 1945 zunächst Ministerpräsident Jugoslawiens - von 1953 bis zu seinem Tod am 4. Mai 1980 fungierte er als jugoslawischer Staatspräsident. Als führender Staatsmann der Bewegung Blockfreier Staaten verfolgte er eine Politik unabhängig von der Sowjetunion. Innenpolitisch verfolgte Tito bis zu seinem Tod jedoch einen autoritären Regierungsstil. Bei seiner Beerdigung nahmen Staatsgäste aus 127 Staaten teil - kein anderes Begräbnis eines Staatspräsidenten im 20. Jahrhundert wurde von so vielen hochrangigen Politikern begleitet.

                Türkei

                Süleyman I. der Prächtige (1520-1566) zählt zu den herausragendsten osmanischen Herrschern der Geschichte. Während seiner mehr als vierzigjährigen Regentschaft erreichten die geographische Ausdehnung und die Macht des Osmanischen Reiches ihren Höhepunkt. Sein historischer Ruhm beruht nicht zuletzt auf seinen Eroberungen, die das Osmanische Reich zu einem bedeutenden Akteur in der europäischen und nahöstlichen Politik machte. Innenpolitisch betätigte sich Süleymann in erheblichem Maße als Gesetzgeber.

                Als Begründer der modernen Türkei gilt Mustafa Kemal Atatürk (1923-1938). Seine Verdienste als osmanischer Offizier während des Ersten Weltkrieges und des Türkischen Befreiungskrieges machten ihn zu einer Symbolfigur des türkischen Selbstbehauptungswillens und Nationalbewusstseins. Als Machtpolitiker trieb er entscheidend an der Modernisierung seines Landes nach westlichem Vorbild voran. Nach seinem Tode ist das Gedenken an Atatürk noch sehr ausgeprägt und steht unter gesetzlichem Schutz.

                  Mongolei

                  Als erster Großkhan ging Dschingis Khan (1206-1227) in die Geschichte der Mongolei ein. Während seiner Regentschaft einte er die mongolischen Stämme und legte mit seinen Eroberungen die Grundlage für das Mongolische Reich, das sich auf seinem Höhehpunkt als größter zusammenhängender Herrschaftsbereich der Weltgeschichte die größten Teile des Kaiserreiches China, Koreas, Afghanistans, Georgiens, Armeniens, Russlands, Ungarns, Persiens sowie die dazwischen liegenden Länder umfasste. In der historischen Bewertung ist Dschingis Khan jedoch sehr umstritten. So gilt er den unteworfenen Völkern als einer der größten Massenmörder der Geschichte, obwohl sein Reich den eroberten Gebieten für einen langen Zeitraum Sicherheit und Frieden brachte.

                  China

                  Das "Time Magzine" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts - den chinesischen Staats- und Parteichef Mao Zedong (1893-1976). Als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) (1943-1976) und Staatspräsident der Volksrepublik China (1954-1976) war er der führende Politiker der Volksrepublik des 20. Jahrhunderts. So legte seine Politik zwar die Grundlagen für die Entwicklung Chinas von einem agrarischen und rückständigen Feudalstaat zu einer politischen und wirtschaftlichen Großmacht. 

                  Seine Kampagnen und Programme wie der "Große Sprung nach vorn" oder die Kulturrevolution kosteten hingegen Millionen von Menschen das Leben. Zudem verursachten sie wesentliche wirtschaftliche Schäden, Verluste an kulturellem Erbe und verfehlte gesellschaftliche Strukturen.

                  Insgesamt starben schätzungsweise zwischen 44 und 72 Millionen Menschen an den Folgen politischer Kampagnen, diktatorischer Machtausübung und verfehlter Wirtschaftspolitik. Dennoch wird Maos Vermächtnis als edeutender Revolutionär, militärischer Stratege und politischer Anführer weiterhin in China geehrt.

                  Japan

                  Während der "aufgeklärten Herrschaft" von Kaiser Mutsuhito (1867-1912) öffnete sich Japan politisch und wirtschaftlich der Außenwelt. Im Zuge der Modernisierung nach westlichem Vorbild stieg der ostasiatische Inselstaat zu einer Industrie- und Seemacht. Die Beamten schafften das alte Feudalsystem ab und führten öffentliche staatliche Schulen und den gregorianischen Kalender in Japan ein. In seine Regierungszeit ("Meji-Zeit") fielen mit dem Ersten Chinesisch-Japanische Krieg (1894–1895) und dem Japanisch-Russische Krieg (1904–1905). zwei große militärische Auseinandersetzungen. Zudem beendete Mutsuhito mit der sogenannten "Meji-Restauration" mit der Abschaffung des Shogunats auch die Herrschaft der Samurai in Japan. Am Ende des Prozesses stand schließlich die Verfassung von 1890

                  Seine Regierungszeit stand unter dem Motto "erleuchteter Friede": In der Realität ist der Name von Kaiser Hirohito (1926-1989) untrennbar mit der militärischen Expansion Japans in Südostasien verbunden. Höhepunkt war der Angriff auf die US-amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbour am 7. Dezember 1941, der schließlich in den Pazifikkrieg und die Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im Augist 1945 mündete. Nach der bedingungslosen Kapitulation Japans am 2.September 1945 blieb Hirohitim Amt. Allerdings wurden die Funktion des Kaisers auf rein repräsentative Aufgaben beschränkt.

                  Indien

                  Mohandas K. Gandhi (1869-1947) gilt als politischer und geistiger Führer der indischen Unabhängigkeits-Bewegung. Seine Aktionen des gewaltfreien Widerstandes und des zivilen Ungehorsams führten schließlich zum Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien. Die Teilung in die Staaten Indien, Pakistan und Bangladesch konnte Gandhi jedoch nicht verhindern. Bereits zu Lebzeiten galt Gandhi vielen als Vorbild; zudem wird er heute in Indien als Nationalheld verehrt.

                  Jawaharlal ("Pandit") Nehru (1889-1964) gilt als einer der bedeutendsten Politiker Indiens. Als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwaltes wurde er zunächst westlich erzogen. Nach 1929 wurde er neben Gandhi zum wichtigsten Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Mit der Unabhängigkeit Indiens wurde Nehru der erste Ministerpräsident des Landes - dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod am 27. Mai 1964 inne. Innenpolitisch trat er für ein demokratisches und säkulares Indien ein, dessen Wirtschaftssystem sozialistische Züge trug. Zudem gilt er als organisatorischer Gründer der indischen Kongresspartei. Außenpolitisch war Nehru ein wichtiger Wegbereiter der Bewegung Blockfreier Staaten; von ihm stammt auch der Begriff der Dritten Welt. Seine Tochter Indira Gandhi (1917-1984) war zwischen 1966 und 1977 sowie von 1980 bis 1984 die erste Regierungschefin Indiens.

                  Thailand

                  Zu den bedeutendsten Monarchen Thailands zählt König Chulalongkorn (1868-1910). Während seiner 42 Jahre andauernden Regentschaft entwickelte er das frühere Siam zu einem modernen Staat, indem er die Verwaltung und die Wirtschaft des Landes konkurrenzfähig machte. Um die Infrastruktur des Landes zu modernisieren, bediente er sich auch zahlreicher ausländischer Berater. Als erster thailändischer König knüpfte er auch direkte Kontakte mit den europäischen Königshäusern. Außenpolitisch konnte Chulalongkorn die Unabhängigkeit Thailands gegen den starken Druck Großbritanniens und Frankreichs verteidigen.

                  Der thailändische König Bhumibol Adulyadej (1946-2016) galt als besondere Integrationsfigur seines Landes und genießt in der Bevölkerung des südostasiatischen Landes eine hohe Verehrung. Das Motto seiner Regentschaft lautete "Ich werde das Land einzig zum Vorteil seiner Menschen regieren", womit er sich deutlich von den meisten seiner Vorgänger unterscheiden wollte. In einer Volksabstimmung 1987 verlieh ihm die Bevölkerung daher auch den Beinamen "der Große". Zudem genießen der König von Thailand und die königliche Familie höchsten Respekt: Jede Form der Majestätsbeleidigung ist verboten und wird mit strengen Strafen geahndet. Mit einer Amtszeit am 9. Juni 1946 bis zu seinem Tod am 13. Oktober 2016 gilt Bhumibol als der am längsten amtierende Monarch in der Geschichte Thailands. Sein Vermögen wurde auf etwa 35 Milliarden US-Dollar geschätzt, womit er auch reichster Monarch weltweit galt.

                  Südafrika

                  Neben Martin Luther King (1929-1968) und Malcolm X (1925-1965) gilt Nelson Mandela (1918-2013) heute als wichtigster Vertreter im Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen und die Apartheid in Südafrika. Bereits als Jura-Student engagierte er sich in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime und trat schließlich 1942 dem "African National Congress" (ANC) bei. Über 27 Jahre verbrachte er zudem als politischer Gefangener des Apartheid-Regimes in Haft - einen großen Teil davon auf der Gefängnisinsel Robben Island. Am 9. Mai 1994 wurde Mandela schließlich zum ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas gewählt. Während seiner fünfjährigen Amtszeit war er maßgeblich an der Umgestaltung des Landes weg von Apartheid und Minderheitenherrschaft beteiligt. Zudem gewann er international großen Respekt für seine Bemühungen um nationale und internationale Versöhnung.

                  Kuba

                  Die US-Zeitschrift "Time Magzine" kürte ihn zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts - den marxistischen Politiker, Guerrillaführer und Autor Ernesto Che Guevara (1928-1967). Er war einer der wichtigsten Anführer der kubanischen Revolution 1957/58 und neben Fidel Castro (1926/27-2016) deren wichtigste Symbolfigur. Einige seiner Schriften und Reden beeinflussten revolutionäre Strömungen weit über Kuba hinaus. Sein Leben wie Tod sowie der posthume Kult um seine Person ist noch heute Gegenstand vielfältiger Betrachtungen in Medien, Filmen und Büchern. Eine Fotografie von Alberto Korda von Che Guevara am 5. März 1960 - das Bild "Guerrillero Heroico" ("heldenhafter Freischärler/Partisan") gilt heute als berühmtestes fotografisches Abbild eines Menschen. Zudem machte ihn sein Tod im Namen einer revolutionären Bewegung zu einem Märtyrer linker Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen in der ganzen Welt. Vor allem in Kuba gilt Che Guevara noch heute als Volksheld.

