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Enklaven der Europäischen Union (EU)

Quelle: Bild von Hands off my tags! Michael Gaida auf Pixabay

Neben den derzeit 27 EU-Mitgliedstaaten gehören auch einige autonome Landesteile und Überseegebiete der einzelnen Mitglieder zum Gebiet der Europäischen Union. Ausnahmen sind hingegen die autonomen Gebiete von Dänemark. Ebenfalls Teil der Europäischen Union sind auch die Überseegebiete von Frankreich und den Niederlanden.

Åland (Quelle: Bild von Adam Lapuník auf Pixabay)

Åland: Schwedische Minderheit in Finnland

Åland ist eine Insel-Gruppe mit mehr als 6.500 Inseln und Schären in der nördlichen Ostsee. Politisch gehören die Inseln zu Finnland, sind aber innenpolitisch autonom. Hauptstadt ist Mariehamn mit rund 11.700 Einwohnern.

Die Inseln haben eine Gesamtfläche von 13.517 Quadratkilometer - davon entfallen 1.580 Quadratkilometer auf Land. Åland liegt etwa 40 Kilometer von Schweden und ca. 15 Kilometer von Finnland entfernt. Insgesamt leben derzeit etwa 30.286 Menschen auf der Inselgruppe. Neben der Hauptstadt gibt es insgesamt 16 Kommunen, zehn Landskommunen und sechs Schärenkommunen. Neben der einzigen Stadt Mariehamn gibt es auf Åland noch 15 Gemeinden. Mit etwa 100 Einwohnern ist Sottunga die kleinste Gemeinde Finnlands und der EU.

Die Einwohner von Åland bezeichnen sich selbst nicht als Finnen, sondern als Ålander. Sie sprechen überwiegend ålandisches Schwedisch - ein schwedischer Dialekt. Der Schulunterricht findet ebenfalls auf Schwedisch statt - Finnisch ist dabei nur ein Wahlfach. Wer also auch als (Festlands-)Finne nach Åland ziehen will, muss gute Schwedisch-Kenntnisse vorweisen. Im Allgemeinen sind die Beziehungen zu Schweden enger als zu Finnland. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit in Finnland an schwedischen Universitäten zu studieren - etwa 70 Prozent der ålandischen Studenten studieren jedoch in Schweden.

Åland gehörte bis 1809 zu Schweden, als Finnland und die Inselgruppe an Russland abgetreten werden mussten. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches im Februar 1917 sprach sich aber eine überwältigende Mehrheit von 98 Prozent für eine Rückkehr zu Schweden aus. Mit der Unabhängigkeit Finnlands fielen die Åland-Inseln jedoch an den schwedischen Nachbarn - gegen den Willen der Inselbevölkerung.

Im Juni 1921 sprach der Völkerbund schließlich Finnland die Souveränität über Åland zu. Allerdings musste es die schwedische Sprache, die Kultur, die örtlichen Gebräuche und das Selbstverwaltungssystem der Insel-Gruppe akzeptieren, wodurch Åland faktisch zu einem eigenen Staat innerhalb der Republik Finnland wurde. 

Zudem wurde im Jahr 1921 eine internationale Konvention geschlossen, wonach Åland demilitarisiert wurde und neutral sein muss. Seitdem gibt es auf den Inseln kein Militär - auch die jungen Männer auf Åland sind vom allgemeinen Wehrdienst befreit.

Auf Åland gibt es ein System des sogenannten "Heimatrechts", das eine Art Staatsbürgerschaft darstellt. Dieses berechtigt zur Teilnahme und zur Kandidatur bei den Parlamentswahlen, zum Besitz von Grund und Boden sowie zum Betreiben eines Gewerbes. Dieses Recht erhält man durch die Geburt auf Åland oder durch einen Elternteil, der dieses "Heimatrecht" besitzt. Zugezogene können finnische Staatsbürger erhalten, die über ausreichende Schwedisch-Kenntnisse verfügen und mindestens fünf Jahre auf den Inseln leben. Wer jedoch länger als fünf Jahre nicht auf Åland gemeldet war, verliert automatisch dieses Recht.

