Tobias Daniel M.A.

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Fußball-Rückblick: Meine Saisonbilanz 2023/24

Wembley-Stadion in London (Quelle: Bild von maxopt auf Pixabay)

Die Saison 2023/24 der Fußball-Bundesliga war bereits lange vor dem offiziellen Abschluss eine besondere Spielzeit. Nach zwölf Jahren Dauer-Dominanz des FC Bayern München mit elf Meisterschaften in Folge hat Fußball-Deutschland erstmals wieder einen deutschen Meister, der nicht aus der Isar-Metropole kommt - und dies auch sportlich völlig verdient. Allerdings gab es auch manch traurige Momente: Manch Trainerlegende wird sich von der großen Fußball-Bühne - vorerst - verabschieden. Und manch große Fußball-Legende ist ganz von uns gegangen.

Mit Bayer 04 Leverkusen reiht sich nun ein weiterer Klub in die elitäre Reihe der nun 30 Vereine, die seit 1903 die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen konnten. Das Besondere dabei: Noch vor Saisonbeginn gehörte die Werkself definitiv nicht zu den Favoriten im Rennen um die Meisterschale - spielte das Team in der Vorsaison zwischenzeitlich sogar noch gegen den sportlichen Abstieg aus dem Oberhaus.

Von "Vizekusen" über "Meisterkusen" zu "Neverlusen" 

Am Ende der Saison gelang dem neuen deutschen Meister gar ein Rekord für die Ewigkeit: Mit dem Heimsieg gegen den FC Augsburg blieb die Werkself als erster Verein seit Gründung der Bundesliga in einer Saison ungeschlagen. Mit 90 Punkten verpasste Bayer 04 Leverkusen aber den historischen Punkterekord des FC Bayern aus der Saison 2012/13 um nur einen Zähler.

Längste Serien im europäischen Fußball

Als erstem Verein seit der Einführung der Bundeliga im Sommer 1963 ist Bayer 04 Leverkusen ohne Niederlage geblieben. Ein Erfolg für die Geschichtsbücher, der nie mehr zu toppen ist - auch nicht vom erfolgsverwöhnten Rekordmeister aus München. In den internationalen Medien wurde aus "Vizekusen" somit "Neverlusen" (englisch: Never loose - niemals verlieren). Mit  dem Erfolg reiht sich die Werkself in den Reigen der europäischen Topklubs ein, die ebenfalls ungeschlagen die Meisterschaft des eigenen Landes gewinnen konnten:

Insgesamt 51 Pflichtspiele in Folge ist die Werkself wettbewerbsübergreifend ohne Niederlage. Damit hat Bayer 04 Leverkusen sogar den bisherigen Europarekord von Benfica Lissabon aus den 1960er-Jahren geknackt:

Anmerkung: Die längste Serie ohne Niederlage stellte Steaua Bukarest auf. Der rumänische Rekordmeister blieb zwischen 1986 und 1989 in insgesamt 104 Ligaspielen ungeschlagen. So blieb der rumänische Spitzenverein drei Meisterschaften in Folge ungeschlagen:

Außerdem blieb der Europapokalsieger der Landesmeister von 1986 rund zehn Jahre eine "sportliche Macht" vor heimischem Publikum: Zwischen November 1986 und August 1996 blieb Steaua Bukarest in 112 Heimspielen in Folge ohne Niederlage. Damit hält der Verein bis heute zumindest den Europarekord.

Der sportliche Garant für den Überraschungserfolg von Leverkusen kommt indes aus Spanien: Als der ehemalige spanische Weltklassespieler Xabi Alonso im Oktober 2022 sein Traineramt bei Bayer 04 antrat, übernahm er eine zutiefst verunsicherte Mannschaft, die mitten im Abstiegsstrudel auf dem vorletzten Tabellenplatz stand. 

"Alle fühlen sich gut, jeder liebt den Coach. Seitdem er hier ist, hat er Leverkusen verändert."

Jeremie Frimpong, Spieler bei Bayer 04 Leverkusen (seit 2021)

Sein Credo als Trainer: "Kontrolle über den Gegner und somit auch über das Spiel zu haben". Der Erfolg gibt dem einstigen Trainer-Novizen bislang Recht: Stand am Ende der letzten Saison bereits mit Platz sechs die Qualifikation für die UEFA Europa League, hat sich der ehemalige Welt- und Europameister nun den ersten Titelgewinn seiner noch jungen Trainerkarriere gesichert. Die Zeiten von "Vizekusen" sind mit dem ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte nun jedenfalls endgültig Geschichte.

"Keiner wird mehr Vizekusen sagen. Der Begriff ist mir ein bisschen auf den Keks gegangen"

Rudolf ("Rudi") Völler, Sportdirektor des Deutschen Fußballbundes (DFB) (seit 2023), im Interview mit NTV 

Und damit noch lange nicht genug: Mit dem Gewinn des DFB-Pokals könnte sogar das Double folgen. Ausgerechnet im Finale der UEFA Europa League kassierte die Werkself jedoch gegen Atalanta Bergamo die erste Niederlage der Saison. Wechselabsichten hegt der Baske derzeit jedenfalls (noch) nicht: "Mein Job ist definitiv noch nicht beendet, und wir haben noch einiges vor", betonte Alonso noch Ende März 2024.

"Es fühlt sich richtig an. Ich bin hier am richtigen Ort. Ich bleibe bei Bayer 04"

Xabi Alonso, Trainer bei Bayer 04 Leverkusen (seit 2022)

Die nationale und internationale Presse waren jedenfalls voll des Lobes für den Triumph der Werkself. "Was Xabi Alonso in Leverkusen geschaffen hat, ist schlichtweg meisterlich. Dieser Trainer hat einen ganzen Verein, ja eine ganze Stadt verändert - er hat irgendwie alle zu Meistern gemacht. Mit einer wunderbaren Mannschaft, die nie aufgibt", schrieb die Bild. Und auf Ran.de hieß es: "Es gab schon länger keinen so verdienten Meister mehr wie Bayer Leverkusen. Die Werkself hat den Bayern und dem BVB vorgemacht, wie man es macht."

Die spanische Zeitung Marca titelte unterdessen: "Xabi I. von Deutschland - Leverkusen gewinnt erstmals in seiner Geschichte die deutsche Meisterschaft. Borussia Dortmund hatte es nicht geschafft, die Tyrannei des FC Bayern zu beenden." Und die El Mundo Deportivo schrieb: "Xabi Alonsos Bayer Leverkusen ist jetzt schon eine Legende. Leverkusen wird Meister mit absoluter Dominanz. Wirtz, der 'Magier von Pulheim', kam von der Bank und machte einen Hattrick. Leverkusen ist aber noch lange nicht fertig."

Der Corriere dello Sport sprach zudem von einer "historischen Wende in Deutschland: Die Krone der Bundesliga gehört Bayer Leverkusen. Die elfjährige Erfolgsserie des FC Bayern ist zu Ende. Im deutschen Fußball hat eine neue Ära begonnen." Der Corriere della Sera ergänzte zudem: "Auch die letzte Diktatur im großen europäischen Fußball fällt: Nach Juventus (neun Titel in Folge) und PSG (sieben Titel in Folge) dankt auch Bayern München ab."

Jedenfalls befindet sich die Werkself mit ihrem Triumph in guter Gesellschaft: Im benachbarten Österreich sicherte sich der steirische SK Sturm Graz in der abgelaufenen Saison das Double aus Meisterschaft und Pokal. Mit dem vierten Titel in der Vereinsgeschichte durchbrachen die "Schwoazen" die Dominanz von Serienmeister FC Red Bull Salzburg mit zehn Meisterschaften in Folge. 

"Wir haben einen Giganten vom Thron gestoßen", kommentierte Christian Ilzer, Trainer des österreichischen Erstligisten. Der entthronte Serienmeister muss nun auch um die Teilnahme an der UEFA Champions League zittern. Während Sturm Graz in der kommenden Spielzeit bereits für die Ligaphase gesetzt ist, muss der FC Red Bull Salzburg den mühsamen Weg durch die Qualifikation gehen.