                  Weitere bedeutende Politiker

                  Bedeutende Militärs

                    Weitere historische Persönlichkeiten

                    Weitere Informationen bei Wikipedia

                    Herausragende Leistungen in Wissenschaft und Kunst: Die Nobelpreise

                    Die Nobelpreise wurden vom schwedischen Industriellen und Erfinder Alfred Nobel gestiftet in Erinnerung an einen Konflikt, der sein Leben bestimmte: als Erfinder des Dynamits konnte er nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" stiftete er sein Vermögen einer Stiftung, deren Zinsen "als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". 

                    Das Geld wird zu fünf gleichen Teilen auf die Gebiete PhysikChemie, MedizinLiteratur und für die Friedensbemühungen verteilt werden. Die Preise werden seit 1901 verliehen. Zudem stieg die Dotierung von anfangs 150.800 auf zehn Millionen Schwedische Kronen (etwa 1,1 Millionen Euro). Seit 2012 beträgt das Preisgeld acht Millionen Kronen (etwa 920.000 Euro). Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der bislang älteste Preisträger war der Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz mit 90 Jahren; jüngster Preisträger war der 25-jährige Physiker William Lawrence Bragg. Zudem erhielten bislang 43 Frauen den Nobelpreis.

                    Der Nobelpreis gilt heute als die höchste Auszeichnung in den berücksichtigten Disziplinen und wird jedes Jahr an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, verliehen. Der Friedensnobelpreis wird in Oslo verliehen, alle anderen Preise vom schwedischen König in Stockholm. Die Preisträger für Chemie und Physik werden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Das Karolinska-Institut vergibt den Preis für Medizin an "denjenigen, der die wichtigste Entdeckung in der Domäne der Physiologie oder Medizin gemacht hat". Die Literaturpreise werden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste vergeben. 

                    Den Friedensnobelpreisträger bestimmt ein fünfköpfiges Nobelpreiskomitee des norwegischen Parlaments. Die Schwedische Reichsbank stiftete 1968 den "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel" (kurz: Wirtschaftsnobelpreis). Er wird nach denselben Prinzipien wie die Nobelpreise vergeben und auch gemeinsam mit diesen Preisen übergeben.

                    Seit 1980 werden mit dem Alternative Nobelpreis - auch "Right Livelihood Award" - Organisationen und Personen geehrt, die Lösungen für drängende Probleme unserer Zeit gefunden haben. Es werden Leistungen in den Bereichen Umwelt, Frieden, Abrüstung, Menschenrechte, Entwicklung, Kultur und Spiritualität, indigene Völker, Verbraucherschutz, Bildung, Gesundheit, Energie und Ressourcenschonung ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 200.000 Euro dotiert und wurde von Carl Wolmar Jakob von Uexküll gestiftet. Damit wollte er eine Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen schaffen, die aus seiner Sicht zu sehr die Interessen der reichen Welt widerspiegeln. Die Preisträger sind international eher unbekannt.

                    Internationale Organisationen und Staatenbünde

                    Vereinte Nationen (UNO)

                    Die Vereinten Nationen (UNO) wurden am 26. Juni 1945 in San Francisco von 51 Staaten gegründet. Ihre Wurzeln hat die UNO in den Haager Friedenskonferenzen und im Völkerbund, der nach dem Ersten Weltkrieg gegründet worden war, um den Frieden auf der Welt dauerhaft zu sichern. Als Rechtsgrundlage dient die Charta der Vereinten Nationen.Grundlage ist die Gleichheit aller Nationen.Zu den zentralen Tätigkeitsbereichen zählen die Friedenssicherung, die Zusammenarbeit in der Entwicklungspolitik und der Schutz der Menschenrechte.

                    Zu den Zielen der UNO zählen unter anderem:

                    • den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu erhalten;
                    • freundschaftliche Beziehungen zwischen den Staaten auf der Basis der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung zu entwickeln;
                    • internationale wirtschaftliche, soziale, kulturelle und humanitäre Probleme zu lösen;
                    • die Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen zu fördern.

                    Wichtigste Organe der UNO sind die Generalversammlung, der Weltsicherheitsrat, das UN-Sekretariat, der Internationale Gerichtshof, der UN-Wirtschafts- und Sozialrat sowie der UN-TreuhandratZudem existieren zahlreiche Neben- und Sonderorganisationen

                    Hauptsitz der UNO ist New York. Offizielle Amtssprachen sind Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch. Derzeit gehören 193 Staaten der UNO an. Die Cook-Inseln, der Kosovo, die Türkische Republik NordzypernPalästina, die DAR SaharaTaiwan und der Vatikan sind keine Mitglieder.

                    Nordatlantikpakt (NATO)

                    Der Nordatlantikpakt (NATO) wurde am 17. September 1949 gegründet und ist ein militärisches Bündnis von europäischen und nordamerikanischen Staaten. Sie sieht sich als Defensivbündnis ohne automatische Beistandspflicht der Mitgliedstaaten. Laut Vertrag verpflichten sich die Mitglieder dazu, Konflikte friedlich beizulegen sowie die internationalen Beziehungen freundschaftlich auszugestalten. Weitere Ziele sind:

                    • die westlich-liberale Gesellschaftsordnung zu wahren;
                    • die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenarbeit zu wahren;
                    • demokratische Prinzipien anzuerkennen

                    Im Falle eines militärischen Angriffs auf ein NATO-Mitglied sind die übrigen Mitgliedstaaten zur sogenannten kollektiven Selbstverteidigung verpflichtet. Die im Vertrag vereinbarten Ziele sind bis heute unverändert. Allerdings wurden die Aufgaben der NATO an die aktuellen sicherheitspolitischen Gegebenheiten angepasst. Ein wichtiger Bestandteil der NATO-Aufgaben sind auch verschiedene Partnerschaftsprogramme, darunter die "Partnerschaft für den Frieden".

                    Europarat

                    Der Europarat wurde am 5. Mai 1949 gegründet und hat seinen Sitz in Straßburg. Der Europarat ist institutionell nicht mit der Europäischen Union (EU) verbunden, obwohl beide die gleiche Flagge und die gleiche Hymne verwenden. Der Europarat wurde vor allem auf Betreiben des American Committee for a United Europe gegründet und ist die erste originär politische Organisation Europas. Im Europarat wird vor allem über allgemeine europäische Fragen debattiert. Die völkerrechtlich verbindlichen Konventionen haben das Ziel, das gemeinsame Erbe zu bewahren und wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern. Die Ziele des Europarates sind:

                    • der Einsatz für die Menschenrechte;
                    • demokratische Grundsätze und rechtstaatliche Grundprinzipien zu sichern;
                    • den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern.

                    Wichtigste Organe sind das Ministerkomitee sowie die Parlamentarische Versammlung des Europarates.

                    Europäische Union (EU)

                    Die Europäische Union (EU) wurde am 1. Januar 1993 gegründet. Ihren Ursprung hat die EU in den Europäischen Gemeinschaften (EGKSEWG und EURATOM) von 1951 und 1957. Entscheidender Ausgangspunkt des europäischen Einigungs- und Integrationsprozesses war das Ende des Zweiten Weltkrieges. Durch die Vernetzung militärisch relevanter Wirtschaftsbereich sollte ein erneuter Krieg unmöglich gemacht und damit eine politische Annäherung sowie eine dauerhafte Versöhnung der Staaten erreicht werden. 

                    Die EU basiert heute auf drei Säulen: den Europäische Gemeinschaften (EG), der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie der Polizeilichen und juristischen Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS). Derzeit gehören 27 Staaten der EU an.

                    Afrikanische Union (AU)

                    Die Afrikanische Union (AU) wurde am 9. Juli 2002 als Nachfolgeorganisation der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) gegründet. Ihr Sitz ist in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Zu den wichtigsten Organen gehören das Panafrikanische Parlament, der AU-Sicherheitsrat und drei Finanzinstitutionen.

                    Hauptziel der AU ist die Kooperation aller Mitgliedstaaten auf allen Gebieten. Der Gründung der AU wurde maßgeblich vom ehemaligen libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi vorangetrieben. Der Gründungsvertrag orientiert sich dabei vor allem am Vorbild der Europäischen Union (EU). Außer Marokko gehören alle afrikanischen Staaten der AU an.

                    Organisation Amerikanischer Staaten

                    Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wurde am 30. April 1948 in Bogotá gegründet und hat ihren heutigen Hauptsitz in Washington D.C. Die Ziele der OAS sind:

                    • die Demokratisierung und die Menschenrechte zu fördern;
                    • Streitigkeiten zwischen dem amerikanischen Staaten friedlich zu regeln;
                    • eine engere kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

                    Zentrale Organe der OAS sind die Generalversammlung, der ständige Rat und das Sekretariat. Daneben existieren eine Agentur für Zusammenarbeit und Entwicklung, die Kommission für Menschenrechte sowie verschiedene Spezialagenturen und Kommissionen.

                    Arabische Liga

                    Die Arabische Liga wurde am 22. März 1945 in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gegründet. Zentrales Organ ist der "Rat der Arabischen Liga (Ligarat)", welcher aus den Vertretern der Mitglieder besteht, der permanenten Kommission und dem Generalsekretariat. Zu den Hauptzielen gelten:

                    • Streitfälle untereinander zu verhüten oder zu schlichten;
                    • die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen zu fördern - insbesondere auf den Gebieten Finanzwesen, Transport, Kultur, Gesundheitswesen, Medien;
                    • die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitglieder der arabischen Mitglieder zu wahren sowie die arabischen Außeninteressen zu wahren;
                    • die Anerkennung Palästinas als unabhängigen Staat zu erreichen.

                    Organisation erdölexportierender Länder (OPEC)

                    Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) wurde am 14. September 1960 in Bagdad gegründet. Die Mitgliedstaaten der OPEC fördern derzeit etwa 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven. Ziel der OPEC ist ein monopolisierter Ölmarkt, der sich gegen die Preisbildung auf dem Weltmarkt mittels fester Förderquoten für einzelne OPEC-Mitglieder und die Regelung der Erdölproduktion wendet.

                    Zweimal jährlich treffen sich die für Erdöl und Energie zuständigen Minister der OPEC-Länder, um den Stand des Erdölmarktes zu beurteilen, einen stabilen Ölmarkt sicherzustellen und gleichzeitig die eigenen Erdölgewinne zu sichern. Das OPEC-Sekretariat obliegt die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu zählen die Forschung im Bereich Energie und Finanzen sowie Vorträge und Seminare.