Politik auf Åland

Die Åland-Inseln besitzen ein eigenes Parlament ("Lagting") und eine eigene Landesregierung. Das "Lagting" besteht aus 30 Abgeordneten, die für vier Jahre vom Volk gewählt werden. Zwei Abgeordnete werden zudem in das finnische Parlament entsandt. Praktisch verwalten sich die Åland-Inseln selbst. Das Parlament trat erstmals am 9. Juni 1922 zusammen - daher gilt dieser Tag auch als Nationalfeiertag.

Die Landesregierung ("Landskapsregeringen") besteht aus höchstens acht Mitgliedern unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten ("Landråt"). Sie wird gemäß den parlamentarischen Grundsätzen von den im "Lagting" vertretenen politischen Parteien und Gruppen bestimmt. Ziel der Verhandlungen ist es, eine möglichst große Mehrheit für die Landesregierung zu finden. Allerdings sind auch Minderheitsregierungen erlaubt.

Zu den wichtigsten Bereichen gehören dabei Bildung und Kultur, das Gesundheitswesen, Umwelt, Wirtschaft, das Verkehrswesen innerhalb Ålands, das Polizeiwesen, die Postverwaltung sowie Radio und Fernsehen. Nur die Außen- und Sicherheitspolitik wird von Finnland übernommen. Wenn die finnische Regierung jedoch internationale Verträge eingeht, die auch Åland betreffen, muss dessen Zustimmung eingeholt werden, wie zum Beispiel beim EU-Beitritt 1995. Zudem erhebt der finnische Staat Steuern und Zölle auf Åland - im Gegenzug muss den Inseln jedoch eine gewisse Summe aus dem Staatshaushalt zur Verfügung gestellt werden.

Wie steht Åland zur EU?

Åland ist wie Finnland seit dem 1. Januar 1995 Vollmitglied der Europäischen Union. Dem Beitritt ging jedoch eine Volksabstimmung voraus, bei der sich 74 Prozent der Befragten für eine EU-Mitgliedschaft aussprachen. In einem speziellen Protokoll wurden die Selbstverwaltung und die Erwerbsmöglichkeiten abgesichert. So sind die Bestimmungen des "Heimatrechtes" auch in der EU rechtsgültig. Außerdem steht Åland außerhalb der Steuerunion, sodass auch die EU-Direktiven zur indirekten Besteuerung dort nicht umgesetzt werden. Åland hat einen eigenen Vertreter im Rat der Regionen und einen Sonderbeauftragten in der EU-Vertretung Finnlands in Brüssel. Zudem gehört Åland auch dem Nordischen Rat an.

Färöer (Bild von Adam Lapuník auf Pixabay)

Färöer: Dänischer Außenposten im Atlantik

Die Färöer sind eine Gruppe von 18 Inseln im nördlichen Atlantik - zwischen den britischen Inseln, Island und Norwegen gelegen. Politisch gehört Färöer zu Dänemark, ist jedoch in inneren Angelegenheiten autonom. Die Hauptstadt der Insel-Gruppe ist Tórshavn.

Bereits 625 wurde Färöer von irischen Mönchen entdeckt und besiedelt. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts gaben sie ihre Wohnstätten jedoch wieder auf, als die Wikinger plündernd die Inseln erreichten. In der Folgezeit wurden die Färöer eine wichtige Zwischenstation zwischen Skandinavien und den Wikinger-Siedlungen in Island, Grönland und kurzzeitig auch in Nordamerika. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts gehörte die Inselgruppe zu Norwegen, fiel dann aber (gemeinsam mit Norwegen) an Dänemark.

Nach der Auflösung der dänisch-norwegischen Personalunion blieben Färöer unter dänischer Oberhoheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg stimmten die Färinger 1946 in einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit für die Souveränität der Insel-Gruppe, was von Dänemark jedoch verweigert wurde. In den darauffolgenden Verhandlungen gewährte das skandinavische Königreich der Insel-Gruppe eine weitgehende innere Autonomie.

Politik in den Färöer

Gemäß dem Gesetz über die innere Autonomie vom 31. März 1948 ist die dänische Krone gleichzeitig auch Staatsoberhaupt der Färöer. In der Praxis wird sie aber von einer dänischen Reichsombudschaft vertreten. Die dänische Regierung ist für die Außen- und Sicherheitspolitik zuständig, wobei dem Parlament ein Vetorecht verbrieft wird. In allen inneren Angelegenheiten sind die Färöer autonom. Das färöische Parlament ("Løgting") ist eines der ältesten Parlamente der Welt. Seine 32 Abgeordneten werden alle vier Jahre neu gewählt. Zudem sind zwei färöische Abgeordnete im dänischen Parlament vertreten.