Gemischte Bilanz von Trainer Thomas Tuchel

Sportlich verdient ist es allemal - zumal die Konkurrenz aus München, Dortmund oder Leipzig in dieser Saison kaum etwas entgegen setzen konnte. So droht dem bisherigen Serienmeister aus dem Süden der Republik erstmals seit 2012 wieder eine titellose Saison. Dabei fiel das Star-Ensemble - trotz der Rekordverpflichtung des englischen Stürmerstars Harry Kane - vor allem mit ungewohnten Offensiv- und Defensivschwächen auf. Auch Trainer Thomas Tuchel sorgte mit wiederholter Ratlosigkeit über die durchwachsene Leistung seiner Schützlinge oftmals für erhebliches Kopfschütteln und teilweise deutliche Kritik der geneigten Fußball-Analysten.

"Für eine vorzeitige Vertragsauflösung ohne Titel braucht man keine Blumen zu vergeben."

Thomas Tuchel, scheidender Trainer beim FC Bayern München (2023-2024)

Der scheidende Coach sei mach eigener Aussage mit seiner Zeit beim deutschen Rekordmeister "natürlich nicht zufrieden. Ich habe unterschrieben, um Titel zu gewinnen. Das haben wir nicht geschafft, daran wird man gemessen", betonte Tuchel vor dem letzten Saison-Heimspiel gegen den  VfL Wolfsburg. Zwar gebe es bei der Bewertung seiner Amtszeit "noch viele Grautöne". Dennoch sei der 50-Jährige "kein Freund von öffentlichen Bilanzen, es ist viel zu komplex, um alles in einer Antwort unterzubringen"

Quelle: Sport1 auf Youtube

Sicher ist: Das einst hochgelobte Projekt mit dem deutschen Startrainer findet bereits zum Saisonende - und damit ein Jahr früher als geplant - sein mehr oder weniger unfreiwilliges Ende. Dabei könnten die Gründe für die sportliche Krise des deutschen Rekordmeisters aber noch weiter zurückliegen - sei es im Rauswurf von Trainer Julian Nagelsmann, der nun wieder ein Favorit für Tuchels Nachfolge zu sein scheint - oder dem mäßigen Erfolg der einst sportlich Verantwortlichen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic.

"Trainer verzweifelt gesucht": Wer beerbt Thomas Tuchel beim Rekordmeister?

Offen bleibt hingegen die Frage, wer Tuchel zu Beginn der neuen Saison auf der Trainerbank beerben wird. Nachdem Xabi Alonso bereits seinen Verbleib in Leverkusen verkündete, hat nun auch Ralf Rangnick den Bayern öffentlich abgesagt. So will der 65-Jährige vielmehr weiter Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft bleiben. "Ich bin mit vollem Herzen österreichischer Teamchef. Diese Aufgabe macht mir unglaublich viel Freude und ich bin fest entschlossen, unseren eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen", hieß es in einer Mitteilung des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB).

Zudem wolle Rangnick "ausdrücklich betonen, dass das keine Absage an den FC Bayern ist, sondern eine Entscheidung für meine Mannschaft und unsere gemeinsamen Ziele. Unsere volle Konzentration gilt der Europameisterschaft. Wir werden alles unternehmen, um dort so weit wie möglich zu kommen!" Beim deutschen Rekordmeister geht die Suche nach einem neuen Trainer nun in die nächste Runde.

Selbst eine Rückkehr des einst gefeuerten Julian Nagelsmann kommt nicht mehr in Betracht, nachdem dieser seinen Vertrag als Bundestrainer beim Deutschen Fußballbund (DFB) vorzeitig bis 2026 verlängert hat. Auch Kontaktaufnahmen beim österreichischen Trainer Oliver Glasner - aktuell bei Crystal Palace in England - blieben erfolglos.

Aus lauter Verzweiflung über die reihenweisen Absagen suchten die Verantwortlichen an der Säbener Straße sogar das Gespräch über einen eventuellen Verbleib Tuchels - welches am Ende ebenso scheiterte. "Das ist meine letzte Pressekonferenz an der Säbener Straße. Es bleibt bei der Vereinbarung vom Februar. Es gab nochmal Gespräche. Wir haben keine Einigung gefunden für eine weitere Zusammenarbeit", sagte Tuchel vor dem Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

"Wenn Sie eine Saisonanalyse in einem Satz machen würden, kann man natürlich sagen, dass eine titellose Saison mit dem FC Bayern nicht zufriedenstellend ist. Da wird keiner widersprechen. Auch ich nicht."

Thomas Tuchel, scheidender Trainer beim FC Bayern München (2023-2024)

Demnach sei das "Feedback nach Real Madrid die Basis dafür" gewesen, "nochmal über eine 180-Grad-Wende nachzudenken. Wir haben keine Einigung gefunden. Ich werde auch nicht auf einzelne Beweggründe eingehen. Das bleibt hinter verschlossener Tür", so Tuchel weiter. Der Abschied vom FC Bayern und der Mannschaft falle ihm dennoch "sehr schwer". Dies sei auch "im Februar schon so gewesen". Die Siege in der Champions League hätten "noch einmal zusammengeschweißt".

Welche Trainer-Optionen bleiben dem Rekordmeister?

Jedenfalls entwickelt sich die Trainersuche an der Säbener Straße mittlerweile zu einer Farce, die zunehmend groteske Züge annimmt. Tuchels Absage ist dabei nur ein weiterer Tiefpunkt im Werben des deutschen Rekordmeisters um einen neuen Cheftrainer. Immer wieder werden in den Medien die unterschiedlichsten Namen ins Spiel gebracht.

So berichtete schon vor einigen Wochen die spanische Zeitung Mundo Deportivo, dass es bereits eine Einigung zwischen dem FC Bayern und dem einstigen Weltstar Zinédine Zidane geben solle. Allerdings erwies sich diese Meldung recht schnell als reines Gerücht. Immerhin saß der Franzose bereits 263 Spiele auf der Trainerbank des spanischen Spitzenklubs Real Madrid

Seine Trainer-Bilanz ist jedenfalls vielversprechend: Unter dem Strich stehen zwei spanische Meisterschaften (2017, 2020) und drei Siege in der UEFA Champions League (2016, 2017, 2018). Dazu kommt der jeweils zweimalige Gewinn des spanischen Supercup  (2017, 2020) sowie des UEFA Supercup (2016, 2017) und der FIFA-Klubweltmeisterschaft (2016, 2017).

Ein Hinderungsgrund für ein Engagement könnte allerdings die Sprachbarriere sein: "Deutsch muss er nicht sprechen. Englisch sollte er sprechen", betonte Sportvorstand Max Eberl im Gespräch mit dem Sportsender Sky. Dem Vernehmen nach soll Zidane die englische Sprache jedoch nicht fließend beherrschen. 

Weitere Optionen sind auch der frühere Bundestrainer Hansi Flick, mit der FC Bayern München bereits 2020 das "Sextuple" gewinnen konnte. Nach seinem enttäuschenden Intermezzo beim DFB ist der ehemalige Bundesliga-Profi in München allerdings nicht die erste Wahl. Zudem habe Flick nach Informationen von BR24 Sport "aus eigenem Antrieb von einem Bayern-Posten Abstand genommen".

Ein weiterer Kandidat wäre laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau auch der ehemalige Fußball-Profi Martín Demichelis. Der aktuelle Cheftrainer von River Plate hatte mit dem Hauptstadtverein aus Buenos Aires 2023 die argentinische Meisterschaft gewonnen hatte. Der einstige Bayern-Spieler hatte allerdings bereits im März 2024 durchblicken lassen, lieber in Argentinien bleiben zu wollen. 

Auch der Italiener Roberto De Zerbi vom englischen Erstligisten Brighton & Hove Albion wird in den Medien als "Notnagel" für die Tuchel-Nachfolge ins Spiel gebracht. Immerhin wäre De Zerbi frei, hatte er jüngst seinen Abschied bei den "Seagulls" (deutsch: Möwen) angekündigt.

Laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunk (BR) wurde gar der 70-jährige Friedhelm Funkel in den sozialen Medien von den Fans für den Trainer-Posten vorgeschlagen - endet sein Engagement doch mit dem DFB-Pokalfinale in Berlin. So dürfe es "als sicher gelten, dass Funkel natürlich kein Kandidat für den FC Bayern ist". Der vermeintliche Grund: Einen Spitzenverein habe Funkel "in seiner Karriere noch nie gecoacht. Wobei Fans des TSV 1860 München [...] das vermutlich anders sehen."