                    Staatengruppen der G7 und der G20

                    Die Gruppe der Sieben (G7) umfasst die acht größten Wirtschaftsnationen der Welt, die einmal im Jahr zum direkten und informellen Austausch über internationale Schlüsselfragen zusammenkommen. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe im Juli 1975 durch Deutschland und Frankreich mit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel, an dem auch GroßbritannienItalienJapan und die USA teilnahmen. Ein Jahr später wurde die Gruppe um Kanada erweitert. 

                    1998 wurde die Staatengruppe mit Russland zur Gruppe der Acht (G8) erweitert. Mit dem Ausschluss der Russischen Föderation im Zuge der Krimkrise kehrten die anderen Mitglieder zum Format G7 zurück. Die Mitgliedstaaten repräsentieren derzeit 15 Prozent der Weltbevölkerung sowie zwei Drittel der Weltwirtschaftsleistung und des internationalen Handelsvolumens. 

                    Durch den steigenden wirtschaftlichen Einfluss der Schwellenländer wendet sich die G8 heute jedoch verstärkt sicherheits- und geopolitischen Themen, dem Klimawandel und der Partnerschaft mit Afrika zu. Im Jahre 2005 wurde zudem die Gruppe der Acht plus Fünf (G8+5) ins Leben gerufen - bestehend aus den Mitgliedern der G8 und den fünf wichtigsten Schwellenländern ChinaIndienBrasilienMexiko und Südafrika.

                    Seit 1999 besteht die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) als informeller Zusammenschluss von 19 Staaten und der Europäischen Union (EU) als Forum für die Kooperation und Konsultation in Fragen des internationalen Finanzsystems. Die G20-Gruppe repräsentiert heute zwei Drittel der Weltbevölkerung, knapp neun Zehntel der globalen Wirtschaftskraft und vier Fünftel des weltweiten Handels. In diesem Zusammenschluss sind neben den Industrienationen auch Schwellen- und Entwicklungsländer vertreten. 

                    Dazu gehören neben der G7 ArgentinienAustralienBrasilienChinaIndienIndonesienMexikoSaudi-ArabienSüdafrikaSüdkorea und die Türkei. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank, die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Präsidentschaft sind bei den jährlichen Treffen vertreten.

                    Weltwirtschaftsforum (WEF)

                    Da Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Kurort Davos ist einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler aus aller Welt. Ziel der Veranstaltung ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Bei Seminaren und Diskussionen reden die Teilnehmer über globale wirtschaftliche Probleme und suchen nach Lösungsansätzen für politische und soziale Herausforderungen. Außerdem nutzen die Teilnehmer die mehrtägige Konferenz, um persönliche und geschäftliche Kontakte zu knüpfen und auszubauen. Gegründet wurde das WEF vom deutschen Wirtschaftsexperten Klaus Schwaab im Jahre 1971. Heute zählt die Konferenz zu den prestigeträchtigsten Wirtschaftsveranstaltungen der Welt. Ergänzt wird der WEF-Jahresreigen durch das "New Champions" in China; hinzu kommen spezielle Treffen für Südamerika, Ostasien und Indien, den Nahen Osten, Eurasien sowie Afrika.

                    Dem Forum gehören 1.000 der weltgrößten Unternehmen sowie 200 kleinere Firmen als Mitglieder oder Partner an. Der Mitgliedsbeitrag liegt - je nach Größe des Unternehmens und Umfang der Beteiligung - zwischen 50.000 und 500.000 Schweizer Franken im Jahr. Das Nonprofit-Unternehmen hat seinen Sitz in Cologny über dem Genfer See und beschäftigt weltweit rund 500 Mitarbeiter. Kritiker werfen dem WEF vor, dass das Elitetreffen die Zukunft ohne demokratische Grundlage plane. Seit 2001 kommen jedes Jahr Zehntausende Menschen zu einer Gegenveranstaltungen - dem Weltsozialforum - zusammen.

                    Münchner Sicherheitskonferenz - Diskussionsforum für die Politprominenz

                    Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt als weltweit wichtigstes und größtes Treffen seiner Art zur internationalen Sicherheitspolitik. Drei Tage lang diskutieren Staats- und Regierungschef, Sicherheitspolitiker sowie Vertreter von Militär, Rüstungsindustrie und Wissenschaft im Hotel Bayerischer Hof über aktuelle Sicherheitsthemen. Da die Teilnehmer keine Beschlüsse fassen, kann auf dem Podium oder in geschlossener Runde vergleichsweise offen diskutiert werden.

                    Das Treffen ging aus der sogenannten Wehrkundetagung hervor, die 1962 von deutschen Verleger Ewald von Kleist ins Leben gerufen wurde. In den ersten Jahren stand zunächst das Ost-West-Verhältnis auf der Tagesordnung. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde sie in "Sicherheitskonferenz" umbenannt sowie für die früheren Ostblock-Staaten und Teilnehmer aus Asien geöffnet. Zudem wurde die Veranstaltung auch um Themen wie Energieversorgung, Finanzpolitik oder Cyberkriminalität erweitert.

                    Die Hanse: Die erste Wirtschaftsgemeinschaft der Geschichte

                    Die Hanse war eine Vereinigung niederdeutscher Kaufleute mit dem Ziel, die Überfahrt zu sichern sowie die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen - besonders im Ausland - zu vertreten. Der Begriff leitet sich vom althochdeutschen Wort "hansa" ab und bedeutete "Gruppe", "Gefolge" oder "Schar". Vom 12. bis 17. Jahrhundert war die Hanse eine politische Kraft ersten Ranges in Europa ohne jedoch über eine eigene Souveränität zu verfügen. Ihre Mitglieder verblieben unter der Herrschaft ihrer weltlichen und geistlichen Fürsten. Entstanden war die Hanse um 1250 aus den Gemeinschaften der Nord- und Ostseehändler. Um 1400 hatte sie sich zu einer nordeuropäischen Großmacht entwickelt, der im Kern etwa 72 Städte angehörten und mit der weitere 130 Städte locker assoziiert waren.

                    Das höchste Leitungs- und Beschlussgremium war der Hansetag, der zwischen 1356 und 1669 meist in Lübeck tagte. Zu den wichtigsten Angelegenheiten, über die der Hansetag zu befinden hatte, waren beispielsweise die Ratifizierung von Verträgen, die Neuaufnahme oder Ausschluss von Mitgliedern, die diplomatischen Aktivitäten der Hanse sowie die Entscheidung über Krieg und Frieden, Wirtschaftssanktionen, finanzielle oder militärische Maßnahmen und die Schlichtung von Konflikten zwischen Hansestädten. Mit dem Dreißigjährigen Krieg fand die Hanse schließlich ihr endgültiges Ende.

                    Anknüpfend an die reiche Tradition wurde 1980 im niederländischen Zwolle die Neue Hanse gegründet. Mittlerweile zählt sie 178 Mitglieder aus 16 Staaten - darunter auch 100 in Deutschland und allein rund zwei Dutzend in Niedersachsen. Der neue Bund mit Sitz in Lübeck will einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten sowie die Zusammenarbeit zwischen den alten und neuen Hansestädten fördern. Ein Höhepunkt ist der alljährlich stattfindende Internationale Hansetag.

                    Internationale Konflikte

                    Der Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern

                    Seit mehreren Jahrzehnten schwelt bereits der Konflikt zwischen den Israelis und Palästinensern um den schmalen Landstreifen zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer. So kam es bereits zu mehreren Kriegen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, welche den Konflikt bis heute aber nicht lösen konnten. Als 1948 mit dem Staat Israel die "nationale Heimstätte" der Juden gegründet wurde, überschritten die Armeen von fünf arabischen Ländern die Grenzen, wurden aber zurückgeschlagen. Mindestens 730.000 Palästinenser flohen oder wurden vertrieben.

                    In Sechstagekrieg von 1967 eroberte die israelische Armee den Sinai, die strategisch wichtigen Golan-Höhen, das Westjordanland und Ost-Jerusalem. Über eine Million Palästinenser gerieten unter israelische Besatzung - Hundertausende flohen. Heute leben rund fünf Millionen registrierte Flüchtlinge und ihre Nachkommen in den Palästinensergebieten sowie in den arabischen Nachbarländern. 

                    Während des Jom-Kippur-Krieges konnte Israel jedoch nur mit schweren Verlusten die Angriffe Ägyptens und Syriens abwehren. Die folgenden Jahrzehnte standen vor allem unter dem Eindruck der internationalen Friedensbemühungen im Nahost-Konflikt. So unterzeichneten Israel und Ägypten am 26. März 1979 einen Friedensvertrag. Auch mit Jordanien schloss Israel am 26. Juli 1994 ein Friedensabkommen. Der Oslo-Friedensprozess brachte aber keinen dauerhaften Frieden in der Region.

                    Ein Haupthindernis für den Nahost-Friedensprozess ist der Bau der israelischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten. Nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft verstößt der Siedlungsbau gegen Artikel 49 der 4. Genfer Konvention. Demnach dürfen Besatzungsmächte "Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung nicht in besetzte Gebiete umsiedeln". Israel argumentiert hingegen, seien nicht im ursprünglichen Sinne besetztes Gebiet. Zudem sei Ost-Jerusalem ein Teil der "ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels". Zahlreiche Staaten erkennen die Annektierung jedoch nicht an.

                    Angaben des israelischen Zentralbüros für Statistik lebten im Jahre 2009 rund 296.700 Siedler im Westjordanland; hinzu kommen etwa 190.000 Israelis in Ost-Jerusalem. Die jüdischen Siedler leben inmitten von etwa 2,4 Millionen Palästinensern. Zwischen 1967 und Mitte 2011 wurden zudem 124 israelische Siedlungen im Westjordanland errichtet; zudem kommen etwa 100 illegale Siedlungen, die von der israelischen Regierung nicht genehmigt wurden. Die Friedensorganisation Peace Now kritisiert, dass immer mehr dieser illegalen "Vorposten" nachträglich von der Regierung legalisiert werden.

                    Die Siedlungen selbst sind für Palästinenser tabu - ebenso wie einige für die Siedler bestimmte Straßen. Im fruchtbaren Jordan-Tal sind zudem nach Angaben des UN-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA) in den Palästinensergebieten knapp 80 Prozent der Fläche für Palästinenser ebenso tabu. Auch vier von fünf Straßen dürfen sie dort nicht befahren. Laut OCHA seien etwa 200.000 Palästinenser aus 70 Orten aufgrund der israelischen Sperren etwa fünfmal so lange zur nächsten Stadt unterwegs wie ohne Blockaden. Allein im September 2011 gab es 522 Sperren und Kontrollposten der israelischen Streitkräfte im Westjordanland.

