Olympia 2026: Der Wintersport kehrt nach Europa zurück
Es ist lange her, dass die Olympischen Winterspiele in Europa ausgetragen wurden. Erstmals seit zwanzig Jahren ist Italien wieder der Gastgeber für die internationale Wintersportelite. Mit Schauplätzen wie Cortina d’Ampezzo, Mailand, Bormio, Antholz und Livigno verbinden sich für die Athleten wie immer große Hoffnungen. Ganz ohne Kritik und Dissonanzen geht es dann aber doch nicht.
Allerdings sorgten die Spiele bereits im Vorfeld für gespaltene Gemüter. Während der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti auf eine "gesunde Dosis Doping" für das Wirtschaftswachstum hofft, kritisieren Lokalpolitiker, Umweltschützer und auch Athleten wie Ex-Skiprofi Felix Neureuther die Umweltbelastungen, explodierende Kosten, die räumliche Zerstreuung der Spielorte und fehlende Nachhaltigkeit.
- ARD Dokumentation: Felix Neureuther - Olympia im Wandel?
- Wikipedia über die Bewerbungen für die Winterspiele 2026
- Wikipedia über die Fahnenträger der Eröffnungs- und Schlussfeier
Es würden die "unnachhaltigsten Winterspiele aller Zeiten" drohen, kritisierte die Umweltschutzorganisation Climate Action South Tyrol. Besonders umstritten ist dabei die Bobbahn, die im Wintersportdorf Cortina d’Ampezzo neu gebaut worden ist. Mit 120 Millionen Euro wurde sie erheblich teurer geplant. Der eigentliche Auftrag war ursprünglich für 82 Millionen Euro vergeben worden.
Quelle: Deutsche Welle (DW) auf Youtube
Für heftigen Debatten sorgte im Vorfeld der Spiele auch die Entscheidung der US-Regierung, dass Beamte der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Winterspiele unterstützen soll. Vor allem in Mailand kritisierten Politiker und Kommunalvertreter die Präsenz der US-Behörde. Auch aus Opposition kam deutliche Kritik. Der Grünen-Vorsitzende Angelo Bonelli bezeichnete die US-Einwanderungsbehörde als "Mörderbande".
"Wenn wir in den Alpen sein wollen, können wir nicht alles haben. Alles ist so groß und modern geworden, dass man in den traditionellen Alpen keinen Ort mehr findet, wo alle zusammen sind. Das ist einfach nicht machbar. Ich mag die romantische Vorstellung, wieder in den Alpen zu sein. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass es mehrere Dörfer geben wird. Wir können nicht sagen, wir wollen alles kompakt, aber gleichzeitig die besten Spielfelder nutzen, ohne etwas zu bebauen. Das gibt es nicht."
Christophe Dubi, Direktor des IOC, in einer ARD-Dokumentation über die Olympischen Winterspiele 2026
Das deutsche Olympia-Team ist jedenfalls mit einer Rekord-Teilnehmerzahl am Start. Insgesamt 188 Sportlerinnen und Sportler hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Spiele in Italien nominiert. Dazu gehören auch viele erfahrene Olympiastarter und Medaillengewinner wie Francesco Friedrich, Franziska Preuß, Laura Nolte oder Vinzenz Geiger. "Wir wollen als Wintersportnation vorne dabei sein, denn unsere Athletinnen und Athleten gehören zu den Besten der Welt, aber sie sind keine Maschinen", betont Olaf Tabor, DOSB‑Vorstand Leistungssport und Chef de Mission.
Kritik gab es allerdings an der umstrittene Quotenregel des IOC. "Die Quotenberechnung passt schon seit Jahren nicht, das ist nicht neu. Dass beispielsweise Nationen, die nur einen Fahrer mit Weltcup-Niveau stellen, drei Startplätze bekommen, kann nicht im Sinne des Leistungssports sein", sagte Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbands (DSV). Besonders hart trifft es dabei die Nordische Kombination. Für das Team D sind bei den Spielen von Italien nur noch drei Athleten am Start. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von 2022 waren es noch fünf Teilnehmer.