Medial findet das Trainer-Fiasko in München nach der sportlich ohnehin verkorksten Saison jedenfalls seinen entsprechenden Widerhall. Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund "können einem eigentlich nur leidtun, ihre Verhandlungsposition könnte schlechter nicht sein", kommentierte die Münchner TZ

Die Bild sprach zudem von einem "Armutszeugnis für den FC Bayern! Der FC Bayern erlebt einer der bittersten Phasen seiner ruhmreichen Geschichte und macht sich zum Gespött der Fußball-Welt." Selbst international mache sich der FC Bayern mittlerweile zum "Gespött der Fußball-Welt". Mein Fazit: Das Chaos rund um die Trainer-Suche ist ein weiterer trauriger Höhepunkt einer sportlich verkorksten Saison. Spannend bleibt es rund um dem "FC Hollywood" aber allemal.

FC Bayern München oder VfL Wolfsburg: Wer dominiert den deutschen Frauenfußball?

Zumindest einen sportlichen Erfolg gab es in dieser Saison dann aber doch für den FC Bayern München: Das Frauen-Team konnte seine sechste deutsche Meisterschaft klar machen - und das ausgerechnet mit einem Auswärtssieg gegen Bayer 04 Leverkusen. Zudem ist der alte und neue deutschen Damen-Meister saisonübergreifend seit nun mehr 36 Spielen ungeschlagen. Der zweite Gewinn des DFB-Pokals blieb den Bayern-Damen jedoch verwehrt. Im Finale unterlagen sie dem VfL Wolfsburg, der damit sein 50. Pokalspiel in Folge sowie den zehnten Pokalsieg in Serie fix machen konnte. 

"Wachablösung? Das ist absolut respektlos."

Alexandra Popp, Fußballspielerin beim VfL Wolfsburg (seit 2012) und deutsche Nationalspielerin (seit 2010)

Von einer Wachablösung im deutschen Frauenfußball wollte Alexandra Popp vom bisherigen "Serienmeister" VfL Wolfsburg allerdings nicht sprechen. "Eine Wachablösung ist es für mich erst, wenn du über Jahre konstant Titel holst", wetterte die deutsche Nationalspielerin. So werde in München zwar " wahnsinnige Arbeit" geleistet, "aber es muss erst einmal über mehrere Jahre geliefert werden, bevor wir über so ein Wort sprechen". Vielmehr seien die Wölfinnen laut Popp eigentlich das Aushängeschild im deutschen Frauenfußball.

Potsdamer "Turbinen" vor der Rückkehr ins Fußball-Oberhaus

Vor einer Rückkehr ins Oberhaus der Damen steht zudem der 1. FFC Turbine Potsdam. Noch vor einem Jahr erlebten die "Turbinen" ihren sportlichen Abstieg mit dem vorzeitigen Abstieg aus der Frauen-Bundesliga. Misswirtschaft, Eifersüchteleien und Streitigkeiten auf Führungseben waren damals die wesentlichen Gründe für den Abschied nach 26 Jahren Ligazugehörigkeit.

Dabei galt es damals als höchst ungewiss, ob dem sechsmaligen deutschen Meister aus der Landeshauptstadt von Brandenburg noch mal die Rückkehr in die höchste Spielklasse gelingen würde. In einer Zeit, in der die etablierten Fußballvereine wie der VfL Wolfsburg, der 1. FC Köln oder gar RB Leipzig den Frauenfußball längst für sich entdeckt haben, scheint für reine Frauenfußball-Teams perspektivisch kein Platz mehr zu ein.

Mit der mutmaßlichen Rückkehr des Traditionsvereins im deutschen Frauenfußball kehrt mit Turbine Potsdam jedenfalls wieder ein reiner Frauen-Verein in die Bundesliga zurück, der neben der SGS Essen übrigens nicht an einen etablierten Klub angeschlossen ist. Offen ist hingegen noch, o die Turbinen allerdings sportlich wieder an die alten ruhmreichen Zeiten anschließen können oder ob es sich bei der Bundesliga-Rückkehr nur um eine sportliche Eintagsfliege handelt.

Historische Wachablösung im Hamburger Fußball?

Zu einer Wachablösung kommt es hingegen in der Hansestadt Hamburg, wo der FC St. Pauli erstmals in der Geschichte eine Spielzeit vor dem ruhmreichen Hamburger SV abschließen wird. Im Gegensatz zum Kiez-Klub ist der einstige Bundesliga-Dino jedenfalls weit von einem Aufstieg in das Fußball-Oberhaus entfernt. Auch im sechsten Jahr in Folge hat der HSV die heiß ersehnte Rückkehr in die Bundesliga verpasst.

"Es ist ein neuer Tiefpunkt für die 'Rothosen', dabei ist das 'Worst-Case-Szenario" vor allem eins: selbstverschuldet", kommentierte Tobias Knaack in einem Kommentar des NDR. Dafür wird vielmehr St. Pauli der Verein sein, "der Hamburg nach sechs Jahren Abstinenz wieder auf die Bundesliga-Landkarte setzt".

Für die kommende - nunmehr siebte - Zweitliga-Saison des HSV gibt sich der Trainer bereits kämpferisch: "Ich will es im nächsten Jahr ganz klar angreifen. Ich bin gerade sauer und verärgert, aber ich habe meine Ansätze, um den Weg zu gehen", erklärte Steffen Baumgart im Interview im dem Sportsender Sky.

Der Kiez-Klub aus St. Pauli hat hingegen am vorletzten Spieltag der Zweitliga-Saison den Aufstieg in der Fußball-Oberhaus perfekt gemacht. Damit kehrt der Hamburger Stadtteil-Verein nach 23 Jahren der Abstinenz wieder in die Bundesliga zurück. Ob sich der FC St. Pauli in diesem Fall dauerhaft in der höchsten deutschen Spielklasse halten kann, steht auf einem anderen Blatt.

"Der FC St. Pauli steht somit womöglich vor einer historischen Chance. Doch dafür muss in der nächsten Saison zunächst mal die Klasse gehalten werden. Immerhin werden dem Klub diesmal weder Finanzprobleme noch ein Jahrhundertwinter - so viel scheint klar - Probleme bereiten."

Lutz Wöckener, Sportredakteur bei der Welt

Zwar gebe es "viele Gründe, dass die neuen Kräfteverhältnisse Bestand haben werden", schrieb die Welt Anfang Mai 2024 nach der HSV-Niederlage im Stadtderby. So hat es "die Konstellation, dass der kleine Stadtteilverein höherklassig als sein stolzer Nachbar spielt" noch nie gegeben. Von einer "Wachablösung" will manch Hamburger Fußball-Kommentator dennoch nicht sprechen.

"Aufgrund der riesigen Fan-Basis und der finanziellen Möglichkeiten wird es auf Dauer unvermeidbar sein, in die Bundesliga aufzusteigen. Und der FC St. Pauli hat es noch nie geschafft, sich dort zu etablieren", schrieb das Hamburger Abendblatt. Dabei seien "die sportlichen und finanziellen Voraussetzungen diesmal deutlich besser, aber um wirklich die "Nummer eins' der Stadt zu sein, müsste der Club viele Jahre lang sportlich vor dem HSV rangieren. Und das bleibt sehr unwahrscheinlich", schrieb Kommentator Sven Kummereincke.

Nach 61 Jahren: Erster Bundesligist aus Deutschlands hohem Norden

Dafür wird mit Holstein Kiel in der kommenden Saison das 58. Bundesliga-Team seinen Einstand geben. Für den deutschen Meister des Jahres 1912 ist es jedenfalls einer der größten sportlichen Erfolge in der 124-jährigen Vereinsgeschichte. Besonders kurios: Bis zur Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 war der Klub aus der schleswig-holsteinischen Hauptstadt immer der damals höchstklassigen Oberliga Nord angehörte.

Die Vorfreude auf die großen Top-Vereine im Fußball-Oberhaus ist jetzt bereits groß: ""Es ist einfach extrem geil. Ich glaube, wir sind der Angstgegner von Bayern. Wenn Thomas Müller hier reinkommt, kriegt er Flashbacks. Harry Kane nehme ich in Manndeckung", kommentierte Kiels Mittelfeldspieler Lewis Holtby. "Es ist unglaublich: Kiel ist in die Erste Liga aufgestiegen", so der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Es sei ein historischer Erfolg für den Verein, die Stadt und ganz Schleswig-Holstein.

"Was für ein historischer Tag für Holstein Kiel und für unser ganzes Sportland Schleswig-Holstein. Der ganze Verein hat eine unglaubliche Saison hingelegt und sie heute mit dem Aufstieg ins Oberhaus gekrönt."