                    Der Konflikt um Nordirland

                    Der Nordirland-Konflikt - auf Englisch auch "The Troubles" und irisch "Na Trioblóidí" genannt - bezeichnet die bewaffneten Auseinandersetzungen in der britischen Provinz Nordirland zwischen 1969 und 1998. Bei diesem Konflikt handelt es sich vor allem um einen Machtkampf zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen der englisch- und schottischstämmigen, unionistischen Protestanten sowie den überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken. Bis heute sind die politischen und sozialen Einstellungen vieler Menschen durch den Konflikt geprägt.

                    Ihren Ursprung hat diese Auseinandersetzung in der Unabhängigkeit der Republik Irland von Großbritannien 1920/21. Gegen Ende der 1960er-Jahre eskalierte jedoch die Gewalt zwischen beiden Seiten. Auch wenn die Zahl der Beteiligten eher klein war und die paramilitärischen Organisationen keineswegs die Bevölkerung vertraten, waren zahlreiche Menschen unmittelbar von diesem Konflikt betroffen. So starben fast 4.000 Menschen - zumeist Zivilisten - durch die Gewalt.

                    Erst das Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 beendete den militärischen Konflikt zwischen beiden Seiten. So verzichtete Irland auf eine Wiedervereinigung mit Nordirland, während die Präsenz britischer Truppen verringert wurde. Die paramilitärischen Truppen der Irish Republican Army (IRA), der Ulster Defence Association (UDA) und der Ulster Volunteer Force (UVF) erklärten sich außerdem dazu bereit, ihre Waffen abzugeben.

                    Dennoch schwelt der Konflikt weiter: während die mehrheitlich katholischen Nationalisten eine Loslösung von Großbritannien und eine Vereinigung mit der Republik Irland anstreben, wollen die mehrheitlich protestantischen Unionisten Teil des britischen Königreichs bleiben. Zudem hält das Karfreitagsabkommen die Möglichkeit einer Wiedervereinigung mit der Republik Irland ausdrücklich offen, wenn sich die Mehrheit der Nordiren dafür ausspricht. Das ist bislang noch nicht der Fall.

                    Griechen gegen Türken: Der Konflikt auf Zypern

                    Der Konflikt um Zypern reicht bereits ins 19. Jahrhundert zurück. Aufgrund seiner geografischen Lage war die Insel für alle Großmächte im Vorderen Orient von besonderem Interesse. Der Berliner Kongress von 1878 ermöglichte es Großbritannien, die Insel zu annektieren; im Jahre 1925 wurde Zypern zudem eine britische Kronkolonie. Bereits während der Kolonialzeit entwickelten sich zwei Unabhängigkeitsbewegungen: während sich die griechischen Zyprioten im Zuge der Enosis für einen Anschluss an Griechenland einsetzte, machte sich die türkische Minderheit für eine Unabhängigkeit Zypern stark. Mit dem Züricher und Londoner Abkommen vom 19. Februar 1959 einigten sich die Zyprioten sowie Großbritannien, Griechenland und die Türkei auf die Unabhängigkeit der britischen Kronkolonie. Am 16. August 1960 wurde die Republik Zypern unabhängig und trat am 20. September 1960 den Vereinten Nationen bei.

                    Am 15. Juli 1974 kam es jedoch zu Putschversuch von Offizieren der griechischen Militärjunta und der Zyprischen Nationalgarde mit dem Ziel eines Anschlusses Zyperns an Griechenland. In dessen Folge besetzten die türkische Streitkräfte als Garantiemacht der Zypern-Türken am 20. Juli 1974 den Nordteil der Insel. Am 15. November 1983 wurde schließlich Türkische Republik Nordzypern proklamiert, die jedoch von der internationalen Staatengemeinschaft - mit Ausnahme der Türkei - nicht anerkannt wurde. Die UN-Resolution 541 betrachtete die Unabhängigkeiterklärung zudem als rechtswidrig und forderte den Rückzug der türkischen Truppen.

                    Dennoch hat sich die Teilung der Insel bis heute verfestigt, beide Gebiete entwickelten sich zudem völlig unterschiedlich. Lange Zeit galt die Grüne Linie zwischen dem türkischen Norden und dem griechischen Süden als letzte Mauer in Europa, die auch die Hauptstadt Nikosia faktisch teilt. Erst im Frühjahr 2003 wurde die Grenze wieder für die Zyprioten geöffnet. Internationale Bemühungen zur Wiedervereinigung wie der "Annan-Plan" scheiterten jedoch. Somit gehört seit dem 1. Mai 2004 faktisch nur der Südteil Zyperns der Europäischen Union (EU) an. Bereits seit dem 4. März 1964 soll die UN-Friedenstruppe auf Zypern (UNFICYP) ein Wiederaufflammen der bewaffneten Konflikte zwischen den Zypern-Griechen und den Zypern-Türken.

                    Die Kurden: Das weltweit größte Volk ohne eigenen Staat

                    Die Kurden sind ein Volk von etwa 25 Millionen Menschen, das in Vorderasien auf einem Gebiet von rund 500.000 Quadratkilometer - dem sogenannten "Kurdistan" angesiedelt ist und bis heute keinen eigenen Staat besitzt. Die meisten Kurden - etwa zwölf Millionen - leben heute in der Türkei; weitere Kurden leben im Irak, im Iran, in Syrien, Armenien und Aserbaidschan. Seit 1984 kämpft die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit blutigen Bombenanschlägen und Angriffen für einen eigenen Staat oder zumindest für Autonomie. Bislang starben bei diesem Konflikt bis zu 40.000 Menschen. 

                    Die Europäische Union (EU) und die USA stufen die PKK und ihre Nachfolgeorganisationen als terroristische Vereinigung ein. Im Zuge der EU-Beitrittsgespräche räumte die Türkei den Kurden zwar mehr kulturelle Rechte ein; Zugeständnisse für mehr Autonomie blieben jedoch aus. Lediglich im Irak genießen die Kurden derzeit eine weitgehende politische Autonomie. In Syrien stellen die Kurden die größte ethnische Minderheit. Ein Teil der Kurden schloss sich im syrischen Bürgerkrieg der Opposition gegen Staatschef Baschar al-Assad an.

                      Weitere Informationen bei Wikipedia

                      Retter in der Not: Das Internationale Rote Kreuz (IKRK)

                      Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist der Ursprung der gesamten Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Das Komitee ist eine unabhängige Organisation mit Sitz in Genf, die sich um Opfer von Kriegen und bewaffneten Konflikten sowie von Naturkatastrophen kümmert. Es gewährt Verwundeten und Zivilisten Schutz und Hilfe und setzt sich für das Völkerrecht - insbesondere das humanitäre Völkerrecht - ein. Seine Grundsätze sind Menschlichkeit, Unabhängigkeit, Neutralität, Überparteilichkeit, Freiweilligkeit, Einheit und Universalität.

                      Es wurde 1863 auf Initiative des Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant gegründet - rechtliche Grundlage sind die Genfer Konventionen. Inzwischen gehören dem Komitee 187 nationale Rotkreuz-Gesellschaften an. Seit 1919 sind diese in der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC) zusammengeschlossen, welche die Einsätze in über 80 Ländern koordiniert. 

                      Derzeit sind mehr als 12.000 Helfer für das IKRK im Einsatz; dessen Arbeit wird durch Spenden sowie staatliche Zuwendungen finanziert. Die nationale Rotkreuz-Gesellschaft in Deutschland ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK), dem das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und das Badische Rote Kreuz (BRK) als Landesverbände angeschlossen sind.

                      Weltreligionen: Von Jesus bis Buddha

                      Christentum

                      Das Christentum ist mit rund 2,26 Milliarden Menschen heute die größte Religion der Welt. Sie entstand mit Jesus von Nazareth, in dem seine Anhänger nach dessen Kreuzigung und Auferstehung den erwarteten Messias und Sohn Gottes sehen. Zudem glauben die Christen an einen Gott als eine Dreifaltigkeit - also die Wesenseinheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

                      Grundlegende Quelle des Christentums ist die Bibel, die aus zwei Teilen besteht: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Während das Alte Testament im Detail dem jüdischen Tanach entspricht, umfasst das Neue Testament die Berichte vom Leben Jesu (Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe der Apostel und die Offenbarung des Johannes.

                      Besonders verbreitet ist das Christentum heute vor allem in Europa, Amerika und dem pazifischen Raum. Aber auch in Afrika bekennt sich knapp die Hälfte der Menschen zum christlichen Glauben. Die zahlreichen christlichen Konfessionen lassen sich im wesentlichen in folgende Gruppen zusammenfassen:

                      • Die römisch-katholische Kirche ist die zahlenmäßig größte christliche Kirche. Sie umfasst 23 Teilkirchen mit eigenem Ritus - darunter die Lateinische Kirche sowie die Unierten Ostkirchen. Entscheidendes Merkmal der katholischen Kirche ist die Anerkennung des Primats des römischen Bischofs über die Gesamtkirche. Der römisch-katholischen Kirche gehören derzeit etwa 1,181 Milliarden Mitglieder an.
                      • Um selbstständige katholische Kirchen handelt es sich bei den Gemeinschaften der Altkatholischen Kirche. Sie entstanden aus dem Protest gegen das Jurisdiktionsprimat und die päpstliche Unfehlbarkeit, die am 18. Juli 1870 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) beschlossen wurden. Die altkatholischen Kirchen sind in der Utrechter Union zusammengeschlossen.
                      • Den protestantischen Kirchen gehören vor allem die Anhänger der Reformation im 16. Jahrhundert an. Prägend sind vor allem die Konzentration auf die Bibel und die Anerkennung Jesu Christi als alleinige Autorität der Kirche. Zudem werden einige Sakramente wie die Priesterweihe oder die Krankensalbung nicht anerkannt.
                      • Neben der katholischen und der evangelischen Kirche stellen die orthodoxen Kirchen die wichtigste christliche Konfession dar. Die zahlenmäßig größten Zweige sind die Russisch-Orthodoxe sowie die griechisch-orthodoxe Kirche. Die Gottesdienste der zumeist selbst verwalteten Kirchen werden nach dem Byzantinischen Ritus zelebriert. Die katholische und orthodoxe Kirche verbinden viele Gemeinsamkeiten; allerdings sehen die orthodoxen Kirchen im Papst nur den Bischof von Rom und nicht das Oberhaupt der Christenheit. Die Trennung der orthodoxen und katholischen Kirche geht auf das morgenländische Schisma im Jahre 1054 zurück, als sich die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz und der Westkirche in Rom gegenseitig exkommunizierten. Den orthodoxen Kirchen gehören etwa 300 Millionen Mitglieder an.
                      • Die Anglikanische Gemeinschaft ist eine weltweite Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition katholische und evangelische Glaubenselemente vereinigt. In der Gemeinschaft sind derzeit 38 Landeskirchen bzw. Provinzen an, die selbstständig voneinander agieren. Daher kennt die Anglikanische Gemeinschaft auch kennt keine zentralisierten Strukturen der Autorität - kein Bischof ist somit für die Geschäfte eines anderen Bistums weisungsbefugt. Ihr gehören weltweit etwa 80 Millionen mitglieder in 385 Diözesen an.
                      • Bereits im 16. Jahrhundert entstand die Kirche von England durch den Bruch von König Heinrich VIII. (1509-1547) mit dem Papst in Rom. Heute gehören der Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft mehr als 25 Millionen Gläubige in England, auf den Kanalinseln und der Isle of Man an. Seit ihrer Entstehung ist das britische Monarch auch das weltliche Oberhaupt der Kirche. Geistliches Oberhaupt ist der Erzbischof von Canterbury. Theologisch sind die "Kirche von England" und die römisch-katholische Kirche nicht weit voneinander entfernt: Allerdings erkennen die Anglikaner nicht das Primat des Papstes an. Zudem werden seit 1993 - im Gegensatz zu den Katholiken - auch Frauen zum Priester geweiht. Neben der "Church of England" existieren in Großbritannien zudem mit der "Church in Wales" und der "Episcopal Church of Scotland" zwei weitere anglikanische Kirchen.
                      • Die koptische Kirche gehört zu den altorientalischen Kirchen und wurde der Überlieferung nach bereits vom Evanglisten Markus vor rund 2.000 Jahren in Ägypten gegründet. Die eigentlich koptisch-orthodoxe Kirche entstand im Jahre 451 auf dem Konzil von Chalkedon, als der Patriarch von Alexandria im Dogmenstreit um die Natur Jesu Christi unterlag. Der Begriff "Kopten" ist vom arabischen Wort für Ägypter abgeleitet. Die Koptische Kirche ist heute die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Derzeit leben schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Kopten in Ägypten; etwa eine weitere halbe Million lebt in anderen Ländern, davon rund 6.000 in Deutschland. Am 4. November 2012 wurde Papst Tawadros II. zum Oberhaupt der koptischen Kirche und 118. Nachfolger des heiligen Markus gewählt.

                      Daneben existieren zudem zahlreiche christliche Freikirchen wie zum Beispiel die Adventisten, die Baptisten oder die TäuferbewegungWie in anderen Religionen hat auch das Christentum mit fundamentalistischen Strömungen zu kämpfen. So hat sich beispielsweise bei einigen protestantischen Gruppierungen in den USA der Kreationismus verbreitet, der die Evolutionstheorie von Charles Darwin ablehnt und sich stattdessen auf die Schöpfungsgeschichte in der Bibel beruft.

                      Aber auch in der katholischen Kirche gab es Strömungen, die nach nicht hinterfragbaren Werten suchen. Dazu gehören unter anderem das Engelwerk oder die Sedisvakantisten. Der Begriff des Fundamentalismus ist im 20. Jahrhundert in Nordamerika entstanden, als Protestanten die Modernisierung ihres Glaubens scharf kritisierten. Hervorgerufen wurde der Protest durch die Angst, die eigene religiöse und kulturelle Identität zu verlieren.

                      Wichtige christlichen Feiertage

                      Ostern
                      Für Christen ist Ostern das wichtigste Fest des Kirchenjahres und erinnert an die Auferstehung Jesu Christi. Seit dem Ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 wird das Fest am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Entwickelt hat sich Ostern wahrscheinlich aus dem jüdischen Pessach-Fest, welches an den Auszug der Juden aus Ägypten erinnert. Die Woche vor Ostern wird als Karwoche als Karwoche bezeichnet: Sie beginnt mit in Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem mit Palmsonntag. Während Gründonnerstag als Tag des letzten Abendmhals gilt, wird am Karfreitag der der Kreuzigung Jesu Christi gedacht. Abgeleitet wird der Name von "Greinen" ("Weinen"). Der eigentlichen Auferstehung wird schließlich am Ostersonntag gedacht. Die Herkunft des Namens "Ostern" gilt als nicht völlig geklärt: Volkstümlich wurde er wohl von der Frühlingsgöttin "Ostara" abgeleitet. An Ostern werden zudem einige bekannte Bräuche gepflegt. Die wichtigsten Traditionen im Überblick:

                      • Das Osterlamm geht auf die jüdische Tradition zurück, am Pessach-Fest im Gedenken an Gott ein Lamm zu schlachten. Für die Christen wurde das Osterlamm symbolisch zum "Lamm Gottes". Lammfleisch gilt daher als traditionelle Osterspeise.
                      • Die Osterfeuer sind seit 1559 bezeugt und symbolisieren aus kirchlicher Sicht die Freude über die Auferstehung Jesu - dem "Licht der Welt". An gesegnet Osterfeuern wurde zudem die Osterkerze als Licht Christi entfacht und in die dunkle Kirche getragen.
                      • Der Brauch des Osterwassers reicht bereits in vorchristliche Zeit zurück. Es soll immerwährende Jugend und Schönheit garantieren, Krankheiten heilen und vor Unglück bewahren.
                      • Nicht bekannt hingegen ist der Ursprung des Ostereis. Allgemein gilt das Ei jedoch als Symbol für die Auferstehung. In Österreich bringt es zudem nach altem Volksglauben Glück, ein am Gründonnerstag gelegtes Ei zu essen. Außerdem werden in Griechenland, Russland, Serbien und Schweden hartgekochte Eier rot bemalt. Sie gelten als Symbol für das neue Leben, das durch das Opfer Christi erworben wurde.
                      • In vielen Ländern werden zudem an Ostern Prozessionen abgehalten: Riesige Jesus- und Heiligenfiguren werden beispielsweise bei Prozessionen frommer Bruderschaften durch die Straßen getragen. Vielerorts sind die Teilnehmer mit spitzen Kapuzen vermummt.
                      • Auch in Italien gibt es in vielen Dörfern Osterprozessionen sowie Inszenierungen des Leidensweges Christi ("Via Crucis"). In Frankreich stellen Chocolatiers traditionell in Handarbeit Osterglocken und andere oft teure Schokoladenfiguren her, während in Griechenland während der Osterwoche stundenlange Gottesdienste gefeiert werden.

                      Die Ostermärsche haben ihre Wurzeln im Protest gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges. Begonnen hat die Tradition der Märsche Ende der 1950er-Jahren in Großbritannien; zum ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik kamen 1960 etwa 1.000 Menschen. Mit 300.000 Teilnehmern erreichten die Ostermärsche im Jahr 1968 einen ersten Höhepunkt. Mit der Friedenspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt (1969-1974) verlor die Bewegung zunächst an Zulauf. Die Stationierung von sowjetischen SS-20-Mittelstreckenraketen und der NATO-Doppelbeschluss von 1979 belebten die Ostermärsche neu - allein 1983 zogen etwa 700.000 Menschen durch die deutschen Städte. Das Ende des Ostblocks ließ die Teilnehmerzahlen wieder deutlich sinken. Für eine kurzzeitige Wiederbelebung sorgten der Golfkrieg von 1991, der Kosovokrieg von 1998/99, der Irakkrieg von 2003 und die Nuklearkatastrophe von Fukushima von 2011.

                      Weihnachten
                      Neben Ostern zählt Weihnachten zu den Hauptfesten im christlichen Kirchenjahr in Erinnerung an die Geburt Jesu Christi. Es wurde erstmals von Furius Dionysius Filocalus in seinem Chronograph von 354 auf den 25. Dezember festgelegt. Frühere Zeugnisse datieren es jedoch auf andere Daten wie den 6. oder 10. Januar, den 18. November oder 18. März. Warum das Geburtsdatum letztlich auf den 25. Dezember festgelegt wurde, ist bislang unklar. Die theologische Bedeutung Weihnachtens liegt in der Menschwerdung von Gottes Sohn. In den Christmetten wird traditionell die biblische Überlieferung der Geburt Jesu aus dem Lukas-Evangelium verlesen. Die Verknüpfung des Weihnachtsfestes mit dem Weihnachtsmann hat sich allerdings erst im 19. Jahrhundert weitgehend durchgesetzt.

                      Mit der Redewendung "Zwischen den Jahren" bezeichnet den wird der Zeitraum zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag 6. Januar bezeichnet. Dabei markieren Silvester und Neujahr den Beginn des neuen Kalenderjahres. Dabei werden die Feiern und Gebräuche zum Neujahrsfest je nach religiösem und kulturellen Hintergrund unterschiedlich begangen.

                      Heilige Drei Könige
                      Der 6. Januar ist traditionell der Tag der Heiligen Drei Könige. Einer der bekanntesten Bräuche ist das Sternsingen, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Als Könige verkleidet zieht man durch die Straßen und spielt den Zug zur Krippe nach. Dabei wird auch immer ein Stern mitgeführt, der beim Singen gedreht werden muss. Dieser symbolisiert das Sonnenrad, das in den zwölf heiligen Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag stehen geblieben war. In Deutschland richtet zudem das Kindermissionswerk seit 1959 an diesem Tag die "Aktion Dreikönigssingen" aus. Zudem ist der 6. Januar in den Bundesländern Baden-WürttembergBayern und Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag.

                      Pfingsten
                      Als Geburtsfest der christlichen Kirche gilt Pfingsten: So heißt es im Neuen Testament, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam. Zudem konnten sie in mehreren Sprachen sprechen und erkannten Missionierungsauftrag Jesu Christi. Außerdem seien - so die Apostelgeschichte - an diesem Tag etwa 3.000 Menschengetauft worden. Nach Ostern und Weihnachten ist Pfingsten das dritte bedeutende Fest des Kirchenjahres. In der Synode von Elvira im Jahre 305 wurde Pfingsten zum Kirchenfest gemacht. Früher wurde als Pfingstbrauch ein mit bunten Bändern geschmückter Ochse durch das Dorf geführt. In einigen Gegenden werden in der "Unruhenacht" zwischen Pfingstsonntag und Pfingstmontag den Nachbarn Streiche gespielt.

