Tobias Daniel M.A.

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Länderprofil: Der Vatikan im Überblick

Der Staat der Vatikanstadt stellt in nahezu jeglicher Hinsicht eine internationale Besonderheit dar. So ist die Enklave im Nordwesten Roms mit 44 Hektar der kleinste souveräne Staat der Welt. Von den rund 800 Einwohnern besitzen nur knapp 600 einen Vatikanpass. Aufgrund seiner besonderen Situation als katholischer Kirchenstaat besteht seine Bevölkerung mehrheitlich aus Priestern und anderen katholischen Würdenträgern aus aller Welt.

Im Vergleich zu allen anderen nationalstaatlich verfassten politischen Systemen besitzt der Vatikanstaat einen theokratischen Charakter. Das Wesen des Staates besteht darin, sich dem Papst und seinem von Christus verliehenen Auftrag, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zu sein, unterzuordnen. 

Der Vatikan ist eine absolute Wahlmonarchie mit dem jeweiligen Papst als Staatsoberhaupt sowie mit einer eigenen Regierung, Gerichtsbarkeit und Armee. Der Zwergstaat ist dennoch eine kleine Weltmacht, da sich der Papst als moralische Instanz wiederholt zu brennenden sozialen, internationalen und auch ökologischen Fragen der Zeit äußert.

Staatsaufbau

Rechtliche Grundlage des Vatikanstaates sind die Lateranverträge zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl vom 11. Februar 1929. Zu diesem Vertragswerk gehören ein Staatsvertrag, ein Konkordat über die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staat in Italien, sowie ein Finanzabkommen. Die Lateranverträge verliehen dem Heiligen Stuhl die völlige Souveränität über sein neues Staatswesen. Damit wurde er für den Verlust des mittelalterlichen Kirchenstaates kompensiert, der 1870 in den italienischen Nationalstaat eingegliedert wurde.

Der Vatikan ist eine absolute Wahlmonarchie, die keine Gewaltenteilung kennt. Staatsoberhaupt ist der Papst - sein offizieller Titel lautet: "Bischof von Rom, Statthalter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Oberhaupt der Gesamtkirche, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt, Diener der Diener Gottes." Nach katholischer Lehre ist das Petrusamt von Jesus eingesetzt.

Kirchenrechtlich ist die Vorrangstellung des Papstes - der sogenannte Jurisdiktionsprimat - erst im Laufe der Geschichte gewachsen und seit dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870 dogmatisch festgelegt. Danach kann der Papst unter bestimmten Auflagen in Glaubens- und Sittenfragen unfehlbare Lehraussagen treffen. Davon wurde jedoch bislang nur einmal Gebrauch gemacht. Rechtlich erstreckt sich der Primatsanspruch des Papstes auf alle Diözesen und jeden einzelnen Katholiken.

So ernennt der Pontifex die Kardinäle und Bischöfe; zudem kann er Konzilien einberufen. Darüber hinaus bestimmt der Papst die Mission und die Lehrmeinung der katholischen Kirche. In seinen Enzykliken (Rundschreiben) nimmt er Stellung zu kirchlichen und weltlichen Themen.

Faktisch übergibt der Papst die Verwaltung des Vatikanstaates an den Kardinalstaatssekretär, der alle Vollmachten in den Angelegenheiten weltlicher Souveränität besitzt und damit als Premierminister des Papstes verstanden werden kann. Zudem unterstützt der Kardinalstaatssekretär den Papst auch in der Leitung der Weltkirche sowie in den Beziehungen zu den Ressorts der römischen Kurie.

Mit seiner kanonischen Wahl zum Oberhirten der katholischen Kirche durch das Kardinalskollegium wird der Papst automatisch auch Souverän des Vatikanstaates. Seine legislative und exekutive Gewalt übt er durch eine Kommission aus, die aus sieben Mitgliedern besteht und für fünf Jahre von ihm ernannt wird. Präsident dieser Kommission ist der Kardinalstaatssekretär. Der Laienbeauftragte der Kommission - ebenfalls vom Papst ernannt - ist zugleich auch Verwaltungsdirektor des Vatikans. Er ist Präsident des Staatsrates ("consulta"), der aus 24 Mitgliedern besteht.

Die Amtszeit des Papstes endet erst mit seinem Tod. Das Kirchenrecht sieht jedoch ausdrücklich auch die Möglichkeit eines Rücktritts vor (Can. 332 - § 2. CIC), was in der Geschichte bereits mehrfach vorkam. So dankte Papst Coelestin V. im Jahr 1294 freiwillig ab, Papst  wurde 1415 auf dem Konzil von Konstanz zum Rücktritt gezwungen. 

Papst Benedikt IX. (1032-1048) war gleich dreimal Papst - und wurde dreimal zum Rücktritt gezwungen. Bis zur Wahl eines neuen Papstes im sogenannten "Konklave" werden dessen Amtsgeschäfte vom Kardinalskollegium geführt. Dies organisiert auch die Beisetzung des verstorbenen Papstes und das Konklave für die Wahl des Nachfolgers.

Juristisch wird das Staatssystem des Vatikan von einem Richter geleitet, der im Namen des Papstes handelt. Es besteht ein Gericht erster Instanz, ein Appellationshof und ein Kassationshof. Für den Polizeischutz der Vatikanstadt und einiger exterritorialer Gebiete ist die Zivilgarde des zentralen Sicherheitsamtes zuständig. Die äußere Verteidigung des Vatikans obliegt der Schweizergarde.

Die Finanzen des Heiligen Stuhls sind jedoch so undurchsichtig, dass keiner außerhalb der Vatikan-Mauern weiß, über wie viel Geld der Papst wirklich waltet. Traditionell speisen sich die Kassen des Vatikan vor allem aus Spenden und Zuschüssen, Mieteinnahmen, Verpachtungen, dem Verkauf von Briefmarken und Münzen sowie Finanztransaktionen. 

Noch unklarer sind die Geschäfte des 1942 von Papst Pius XII. (1939-1958) gegründeten Institut für religiöse Werke (IOR). Dieses gilt als eigentliche Vatikan-Bank, legt aber traditionell weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte vor. Eigentümer der Bank ist der Papst, der auch die Gewinne für sich beansprucht.

