Tobias Daniel M.A.

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Weihnachts- und Silvesterbräuche

Nach Ostern ist Weihnachten mittlerweile das zweitwichtigste Fest im Kirchenjahr. Traditionell fällt der erste Weihnachtstag auf den 25. Dezember, an dem die Geburt Jesu in Bethlehem gefeiert wird, sie in den Evangelien des Lukas und des Markus beschrieben wird. In der Frühzeit des Christentums war das Weihnachtsfest jedoch noch unbekannt. Wenn die ersten Christen vom „Anfang“ der „Frohen Botschaft von Jesus Christus“ sprachen, dann meinten sie den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Erst später interessierte sich die Kirche zunehmend auch für die Geburt, Kindheit und Jugend Jesu.

Geschichte des Weihnachtsfestes

Aus historischen Quellen geht hervor, dass Papst Liberius (352-366) erstmals am 25. Dezember 336 in Rom das Weihnachtsfest feierte. In den folgenden Jahrzehnten setzte es sich auch im übrigen Mittelmeerraum durch. Auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 erhob Kaiser Theodosius I. (379-395) schließlich das Weihnachtsfest zum Glaubensgrundsatz.

Im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Weihnachtsfest am 25. Dezember zu feiern, auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode von 813 erklärte diesen Tag offiziell zum „festum nativitas Christi“ – zum Fest der Geburt Christi. Mit ihm begann damals das Kalenderjahr. Erst 800 Jahre später – mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders – wurde der Jahresbeginn auf den 1. Januar gelegt. Durch die Verbreitung des christlichen Glaubens hat das Weihnachtsfest schließlich in aller Welt seine Verbreitung gefunden.

Das Datum - Wahrheit oder Fälschung?

Der genaue Geburtstag Jesu ist unbekannt. Sicher ist nur, dass Christus nicht im Jahre 0 geboren wurde, sondern eher zwischen 12 und 4 vor unserer Zeitrechnung. Der 25. Dezember war vielmehr in vielen Kulturen als Tag der Sonnenwende besonders wichtig. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den alten Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Gottes Horus auf diesen Tag gelegt. Etwa zur gleichen Zeit begingen die Römer das Fest der „Saturnalien“ zu Ehren des Gottes Saturn. Anlass dafür war das Ende der Feldarbeit - man zündete Kerzen und Fackeln an, aß und trank und beschenkte sich gegenseitig mit Tonfiguren. Im norddeutschen und skandinavischen Raum kennt zudem noch das sogenannte „Mittwinter“- oder „Julfest“, dass ebenfalls Ende Dezember gefeiert wurde sowie als Toten- und Fruchtbarkeitsfest bekannt war.

Adventsbräuche

Der christliche Weihnachtskreis beginnt mit der vierwöchigen Adventszeit und endet in den katholischen Gebieten am 6. Januar mit dem Dreikönigstag. Der Advent leitet sich vom lateinischen Begriff „adventus“ (dt.: „Ankunft“) ab. An den vier Adventssonntagen wird daher traditionell die Ankunft Christi in der Welt gefeiert. Dabei sind einige Bräuche verbreitet, die teils auf germanische Glaubensvorstellungen zurückzuführen sind.

  • Adventskranz: Der Ursprung des Kranzes liegt bereits in der Antike, wo er als Zeichen des Sieges galt. Der eigentliche Adventskranz ist jedoch erst seit etwa hundert Jahren bekannt. Als Erfinder gilt der evangelische Theologe Johann Wichern (1808-1881), der in Hamburg die Innere Mission begründete. In seinen Tagebüchern ist belegt, dass bereits während der 1840er-Jahre in seiner Mission zur Adventsandacht kranzförmig aufgestellte bunte Wachskerzen aufgestellt wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg hat schließlich u.a. die Jugendbewegung dazu beigetragen, dass sich der Adventskranz in seiner heutigen Form in ganz Deutschland verbreitete. 1925 hing erstmals ein Adventskranz mit vier Kerzen in einer katholischen Kirche in Köln - mittlerweile hat sich dieser Brauch über die ganze Welt verbreitet.

  • Adventskerzen: Das Kerzenlicht der vier Adventskerzen gelten als symbolisches Zeichen für Christus als Licht der Welt. Jede der vier Kerzen steht bekanntlich für einen der vier Adventssonntage.