                      Christi Himmelfahrt
                      Der bundesweite Feiertag Christi Himmelfahrt entstand im 4. Jahrhundert und wird 40 Tage nach Ostern sowie zehn Tage vor Pfingsten gefeiert. An diesem Tag, der den Osterfestkreis abschließt, feiern die Christen die Himmelfahrt Jesu zur Teilhabe an Gottes Macht. Nach Ansicht von Theologen ist die Himmelfahrt jedoch nicht wörtlich zu verstehen. Traditionell wird an Christi Himmelfahrt auch der weltliche Vatertag gefeiert. So feiern die Männer zu Tausenden "Herrenpartien" im Grünen oderin der Kneipe. Diese Sitte und Gebräuche haben ihren Ursprung teilweise bei den Germanen, wo die Männer im Frühjahr sogenannte Flurumgänge durchführten. Dabei wurden die Götter um ein fruchtbares Jahr gebeten - ein kräftiger Umtrunk pflegte die Aktion zu krönen.

                      Fronleichnam
                      Zehn Tage nach Pfingsten wird Fronleichnam gefeiert. Das Fest entstand im 13. Jahrhundert und erinnert an die leiblische Gegenwart Jesu Christ im Sakrament der Eucharistie. Das Wort leitet sich von den mittelhochdeutschen Begriffen "fron" für "Herr" und "lichnam" für den "lebendigen Leib" ab. Entstanden ist das Fronleichnamsfest im 13. Jahrhundert. Höhepunkt sind die Prozessionen, bei denen die konkretisierte Hostie in einer Monstranz mitgeführt wird.

                      Das Fest geht auf die Visionen der Nonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück, als sie mehrfach den Mond mit einem ausgebrochenen Stück gesehen hatte. Dies wurde so gedeutet, dass im Kirchenjahr noch ein Fest zur Erinnerung an das Altarssakrament fehlte. Am 11. August 1264 erklärte Papst Urban IV. (1261-1264) in seiner Bulle "Transiturus de hoc mundo" das Fronleichnamsfest zu einem allgemeinen Kirchenfest.

                      Allerheiligen und Allerseelen
                      Am 1. November begehen die katholischen Christen das Fest Allerheiligen. An diesem Tag wird der heiliggesprochenen Männer und Frauen sowie der vielen Menschen gedacht, die unspektakulär und still ihren Glauben lebten. In den Heiligen sieht die katholische Kirche zudem Gläubige, die ihr Christentum besonders konsequent verwirklicht haben sowie Fürsprecher und Vorbilder. Einen Tag später - am 2. November - gedenkt die Kirche an Allerseelen aller Verstorbenen. Nach katholischem Glauben wird an diesem Tag der Toten erinnert, die sich einem "Reinigungszustand" befinden und noch nicht die volle Gemeinschaft mit Gott erreicht haben. Der Allerseelen-Tag wurde im 10. Jahrhundert im Benediktiner-Kloster Cluny etabliert.

                      Buß- und Bettag
                      Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag, dessen Wurzeln bis in alttestamentarische Zeiten zurück reichen. Erstmals nachgewiesen wurde er 1532 in Straßburg auf Grund eines kaiserlichen Befehls zum Gebet eines angesichts der drohenden Türkengefahr. Heute soll an diesem Tag durch Buße Not und Unheil abgewendet werden sowie der Besinnung und der inneren Einkehr dienen. Der heutige Buß- und Bettag geht auf eine Initiative der Eisenacher Kirchenkonferenz von 1852 zurück. Im Jahre 1995 wurde er in Deutschland - mit Ausnahme des Freistaates Sachsen - zur Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag gestrichen.

                      Judentum

                      Unter dem Oberbegriff Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des jüdischen Volkes. Im engeren Sinne bezeichnet es aber auch die jüdische Religion oder das Volk bzw. die Glaubensgemeinschaft der Juden. Obwohl ihm weltweit nur etwa 13,5 Millionen Menschen angehören, wird das Judentum dennoch zu den Weltreligionen gezählt. Da sich das Christentum und der Islam vielfach auf das Judentum berufen, zählt es somit zu den drei Abrahamitischen Religionen, die sich auf Abraham als gemeinsamen Stammvater berufen. Zu den heutigen Hauptströmungen gehören das orthodoxe Judentum mit der ultraorthodoxen Strömung, das liberale und das konservative Judentum sowie der Rekonstruktionismus.

                      Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes, die in der Tora und dem Talmud niedergelegt sind. In der Geschichte entstanden zudem zahlreiche grundlegende Glaubensprinzipien, deren Einhaltung von Juden mehr oder weniger gerordert wird. Die Strenge und der Umfang variieren jedoch unter den verschiedenen jüdischen Gemeinden, die jeweils von einem Rabbiner geleitet werden. Die meisten Juden leben heute in den USA sowie in Israel - dem einzigen Land weltweit mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit. In Deutschland leben derzeit etwa 106.000 Juden.

                      Wichtige jüdische Feiertage

                      Rosch Haschana und Jom Kippur
                      Im jüdischen Kalender beginnt das neue Jahr mit Rosch Haschana ("Anfang des Jahres"), das gewöhnlich an den ersten beiden Tagen des jüdischen Monats Tischri begangen wird. Das Fest erinnert zudem an den Bund zwischen Gott und Israel, welcher für die Israeliten eine sittliche Forderung und Verpflichtung darstellt. An den Festtagen werden in den Familien süße Speisen wie Äpfel, Honig und Granatäpfel serviert, da man sich ein süßes und fruchtbares Fest erhofft. Rosch Haschana markiert auch den Beginn der "zehn erfurchtsvollen Tage", die mit dem Versöhnungstag Jom Kippur enden.

                      Jom Kippur ist heute der wichtigste und höchste jüdische Feiertag und geht auf die Zeit nach dem babylonischen Exil zurück und wird als Fasttag begangen. Demnach dürfen Frauen ab zwölf und Männer ab 13 Jahren über 25 Stunden weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. In Israel sind an diesem Tag alle Restaurants und Cafés geschlossen zu halten - das öffentliche Leben steht praktisch still. Zudem gibt es auch kein Fernseh- und Radioprogramm.

                      Purim
                      Das jüdische Purim-Fest erinnert an Rettung des jüdischen Volkes aus der persischen Diaspora. Gemäß der biblischen Überlieferung plante der persische Beamte Haman, alle Juden in Persien zu ermorden. Königin Ester rettete hingegen das jüdische Volk durch Fasten und Beten. Aus diesem Grund wird das Purimfest heute ausgelassen mit Umzügen, Verkleidungen und Trachten gefeiert. Zudem werden Geschenke ausgetauscht und vor allem sehr viele Süßigkeiten gegessen.

                      Pessach
                      Mit dem Pessach-Fest wird hingegen an den Auszug der Juden aus Ägypten und damit an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei erinnert. Es gehört zu den wichtigsten jüdischen Festtagen und gehört neben Schawuot und Sukkot zu den drei Wallfahrtsfesten. Das Pessach-Fest erstreckt sich über sieben Tage, an denen keine gesäuerten Nahrungsmittel gegessen werden dürfen, weshalb es auch als "Fest der ungesäuerten Brote" bezeichnet wird. Zudem ist es ist - mehr noch als viele andere jüdische Feste - ein Familienfest, mit dem die Angehörigen sich in die Ursprungstraditionen ihres Volkes stellen, diese erinnern und neu für sich bekräftigen.

                      Islam

                      Mit rund 1,2 bis 1,5 Milliarden Anhängern gilt der Islam als zweitgrößte Religion der Welt. Der Begriff "Islam" entstammt der arabischen Sprache und bedeutet "Hingabe an Gott" oder "Ergebung in Gottes Willen". Die Anhänger der streng monotheistischen Religion nennen sich selbst "Muslime" ("der sich Gott Unterwerfende"). Der arabische Begriff "Allah" für "Gott" steht zudem für die Bezeichnung der als einzig und absolut aufgefassten Gottheit. Die christliche Dreifaltigkeitslehre wird zudem im Islam abgelehnt. Begründet wurde die jüngste aller Weltreligionen vom arabischen Kaufmannssohn Mohammed zu Beginn des 7. Jahrhunderts. Den Muslimen gilt er als letzter Prophet, welchem mit dem Koran - vermittelt durch den Erzengel Gabriel - die Offenbarung Gottes herab gesandt wurde.

                      Der Koran (arabisch: "das zu lesende Buch, das zu Retzitierende") mit seinen 114 Suren bildet somit die geistige Grundlage des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Entstanden ist er allerdings erst um 650 nach dem Tod Mohammeds; dabei sind die Suren nicht chronologisch, sondern nach Länge angeordnet. Als zweite wichtige Quelle gilt zudem die Sunna - sie umfasst Schriften über islamische Normen in der Folge Mohammeds, seine Aussprüche und seine Entscheidungen. Die Scharia bezeichnet hingegen die islamische Rechts- und Lebensordnung; sie umfasst die gesamten Gesetze, die in einer islamischen Gesellschaft zu beachten und erfüllen sind. Die Auslegungen sind allerdings unterschiedlich, da sie auf die verschiedenen Interpretationen aus der Zeit des 7. bis 10. Jahrhunderts zurückgehen.

                      In der islamischen Theologie gilt die Scharia als göttliche Ordnung, die Frieden und Gerechtigkeit schaffen soll. Dabei werden im Islam Politik und Religion als untrennbare Einheit mit der Scharia als gesellschaftlichem und politischem Ordnungsprinzip gesehen. Sie regelt nicht nur Rechtsnormen wie das Familien- und Strafrecht, sondern auch die religiösen Vorschriften für Muslime. Allerdings wird die Scharia in den muslimischen Staaten unterschiedlich ausgelegt: vor allem im Iran und in Saudi-Arabien ist die Auslegung besonders streng. Damit werden auch Strafen wie die Steinigung von untreuen Frauen gerechtfertigt, die allerdings gegen die UN-Menschenrechtskonvention verstoßen.