Mehr als einmal waren die unsauberen Finanzgeschäfte des IOR in die Schlagzeilen geraten - von Geldwäsche, Betrug oder gar Mafia war die Rede. Viele glauben noch heute, dass Papst Johannes Paul I. im Jahr 1978 nach nur 33 Tagen Amtszeit ermordet wurde, weil er die Hintergründe von düsteren Machenschaften der Vatikanbank aufdecken wollte.

Die Vermögenswerte des Vatikans sind jedenfalls ein viel diskutiertes Geheimnis. Dabei reichen die Schätzungen von 1,2 Milliarden Euro bis zwölf Milliarden Euro und mehr. Dazu zählen auch Kunstwerke und Gebäude des Kirchenstaates, die jedoch unveräußerlich sind. 

Große Teile des Vermögens sind in Wertpapieren und Goldreserven angelegt; hinzu kommen Mieteinnahmen, der Verkauf von Münzen, Briefmarken, Souvenirs sowie Abgaben aus der Kirchensteuer der Diözesen und der sogenannte Peterspfennig - eine jährliche Sonderkollekte für den Papst.

Schweizer Garde: Die Leibwache des Papstes

Die Schweizergarde ist heute das einzig verbliebene päpstliche Armeekorps des Vatikan. Sie sichert den Apostolischen Palast, die Zugänge zur Vatikanstadt und zum Castel Gandolfo (Sommerresidenz des Papstes). Zudem ist sie für die persönliche Sicherheit des Papstes verantwortlich. Die offiziellen Kommandosprachen der Garde sind Deutsch und Italienisch. 

Begründet wurde das Korps am 22. Januar 1506 durch Papst Julius II. Während der Plünderung Roms durch kaiserliche Landsknechte am 6. Mai 1526 ("Sacco di Roma") kamen drei Viertel der Gardisten ums Leben, um Papst Clemens VII. den Rückzug in die Engelsburg zu sichern. Seitdem gilt dieser Tag als Gedenktag für die Garde, an dem die neuen Rekruten vereidigt werden.

Heute umfasst die Garde 110 Soldaten, darunter einige berufsmäßige Offiziere und länger dienende Korporale. Alle Gardisten müssen Schweizer Staatsbürger sein, den Militärdienst in ihrem Heimatland abgeleistet haben und sich für mindestens zwei Jahre verpflichten. Die Uniform in den Farben Rot-Blau-Gelb wurden erst im 20. Jahrhundert von einem Gardekommandanten entworfen und nicht - wie vielfach behauptet - von Michelangelo

Im internen Dienst tragen die Gardisten eine schlichte blaue Kluft. Der silberne Helm und der Kürass sind nur feierlichen Anlässen vorbehalten. Zudem verfügt die Garde über moderne Waffen, wobei die Hellebarde jedoch am auffälligsten ist.

Der Vatikan international

Der Vatikan ist international dauerhaft zur Neutralität verpflichtet. Allerdings ist aber nicht der Vatikan, sondern der Heilige Stuhl bei den meisten internationalen Organisationen akkreditiert. Dabei kommt dem Heiligen Stuhl ein einzigartiger Zwittercharakter zu. 

Zum einen ist er die zentrale Institution der katholischen Kirche. Andererseits existiert er als nationale und kulturelle Institution in fast allen Ländern und Zivilisationen. Hauptziel des Vatikan bleibt weiterhin die Verbreitung des Glaubens, wobei die katholische Kirche von altersher auch den Begriff des "gerechten Krieges" kennt.

Darüber hinaus unterhält der Vatikan mit rund 170 Staaten diplomatische Beziehungen. Im Dezember 1993 nahm der Vatikan als letzter europäischer Staat diplomatische Beziehungen mit Israel auf. Allerdings residiert der Apostolische Nuntius in Tel Aviv, da Jerusalem vom Vatikan nicht als Hauptstadt des Staates Israel anerkannt wird.

Papst Franziskus. Quelle: Bild von Annett_Klingner auf Pixabay

Wichtige Köpfe:

Am 13. März 2013 wurde mit Jorge Mario Bergoglio erstmals ein Jesuit und ein Bischof aus Lateinamerika zum Kirchenoberhaupt gewählt. Der frühere Erzbischof von Buenos Aires und Primas von Argentinien gilt als theologisch konservativ, bescheiden, volksnah und ökologisch.

Souveräner Malteserorden: Vom Ritterorden zum internationalen Hilfsdienst

Der Souveräne Malteserorden ist eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft und wurde bereits im 11. Jahrhundert in Palästina gegründet. Das Ziel des Ordens ist die Unterstützung von Alten, Behinderten, Flüchtlingen, Kranken und Leprakranken auf allen fünf Kontinenten - unabhängig von ihrer Religion und Herkunft. Gegründet wurde der Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem bereits im Jahre 1048; er ging aus einem Pilgerspital hervor, das Kaufleute aus Amalfi gestiftet und Johannes dem Täufer geweiht hatten. 

Daraus leitete sich auch der Name "Johanniter" ab. Während der Zeit der Kreuzzüge wurden der Orden zum Schutz der Pilger jedoch zu einem Ritterorden ausgebaut. Nach der Vertreibung aus Palästina im Jahre 1291 wurde der Sitz nach Zypern, ab 1309 nach Rhodos verlegt. 

Nach der Eroberung der Insel durch die Osmanen residierte der Orden ab 1530 schließlich auf Malta. Seitdem bürgerte sich auch die Bezeichnung "Malteserorden" ein. Am 12. Juni 1798 wurde der Orden erneut vertrieben - dieses Mal von Napoleon Bonaparte. In Rom residiert er nun seit 1834 als souveränes und nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt.

Weltweit gehören dem Orden etwa 13.500 Mitglieder an; die oberste Führung hat ein Großmeister inne, der auf Lebenszeit gewählt wird. Zudem wird vom Papst ein Kardinalpatron des Malteserordens, der die spirituelle Ausrichtung des Ordens und seiner Mitglieder fördern sowie die Beziehungen zum Heiligen Stuhl pflegen soll. Der Malteserorden verfügt zudem über eine eigene Währung: ein Scudo entpricht zwölf Tarì und 240 Grani. Zudem verfügt er über eigene Briefmarken und bilaterale Postverträge mit 56 Staaten. 

Auch außenpolitisch ist der Malteserorden aktiv: derzeit unterhält er diplomatische Beziehungen zu 102 Staaten sowie ständige Vertretungen zu fünf weiteren Staaten - darunter auch mit Deutschland. Zudem ist der Orden als ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen (UNO) vertreten und unterhält ständige Missionen an den UN-Standorten. 