  • Barbarazweige: Dieser Brauch geht auf die heilige Barbara zurück, deren Gedenktag am 4. Dezember gefeiert wird. An diesem Tag wird traditionell ein Apfel-, Kirsch-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweig geschnitten, der dann ins geheizte Zimmer gestellt wird. Beginnt der Zweig an Weihnachten zu blühen, gilt dies als gutes Zeichen für die Zukunft. Der Legende nach lebte die heilige Barbara im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Nikomedia – dem heutigen Izmit in der Türkei. Barbara galt als schöne und intelligente Frau. Um sie jedoch vor einer frühen Heirat zu bewahren, sperrte sie ihr Vater oftmals in einen Turm, wo sie zum Christentum fand. Ihr Vater versuchte jedoch erfolglos mit allen Mitteln von ihrem Glauben abzubringen. Schließlich übergab er Barbara dem Richter, der sie schließlich hinrichten ließ. Während ihrer Gefangenschaft benetzte sie einen verdorrten Kirschzweig mit Wasser aus ihrem Trinknapf. Wenige Tage vor ihrer Hinrichtung soll der Zweig aufgeblüht sein. Heute zählt die heilige Barbara zu den 14 Nothelfern – rund 200 Kirchen in Deutschland sind ihr geweiht.

  • Nikolaus: Das wohl bekannteste Heiligenfest in der Adventstag wird am 6. Dezember begangen – dem Namenstag des heiligen Nikolaus. Dieser lebte im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra in Kleinasien. Heute gilt der heilige Nikolaus als Schutzpatron der Bäcker, Kaufleute, Schiffer und Schulkinder. In der Kunst wird er häufig als Bischof mit Mitra und Krummstab, aber auch mit Broten, Äpfeln und anderen Geschenken dargestellt. An diese Form der Verehrung knüpft der Brauch, besonders Kinder am 6. Dezember zu beschenken.  

  • Sankt-Luzia-Feier: Die heilige Luzia lebte vor rund 1.600 Jahren in Syrakus auf Sizilien. Der Legende nach wurde auch sie wegen ihres Glaubens verfolgt und sollte von Ochsen zu Tode geschleift werden. Da sich die Tiere jedoch nicht von der Stelle bewegen konnten, wurde Luzia schließlich erdolcht. Die Legende weiß auch zu berichten, dass sie ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in ihre Verstecke brachte. Um in der Dunkelheit den Weg zu finden, soll sie sich einen Lichterkranz auf das Haupt gesetzt haben. Alljährlich am 13. Dezember wird das Fest der Heiligen Luzia begangen. Gemeinsam mit ihren Gefährtinnen - gekrönt mit einer Lichterkrone und bekleidet mit einem weißen Gewand - zieht sie dann in die dunkle Kirche ein. Dort verkündet sie die nahe Ankunft Christi, der das Licht der Welt symbolisiert. Besonders in Schweden ist das Luzien-Fest sehr verbreitet. Doch auch einige deutsche Pfarrgemeinden feiern die Heilige mit einem besonderen Gottesdienst.

Weihnachtsbräuche

Das heutige Weihnachtsfest ist erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Der Begriff Weihnachten stammt von „Ze den wihen nahten“ - auf Hochdeutsch: "zu den Heiligen Nächten". Den Abschluss des christlichen Weihnachtskreises bildet schließlich der 6. Januar. Seit dem 4. Jahrhundert wird dieser Tag als "Erscheinungsfest des Herrn"“ (griechisch: "„Epiphanias") gefeiert. 

In der katholischen und in den protestantischen Kirchen erinnert der sogenannte „Dreikönigstag“ an die biblischen Weisen aus dem Morgenland. Der Volksglaube machte daraus schließlich die Heiligen Drei Könige. Im 16. Jahrhundert setzte sich zunächst in den Niederlanden und Belgien, dann auch in Deutschland der Brauch der Sternsinger durch. Verkleidete Kinder ziehen als Dreikönige verkleidet von Haus zu Haus. Zum Dank für Spenden schreiben sie mit Kreide das Zeichen „C+M+B“ (lateinisch: „Christus mansionem benedicat: Christus segne das Haus“) über den Türrahmen. In den orthodoxen Kirchen sowie in der koptischen Kirche hingegen wird erst am 6./7. Januar das Weihnachtsfest gefeiert - in der armenischen Kirche sogar erst am 18./19. Januar.