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein (seit 2017)

Damit sind die Störche der erste Verein aus Schleswig-Holstein in der höchsten deutschen Spielklasse. Nur Sachsen-Anhalt und Thüringen konnten bislang noch keinen Fußball-Verein in der Bundesliga stellen. Bislang waren vor allem die Handballer des THW Kiel das sportliche Aushängeschild in der Landeshauptstadt Kiel. Mit dem Aufstieg von Holstein Kiel dürften sich die sportlichen Gewichte nun - zumindest etwas - zugunsten des Fußballs verschieben.

Zwei Überraschungsteams aus Baden-Württemberg 

Andere Probleme hat hingegen die Konkurrenz in Westfalen. So hinkte auch der große Rivale aus Dortmund in der zurückliegenden Spielzeit den selbst gesteckten Zielen deutlich hinter her. Konnte Borussia Dortmund dem Erzrivalen des FCB zuletzt in der Saison 2011/12 den Münchnern die Meisterschale "entreißen", mussten die Westfalen in der zurückliegenden Spielzeiten schon das viel zitierte Fernglas herausholen, um den Blick auf die Tabellenspitze nicht ganz zu verlieren. 

Quelle: Statista

Dabei hatte der BVB noch im letzten Jahr die Riesenchance, vor heimischem Publikum gegen den 1. FSV Mainz 05 den Titel wieder nach Dortmund zu holen - und vermasselt es dann am Ende doch noch. Ob und wann sich den Dortmundern wieder eine solche Chance eröffnet, bleibt eher abzuwarten. 

Für Marco Reus war es allerdings die letzte Chance auf den ganz großen Titel im deutschen Fußball. Zwölf Jahre lang hielt der Borussia die Treue. Am Ende stehen zwei DFB-Pokalsiege (2017, 2021) sowie der zweimalige Gewinn des DFL-Supercup in seiner Bilanz. Der ganz große Coup mit der Meisterschale blieb Deutschland zweimaligen Fußballer des Jahres (2012, 2019) zwar verwehrt. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern des BVB hat die Vereinsikone dennoch sicher.

Immerhin bleibt noch das "Trostpflaster" der UEFA Champions League: Mit einem Sensationssieg gegen den französischen Meister Paris Saint-Germain steht die Borussia wieder in einem Endspiel der europäischen Königsklasse. Nach dem deutsch-deutschen Finale in der Saison 2012/13 kehren die Dortmunder wieder nach Wembley in ein Finale der europäischen Königsklasse zurück. 

"Ja, Wahnsinn. Jetzt müssen wir den Titel holen, sonst wär' es scheiße."

Marco Reus, Spieler bei Borussia Dortmund (seit 2012)

Kurios: Eine Neuauflage des Endspiels von 2013 wird es allerdings nicht geben. Der deutsche Rekordmeister aus München scheiterte denkbar dramatisch mit zwei späten Gegentreffern im Halbfinale gegen den Rekordsieger Real Madrid. Der diesjährige spanische Meister könnte sich damit gegen den BVB zum 15. Mal zu den europäischen Champions krönen. 

Die großen sportlichen Gewinner - nach dem neuen deutschen Meister aus Leverkusen - kommen hingegen aus dem "Ländle". So konnte sich der VfB Stuttgart in der Vorsaison nach dem Klassenerhalt in der Relegation gegen den Hamburger SV mit einer überragenden Team-Leistung unter dem jungen Trainertalent Sebastian Hoeneß in der Spitzengruppe der Liga festsetzen - und schlussendlich verdient für die UEFA Champions League qualifizieren. Die sportliche Krönung gab es allerdings am letzten Spieltag mit der deutschen Vizemeisterschaft.

Quelle: Statista

Für frischen Wind im Fußball-Oberhaus sorgte zudem der Aufsteiger und Bundesliga-Neuling 1. FC Heidenheim. Nicht nur, dass der Verein von der Ostalb mit der Voith-Arena (15.000 Plätze) über das kleinste Stadion der 18 Bundesligisten verfügt. Auch sportlich sorgte der Klub an der Brenz für manches Highlight - allen voran der Heimsieg gegen die Weltstars aus München sowie dem in der Premierensaison. Neben dem großen VfB und Bayer 04 gehört der FCH jedenfalls zu den großen Gewinnern der abgelaufenen Spielzeit.

"Wir sind gut für die Bundesliga, weil wir einen Schritt wieder in Richtung Basis machen."

Frank Schmidt, Trainer des 1. FC Heidenheim (seit 2007)

Unter dem Strich beendeten der schwäbische Verein von der Brenz die Saison auf Rang acht - mit einer zumindest theoretischen Chance auf einen europäischen Startplatz. Im Falle eines Pokalsieges des 1. FC Kaiserslautern könnten die Heidenheimer in der Heidenheimer in der kommenden Saison sogar in der UEFA Europa Conference League spielen.

Fußballmärchen in Ulm und Münster: Durchmarsch in Liga Drei

Zwei kleine Fußballmärchen wurden in der zurückliegenden Saison in der 3. Liga in Ulm und Münster geschrieben. Mit einem Sieg gegen den FC Viktoria Köln gelang den Spatzen des SSV Ulm 1846 bereits der vorzeitige Aufstieg als Meister der Zweiten Bundesliga - und damit der direkte Durchmarsch aus der viertklassigen Regionalliga Südwest. Damit spielen die Ulmer in der kommenden Saison erstmals nach 23 Jahren wieder zweitklassig. "Die ganze Stadt brennt. Ich glaube, wir feiern zwei Wochen durch", kommentierte der Ulmer Stürmer Felix Higl die sportliche Sensation.

Dabei hat der schwäbische Traditionsklub eine lange sportliche und wirtschaftliche Leidenszeit hinter sich. Der heutige Verein entstand 2009 durch die Abspaltung der Fußballabteilung vom SSV Ulm 1846. Die Fußballabteilung spielte noch in der Saison 1999/2000 in der Bundesliga. In den folgenden Jahren folgte allerdings der tiefe Fall: Nach der dritten Insolvenz trat Ulm in der Saison 2014/15 in der fünftklassigen Oberliga Baden-Württemberg an. Bereits zwei Jahre später gelang dem SSV Ulm 1846 der Aufstieg in 3. Liga.

Ob der sportliche Erfolg auch dauerhaft konserviert werden kann, bleibt abzuwarten. Die Kraftanstrengungen sind jedenfalls enorm: So muss der bestehende Kader weiter verstärkt werden, wobei noch offen ist, ob alle Leistungsträger auch in der kommenden Saison an Bord bleiben werden. Zudem muss auch das altehrwürdige Donaustadion dringend modernisiert werden. Einen entsprechenden Masterplan haben der Verein und die Stadt bereits längst verabschiedet.

Begleitet werden die Ulmer Spatzen außerdem vom nordrhein-westfälischen Traditionsverein SC Preußen Münster. Das Gründungsmitglied der Bundesliga spielt in der kommenden Saison nach 33 Jahren wieder zweitklassig. Der sportliche Niedergang des deutschen Vizemeisters von 1951 begann mit dem Zweitliga-Abstieg 1991 und endete schließlich in der viertklassigen Regionalliga West. Erst 2023 gelang die Rückkehr in die 3 Liga und damit der Durchmarsch in die 2. Bundesliga.

Sportliche Randnotiz: Ob der SSV Jahn Regensburg als dritter Verein in die 2. Fußball-Bundeliga aufsteigen wird, entscheidet sich in der Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Alemannia Aachen: Rückkehr eines Traditionsklubs in den Profifußball

Einst gehörte Alemannia Aachen zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga und holte sogar 1969 die Vize-Meisterschaft hinter dem großen FC Bayern München. Auch wenn in der Folgesaison der direkte Abstieg folgte, etablierte sich der Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen zu einer etablierten Größe in der damals zweitklassigen Regionalliga sowie der späteren 2. Bundesliga. 2012 stieg für den finanzgeplagten Klub schließlich in die 3. Liga ab - eine Saison später (2012/13) sogar der direkte Abstieg die viertklassige Regionalliga West

Zu allem sportlichen Misserfolg musste der Verein auch zwei Insolvenzverfahren über sich ergehen lassen. Nun kehrt die Alemannia nach elf Jahren im Amateurfußball wieder ins Profigeschäft zurück - auch dank der Unterstützung der hartgesottenen Fans. So strömen etwa 18.000 Fans zu den Heimspielen in den Tivoli, was mit Abstand den höchsten Zuschauerschnitt aller fünf Regionalligen bedeutet. 