In Deutschland ist der Orden mit über 600 Einrichtungen der Altenhilfe, Krankenhäuser und Hospizarbeit, ambulante Pflege und Betreuung, Erste-Hilfe-Ausbildung, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, Jugendarbeit, Jugend- und Suchthilfe und Gesundheitsförderung vertreten. Dazu zählt unter anderem auch der am 1. Januar 1953 gegründete Malteser Hilfsdienst.

Quelle: Statista

Bekannt wurde er vor allem als "Kardinal der Armen": so benutzte er öffentliche Verkehrsmittel und verzichtete auf den bischöflichen Prunk. Ebenso wenig liebt er den großen Auftritt - er gilt als wortkarg und eher medienscheu. Zudem nutzte Begoglio auch die modernen Medien, um seine Botschaft unter das Volk zu bringen - darunter ein eigenes Kirchenfernsehen und Twitter. Aus der Tagespolitik hält er zwar möglichst Distanz. Dennoch geißelt er mit klaren Worten die soziale Ungerechtigkeit und Korruption.

Programmatischer Ansatz für das Pontifikat: Der Papstname 

Papst Franziskus hat sich bei seiner Wahl nach dem heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226) benannt. Dieser Name steht heute für ein Leben in Armut und an der Seite der Armen. Geboren wurde Giovanni Battista Bernadone als Sohn eines italienischen Tuchhändlers im mittelitalienischen Assisi. Dennoch verzichtete Franziskus auf allen Reichtum und gründete mit den Franziskanern einen Bettelorden, der auch eine Erneuerung der katholischen Kirche bewirkte.

Zudem galt Franziskus auch als Freund der Tiere und der Umwelt. In seinem Sonnengesang lobte er Gott durch "Schwester Wasser", "Bruder Wind" und "Mutter Erde". In seiner "Vogelpredigt" sprach er zudem mit den Tieren. Knapp zwei Jahre nach seinem Tod wurde Franziskus am 16. Juli 1228 von Papst Gregor IX. (1227-1241) heiliggesprochen. Sein Gedenktag - der 4. Oktober - gilt heute auch als Welttierschutztag.

Im Jahr 1980 wurde er von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie ernannt. Daher gilt Franziskus auch als Schutzpatron der Tierärzte. Außerdem erhob Papst Pius XII. (1939-1958) ihn zum Schutzpatron von Italien. Die Friedensbestrebungen von Franziskus sind auch heute noch lebendig - wie etwa beim Friedenstreffen von Assisi mit den Vertretern der Weltreligionen.

Bislang haben die Päpste insgesamt 82 unterschiedliche Namen gewählt. Unangefochten an der Spitze steht Johannes - mit weitem Abstand gefolgt von Gregor und BenediktPapst Johannes Paul I. war 1978 das erste Kirchenoberhaupt, das einen Doppelname wählte. Mit dieser Entscheidung setzt er sich bewusst in die Tradition seiner Vorgänger Paul VI. (1963-1978) und Johannes XXIII. (1958-1963).

Die "Nummer Zwei" des Vatikanstaates

Aktuelle "Nummer Zwei" des Vatikanstaates ist seit 16. Oktober 2013 ist der italienische Erzbischof und Diplomat Pietro Parolin. Seit über 30 Jahren ist der Nachfolger von Tarcisio Bertone im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls tätig - zuletzt als Nuntius in Venezuela, Mexiko und Nigeria. 

Konklave: Wie wird der neue Papst gewählt?

Zeit der "Sedisvakanz"

Mit dem Tod oder dem Rücktritt eines Papstes steht die katholische Welt nun für eine kurze Zeitspanne still. So hatten die Kardinäle nur einen Monat Zeit, den Stuhl Petri wieder zu besetzen - so wollen es die Kirchengesetze. Für die Zeit der "Sedisvakanz" (lat.: "leerer Stuhl") zwischen dem Tod des Papstes und der Wahl eines neuen Pontifex bestimmt das Kardinalskollegium die Tagesgeschäfte des Vatikan. Eine besondere Rolle kamen dabei dem Kardinalsdekan sowie dem Kämmerer ("Camerlengo") zu. Während der Dekan die Kardinäle zum Konklave zusammenrufen musste, gilt der Kämmerer als Übergangsverwalter als wichtigster Organisator der katholischen Kirche.

Jahrhundertealtes Regelwerk

Mit dem Augenblick des Todes beginnt ein teils jahrhundertealtes Regelwerk zu greifen, das im "Universi Dominici Gregis" (dt.: "der gesamten Herde des Herrn") festgelegt ist. So stellt der Kämmerer der Katholischen Kirche im Beisein des Zeremonienmeisters und der Prälaten den Tod des Papstes fest. Eine Autopsie ist jedoch nicht vorgesehen - bislang wurde auch noch kein Papst nach seinem Tod ärztlich begutachtet.

Nun versiegelt der Kämmerer das Arbeitszimmer und die Privatgemächer des Papstes. Zudem zieht er dem Toten den so genannten Fischerring ("Anulus piscatoris") vom Finger. Dieser gilt seit dem 14. Jahrhundert als offizieller Amtsring des Papstes. In Anwesenheit der Kardinäle zerstört der Kämmerer den Ring und die Amtssiegel, um einen Missbrauch damit zu verhindern.

In den folgenden neun Tagen der Trauer wird zunächst der Leichnam des Papstes für die Gläubigen im Petersdom aufgebahrt. Die Beisetzung findet innerhalb von vier bis sechs Tagen statt. In der Vergangenheit wurden die Päpste für gewöhnlich in der Krypta des Doms - den vatikanischen Grotten - beigesetzt. Diese bestehen aus mehreren unterirdischen Räumen, wo sich 20 der insgesamt 164 Papstgräber des Petersdoms befinden. Bestattet wurde Johannes Paul II. (1978-2005) am früheren Platz von Papst Johannes XXIII (1958-1962). Dessen einbalsamierter Leichnam liegt heute in einem gläsernen Sarg in der Basilika aufgebahrt.

Zur Beisetzung von Papst Johannes Paul II. waren neben rund vier Millionen Pilgern auch etwa 200 ranghohe politische und religiöse Repräsentanten anwesend. Die Beerdigung Papst Johannes Pauls II. am 8. April 2005 war bislang die größte Beerdigungsmesse in der Geschichte der katholischen Kirche.