Während Weihnachten den Beginn des katholischen Kirchenjahres markiert, bedeutet Neujahr den Beginn des Kalenderjahres. Neujahr war und ist auch heute noch eher ein weltliches als ein kirchliches Fest. In Rom fanden aus diesem Anlass ausschweifende Feierlichkeiten mit Trink- und Essgelagen statt. Diese Neujahrsbräuche blieben auch erhalten, als das Christentum im Jahre 395 zur Staatsreligion erklärt wurde.

Die heutigen Bräuche zum Jahreswechsel basieren noch immer auf antiken römischen und germanischen Riten. Der Jahresbeginn zum 1. Januar hat seinen Ursprung im römischen Kalender. Im Jahre 46 v. Chr. führte der damalige römische Diktatur und Feldherr Gajus Julius Cäsar einen neuen Kalender ein, der ein Sonnenjahr von 365 Tagen mit siebentägigen Wochen und einem Schaltjahr alle vier Jahre vorsah.

Der Julianische Kalender ist auch heute noch gültig, wurde aber 1582 durch Papst Gregor XIII. (1572-1585) reformiert (Gregorianischer Kalender). Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn zunächst an Weihnachten, später am Dreikönigstag am 6. Januar gefeiert. Erst Papst Innozenz XII. (1691-1700) legte den 1. Januar wieder als Neujahrstag fest.

Orthodoxe Weihnachten: Väterchen Frost und das Schneemädchen

In Russland und der Ukraine werden Weihnachten und Silvester üblicherweise erst 13 Tage später gefeiert als im „übrigen“ Europa – sprich am 6. Januar bzw. am 13. Januar. Hintergrund ist die Tatsache, dass die orthodoxen Weihnachten noch nach dem julianischen Kalender gefeiert werden - und nicht nach dem gregorianischen Kalender von 1582. 

Während der Sowjetzeit wurde Weihnachten lange Zeit unterdrückt. So sollte das christliche Fest nach der Oktoberrevolution 1917 durch das eher atheistische Jelkafest ersetzt werden. Mit dem Ende der Sowjetunion besinnt man sich in den Nachfolgestaaten der UdSSR zunehmend wieder auf die orthodoxen Werte des Weihnachtsfestes. So werde zunächst am 24. Dezember das „katholische“ Weihnachten und am 31. Dezember das Jelka- oder Tannenbaumfest gefeiert – am 6. Januar folgen das traditionelle orthodoxe Weihnachtsfest, am 13. Januar wird dann das „Alte Neujahr“ gefeiert. 

Jahrhundertealte Bräuche und Riten 

Bereits im zaristischen Russland war keine Jahreszeit so reich an Bräuchen und Riten wie „Swjatki“ – die zwölf Tage zwischen dem 25. Dezember und dem 5. Januar. So waren zahlreiche heidnische Traditionen wie Wahrsagerei, Maskenfeste und Tänze so weit verbreitet, dass sich selbst russische Herrscher wie Iwan IV. („der Schreckliche“) und Zar Peter I. der Große daran beteiligten. 

Heute wird Weihnachten zwar ruhiger im Familienkreis begangen. Doch unterscheidet es sich immer noch recht deutlich von den Bräuchen im restlichen Europa. Lediglich das Jelka- oder Tannebaumfest am 31. Dezember ist dem modernen Weihnachten noch am nächsten. So bringt der „Ded Moros“ (Väterchen Frost) - bekleidet mit roter Robe und weißem Bart - den Kindern an diesem Abend ihre Geschenke. Begleitet wird er von seiner Enkelin „Snegurotschka“ (Schneemädchen oder Schneeflöcken). Der Legende nach reitet Väterchen Frost in einer Troika - einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird. 

Weihnachten im Familienkreis 

Anders als im restlichen Europa kennt man in der orthodoxen Weihnachten keinen Heiligen Abend und keine Weihnachtslieder. So werden am 6. Januar traditionell Verwandte und Freunde empfangen. Nach langen und feierlichen Gottesdiensten kommt man zum Weihnachtsessen zusammen, dass aus traditionellen russischen Salaten und Kutja - einem sehr alten breiähnlichen Gericht aus Weizen oder anderen Getreidekörnern besteht. 