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Erstmals in der olympischen Geschichte fungieren zwei Städte als offizielle Gastgeber. Bei der Eröffnungsfeier wurden daher auch zwei Schalen mit je einem olympischen Feuer entzündet. Außerdem fand die Zeremonie erstmals an vier Orten gleichzeitig statt. Um Reisestrapazen zu vermeiden, wurde zusätzlich zu den Ausrichterstätten in Mailand und Cortina d'Ampezzo auch in Livigno und Predazzo eine Zeremonie mit Athleten aus den teilnehmenden Ländern abgehalten. Schon im Vorfeld der Spiele waren im modebewussten Mailand auch die Outfits bei den Winterspielen ein großes Thema. Dabei sorgte das deutsche Olympia-Dress in den sozialen Medien hingegen für großen Wirbel.
Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube
In den internationalen Medien überwiegen jedenfalls die positiven Stimmen über die Eröffnungsfeier. "Eleganz, Kultur und Geschichte: Bei der Eröffnungsfeier in Mailand zeigt Italien seine beste Seite. Die Show stellt in drei Stunden das Schönste der italienischen Kultur und Tradition vor. Alles funktioniert synchron, wie bei einem Bergchor in Cortina - jeder spielt seine Rolle in voller Harmonie, dem Thema der Eröffnungsfeier", schrieb die italienische Zeitung Corriere dello Sport. Aus Sicht der spanischen Zeitung Marca werde die Zeremonie "in Erinnerung bleiben".
Rund 2.900 Athleten aus 93 Ländern kämpfen in diesen Tagen um die Medaillen. Insgesamt werden 116 Wettbewerbe (54 für Männer, 50 für Frauen und zwölf Mixed-Wettkämpfe) ausgetragen - einem neuen Rekord bei den Winterspielen. Als neue olympische Sportart wurde Skibergsteigen ins Programm aufgenommen. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von Chamonix 1924 waren es nur 16 Wettbewerbe.
Quelle: Statista
Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage bekundeten 40 Prozent der rund 1.300 Befragten ihr Interesse an den Spielen. Dabei sehen zehn Prozent in den Winterspielen sogar einen Anlass bzw. eine Motivation, selbst Wintersport zu betreiben. Der Klimawandel hat allerdings auch hier bereits seine Spuren hinterlassen. 55 Prozent der Wintersportler in Deutschland haben ihr Winter-Sportverhalten demnach verändert: 31 Prozent machen weniger Wintersport als früher, 14 Prozent sind auf andere Sportarten umgestiegen und zehn Prozent betreiben Wintersport eher in höher gelegenen Skigebieten. Daher ist auch der Markt für Ski- und Wanderbekleidung sowie für Wintersportartikel rückläufig: Gegenüber 2019 ist der Umsatz im Juni 2025 um knapp von Prozent von 667 auf 609 Millionen Euro zurückgegangen.
Quelle: Statista
Drama um Ski-Superstar Lindsey Vonn
Sportliche Höhenflüge und Tragödien gehören mittlerweile zur DNA der Spiele. Bereits zu Beginn schockte Superstar Lindsey Vonn mit einem schweren Sturz die internationale Skiwelt. Trotz einer Teilprothese im rechten Knie, mit einem frischen Kreuzbandriss und einem kaputten Meniskus im linken Knie kehrte die 41-jährige US-Amerikanerin noch einmal aus der sportlichen Rente zurück. Bereits nach 13 Sekunden fand ihr neuerliche Goldtraum aber sein jähes Ende. Nach eigenen Angaben erlitt sie einen "komplexen Schienbeinbruch". Allerdings sei die Verletzung "derzeit stabil", auch wenn es "aber mehrere Operationen erfordern" werde, "um richtig zu heilen".