Bis ein neuer Papst gewählt wird, werden die Amtsgeschäfte vom Kardinalskollegium geführt, um den reibungslosen Ablauf der kirchlichen Angelegenheiten zu garantieren. Allerdings dürfen sie nur die alltäglichen Geschäfte führen - Korrekturen am Kurs des verstorbenen Papstes dürfen nicht vorgenommen werden. Auch sonstige Entscheidungen, die nur dem Papst obliegen, dürfen nicht getroffen werden. So besitzt das Kardinalskollegium auch keine Jurisdiktionsgewalt - es darf also keine Gesetze erlassen. Dem Kämmerer kommt die Aufgabe zu, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zu organisieren.

Was ist das Konklave?

Diese Wahl ist ein kompliziertes Verfahren, dessen Wahlmodus durchaus noch an die Königswahlen im Mittelalter erinnert. Wahlberechtigt sind alle Kardinale, die nicht älter als 80 Jahre sind. Die Kardinäle sind die ranghöchsten Würdenträger der römisch-katholischen Kirche. Ihre Hauptaufgabe ist seit 1179 die Wahl eines neuen Pontifex, dem sie auch als Berater und Amtsgehilfen verbunden sind. Zwar darf grundsätzlich jeder Katholik zum Papst gewählt werden. Papst Urban VI. (1378-1389)  war jedoch bei seiner Wahl 1378 der letzte Papst, der zuvor kein Kardinal war.

Nach einem Dekret von Papst Gregor X. (1271-1276) aus dem Jahr 1274 muss die Wahl in einem von der Außenwelt abgeschiedenen Konklave stattfinden. Es ist eine Reaktion auf vorangegangene Wahlen, die sich teils über mehrere Jahre erstreckten. So begann das längste Konklave 1268 im mittelitalienischen Viterbo und dauerte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage. Das kürzeste Konklave fand am 31. Oktober 1503 in Rom statt. Bereits nach wenigen Stunden ging Papst Julius II. daraus hervor. Auch die Wahl von Papst Pius XII. im Jahr 1939 gehört mit einer Dauer von 20 Stunden zu den kürzesten Konklaven in der Geschichte. In den vergangenen 100 Jahren dauerten die Papstwahlen jedoch nie länger als fünf Tage. Die meisten Kardinäle werden für die Dauer des Konklave im "Domus Sanctae Marthae" untergebracht. Diese Residenz mit 108 Gästesuiten und 23 Einzelzimmern im Wert von 20 Millionen Dollar wurde auf Geheiß von Papst Johannes Paul II. errichtet.

Das Konklave beginnt mindestens 15 Tage, spätestens aber 20 Tage nach dem Tod oder Rücktritt eines Papstes mit einer feierlichen Messe im Petersdom und dem anschließenden Einzug der Kardinäle in die Sixtinische Kapelle. Der Begriff Konklave entstammt dem lateinischen Wort "cum clave" ("mit dem Schlüssel"). Während dieser Zeit werden die Kardinäle im Vatikan eingeschlossen - jeder Kontakt nach außen ist verboten. Der Zugang zu Telefon, Medien, Internet, Kameras und Tonbandgeräten ist ihnen untersagt. Ebenso streng verboten sind Schmiergeldzahlungen und offener Wahlkampf. Mögliche Sanktionen bei Zuwiderhandlungen liegen beim neuen Papst.

Gemäß der Apostolischen Konstitution würde die Wahl eines neuen Papstes allerdings auch bei Bestechung gültig bleiben - trotz der Androhung von Exkommunikation. Im Mittelalter war der Kauf oder Verkauf von geistlichen Ämtern - die sogenannte "Simonie" - weit verbreitet. Der Begriff geht auf Simon Magus zurück, der nach biblischer Darstellung von den Aposteln die Fähigkeit kaufen wollte, durch Handauflegen den Heiligen Geist spenden zu können.

Die Wahl selbst findet in der Sixtinischen Kapelle statt und ist streng geheim. Auch die Zeremonienmeister, Ärzte und Krankenschwestern sowie Sekretäre verpflichten sich unter Eid zur Geheimhaltung - selbst Putzfrauen, Liftboys, Chauffeure und das Kantinenpersonal müssen ein Schweigegelübde abgelegen. Abkommen oder Verträge sind bei Exkommunikation verboten. In der Sixtinischen Kapelle finden jeden Vormittag und jeden Nachmittag jeweils zwei Wahlgänge statt. Seit Papst Alexander III. (1159-1181) ist eine Zweidrittel-Mehrheit für die Wahl eines Papstes notwendig. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) verfügte in seinem apostolischen Schreiben "Normas nonnulas", dass nach dem 33. Wahlgang so viele Stichwahlen zwischen den beiden führenden Kandidaten stattfinden müssen, bis einer die Zweidrittel-Mehrheit auf sich vereinigen kann.

Zu Beginn der Wahl gebietet der päpstliche Zeremonienmeister mit der Formel "Extra omines" allen, die nicht zum Konklave gehören, die Kapelle zu verlassen. Beim Wahlgang schreibt jeder Kardinal mit verstellter Schrift seine Wahl auf einen rechteckigen Zettel mit der Aufschrift "Eligo in summum pontificem" ("Ich wähle zum Papst"). Diese Zettel werden dann in einen Kelch auf dem Altar gelegt und von drei Wahlhelfern aus der Runde der Kardinäle ausgezählt. Drei Prüfer kontrollieren das Ergebnis.

Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel in einem eigens dafür vorgesehenen Ofen mit Außenabzug verbrannt. Steigt schwarzer Rauch auf, konnte keine Entscheidung getroffen werden. Bei weißem Rauch wurde ein neuer Papst gewählt. Stimmt der Gewählte den Worten "Nimmst Du Deine kanonische Wahl zum Papst an?" zu, gilt er mit sofortiger Wirkung als neuer Papst mit allen Rechten und Pflichten. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehört die Wahl eines Namens, der dann in die Annalen des Vatikan eingehen wird.

Der Abschied vom Geburtsnamen ist der erste programmatische Akt eines neuen Papstes. Mit der Wahl des päpstlichen Namens signalisiert das neue Kirchenoberhaupt, an welche Traditionen es anzuknüpfen gedenkt. In der Spätantike und im frühen Mittelalter hatten nur drei Päpste ihren Geburtsnamen abgelegt, da dieser politisch oder heidnisch vorbelastet war. Im Mittelalter korrespondierte die Kontinuität der päpstlichen Namensgebung auch mit der weltlichen Macht der Kaiser, die ihre Namen in dynastischer Folge an ihre Nachkommen vererbten.