Zum Vergleich: Auf Rang zwei steht in dieser Statistik aktuell der FC Energie Cottbus in der Regionalliga Nordost mit rund 7.000 Zuschauern. Nach fünf Jahren in der Viertklassigkeit gelang den Lausitzern in der abgelaufenen Saison ebenfalls die Rückkehr in das Profigeschäft. Gemeinsam mit dem VfB Stuttgart II und Alemannia Aachen spielt der einstige Bundesligist in der nächsten Saison wieder in der 3. Liga. Der vierte Aufsteiger wird in der Relegation zwischen dem Nord-Meister Hannover 96 II und dem Bayern-Meister Würzburger Kickers ausgespielt.

Lilien: Abstieg mit Ansage in Darmstadt

Es war wieder einmal nur ein kurzer Ausflug in des Fußball-Oberhaus: Bereits nach einer Saison in der Bundesliga stand der SV Darmstadt 98 vorzeitig als Absteiger fest. Für die Lilien ist es bereits der vierte Abstieg nach 1978, 1982 und 2017. Dabei war bereits zu Beginn der Saison klar, dass die 98er schon eine äußerst gute Spielzeit hinlegen mussten, um die Klasse sportlich zu halten. Das Ausmaß sowie die Art und Weise des Abstieges hinterließ allerdings auch bei den Verantwortlichen gewisse Nachwehen.

"Ich weiß nicht, ob das ein schlauer Vergleich ist jetzt: Aber das ist wie mit der 102-jährigen Oma, wo man weiß, irgendwann ist es so weit und dann ist es so weit. Dann ist man trotzdem sehr, sehr traurig."

Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98 (seit 2012)

"In einen richtigen sportlichen Flow konnten wir leider aus verschiedensten Gründen die gesamte Saison hinweg nicht kommen", hieß es aus dem Umfeld von Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch. Zudem sei es dem hessischen Verein "anders als in den Vorjahren diesmal nicht gelungen, gemessen an unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten über zu performen", so eine offizielle Stellungnahme des SV Darmstadt 98.

Und dennoch: "Hier wird nichts untergehen und hier bricht auch nichts zusammen, weil im Endergebnis - ganz vernünftig und sachlich analysiert  - ist ja jetzt nichts passiert, was nicht vorhersehbar war", so Klubpräsident Fritsch. Zudem wollen die Lilien weiterhin am bisherigen Cheftrainer Torsten Lieberknecht festhalten.

Trauer in der Domstadt: Kölner Abstieg mit Ansage

Begleitet werden die Lilien vom altehrwürdigen 1. FC Köln. Für die Geißböcke aus der Domstadt ist es mittlerweile der siebte Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus. Damit befinden sich die Kölner mittlerweile in guter Gesellschaft mit dem Hauptstadtklub Hertha BSC, auf den sie nun in der kommenden Zweitliga-Saison treffen werden. Ob dem Rheinländern aber der direkte Wiederaufstieg gelingen wird, ist äußerst zweifelhaft.

Überraschend kommt der Abstieg für viele Fans und Beobachter allerdings nicht. Viele Fans sehen die Hauptschuld vor allem in der Vereinsführung rund um den umstrittenen Präsidenten Werner Wolf. Nicht nur, dass er in der Vergangenheit wiederholt mit seinen öffentlichen Äußerungen den Unmut der Anhängerschaft auf sich zog. Die Fehler der Vergangenheit und vor allem die Corona-Pandemie haben den FC zu einem Sanierungsfall gemacht. 

"Der Verein bedeutet den Menschen in Köln alles."

Mark Uth, Spieler beim 1. FC Köln (seit 2021)

Mit einer Schuldenlast von 60 Millionen Euro stand das Gründungsmitglied der Bundesliga sogar vor der wirtschaftlichen Insolvenz. Der verordnete Sparkurs hatte demnach folgerichtig auch die sportliche Substanz geschwächt. Hinzu kommen gravierende Managementfehler - allen voran die Transfersperre, welche sich die Kölner durch einen Regelverstoß bei der Verpflichtung von Jaka Čuber-Potočnik vom slowenischen Meister NK Olimpija Ljubljana im Januar 2022 eingehandelt hatten. 

Die Konsequenz: Neuverpflichtungen sind in diesem Sommer nicht möglich. Erlaubt ist nur, verliehene Spieler zurückzuholen, die Leihverträge mit ausgeliehenen Spielern zu verlängern oder diese Spieler fest zu verpflichten sowie bestehende Verträge zu verlängern.

Wäre das alles nicht schon traurig genug für die Effzeh-Fans, darf sich der 1. FC Köln zum wenig ruhmreichen "Randalemeister" küren. Laut einer Dokumentation von fussballmafia.de mussten die Kölner in der zurückliegenden Saison ein Bußgeld von 639.000 Euro für das Fehlverhalten der eigenen Fans zahlen.

Allein beim Derby gegen den Lokalrivalen Borussia Mönchengladbach zündeten die Kölner Ultras mindestens 40 Bengalische Feuer, 20 Blinker, 40 Rauchtöpfe und mehr als 500 Römische Lichter, die über den Block verteilt aus Abschussvorrichtungen abgefeuert wurden. Die Folge: Rund 420.000 Euro kostete die Pyro-Show kostet den Verein. Hinzu kommen Geldstrafen für Beleidigungen auf Plakaten, Becherwürfe und gewalttätige Ausschreitungen.

Quelle: Statista

Quelle: Statista

Laut Analyse musste Hannover 96 mit etwa 517.440 Euro die dritthöchste Gesamtstrafe hinter der SG Eintracht Frankfurt (circa 575.950 Euro) hinnehmen. Damit ist der Verein aus der niedersächsischen Landeshauptstadt der "Randalemeister "der 2. Bundesliga. Insgesamt beträgt das Strafmaß der Bundesliga rund 5,1 Millionen Euro. 

Die Ultra-Szenen sehen hingegen die Kriminalisierung der Pyrotechnik als reine Geldmacherei seitens des Deutschen Fußballbundes (DFB). Demnach haben die Vereine in den letzten zehn Spielzeiten insgesamt etwa 30 Millionen Euro an Strafen gezahlt.

Erleichterung in Berlin und Mainz nach Abstiegsdrama

Erleichterung herrscht hingegen zum Saisonabschluss in Rheinhessen: Mit einem klaren Auswärtssieg konnte sich der 1. FSV Mainz 05 zum Saisonabschluss auf Rang 13 retten. Für den zeitweise abgeschlagenen Abstiegskandidaten war es der Schlusspunkt einer beeindruckenden Aufholjagd mit neun Siegen in Folge. Einen wesentlichen Anteil daran dürfte auch der Trainer Bo Henriksen.

"Er war eine Energiequelle für die Mannschaft. Er kannte die Bundesliga. Aber er war nicht - wenn ich das so sagen darf - durch diesen Abstiegskampf verseucht. Er ist in die Köpfe der Spieler gekommen. Er hat dort verändert, dass du weniger denkst und mehr machst."

Martin Schmidt, Sportdirektor beim 1. FSV Mainz 05 (seit 2020), Trainer des 1. FSV Mainz 05 (2015-2017)

Das dänische "Rumpelstilzchen" rede "jeden Spieler positiv, er bringt die Energie in das Team. Das ist seine größte Stärke neben dem, dass er auch ein hervorragender Fußballlehrer ist. Es wird ihm nicht gerecht, wenn man sagt: Er ist nur ein Motivator", brachte es Sportdirektor Martin Schmidt auf den Punkt.

Große Erleichterung herrscht indes auch in Berlin. Nach einem sportlichen Absturz konnte der 1. FC Union Berlin mit einem Heimsieg gegen den SC Freiburg einen Totalschaden verhindern. Dabei spielte der einstige DDR-Pokalsieger aus Köpenick vor einem halben Jahr noch in der UEFA Champions League, wo man im benachbarten Olympiastadion nur knapp dem Star-Ensemble von Real Madrid unterlag.

Dabei waren "Eisern Union" nicht nur die ureigensten Erfolgstugenden verloren gegangen. Auch vermeintliche Starspieler wie der italienische Europameister Leonardo Bonucci oder die Edel-Leihgabe David Datro Fofana suchten nach nur sechs Monaten in der Winterpause wieder das Weite. Zudem wurde im November 2023 das Engagement mit dem einstigen Aufstiegs- und Erfolgstrainer Urs Fischer schlagzeilenträchtig beendet.