                      Der Islam basiert auf fünf Pfeilern, die für jeden Muslim zu den Grundpflichten gehören:

                      • das Glaubensbekenntnis - Schahada
                      • das fünfmaligen Gebet - Salat
                      • die Almosensteuer - Zakat
                      • das Fasten im Ramadan - Saum
                      • die Pilgerfahrt nach Mekka - Haddsch

                      Zu den weiteren Pflichten jedes männlichen und gesunden Muslims gehört auch das Freitagsgebet, das gemeinschaftlich in der Freitagsmoschee verrichtet wird. Eine Besonderheit dabei ist die Predigt ("Chutba"): Während der erste Teil religiös geprägt ist und Koranverse zitiert werden, bestimmen den zweiten Teil vor allem soziale und politische Themen.

                      Mit etwa 85 Prozent stellen die Sunniten die mit Abstand größte islamische Konfession - gefolgt von den Schiiten, die allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. In Saudi-Arabien gilt zudem der Wahabismus - eine besonders strenge Form des sunnitischen Islam - als Staatsreligion.

                      Heute reicht das Verbreitungsgebiet des Islam von Westafrika über Zentralasien und den Indischen Subkontinent bis nach Südostasien. In Nordafrika und dem Nahen Osten bekennen sich etwa 90 Prozent der Bevölkerung zum Islam - in Zentralasien sind es etwa 80 Prozent. Zudem sind Indonesien und Pakistan die Länder mit der jeweils größten muslimischen Bevölkerung; in Europa sind Albanien, Bosnien-Herzegowina, der Kosovo, Mazedonien und die Türkei muslimisch geprägt. 

                      Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) repräsentiert zudem 57 Staaten, in denen der Islam Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer großen Minderheit ist.

                      Der islamische Fastenmonat Ramadan

                      Der Ramadan gehört zu den im Koran festgelegten islamischen Pflichten und beginnt im neunten Monat des islamischen Mondkalenders. Zudem gehört das Fasten - der Saum - zu den fünf Säulen des Islam. Während dieser Zeit sind für die Muslime täglich von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang Essen, Trinken, Rauchen und Sexualität verboten. Ausgenommen sind lediglich Kinder sowie Kranke und schwangere Frauen; letztere müssen die versäumten Tage aber nach Wegfall der Gründe nachholen. Beendet wird der Fastenmonat mit dem - dem höchsten islamischen Feiertag. Kinder werden mit Süßigkeiten beschenkt - daher auch der Name "Zuckerfest". Der Fastenmonat hat für Muslime den gleichen Stellenwert wie Ostern oder Weihnachten im Christentum.

                      Buddhismus

                      Der Buddhismus gehört zu den fünf großen Weltreligionen, auch wenn er aus westlicher Sicht eher einer Weisheitslehre als einer Religion gleicht. Begründet wurde er durch die Lehren Siddhartha Gautamas - einem nordindischen Prinzen, der nach seinem spirituellen Leben die Erleuchtung erfuhr und von seinen späteren Anhängern den Beinamen Buddha ("Erwachter") erhielt.

                      Buddha sah sich zudem weder als Gott noch als Überbringer einer göttlichen Lehre; zudem habe er seine Lehre ("Lehre") nicht durch eine göttliche Offenbarung, sondern durch eine eigene meditative Schau ("Kontemplation") ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge gewonnen. Im Gegensatz den anderen Weltreligionen kennt der Buddhismus daher weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele. Nach seinem Tode wurde die Lehre Buddhas auf acht buddhistischen Konzilen in einem Kanon zusammengefasst. Der einzig vollständig erhaltene buddhistische Kanon ist der "Pali Kanon".

                      Die Grundlage der buddhistischen Lehre sind demnach die "Vier Edlen Wahrheiten":

                      Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, den Leiden und dem Kreislauf durch seine fortwährende Wiedergeburt - der Reinkarnation - zu entfliehen. Erreicht wird es durch das Erlangen der höchsten Bewusstseinsstufe, in der in der jede Ich-Anhaftung und alle Vorstellungen erloschen sind - dem sogenannten "Nirwana".

                      Heute wird der Buddhismus in mehrere Richtungen unterschieden:

                      • Im Hinayana ("Kleines Fahrzeug") strebt der Mensch nach dem Erwachen, um selber nicht mehr leiden zu müssen. Er bezieht sich somit ausschließlich auf eine Person, die vollkommen sein will. Die bedeutendste und gleichzeitig älteste Schultradition des Hinayana ist der Thervada, der seine Tradition auf die ersten Anhänger Buddhas zurückführt.
                      • Der Mahayana ("Großes Fahrzeug") geht hingegen von der Annahme aus, dass ein erleuchteter Mensch solange nicht ins Niwana eintritt, wie es es noch unerlöste Wesen gibt. Zu den bedeutendsten Schulen des Mahayana gehört unter anderem auch der Zen-Buddhismus.
                      • Zudem entstand im 4. Jahrhundert mit dem Vajrayana ("Diamantenes Fahrzeug") eine weitere Strömung des Mahayana-Buddhismus, der vor allem die buddhistischen Traditionen in Tibet und der Mongolei mit dem Dalai Lama als wichtige moralische Autorität prägte.

                      Der Buddhismus zählt heute weltweit zwischen 230 und 500 Millionen Anhänger und ist heute vor allem in Südost-, Süd- und Ostasien verbreitet. Etwa ein Viertel aller Buddhisten lebt in China. Zudem ist der Buddhismus die Staatsreligion in Thailand, Kambodscha und Bhutan.

                      Hinduismus

                      Der Hinduismus ist mit etwa 900 Millionen Anhängern die drittgrößte Religion der Welt und hat seinen Ursprung in Indien. Er besteht aus besteht aus verschiedenen Richtungen mit recht unterschiedlichen Schulen und Ansichten, die sich teils gegenseitig beeinflussen, aber auch Unterschiede in heiligen Schriften, Glaubenslehren, der Götterwelt und den Ritualen aufweisen. Zudem verfügen sie über kein gemeinsames, allgemein gültiges Glaubensbekenntnis und keine zentralen Institutionen, die Autorität für alle Hindus hätte. Der Hinduismus kennt auch keinen gemeinsamen Gründer; jede Glaubensrichtung hat zudem nur für sie verbindliche heilige Schriften. Die ältesten heiligen Schriften sind die Veden, die teils schriftlich und mündlich überliefert wurden.

                      Entgegen dem Anschein ist der Hinduismus keine polytheistische Religion; vielmehr gilt sie als hedonistische Religion, in welcher der Glauben an einen höchsten Gott die Verehrung anderer untergeordneter Götter nicht grundsätzlich ausschließt. Zu den Hauptströmungen zählen der Shivaismus, des Vishnuismus und des Shaktismus. Dabei werden die Hauptgötter Brahma (Schöpfung), Vishnu (Bewahrung) und Shiva (Zerstörung) die Dreiheit Trimurti. Manche Strömungen glauben an einen obersten Gott - den sogenannten Ishvara ("höchster Herr") - dem verschiedene Wesen ("Devas") unterstellt werden. Bei diesen kann es sich um Götter, Halbgötter, Engel, himmlische Wesen oder Geister handeln. Neben Indien und Nepal mit hinduistischer Bevölkerungsmehrheit ist der Hinduismus vor allem auch in Bangladesch, Sri Lanka, Bhutan, MalaysiaFidschi, Mauritius, Surinam, Guyana, Trinidad & Tobago, und Bali verbreitet.

                      Bekannte Kirchenlehrer und Theologen

                      Religionsgemeinschaften in Deutschland

                      Etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland gehört heute einer Religionsgemeinschaft an. Die wichtigsten religiösen Konfessionen im Überblick:

                      Katholiken: Etwa 23,76 Millionen katholische Christen leben heute in Deutschland - dies entspricht etwa 28,9 Prozent der Bevölkerung. Damit ist die Katholische Kirche die größte Glaubensvereinigung. In 27 Erzbistümern und Bistümern gibt es mehr als 11.500 Pfarrgemeinden mit mehr als 15.100 Welt- und Ordenspriestern. Das Führungsgremium der katholischen Kirche ist die Deutsche Bischofskonferenz mit derzeit 69 Bischöfen und Weihbischöfen. Sie koordiniert vor allem die Arbeit der einzelnen Bistümer und entscheidet über grundlegende Fragen der Seelsorge. Oberstes Organ ist die viertägige Vollversammlung, die zweimal pro Jahr zusammentritt.

                      Protestanten: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vertritt als Zusammenschluss von 22 lutherischen, reformierten und unierten Kirchen rund 22,27 Millionen protestantische Christen in Deutschland. Sie wurde 1945 im hessischen Treysa gegründet und vertritt die Landeskirchen in ihren Außenbeziehungen sowie in politischen und gesellschaftlichen Fragen.

                      Orthodoxe: Mit etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Gläubigen ist die orthodoxe Kirche die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland. Zu den vielen Zweigen zählen vor allem die russisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Kirche. Die Zahl der orthodoxen Christen ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen - vor allem durch die Zuwanderung aus Osteuropa.

                      Juden: Auch die Zahl der Juden in Deutschland ist in den vergangenen Jahren durch Einwanderung aus Osteuropa gestiegen. Allein unter dem Dach des Zentralrates in Deutschland sind etwa 106.000 Menschen jüdischen Glaubens zusammengeschlossen. Er vertritt derzeit 23 Landesverbände mit 107 jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die Union progressiver Juden (UpJ) ist der Zusammenschluss der mehrheitlich reformorientierten Juden in Deutschland. Ihm gehören derzeit 22 Gemeinden sowie drei Organisationen mit etwa 4.500 Mitgliedern an.

                      Moslems: Schätzungsweise 4,4 bis 4,7 Millionen Menschen in Deutschland bekennen sich derzeit zum Islam. Dies entspricht etwa 5,4 bis 5,7 Prozent der Bevölkerung. Drei Viertel von ihnen sind Sunniten, rund 13 Prozent Aleviten und sieben Prozent Schiiten. Der Rest entfällt auf kleine islamische Glaubensgemeinschaften. Mit etwa 2,5 Millionen Gläubigen stellen die Türken derzeit die größte ethnische Gruppe unter den Muslimen - gefolgt von Menschen aus Südosteuropa, dem Nahen Osten, Nordafrika und dem Iran. Die verschiedenen islamischen Konfessionen sind in verschiedenen islamischen Organisationen zusammengeschlossen. Der Organisationsgrad ist dennoch gering.