In der Renaissance rückte vor allem die individuelle Persönlichkeit der Päpste in den Vordergrund. So behielten einige Päpste ihre Geburtsnamen oder entschieden sich für den Namen des Heiligen, an dessen Tag sie zum Papst gewählt wurden. Albino Luciani war der erste Papst, der 1978 als Johannes Paul I. einen Doppelnamen wählte. Für Abergläubische wäre de Name "Petrus Romanus" hingegen ein wahrer Albtraum: so hatte der heilige Malachias - ein irischer Heiliger - bereits vor 900 Jahren prophezeit, dass ein Papst mit diesem Namen der letzte auf dem Stuhl Petri sein wird. Denn mit ihm würde sich demnach der Kreis schließen und - nach christlichem Verständnis - das Ende der Welt einläuten.

Mit der Ankündigung "Annuntio vobis gaudium magnum - habemus papam" (dt.: "Ich verkünde euch frohe Botschaft - wir haben einen Papst") wird der neue Papst dann auf dem Petersplatz in sein Amt eingeführt, wo er den ersten päpstlichen Segen "Urbi et Orbi" (dt.: "dem Stadt und dem Erdkreis") erteilen wird.

Gesellschaft und Militär

Die Staatsbürgerschaft des Vatikan wird immer nur zeitweise vergeben. Sie ist an eine bestimmte Funktion gebunden und ersetzt nie die natürliche Staatsbürgerschaft. Zu den "Vatikan-Bürgern" gehören vor allem die hohen Mitglieder der Kurie, die Mitglieder der Schweizer Garde und die im Vatikan oder in Rom lebenden Kardinäle. Auch die päpstlichen Gesandten in den ausländischen Nuntien erhalten für die Dauer ihres Amtes die vatikanische Staatsbürgerschaft.

Wie auch die meisten anderen Staaten besitzt selbst der Vatikan mit der Schweizer Garde eine eigene Armee. Sie sichert den apostolischen Palast sowie die Zugänge zum Vatikan und ist für die Sicherheit des Papstes verantwortlich. Die Garde wurde am 22. Januar 1506 von Papst Julius II. (1503-1513) als Leib- und Papstwache ins Leben gerufen. Heute versieht sie vielmehr Ehren- und Sicherheitsdienste - darunter Audienzen, Besuche, Messen, Schildwache, Kontrollen, Ordnungs- und Wachdienst sowie Personenschutz. Die Aufnahmekriterien für die Rekruten sind:

  • sie müssen katholische Schweizer sowie zwischen 19 und 30 Jahren alt sein;
  • sie müssen mindestens 1,74 Meter groß und körperlich fit sein;
  • sie müssen einen einwandfreien Leumund besitzen sowie die Mittel- oder Berufsschule absolviert haben.

Das Papsttum gestern und heute

Der Papst war früher lediglich der Bischof von Rom. Als "Episkopos" hatte er aber auch die Aufgabe, die Christen zu schützen und ihre Einheit zu festigen. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung gehörte Rom neben Jerusalem, Konstantinopel, Alexandria und Antiochia zu den Städten, die in der christlichen Welt eine herausragende Bedeutung hatten. Doch schon in der Spätantike beanspruchte Rom eine Führungsrolle, die den Papst schließlich zum Oberhaupt der katholischen Kirche machte.

Die Bischöfe von Rom verstanden sich zudem als Nachfolger des Apostels Petrus. Sie erhielten die Beinamen "Papa" und in Anlehnung an die römische Staatsreligion in der Antike den Titel "Pontifex Maximus"Da der Bischof von Konstantinopel das "Primat" von Rom nicht anerkannte, kam es 1054 zur ersten Kirchenspaltung - dem "Großen Morgenländischen Schisma" - zwischen der katholischen und der Ostkirche, aus der die verschiedenen orthodoxen Kirchen hervorgingen.

Im Mittelalter nahm das Machtstreben des Papsttums immer weiter zu. Mit der Bulle "Una Sanctam" begründete Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) im Jahre 1302 den theologischen Absolutheitsanspruch des Papsttums. Während des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) wurde zudem das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit definiert. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) befindet sich das Papsttum in einem Prozess der Neuordnung allmählichen Strukturen.

Erstmalig wurde der Titel Papst von Siricius (384-399) als Eigenbezeichnung verwendet. Seit Papst Gregor I. dem Große (590-604) ist der Titel ausschließlich als Bezeichnung für den Bischof von Rom festgeschrieben. Bis zum Konzil von Konstanz (1414-1418) gab es jedoch immer wieder Streit darüber, wer rechtmäßiger Papst und wer ein sogenannter "Gegenpapst" war. Der bei Amtsantritt wohl älteste Papst aller Zeiten war wohl Hadrian I.(772-795) - er soll als 80jähriger gekrönt worden sein. Noch fast ein Kind war Papst Benedikt IX. - bei seiner Wahl soll er erst elf Jahre gewesen sein. Andere Quellen besagen, dass er bei Amtsantritt 18 Jahre alt war.

Zu den Amtsinsignien des Papstes gehören der Fischerring ("Anulus piscatoris") und eine drei Finger breite Stola aus weißer Seide ("Pallium"). Der Ring weist den Papst als Nachfolger des heiligen Petrus aus. Der mit Gold eingefasste Schmuckstein trägt den lateinischen Namen des Papstes und zeigt das Bild des Apostels, der ein Fischernetz in seinen Kahn zieht. Papst Clemens V. (1265-1268) hat den Fischerring erstmals als Siegel für private Schreiben genutzt. 

Später wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein auf offizielle Dokumente damit beglaubigt. Das "Pallium" tragen nur der Papst und die Erzbischöfe zum Zeichen ihres Ranges. Die Ursprünge reichen bis Papst Marcus zurück, der im jahr 336 den Bischof von Ostia damit ausgezeichnet hat. Das mit sechs schwarzen Kruzen geschmückte Band gilt heute als Zeichen der Verbundenheit mit Gott und mit dem Heiligen Stuhl.