Frust herrscht hingegen beim VfL Bochum: Die einstige "graue Maus" der Bundesliga hatte es selbst in der Hand, die zurückliegende Saison auf einem Nichtabstiegsplatz zu beenden. Nach einer deutlichen Auswärtsniederlage geht aber nun in die Relegation gegen Fortuna Düsseldorf.

2. Bundesliga: Rekordabstieg für Osnabrück

In der 2. Bundesliga stand zudem der VfL Osnabrück ebenfalls als vorzeitiger Absteiger fest. Es ist der bislang achte Abstieg der Niedersachsen in der Vereinsgeschichte - und damit auch ein Rekord in Liga zwei. Dabei hatte der Verein erst vor einem Jahr quasi in letzter Minute den Aufstieg aus der 3. Liga perfekt gemacht. 

Allerdings kommt der neuerliche sportliche Absturz nicht überraschend: So habe es nach Ansicht von Mittelfeldspieler Dave Gnaase "viele Spiele in dieser Saison, die extrem wichtig waren, in denen wir uns viel vorgenommen haben, und in denen wir dann sehr, sehr leichte Gegentore bekommen haben." Zudem kommentierte Abwehrspieler Bashkim Ajdini: ""Wir stehen zu Recht da, wo wir stehen".

Begleitet werden die Lila-Weißen vom FC Hansa Rostock, der nach drei Jahren Zweitklassigkeit wieder den bitteren Weg in die 3. Liga antreten muss. Dabei verabschiedete sich die "Hansa-Kogge" am letzten Spieltag äußerst unrühmlich mit Randalen und Böller-Würfen sowie einer 20-minütigen Spielunterbrechung aus der 2. Bundesliga. "Im Grunde genommen ist es ein schlechtes Zeugnis für uns, für den Verein", sagte Interimsvorstand Jürgen Wehlend. So gebe es "nichts zu entschuldigen. Man kann es nur erklären".

Vielmehr sei die Aktion der Fans ein Abbild der Saison gewesen. "Die Leute waren unglaublich frustriert, haben sich in der letzten Woche noch einmal aufgerafft, haben unglaubliche Emotionen gezeigt", bemühte sich Wehlend um eine Erklärung. Daher seien die Emotionen noch einmal hochgefahren. "Und dann entlädt sich etwas im Stadion." Jedenfalls haben die Fans dem eigenen Verein mit dieser Aktion einmal mehr geschadet. Für Hansa ist der Abstieg zudem ein wirtschaftlicher und sportlicher Totalschaden.

Dafür spielt der traditionsreiche 1. FC Kaiserslautern auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga. Nach einer kuriosen Saison mit zahlreichen Höhen und Tiefen profitierten die "Roten Teufel" am Ende von einer knappen Niederlage des SV Wehen Wiesbaden im Kellerduell gegen Eintracht Braunschweig. Dabei stand der FCK am neunten Spieltag der laufenden Saison noch auf Rang drei, was die Fans zeitweise sogar vom Aufstieg in die Bundesliga träumen ließ. 

Am Ende brauchte es schließlich drei Trainer, um den erneuten Absturz in die 3. Liga zu verhindern - auch dank der erfahrenen Friedhelm Funkel, der einst selbst zwischen 1980 und 1983 als aktiver Spieler die Fußballschuhe auf dem Betzenberg schnürte. Kurios: Mit der Teilnahme am Endspiel des DFB-Pokal gegen den neuen deutschen Meister aus Leverkusen hat der FCK sogar noch eine kleine Außenseiterchance auf einen Titelgewinn - und damit die Qualifikation für die UEFA Europa League.

Einstiger Bundesligist steigt in "Schweinliga" ab

Trauer und Wut herrscht hingegen im Duisburger Stadtteil Meiderich. So stürzt der frühere Bundesligist und ehemalige deutsche Vizemeister MSV Duisburg mit dem Abstieg in die Regionalliga West erstmals in die sportliche Viertklassigkeit ab. Nach einer bitteren Niederlage gegen den VfB Lübeck sprach Interimstrainer Uwe Schubert von einem "schwarzen Tag für Club und Stadt". Bis 2012 pendelten die Zebras zwischen der ersten und zweiten Bundesliga. Mit der wirtschaftlichen Schieflage folgte der Zwangsabstieg in die 3. Liga - und nun auch der sportliche Fall.

Auch bei den Frauen der Zebras herrscht seit einigen Wochen Tristesse. So steht das Team bereits seit geraumer Zeit als sportlicher Absteiger aus der Bundesliga fest. Die Bilanz des Schlusslichtes ist dramatisch: Unter dem Strich stehen gerade einmal vier Punkte aus vier Unentschieden - ein Sieg war dem Damen-Team des MSV Duisburg nicht vergönnt. Ob die Mannschaft allerdings eine sportliche Zukunft in der Zweiten Bundesliga ist angesichts der sportlichen Verwerfungen im Gesamtverein allerdings noch fraglich.

Große Trainerlegenden treten ab

Auch beim SC Freiburg endet im Mai eine Ära: Nach zwölf Jahren nimmt mit Christian Streich der mit Abstand dienstälteste Bundesliga-Coach seinen Abschied - und wird in jeder Hinsicht eine große Lücke hinterlassen. Während seiner Amtszeit auf der Freiburger Bank entwickelte sich der Sohn eines Metzgers und Pädagoge mit Lehramtsstudium zu einem Kulttrainer im deutschen Fußball. Ehrlich und direkt, witzig und schlagfertig - mit seiner menschlich-hochemotionalen Art, gepaart mit dem sympathisch-alemannischen Dialekt gewann der Fußball-Lehrer aus dem Markgräflerland enorme Anerkennung und Respekt.

Quelle: Kicker auf Youtube

Dabei nutzte Streich die öffentliche Wahrnehmung, auch zu gesellschaftlichen Themen eine klare Stellung zu beziehen. So hatte sich Streich zuletzt auch deutlich gegen Rassismus,  Rechtsextremismus und Intoleranz gewandt. Enorme Anerkennung gewann er jedoch vor allem durch seinen fußballerischen Sachverstand. So stand sein Team nicht nur für eine ausgeprägte mannschaftliche Geschlossenheit. Auch zahlreiche Talente aus der eigenen Fußball-Schule entwickelten sich unter seiner Ägide zu gestandenen Bundesliga-Profis und Nationalspielern - wie zum Beispiel Dennis Aogo, Oliver Baumann, Matthias Ginter oder Christian Günter.

"Mit Christian Streich geht nicht nur ein sehr erfolgreicher und prägender Trainer des SC Freiburg sondern auch eine beeindruckende Persönlichkeit. Am Alemannisch sprechenden Streich sieht man also, dass Leute, die in ihrer Heimat verwurzelt sind, gleichzeitig den Blick für die Welt haben können. Mit seinem klaren Kompass, seiner Offenheit und seiner menschlichen Art ist er auch weit über den Sport hinaus ein großartiger Botschafter für unser Land. Solche Typen braucht es gerade mehr denn je."

Winfried Kretschmann (B'90/Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg (seit 2011)

Zudem hat sich der Bundesligist aus dem Breisgau auch strukturell enorm weiterentwickelt. So spielt der SC Freiburg mittlerweile im modernen Europapark mit einem Fassungsvermögen von rund 35.000 Plätzen. Zudem drücken den Freiburgern mittlerweile rund 60.000 Mitglieder die Daumen. Streichs Nachfolger steht jedenfalls schon fest: Zur neuen Saison 2024/25 soll der ehemalige SC-Profi Julian Schuster neuer Cheftrainer werden. Streichs Fußstapfen sind aber dennoch riesig.

Quelle: Badische Zeitung auf Youtube

Allerdings endet nicht nur in Südbaden eine Trainer-Ära: Auch der FC Liverpool muss sich nur neuen Spielzeit einen neuen Cheftrainer suchen. Nach neun Jahren will der deutsche Coach Jürgen Klopp ebenfalls seinen Abschied beim englischen Spitzenclub FC Liverpool an. "Die Energie ist aus", ließ der gebürtige Schwabe die Fans der "Reds" auf der offiziellen Website zitiert: "Ich kann verstehen, dass das für viele Leute erstmal ein Schock ist". Allerdings wisse er, dass er "den Job nicht immer wieder, immer wieder, immer wieder machen" könne. Zudem sei es für ihn "super-, super-, superwichtig, dass ich helfen kann, dieses Team wieder auf die Beine zu bringen."