                      Konfessionslose: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die keiner Glaubensrichtung angehören, hat in den letzten Jahren jedoch zugenommen. Laut Forschungsgruppe Weltanschauungen waren im Jahre 2015 etwa 36 Prozent der deutschen Bevölkerung konfessionslos. Besonders in Ostdeutschland sind zahlreiche Bürger ohne Konfession, was auf die atheistische Grundhaltung der damaligen DDR zurückgeht.

                      Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK)

                      Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) ist das bundesweite Dachgremium der Laien in der katholischen Kirche. Seine Aufgabe ist es, Brücken zu schlagen zwischen der Kirche und der Gesellschaft. Es berät zudem die Deutsche Bischofskonferenz in Fragen des gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Lebens. Zudem organisiert das ZdK den Katholikentag sowie den Ökumenischen Kirchentag. Gegründet wurde das ZdK im Jahre 1868 in Bamberg, sein Sitz ist heute in Bonn.

                      Zentralrat der Juden in Deutschland

                      Der Zentralrat der Juden in Deutschland versteht sich als politische Vertretung und Dachorganisation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Sie wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet und umfasst heute 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und rund 106.000 Mitgliedern. Oberstes Entscheidungsgremium ist die Ratsversammlung als Vertretung der Gemeinden.

                      Im Direktorium sind die Landesverbände vertreten, aus deren Mitte wiederum die neun Mitglieder für das Präsidium des Zentralrates gewählt werden. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder vor allem durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion verdreifacht. Mit mehr als 11.000 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde in Berlin die größte jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

                      Schätze der Welt: Das Weltkulturerbe der UNESCO

                      Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) wurde am 16. November 1945 gegründet hat ihren Hauptsitz in der französischen Hauptstadt Paris. Ihre Aufgabe ist die "Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen". 

                      Heute gehören der UNESCO insgesamt 195 Staaten an. Ihre finanziellen Mittel bezieht die Organisation hauptsächlich aus den Pflichtbeiträgen der Mitgliedstaaten. Die UNESCO ist in vier Bereichen aktiv:

                      • Bildung: Sie koordiniert das weltweite UN-Aktionsprogramm "Bildung für alle" und setzt sich für lebenslanges Lernen ein. Zudem gibt sie jährlich einen Weltbildungsbericht heraus. Weltweit engagieren sich etwa 8.500 Schulen im Netz der UNESCO-Projektschulen.
                      • Kultur: Die UNESCO will das weltweite Kulturerbe schützen sowie die kulturelle Vielfalt bewahren und den Dialog mit den Kulturen fördern. Seit 1978 erstellt sie zudem eine Liste des weltweiten Kultur- und Naturerbes mit über 1.000 Denkmälern, historischen Städten und Landschaften.
                      • Wissenschaft: Die Organisation fördert die internationale Zusammenarbeit in den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften: das Themenspektrum reicht dabei von Menschenrechten, Ethik und Philosophie bis hin zur Erforschung der Ozeane und den UNESCO-Biosphärenreservaten.
                      • Kommunikation: Mit dem Programm "Kommunikation und Information" strebt die UNESCO Wissen und Information für alle, den Einsatz von Informationstechnologie als Entwicklungsfaktor und die Förderung der Pressefreiheit an. Mit dem Aufbau unabhängiger Medien und der Ausbildung von Journalisten in Entwicklungsländern und Konfliktregionen will die UNESCO zudem weltweit zu einer freien Presse beitragen.

                      Die UNESCO-Welterbeliste wird seit 1978 geführt und umfasst einzelne Denkmäler sowie historische Städte und Landschaften von außergewöhnlichem Wert. Die jeweiligen Länder sind zum Erhalt des jeweiligen Kulturerbes verpflichtet. Derzeit werden insgesamt 1.121 Denkmäler in 167 Ländern gelistet - davon 869 Kultur- und 213 Naturdenkmäler. Dazu zählen unter anderem die Chinesische Mauer, das Taj Mahal, die New Yorker Freiheitsstatue, die Serengeti oder das Great Barrier Reef. Weitere 38 Denkmäler werden sowohl als Kultur- als auch als Naturdenkmal gelistet. Besonders gefährdete Denkmäler werden von der UNESCO zudem auf eine Rote Liste gesetzt. In Ausnahmefällen kann der Welterbetitel sogar wieder entzogen werden, wie beispielsweise im Jahre 2009 beim Dresdner Elbtal.

                      Weitere Listen der UNESCO sind seit 1992 das Weltdokumentenerbe mit herausragenden Dokumenten der Menschheitsgeschichte sowie seit 2003 das immaterielle Kulturerbe - dazu zählen zum Beispiel Tanz, Theater, Musik, mündliche Literatur oder Handwerkstraditionen. Deutschland ist mit derzeit 68 Kultur- und Naturdenkmälen, davon 46 Welterbestätten sowie 24 Beiträgen zum Weltdokumentenerbe überproportional gut vertreten - darunter mit dem Kölner Dom, der Würzburger Residenz, dem Oberen Mittelrheintal oder dem Deutschen Wattenmeer.

                      Das UNESCO-Biosphärenreservat wurde 1971 gegründet. Es erforscht und fördert zukunftsfähige Nutzungsformen der Umwelt durch den Menschen, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren. Zudem unterstützt es die internationale Zusammenarbeit zum nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Das Weltnetz des UNESCO-Biosphärenreservates umfasst derzeit 669 Gebiete in 120 Staaten - davon allein 16 in Deutschland. Jedes Reservat steht dabei stellvertretend für ein besonderes Ökosystem oder eine besonders schützenswerte Kulturlandschaft. Dazu zählen unter anderem die Rhön, der Spreewald, die Galápagos-Inseln oder der Ayers Rock ("Uluru").

                      Helau unf Alaaf: Die närrische Jahreszeit

                      Die "Fünfte Jahreszeit" - wie Karneval, Fastnacht oder Fasching auch genannt wird - wird weltweit ausschließlich in den katholischen Gebieten begangen. Die jeweiligen Bezeichnungen sind zwar nach Region unterschiedlich, bezeichnen aber die Vorfeier zur Fastenzeit. Der Begriff "Fastnacht" umschreibt ursprünglich die Nacht vor der Fastenzeit; Karneval leitet sich vom lateinischen "carne vale" ("ohne Fleisch") ab, während "Fasching" auf den mittelhochdeutschen Ausdruck "vast-schanc" - dem letzte Ausschank vor der Fastenzeit - zurückgeht.

                      Mit Weiberfastnacht beginnt in Deutschland traditionell die Straßenfastnacht: An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Macht und stürmen die Rathäuser. Die Weiberfastnacht reicht bereits tief ins Mittelalter zurück und wurde vor allem in den Nonnenklöstern begangen; aber auch die Ehefrauen verweigerten ihren Männern in dieser "verkehrten Welt" für einen Tag im Jahr den Gehorsam. Der Brauch des Krawattenabschneidens kam jedoch erst nach 1945 auf.

                      Insbesondere im rheinischen Karneval gilt der Rosenmontag als Höhepunkt, der gewöhnlich mit dem Rosenmontagszug begangen wird. Der Name leitet sich entweder vom sogenannten "Rosensonntag" oder aber vom niederrheinischen Wort "rosen" für "rasen und toben" ab. Erstmals verwendet wurde die Bezeichnung in Köln und allmählich von anderen Städten wie Mainz oder Düsseldorf übernommen. Früher wurde der Rosensonntag vier Wochen nach Karneval in der Fastenzeit gefeiert; an diesem Tag durften die Gläubigen das Fasten für einen Tag unterbrechen. Im 11. Jahrhundert soll der Papst an diesem Tag eine goldene Rose geweiht haben, was nach Ansicht mancher Forscher dem Tag seinen Namen gab. Einer anderen Erklärung zufolge sollen die Priester am Rosensonntag rosafarbene Gewänder getragen haben.

                      Mit dem Rosenmontag sind heute untrennbar auch die Karnevalsumzüge verbunden. Sie gehen vermutlich auf Maskenzüge aus mittelalterlicher und sogar aus heidnischer Zeit zurück. Ursprünglich sollten damit böse Geister und der Winter ausgetrieben werden. Die großen Figuren kamen jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Zu den überregional bekanntesten und größten Umzügen gehören die Rosenmontagszüge in den rheinischen Metropolen KölnMainz und Düsseldorf. Diese stehen jährlich unter einem anderen Motto, das sich auch mal auf aktuelle Entwicklungen bezieht. Zeitweise wurden Rosenmontagszüge auch abgesagt, u. a. wegen schlechten Wetters, Gezänks unter den Karnevalsvereinen oder der Weltwirtschaftskrise. Zuletzt wurden die Rosenmontagsumzüge wegen des Golfkrieges 1991 abgesagt.

                      Sein Ende findet die Fastnacht bzw. der Karneval am Aschermittwoch, der gleichzeitig den Beginn der christlichen Fastenzeit markiert. Heute hat der Aschermittwoch vor allem drei Bedeutungen

                      • Ende der närrischen Zeit: für die Karnevalsjecken markiert der Aschermittwoch das Ende des närrischen Treibens. In Köln wird der sogenannte "Nubbel" - eine Stroh- und Stoffpuppe - verbrannt, welche die Karnevalssünden symbolisiert. In Süddeutschland werden hingegen unter Wehklagen die leeren Geldbörsen in Flüssen oder Brunnen ausgewaschen.
                      • Am politischen Aschermittwoch rechnen die großen Parteien für gewöhnlich mit dem politischen Gegner ab. Vor allem in Bayern kommt es in den Versammlungen mit Volksfestcharakter zum rhetorischen Schlagabtausch. Hauptschauplatz ist heute die Passauer Dreiländerhalle, in der die CSU ihre Kundgebung abhält. Die Wurzeln liegen hingegen im niederbayerischen Vilshofen, wo die Bauern seit dem 19. Jahrhundert auf dem Viehmarkt die königlich-bayerische Politik aufs Korn nahmen.
                      • Seinen Ursprung hat der Tag aber in der kirchlichen Tradition: zu Beginn der Fastenzeit vor Ostern werden Büßer mit Asche bestreut. Sie steht als Symbol dafür, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Bis heute gehört das Aschenkreuz zur Liturgie der katholischen Gottesdienste.

                      Ebenfalls bekannt ist heute der Aschermittwoch der Künstler und der Kabarettisten.

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