Von Schürzenjägern und Fliegenphobien

Hinter den dicken Mauern des Vatikan soll zudem schon so mancher Papst seine Marotten gepflegt. So hegte Papst Pius XI. (1922-1939) eine Leidenschaft für schnelle Autos: 16 Sportwagen standen seinerzeit im Vatikan. Sein Nachfolger Pius XII. (1939-1958) hatte eine Fliegenphobie und hielt stets eine Fliegenklatsche griffbereit. Papst Alexander VI. (1492-1503) aus der berühmten Familie der Borgia frönte weltlichen Genüssen und hatte mit mehreren Frauen sechs Söhne und drei Töchter, die er allesamt in wichtige Positionen hievte. Sein Intimfeind und Nachfolger Julius II. (1503-1513) zeugte als Kardinal drei Töchter und häufte beträchtliche Reichtümer an.

Papst Leo X. (1513-1521) förderte den Ablasshandel, durch den der Bau des Vatikan finanziert wurde und der die Reformation einleitete. Zudem soll bei der Wahl von Papst Innozenz VIII. (1484-1492) soviel Geld geflossen sein, dass die Wahl faktisch gekauft war. Papst Johannes VIII. (872-882) ging als erster Pontifex in die Geschichte ein, der ermordet wurde. Von den bislang 265 Päpsten wurden fünf ermordet, vier landeten im Gefängnis und einer wurde öffentlich ausgepeitscht. Einer wurde im Kampf tödlich verletzt und einem weiteren fiel die Zimmerdecke auf den Kopf. Papst Urban VIII. (1623-1633) hatte so große Angst um sein Leben, dass er Astrologen mit der Anfertigung von Horoskopen seiner Kardinäle beauftragte. Damit wollte er herausfinden, wer ihm gefährlich werden könnte.

Vatikanische Konzilien: Wegweisende kirchenpolitische Entscheidungen

Das Erste Vatikanische Konzil (1869/70) wurde von Papst Piux IX. (1846-1878) am 29. Juni 1868 einberufen mit dem Ziel, moderne Irrtümer abzuwehren und die kirchliche Gesetzgebung zeitgemäß anzupassen. Geprägt war das Konzil unter anderem auch durch die Auseinandersetzungen zwischen den staatsnahen Katholiken und den Anhängern des Ultramontanismus. Als im Zuge des Risorgimento jedoch der Kirchenstaat am 20. September 1870 von Italien annektiert wurde, vertagte Pius IX. das Konzil - einberufen wurde es nicht mehr.

Wichtigster Beschluss war ein Lehrdokument, in dem das päpstliche Jurisdiktionsprimat sowie die Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes "bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren" zum kirchlichen Dogma erhoben wurde. Insgesamt nahmen etwa 770 Konzilsväter aus aller Welt am Ersten Vatikanum teil - etwa drei Viertel aller Berechtigten. Die Beschlüsse des Konzils stießen vielerorts auf ablehnende Reaktionen. So kündigte Österreich ein Konkordat mit dem Vatikan unter Berufung auf die "clausula rebus sic stantibus" ab. Zudem kam es zur Abspaltung der Altkatholischen Kirche - also jenen Katholiken, welche die Beschlüsse des Konzils ablehnten.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wurde ein Reformprozess eingeläutet, um die katholische Kirche zu modernisieren und der sich wandelnden Zeit anzupassen. So wurde zunächst der Gottesdienst reformiert: Die Priester feiern die Messe nicht mehr mit dem Rücken zu den Gläubigen; zudem wurde Latein weitgehend durch die Landessprachen ersetzt. Außerdem wurde die Rolle der Laien aufgewertet: das Diakonat steht seitdem auch verheirateten Männern offen und auch Kindergottesdienste sind seitdem zugelassen.

Zudem bestimmte das Konzil auch das Verhältnis zu anderen Religionen und christlichen Konfessionen neu: So wurde die Ökumene - der Dialog mit Protestanten und Orthodoxen - selbstverständlich. Zudem werden Juden seitdem nicht mehr als "Christusmörder" angesehen. Auch die Religionsfreiheit wurde anerkannt. Insgesamt nahmen 2.381 Konzilsväter - Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt - sowie mehr als 200 Theologen und fast 100 Beobachter am Konzil teil. Liberale Katholiken kritisierten jedoch, dass der in Angriff genommene Reformprozess bereits im Ansatz steckengeblieben sei. Erzkonservative Kreise wie die Piusbruderschaft lehnen die Beschlüsse des Konzils jedoch ab.

Die römisch-katholische Kirche weltweit

Knapp 2,3 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum Christentum. Dabei bildet die römisch-katholische Kirche mit etwa 1,18 Milliarden Angehörigen die mit Abstand größte christliche Konfession. Nach Angaben des Vatikan ist der Anteil der Katholiken in Europa und Südamerika gesunken, während er in Afrika und Südostasien stieg. Mit 488 Gläubigen leben über 40 Prozent aller Katholiken in Mittel- und Südamerika. Keine andere Religionsgemeinschaft ist auf dem Kontinent so bedeutend wie die katholische Kirche. Von den 275 Millionen Christen in Nordamerika gehört etwa ein Drittel zur katholischen Kirche an.

In Europa leben rund 588 Millionen Christen - davonetwa 278 Millionen Katholiken. Dies entspricht etwa einem Viertel der weltweiten Katholiken. Etwa 200 Millionen Christen bekennen sich zu den orthodoxen Kirchen. Daneben gibt es etwa 69 Millionen Protestanten und 26 Millionen Anglikaner. In Afrika bekennen sich knapp 500 Millionen Menschen zum Christentum, davon etwa 183 Millionen zum Katholizismus. Mit etwa 140 Millionen Gläubigen bilden die Katholiken in Asien nur einen kleinen Teil der Gläubigen. In Ozeanien leben rund neun Millionen Katholiken.