Quelle: Der Spiegel auf Youtube

Sportlich ist dies dem ehemaligen Coach des 1. FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund in England jedenfalls gelungen. Neben der ersten englischen Meisterschaft nach 30 Jahren sowie dem FA Cup 2022 erreichte Klopp mit dem Gewinn der UEFA Champions League 2019 den bislang größten Erfolg in seiner Karriere. 

"Dass ich mit Mitte 60 noch auf der Trainerbank sitze, ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Stattdessen kerngesund auf einer anderen Bank zu sitzen, das ist schon eher das Ziel. Und sollten es am Ende mit Mainz, Dortmund und Liverpool nur drei Vereine gewesen sein, waren es auf jeden Fall drei geile."

Jürgen Klopp, Trainer des  FC Liverpool (2015-2024)

Wohin es den Schwaben künftig verschlägt, ist allerdings noch offen. Sicher ist bislang nur, dass Klopp noch bei keinem Verein offiziell entlassen wurde. Bislang hat Klopp jedenfalls (noch) keine konkreten Pläne: "Fragt mich in einem Jahr nochmal", ließ er im April 2024 durchblicken. So plane er "im Moment" zumindest "keine weitere Karriere als Trainer". 

So wurde der Fußball-Lehrer zwar unter anderem als deutscher Bundestrainer oder gar als neuer Coach des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München in Verbindung gebracht. Für Pep Guardiola, Trainer beim alten und neuen englischen Meister Manchester City, sei Klopp jedenfalls eine "wichtige Person in meinem Leben". Die sportlichen Duelle mit dem früheren Liverpool-Coach werde der Katalane definitiv vermissen.

Quelle: Kicker auf Youtube

Etwas leiser geht hingegen der Abschied des einstigen "Kopfballungeheuers" Horst Hrubesch über die Bühne. Als Bundestrainer (interimsweise) der Frauen-Nationalmannschaft gelang der einstigen HSV-Legende im Mai 2023 die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris. Mit einem Medaillengewinn könnte der 73-Jährige seine Trainerkarriere zu einem krönenden Abschluss bringen.

"Du musst das machen, was Du kannst. Und was Du nicht kannst, lässt Du weg."

Horst HrubeschBundestrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft (2018 und 2023-2024)

Im August soll er sein Amt dann an seinen designierten Nachfolger Christian Wück übergeben. Ob seine Trainerkarriere dann ein endgültiges Ende findet, zweifeln manche Weggefährten aber durchaus an. ""Ich würde bei ihm nichts ausschließen. Wenn er jetzt sagt, dass es das gewesen sein soll, würd ich sagen: Bei Horst Hrubesch weiß man nie", so BVB-Co-Trainer Sven Bender in einer neuen ARD-Dokumentation.

Toni Kroos: "Schluss bei Real, Schluss mit Fußball"

Nicht nur manch Trainerlegende hat in der abgelaufenen Saison ihren Abschied bekannt gegeben. Mittelfeldstar Toni Kroos gehört neben Thomas Müller zu den erfolgreichsten deutschen Fußballspielern. Gemeinsam mit der Bayern-Legende kommt der gebürtige Greifswalder auf insgesamt 33 Titel (Stand: Mai 2024). 

Dabei könnte für Kroos noch ein weiterer Titel hinzukommen. Im Finale von Wembley könnte er mit Real Madrid zum Karriereende noch einmal den Henkelpott gewinnen. Es wäre der sechste Triumph in der UEFA Champions League. Kein anderer deutscher Spieler war in der europäischen Königsklasse so erfolgreich. Sicher ist jedenfalls: Er ist der einzige deutsche Spieler, der diesen Titel mit zwei verschiedenen Vereinen gewonnen hat. Zudem ist er der einzige deutsche Fußballer, der sechsmal die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.

Das Endspiel in der europäischen Königsklasse ist jedenfalls das letzte Spiel für seinen alten Verein, mit dem er in den letzten zehn Jahren hat Kroos mit den "Königlichen" insgesamt 21 Titel gewonnen. In 459 Pflichtspielen erzielte er 28 Tore und bereitete 96 Treffer vor. Mit seinen Pässen war Kroos in dieser Zeit praktisch der Dirigent des königlichen Orchesters - und damit praktisch gesetzt, was bei den Madrilenen keine Selbstverständlichkeit ist.

"Toni Kroos ist einer der größten Spieler in der Geschichte von Real Madrid. Dieser Verein ist seine Heimat und wird immer seine Heimat sein."

Florentino Perez, Präsident von Real Madrid (2000-2006 und seit 2009)

Finanziell hat der scheidende Fußball-Profi jedenfalls ausgesorgt, Laut dem Online-Portal vermoegenmagazin.de soll sich sein Jahreseinkommen bei Real auf rund 21 Millionen Euro belaufen. Sein Vermögen wird auf etwa 80 Millionen Euro geschätzt. Allerdings handelt es sich dabei nur um Spekulationen, da es keine offiziellen Informationen über sein Einkommen gibt.

Auf seine Zeit beim FC Bayern München dürfte Kroos allerdings nur mit gemischten Gefühlen zurückblicken. Obwohl er einen wesentlichen Anteil am Triple-Gewinn 2013 hatte, blieb ihm die ganz große Anerkennung in München jedoch verwehrt. Ein Jahr später wechselte der frisch gekürte Weltmeister für 25 Millionen Euro nach Madrid. Auch die öffentliche Kritik seines einstigen Arbeitgebers Uli Hoeneß nach dem Viertelfinal-Aus bei der Europameisterschaft 2021 konnte dem einst als "Querpass-Toni" verschrienen Mittelfeldstrategen nicht anhaben. Im Gegenteil: Manch Bayern-Fan scheint bis heute nicht über den Verkauf hinweg gekommen zu sein.

Einen letzten sportlichen Höhepunkt wird Kroos vor seinem endgültigen Abschied dennoch gewährt: Für die Heim-EM 2024 wird er - drei Jahren nach seinem Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft - nochmals das DFB-Trikot überziehen. Bleibt zu hoffen, dass es für ihn nicht nur bei den drei Vorrunden-Spielen bleibt. Der EM-Titel - welcher ihm übrigens in seiner beispiellosen Titelsammlung noch fehlt - wäre immerhin der goldene Abschluss für einen Weltstar.

Abschiede von großen Fußball-Legenden

Deutlich trauriger ist jedoch der Abschied von drei großen Fußball-Legenden, die zu den ganz großen Spielern ihrer Zeit und ihres jeweiligen Vereines zählten: Der "Kaiser" zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der deutschen Fußballgeschichte und als einer der besten Spieler der letzten Jahrzehnte. Auf der Position des Liberos setzte Franz Beckenbauer mit seiner offensiven und leichtfüßigen Spielweise Maßstäbe. Am 7. Januar 2024 verstarb er nach langer Krankheit im österreichischen Salzburg.

"Er hat gezeigt, dass man spielerische Eleganz mit einer Gewinnermentalität kombinieren kann."

Manfred Breuckmann, deutscher Hörfunkmoderator und Sportkommentator

Während seiner aktiven Karriere trug Beckenbauer maßgeblich zum Aufstieg des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München als erfolgreichsten deutschen Fußballverein bei. In dieser Zeit holte er vier Meisterschaften und vier Pokalsiege. Zudem gewann er mit dem FCB drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Zudem führte er die deutsche Nationalelf als Kapitän zum Gewinn der EM 1972 sowie zum Titel der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. Als Teamchef führte Beckenbauer die DFB-Elf auch bei der WM 1990 zum Titel.

Quelle: ZDF Sportstudio auf Youtube

Allerdings: Ein Schatten bleibt dennoch. Nach dem "Sommermärchen" bei der WM 2006: Eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro nach Katar im Vorfeld der WM-Vergabe sowie eine angebliche Aufwandsentschädigung für Beckenbauer über mutmaßlich 5,5 Millionen Euro sorgten für erhebliche Kritik. "Da fällt schon ein Schatten auf die unvergleichliche Karriere von Franz Beckenbauer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er gar nicht Bescheid wusste", sagte der Sportjournalist Manfred Breuckmann im Deutschlandfunk. Ein Urteil gegen Beckenbauer gab es allerdings nie - ein Verfahren in der Schweiz wurde wegen Verjährung eingestellt. Seinem Ruf als "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" tat die öffentliche Kritik dennoch keinen Abbruch.