Es gibt jedoch noch einflussreiche Gruppierungen, die weiterhin eine völlige Unabhängigkeit der Insel-Gruppe anstreben. Das färöische Parteienspektrum zwischen republikanischen Separatisten und pro-dänischen Gruppen ist allerdings recht ausgeglichen. Koalitionen zwischen beiden Flügeln sind daher in der Regierung und im Parlament durchaus gängig.

Wie steht Färöer zu EU?

Seit Januar 2002 unterhalten die Färöer erste diplomatische Vertretungen im Ausland - darunter auch bei der EU und dem Nordischen Rat. Im Gegensatz zu Dänemark sind die Färöer jedoch kein Mitglied der EU. Daher wird auch die EU-Verfassung bei einem möglichen Inkrafttreten Ende 2006 für Färöer keine Anwendung finden. Solange werden dänische Staatsbürger, die ihren Wohnsitz auf den Färöer haben, auch keine Unionsbürger sein, bis sich Färöer entschließen sollte, der EU beizutreten.

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Grönland (Bild von Adam Lapuník auf Pixabay)

"Grünes Land": Die größte Insel der Welt

Grönland ist die größte Insel der Welt - wenn man Australien als eigenen Kontinent betrachtet. Politisch gehört "Kalaallit Nunaat" - so die amtliche Bezeichnung - zu Dänemark, ist aber innenpolitisch autonom.

Grönland liegt größtenteils nördlich des nördlichen Polarkreises zwischen den nördlichen Atlantik und dem Nordpolarmeer. Die Gesamtfläche beträgt 2.175.600 Quadratkilometer, wovon etwa 84 Prozent mit Eis bedeckt ist. Die Länge der grönländischen Küste, die von tiefen Fjorden durchschnitten ist, beträgt schätzungsweise 5.800 Kilometer. Hauptstadt ist Nuuk (dänisch: Godthåb).

Um 875 wurde Grönland vom norwegischen Wikinger Gunnbjørn Úlfsson entdeckt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts gründete Erik der Rote die erste Siedlung auf der Insel. Zwischen 1262 und 1380 geriet Grönland zunächst unter norwegische Herrschaft. Nach Auflösung der dänisch-norwegischen Personalunion 1815 bliebt die Insel unter dänischer Herrschaft.

Ein kurzer Blick in die Verfassung

Mit der dänischen Verfassung von 1953 wurde Grönland als gleichberechtigter Teil des Königreiches anerkannt und entsendet seitdem zwei Vertreter ins dänische Parlament. Seit 1979 genießt Grönland den Status der inneren Autonomie mit einem eigenen Parlament und  einer eigenen Regierung. 

Gemäß der Autonomieverträge ist die dänische Krone gleichzeitig auch Staatsoberhaupt Grönlands, wird aber von einem dänischen Hochkommissar vertreten. Die dänische Regierung ist für die Außen- und Sicherheitspolitik zuständig, wobei dem grönländischen Parlament ein Vetorecht verbrieft wird. In allen inneren Angelegenheiten ist Grönland autonom.

Die Exekutive wird vom zehnköpfigen Naalakkersuisut unter dem Vorsitz des Premierministers ausgeübt. Das Parlament - der "Inatsisartut" - besteht derzeit aus 31 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Die letzten Parlamentswahlen fanden 2021 statt.

Wie steht Grönland zur EU?

Im Jahre 1972 stimmten die Grönländer mehrheitlich gegen einen Beitritt zur EG/EU, wurden aber gezwungen, sich dem mehrheitlichen Votum der Dänen für einen Beitritt anzuschließen. Zehn Jahre später stimmten allerdings eine Mehrheit der grönländischen Bevölkerung in einem Referendum für einen Austritt aus der EU, der zum 1. Februar 1985 vollzogen wurde. Als Grund wurde damals vor allem die Überfischung durch die deutschen Fangflotten genannt. Allerdings genießt es weiterhin den Status eines EU-Territoriums mit den Vorteilen der Zollunion.

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