Die Päpste des 20. und 21. Jahrhunderts

  • Papst Leo XIII. (1878-1903) führte die katholische Kirche ins 20. Jahrhundert und galt innerkirchlich als Reformer. Die erste Sozialenzyklika "Rerum novarum" von 1891 wurde zum Bezugspunkt der katholischen Soziallehre.
  • Pius X. (1903-1914) kam durch Einmischung des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. (1848-1916)  auf den Papstthron und verbot daher 1904 die Intervention staatlicher Stellen in die Papstwahl. Im Jahre 1908 reformierte er die Kurie und führte scharfe Auseinandersetzungen mit den Reformkatholiken.
  • Papst Benedikt XV. (1914-1922) wahrte im Ersten Weltkrieg (1914-1918) strikte Neutralität und versuchte zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln - allerdings erfolglos. Innerkirchlich veröffentlichte er mit dem "Codex Iuris Canonici" ein neues Rechtsbuch.
  • Papst Pius XI. (1922-1939) schloss 1929 die Lateranverträge mit der faschistischen Regierung Italiens, in denen die Souveränität des Vatikan festgeschrieben wurde. 1937 wies er in der Enzyklika "Mit brennender Sorge" auf die Bedrohung durch den Nationalsozialismus hin. Zudem bleibt Pius XI. auch als "Missionspapst" in Erinnerung.
  • Papst Pius XII. (1939-1958) ist der umstrittenste Papst des Jahrhunderts. Historiker werfen ihm vor, zum Holocaust und zu den Verbrechen der Nationalsozialisten in Europa geschwiegen zu haben. 1949 stellte er jede Unterstützung des Kommunismus unter die Strafe der Exkommunikation.
  • Johannes XXIII. (1958-1962) war als "Übergangspapst" angetreten. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzte er jedoch überraschend einen tiefgehenden Reformprozess in der katholischen Kirche in Gang. Wegen seiner Herzlichkeit und Volksnähe wurde er in Italien der "gute Papst" genannt.
  • Paul VI. (1962-1978) setzte den Reformprozess des Konzils fort und förderte die Internationalisierung der Kirche. Zudem war Paul VI. der erste Papst, der auch ferne Länder bereiste und vor der UNO in New York sprach. In Erinnerung ist er zudem mit seiner Enzyklika "Humanum Vitae", die den Schutz des ungeborenen Lebens und das Verbot der Anti-Baby-Pille festschrieb.
  • Johannes Paul I. (1978) starb bereits nach 33 Tagen im Amt. Gerüchte über einen unnatürlichen Tod wurden nie bewiesen, sind aber auch bis heute nicht verstummt. In Erinnerung bleibt er vor allem als der "lächelnde Papst".
  • Johannes Paul II. (1978-2005) war der erste Pontifex aus Polen sowie der erste Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri seit über 450 Jahren. Im TV-Zeitalter galt er als genialer "Medienpapst". Am 1. Mai 2011 wurde der selig gesprochen, das Verfahren zur Heiligsprechung wurde 2012 eröffnet.
  • Benedikt XVI. (2005-2013) wurde als achter deutscher Papst zum 265. Pontifex gewählt. In vielen theologischen Fragen galt er als Traditionalist und Bewahrer sowie als Papst der Konsolidierung statt Erneuerung. Am 28. Februar 2013 trat er als zweiter Pontifex in der Kirchengeschichte von seinem Amt zurück.

Bedeutende Päpste der Weltgeschichte

Der Name "Papst" (lateinisch: "papa") ist ein Ehrentitel, der bis ins 7. Jahrhundert allen Bischöfen verliehen wurde. In der Folgezeit wurde er jedoch zunehmend für den Bischof von Rom als Nachfolger des Apostels Petrus reserviert. Damit gilt der Papst als Stellvertreter Christi, Oberhaupt der Gesamtkirche und als Haupt des Bischofskollegiums. Gleichzeitig fungiert er auch als Staatsoberhaupt des Staates der Vatikanstadt. Gemäß des geltenden Kirchenrechtes besitzt der Papst "kraft des Amtes die oberste, volle, unmittelbare und allgemeine ordentliche Gewalt in der Kirche". Zudem ernennt der Papst die Bischöfe und Kardinäle; er bestimmt auch die Mission und die Lehrmeinung der katholischen Kirche.

Als einer der bedeutendsten Päpste gilt Gregor I. der Große (590-604). Der jüngste der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike entstammte vermutlich der römischen Patrizierfamilie der Anicier. Als "Mönchspapst" bezeichnete sich Gregor auch als "Knecht der Knechte Gottes" und schrieb den Titel "Papst" als ausschließliche Bezeichnung für den Bischof von Rom fest.

Zu den wichtigsten Kirchenoberhäuptern des Mittelalters zählt Papst Innozenz III. (1198-1216). Ein wichtiges Ziel seines Pontifikates war die juristische Fixierung des Papsttums und dessen endgültige Etablierung als weltliche Macht. So verdoppelte er den kirchlichen Besitz des Kirchenstaates, während er seine Herrschaft im Innern durch geschickte Familienpolitik bzw. Nepotismus. Zudem befürwortete Innozenz III. die Kreuzzüge und förderte neugegründete Orden wie die Humiliaten, die Dominikaner oder die Franziskaner.

Eine der schillerndsten Päpste war der Renaissancefürst und Machtpolitiker Alexander VI. (1492-1503). Der gebürtige Spanier entstammte der Adelsfamilie der Borgia und galt als lebenslustig, sinnlich und machtbewusst. Zu seinen prominentesten Kritikern gehörte der Dominikanermönch Girolamo Savonarola (1452-1498); dieser sorgte für besonderes Aufsehen mit seiner Kritik am Lebenswandel des herrschenden Adels und Klerus. Innerkirchlich wirkte Alexander für eine geordnete Verwaltung und des Kirchenstaates. Zudem engagierte sich der Borgia-Papst für die Mission Südamerikas: mit dem Vertrag von Tordillas von 1494 teilte Alexander die Welt zwischen den beiden konkurrierenden Seemächten Spanien und Portugal neu auf.

Papst Julius II. (1503-1513) wurde durch seine Kriegszüge, sein politisches und individuelles Machtstreben sowie sein großzügiges Mäzenatentum bekannt. Im Jahre 1506 legte er den Grundstein für den Bau des Petersdoms - einen der größten Kirchenbauten der Welt. Im gleichen Jahr begründete er mit der Schweizergarde die heutige Leibwache des Papstes. Während seines Pontifikates verstand sich Julius II. vor allem als weltlicher Territorialfürst und weniger als Kirchenoberhaupt.

Mit 31 Jahren und acht Monaten ist das Pontifikat von Papst Pius IX. (1846-1878) das längste in der Geschichte der katholischen Kirche. Papst Pius veröffentlichte zahlreiche theologische Schriften, darunter die Enzyklika Ubi primum mit dem Dogma der unbefleckten Empfängnis. In seiner Enzyklika Quanta Cura vom 8. Dezember 1864 verurteilte Pius scharf die Religionsfreiheit und die Trennung von Kirche und Staat. Gleichzeitig veurteilte das Syllabus Errorum insgesamt 80 Aussagen als falsch; zu den vom Papst definierten Irrtümern gehörten auch der Naturalismus, Sozialismus und Kommunismus. Den Höhepunkt seines Pontifikats bildete hingegen das Erste Vatikanische Konzil von 1869/70, auf dem auch das Dogma der päpstlichen Unfehlbahrkeit verkündet wurde. In sein Pontifikat fällt auch das Ende das Ende des Kirchenstaates im Sommer 1870, worauf sich Pius zum "Gefangenen im Vatikan" erklärte.