"Wenn der Kaiser spricht, legen sogar die Engel ihre Harfen beiseite."

Max Merkel (1918-2006), österreichischer Fußballspieler und -trainer

"Beckenbauer hat ein ganzes Zeitalter bundesrepublikanischer Geschichte geprägt, als Medienfigur, und von daher ist die Rolle der Medien gar nicht zu unterschätzen. Er steht einerseits für eine Zeit, in der der Fußball und auch die Gesellschaft, kommerzialisiert worden ist, aber auch für die Zeit, in der der Fußball in die Kritik gerät, in vielerlei Hinsicht", betonte der Medienwissenschaftler Thomas Horky von der Hochschule Macromedia Hamburg im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Bei der WM 1990 schoss er Deutschland mit dem entscheidenden Elfmeter gegen Argentinien zum dritten Titel in der Geschichte. Am 20. Februar 2024 starb Andreas Brehme in München unerwartet an den Folgen eines Herzstillstandes. Den Fußballexperten bleibt er vor allem als versierter und vielseitiger Fußballer in Erinnerung, der in den großen Spielen immer zur Stelle war.

"Hast Du Scheiße am Fuß, hast Du Scheiße am Fuß."

Andreas ("Andi") Brehme (1960-2024), deutscher Fußballspieler und -trainer

Noch im Januar 2024 sagte zum Tod von Franz Beckenbauer geäußert. "Ich denke, im Himmel wird er mit Pelé und Maradona ein magisches Dreieck gründen". Nur wenige Wochen später sollte er Beckenbauer folgen.

Bei Eintracht Frankfurt gehörte Bernd Hölzenbein zu den wichtigsten Persönlichkeiten und Ikonen in der Vereinsgeschichte. Als Spieler und Funktionär hatte er die sportlichen Geschicke der "launischen Diva vom Main" über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt. Dabei ist das "Schlitzohr" Hölzenbein untrennbar mit den großen Erfolgen der Eintracht in den 1970er- und 1980er-Jahre - drei Pokalsiege und der Gewinn des UEFA-Pokals 1980 - verbunden. Seinen größten Erfolg hatte er jedoch mit dem Gewinn des Weltmeistertitels 1974

"Bernd Hölzenbein war ein toller Fußballer und wunderbarer Mensch, der viele Titel und noch mehr Herzen gewonnen hat. Fußballerisch gab es wenig, das er nicht konnte."

Rudolf ("Rudi") Völler, Sportdirektor des Deutschen Fußballbundes (DFB) (seit 2023)

Am 15. April 2024 starb der Ehrenspielführer der Eintracht im Alter von 78 Jahren. "Er hat unsere Eintracht fast 60 Jahre maßgeblich geprägt", sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann - sei es als Spieler, Funktionär oder Manager. "Hölzenbein war jahrzehntelang ein Gesicht der Eintracht, ein integraler Bestandteil der Seele dieses Klubs", hieß es in einem Nachruf des Hessischen Rundfunks (HR). Der Eintracht blieb die Klubikone jedenfalls bis zum Tod verbunden.

Sein Tor im "Jahrhundertspiel" gegen Italien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko machte Karl-Heinz Schnellinger das einzige Länderspieltor in seiner fußballerischen Karriere. Doch eben jenes machte ihn zu einer Fußball-Legende. Dabei ist "Carlo il Biondo" (italienisch: "Der blonde Karl") einer der erfolgreichsten Auslandsprofis in Italien.

"Ausgerechnet Schnellinger, werden die Italiener sagen."

Ernst Huberty, luxemburgisch-deutscher Sportjournalist und Moderator der ARD-Sportschau

Mit dem Spitzenklub gewann er mehrere nationale Titel sowie mehrfach den Europapokal. In Deutschland gewann Schnellinger mit dem 1. FC Köln die deutsche Meisterschaft 1962. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er dennoch im sonnigen Süden: "Mir kommt es immer so vor, als ob ich in Deutschland Ausländer bin - und in Italien auch. Aber das ist in Ordnung so", sagte er noch im März 2024 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Am 20. Mai 2024 ist er nun im Alter von 85 in Mailand gestorben.

England verabschiedet WM-Helden

Die Vereinslegende von Manchester United war ein Sinnbild von Loyalität und Fairplay und überlebte das "Munich Air Desaster" 1958. Als Weltmeister von 1966 schrieb Robert ("Bobby") Charlton englische Fußballgeschichte. Er "war Herz und Hirn der englischen Mannschaft, prägte das Spiel aus dem zentralen offensiven Mittelfeld als Passgeber, Vorbereiter und Torschütze, war Kapitän ohne Kapitänsbinde", schrieb die Zeit

Charlton habe er Werte verkörpert, "die selten geworden sind im modernen Fußball", schrieb das Blatt weiter. Er "war bescheiden, loyal, nahbar, fair auf und neben dem Platz, ein ewiger Gentleman". Am 21. Oktober 2023 starb Bobby Charlton im Alter von 86 Jahren. Als Botschafter des englischen Fußballs war er zeitweise berühmter als Queen Elisabeth II. (1952-2022) oder Beatles-Star Paul McCartney.

"Neben Pelé war Bobby Charlton der größte Fußballer, den wir auf der Welt gehabt haben."

Hans-Hubert ("Berti") Vogts, ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer

Nach der Flugzeug-Katastrophe von 1958 hatte Bobby Charlton bei ManU entscheidenden Anteil am Wiederaufbau einer schlagkräftigen Mannschaft, die 1965 englischer Meister wurde. Als Mannschaftskapitän führte er das Team zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister im Jahr 1966. Weltweit wurde Charlton als die perfekte Verkörperung des englischen Fußballs betrachtet. Die Zeitung The Guardian schrieb treffend: "There was only one Bobby Charlton".

Argentinien trauert um "El Flaco"

In der Trainergilde gilt er als Schöngeist sowie als Philosoph auf der Bank. Am 5. Mai 2024 ist César Luis Menotti im Alter von 85 Jahren in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gestorben. Bei der Weltmeisterschaft 1978 im eigenen Land führte "El Flaco" ("Der Dünne") die "Albiceleste" zum ersten WM-Titel in ihrer Geschichte - und dies ausgerechnet während der regierenden Militärdiktatur.

Offene Kritik übte der argentinische Weltmeister-Trainer zwar nicht. Seine Ablehnung ließ er dennoch auf seine Art durchblicken: "Meine Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt", sagte das Mitglied der Kommunistischen Partei beispielsweise nach dem WM-Sieg.

Weitere große Triumphe blieben dem Erfinder des "linken Fußballs" jedoch in den Folgejahren weitgehend verwehrt. Lediglich mit dem FC Barcelona gewann Menotti in der Saison 1983/84 immerhin den spanischen Pokal. Zudem war Menotti ein früher Förderer des ehemaligen Superstars Diego Maradona, dem er bereits im Alter von 16 Jahren das Debüt in der Nationalelf ermöglichte.

"Menotti war der Größte. Er hat mich 78 nicht nominiert, aber ich habe ihm weiter zugehört, habe ihn respektiert, seine Ratschläge angenommen. Er war der beste Trainer, den ich hatte."

Diego Armando Maradona (1960-2020), Nationalspieler von Argentinien (1977-1994)

Auch Deutschland hat es dem Trainergenie aus Südamerika immer wieder angetan: Sei es die Musik, Philosophie, Literatur, die Natur - und den deutschen Fußball. 2009 wurde Menotti der Walther-Bensemann-Preis der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur verliehen. Mit der Auszeichnung werden Personen der Zeitgeschichte geehrt, die Außergewöhnliches im Sinne der Völkerverständigung für den Fußball geleistet haben.

"Eine Fußballmannschaft ist wie ein Orchester. Je mehr Übungszeit, desto besser."

César Luis Menotti (1938-2024), Nationaltrainer von Argentinien (1974-1983)

Bernd Schuster, einst Spieler unter Menotti beim FC Barcelona skizzierte seine Arbeitsweise folgendermaßen: "Nehmen Sie César Luis Menotti, ein Toptrainer, aber wenn er mit einem Spieler geredet hat, hat er gefragt, ob es Frau und Kindern gut geht. Ansonsten saß er auf der Bank und rauchte 50 Zigaretten." Menottis Credo: "Es gibt zwei Dinge, die wichtiger sind als Titel: Anerkennung und Respekt". Diesen Respekt ließ er gegenüber seinen Spielern immer durchblicken.

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Veröffentlicht am 14.04.2024
 
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