Weihnachten in der Ukraine 

In der Ukraine gilt das orthodoxe Weihnachtsfest am 6. Januar als Familienfest. So versammeln sich am 6. Januar meist die „engen“ Verwandten zum Weihnachtsfest. Als Festessen werden in Erinnerung an die zwölf Apostel Christi zwölf Fastenspeisen aufgetischt. Unter die Tischdecke und auf dem Fußboden wird Heu gelegt - in Erinnerung an die Geburt Christi in einem Stahl. An den Tischecken werden zudem Knoblauch und Walnüsse unter die Tischdecke gelegt – dies soll den Zusammenhalt der Verwandtschaft und die Gesundheit eines jeden Familienmitglieds symbolisieren. Nach dem Essen sind Weihnachtslieder und Kinderspiele sehr beliebt. 

Der erste Weihnachtstag ist meist eine Mischung aus heidnischen und christlichen Elementen. Am Morgen steht zunächst der Gottesdienst auf dem Programm - nach der Messe versammelt sich die Familie zum Mittagessen, bei dem Fleischspeisen gereicht werden. Am Vormittag darf eine Familie jedoch nicht von weiblichen Personen besucht werden, da dies Unglück und Probleme für das kommende Jahr bedeuten würden. Der zweite Weihnachtstag am 8. Januar ist üblicherweise der Tag der „Sternensänger“. 

Silvester - Name und Bedeutung

Der Name Silvester ist lateinischen Ursprungs und bedeutet wie „Waldbewohner“ oder „der zum Wald Gehörende“. Darüber hinaus ist Silvester auch der Name eines bedeutenden Papstes, der die Kirche im 4. Jahrhundert maßgeblich prägte - nämlich Papst Silvester I. (314-335). Seine Amtszeit übte er während der Regierungszeit Kaiser Konstantins I. des Großen (306-337) aus. 

Durch das Toleranzedikt Konstantins von 313, dass die Christenverfolgungen endgültig beendete, war es Silvester möglich, die römische Kirche neu zu organisieren und weiter zu verbreiten. Unter seiner Federführung wurde zudem auf dem Konzil von Nicäa 325 das Dogma über die Göttlichkeit Christi und dessen Wesensgleichheit mit Gottvater verkündet. Am 31. Dezember 335 starb Silvester I. in Rom und wurde später heilig gesprochen. Die Kirche begeht seit 354 den 31. Dezember als Festtag Silvesters.

Darüber hinaus sollte man am Neujahrstag nicht zu spät aufstehen, weil einen sonst das ganze Jahr über schlechter Schlaf und schlechte Träume plagen - so ein Aberglaube.

Kulinarische Silvester- und Neujahrsbräuche

Auch kulinarisch haben sich an Silvester und Neujahr bestimmte Bräuche gefestigt. Im Erzgebirge bewahrte man früher Salz und Brot über Nacht in einem Tischtuch auf, damit Hungerzeiten im neuen Jahr ausbleiben sollten. Allerdings ist dieser Brauch mittlerweile verlorengegangen. Zu den traditionellen Silvesterspeisen - wie beispielsweise Silvesterkarpfen - gehören in deutschen Wohnstuben mittlerweile auch Fondues zu Silvester wie das Feuerwerk. 

Zu besonderen Spezialitäten gehören an Neujahr vor allem verschiedene Backwaren. So kennt man nicht nur in Deutschland die Tradition, Neujahrsbrote oder Neujahrskuchen zu backen, die - wie so vieles an diesen Tagen - als Glücksbringer gelten. 

Dazu gehören aber zum Beispiel auch sogenannte Neujährchen (Hörnchen aus dünnen Waffeln), Neujahrsringe oder Neujahrskränze (Hefekränze mit Rosinen), Neujahrsbrezel, Neujahrsmännlein, Hefezöpfe sowie Glückstorten und Glückskuchen mit eingebackenen Geldmünzen  Früchtekuchen und Lebkuchen.

Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Reihe regionaler und örtlich gewachsener Silvester- und Neujahrsbräuche, die noch immer mehr oder weniger zum Jahreswechsel gepflegt werden.

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