Sein Nachfolger Papst Leo XIII. (1878-1903) ging als ausgesprochen politischer Papst in die Geschichte ein. Dessen Ziel war es, die katholische Kirche aus der selbst gewählten Isolierung gegenüber den neuen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen handelte sich Leo XIII. auch die Bezeichnung "Arbeiterpapst" und den Beinamen "der Soziale" ein. So wurde am 15. Mai 1891 die erste Sozialenzylkika "Rerum Novarum" veröffentlicht, womit der Papst die Katholische Soziallehre maßgeblich aufwertete. Insgesamt veröffentliche Papst Leo XIII. während seines Pontifikates 86 Enzykliken.

Besonders umstritten war Papst Pius XII. (1939-1958) wegen seiner Haltung zum Nazi-Regime in Deutschland und den Verbrechen des Holocaust. Ausgelöst wurde die Debatte maßgeblich von Rolf Hochmuths Drama "Der Stellvertreter" aus dem Jahre 1963. Der Hauptvorwurf gegen den Papst lautet seitdem, er habe trotz zahlreicher Bitten um öffentlichen Protest gegen den Holocaust dennoch geschwiegen - ob nun aus Gleichgültigkeit, Deutschfreundlichkeit oder aus Angst gegenüber den Kommunisten. Durch die heutige Quellenlage werden viele Kritikpunkte zwar widerlegt oder relativiert - dennoch erschwert sie immer noch eine objektive Beurteilung von Pius XII. So sind die Quellen aus seiner Zeit als Nuntius in Deutschland (1920-1929), als Kardinalstaatssekretär (1930-1939) und als Papst heute noch teilweise verschlossen.

Mit Papst Johannes Paul II. (1978-2005) wurde erstmals ein Slawe sowie der erste Nichtitaliener seit über 450 Jahren zum "Stellvertreter Christi" gewählt. Im Fernsehzeitalter genoß der Pontifex wie kein anderer seiner Vorgänger den Ruf des "Medienpapstes", dem heute eine maßgebliche Rolle bei der Überwindung des Sozialismus in seinem Heimatland Polen zugeschrieben wird. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow schrieb zudem in seinen Memoiren, dass die Ereignisse in Osteuropa ohne den polnischen Papst nicht möglich gewesen seien. Während Johannes Paul II. innerkirchlich eine strikt konservative Haltung einnahm, setzte er sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern verstärkt für den Interreligiösen Dialog ein - besonders mit dem Judentum und dem Islam. Auch die Ökumene mit anderen christlichen Konfessionen war ihm ein besonderes Anliegen.

Weitere europäische Zwergstaaten

Andorra ist ein Zwergstaat in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Es ist seit 1278 unabhängig und der größte unter den sechs europäischen Zwergstaaten. Andorra ist das einzige Land der Welt, bei dem gleich zwei ausländische Funktionsträger das Amt des Staatsoberhauptes wahrnehmen - nämlich der Staatspräsident von Frankreich und der Bischof von Urgell. Zudem gilt Andorra als Wintersport- und Steuerparadies. Hauptstadt des Landes ist Andorra la Vella. Die erste Verfassung Andorras wurde erst 1981 verabschiedet. Seit 1993 gibt es eine klare Gewaltentrennung.

Das Fürstentum Liechtenstein - zwischen Österreich und der Schweiz gelegen - ist keine Operettenmonarchie ("Disneyland der Alpen"), sondern ein moderner Industrie- und Dienstleistungsstaat. Es gilt heute als eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage. Die Souveränität liegt sowohl beim Volk als auch beim Landesfürsten. Das Fürstentum ist hervorgegangen aus dem Erwerb der Herrschaft Schellenberg 1699 und der Grafschaft Vaduz 1712 durch die Fürsten von Liechtenstein.

Der Inselstaat Malta liegt etwa 90 Kilometer südlich von Sizilien. Das Archipel verteilt sich auf die drei Hauptinseln Malta, Gozo und Gomino sowie drei unbewohnte Inseln. Der Name geht zurück auf die punische Bezeichnung "malet", die "Zufluchtsort" bedeutet. Die Geschichte reicht mehrere Jahrtausende zurück. In dieser Zeit wurde Malta durch viele Kulturen beeinflusst - von den Phöniziern über Griechen, Römer und Byzantiner bis hin zum Malteserorden. Im Jahre 1800 wurde es eine britische Kolonie. Seit 1964 ist es als Republik unabhängig und seit 2004 Mitglied der Europäischen Union (EU).

Das Fürstentum Monaco ist ein mondäner Kleinstaat an der französischen Mittelmeerküste. Der Name geht auf griechische Siedler zurück, die sich im 5. Jahrhundert vor Christus an dieser Stelle niederließen und ein Tempel zu Ehren des Herakles Monoikos errichteten. Heute ist Monaco vor allem bei Reichen als Wohnsitz sehr beliebt, da hier weder Einkommens- oder Erbschaftsteuer erhoben werden. Allerdings besitzen nur etwa 16 Prozent der Bevölkerung auch die monegassische Staatsbürgerschaft. Außerdem gilt das Fürstentum als am dichtesten besiedelter Staat der Welt. Seit 2005 wird das Land von Fürst Albert II. regiert.

San Marino ist ein Zwergstaat in Südeuropa, der auf der italienischen Halbinsel liegt. Es ist die älteste Republik der Welt, die bereits im Jahr 301 gegründet wurde. Der Überlieferung zufolge wurde San Marino im 4. Jahrhundert vom heiligen Marinus gegründet. Im Jahre 754 wurde das heutige San Marino erstmals als Castellum Sancti Marini urkundlich erwähnt. Im späten Mittelalter wurde San Marino schließlich unabhängig und verabschiedete 1599 seine im wesentlichen heute noch gültige Verfassung. Heute zählt der Zwergstaat zu den reichsten Ländern der Welt. Zudem hat San Marino keine Staatsschulden.

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