Die Bestürzung auf die dramatischen Ereignisse waren dennoch groß. Dementsprechend fielen auch die internationalen Pressestimmen aus. "Sie wollte Gold - trotz eines Kreuzbandrisses, aber ihr Angriff endete in einem echten Drama", kommentiert die ARD Sportschau. "Sie träumte davon, noch einmal bei Olympischen Spielen ganz oben zu stehen. Doch die Olympia-Abfahrt auf der Tofana dauert für Lindsey Vonn gerade mal 13 Sekunden - und endet in einem Alptraum", schreibt die Bild.
Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube
Und Eurosport Spanien kommentierte: "Lindsey Vonn trotzte jeder Logik in einem letzten riskanten Kampf, der tragisch endete. Mit 41 Jahren und einem Kreuzbandriss riskierte die Skilegende ihr Leben für olympischen Ruhm". Auch wenn Vonn ein Karriereende offenließ, scheint die Entscheidung dennoch gefallen zu sein. Nach Meinung ihres Vaters sollte die US-Amerikanerin ihre Laufbahn endgültig beenden. "Sie ist 41 Jahre alt, und das ist das Ende ihrer Karriere", sagte Alan Kildow der Nachrichtenagentur AP.
"Solange ich da noch ein Wörtchen mitzureden habe, wird Lindsey Vonn keine Skirennen mehr fahren."
Alan Kildow, Vater von Lindsey Vonn
An ihre Kritiker hatte Vonn allerdings eine ebenso klare Botschaft: "Mein Kreuzbandriss und andere Verletzungen aus der Vergangenheit hatten nichts damit zu tun. Auch wenn es nicht so geendet ist, wie ich es erhofft hatte, sondern mit massiven Schmerzen für mich: Ich bereue nichts." Bleibt der Vollständigkeit halber zu erwähnen, dass auch die andorranische Skiläuferin Cande Moreno mit einem Kreuzbandriss im linken Knie ins Krankenhaus geflogen werden musste.
Für Probleme sorgten zu Beginn der Spiele allerdings auch die olympischen Medaillen. Bei mehreren Athleten waren sie während ihrer Jubelaktionen vom Band gerissen. Andrea Francisi, der Chief Games Operations Officer, betonte aber, man sei sich der Materialprobleme "bewusst". Nun kündigte das IOC eine Lösung an. So fühle man sich "verpflichtet, dass die Medaillen die höchsten Qualitätsstandards erfüllen".
"PR-Desaster": Ein Helm wird zum Politikum
Der ukrainische Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch sorgte indes vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine für ein Politikum. Trotz eines Verbots und mehrfacher Warnungen des IOC wollte er nicht auf das Tragen des Helms mit Bildern von getöteten ukrainischen Sportlern verzichten. Der IOC wertete dies jedoch als politische Botschaft, die laut Olympischer Charta während der Spiele verboten ist. Die Konsequenz: Heraskewytsch wurde suspendiert. Außerdem wurde ihm zusätzlich die Akkreditierung für die laufenden Spiele entzogen.
- ARD Sportschau: Olympia-Ausschluss wegen Helm - Coventry in Tränen, Heraskewytsch zieht vor CAS
- ZDF Sportstudio: Solidar-Aktion für Heraskewytsch - Wurde dem Team Ukraine der Ton abgedreht?
- Deutsche Welle (DW) zum Olympia-Streit: Wie politisch ist der "Helm des Gedenkens"?
Allerdings sorgte dieser sportpolitische Skandal für entsprechend scharfe Kritik - sowohl unter den Athleten als auch in der internationalen Presse. Das ukrainische Rodel-Team hat sich daraufhin mit Heraskewytsch solidarisiert. Nach ihrem Rennen in der Team-Staffel im Ziel angekommen, knieten sich die Sportler gemeinsam hin und hielten ihre Helme hoch. Außerdem riefen sie unter anderem die Botschaft "Wlad, wir sind bei dir. Ukraine, wir sind bei dir" in die Kamera, was aber kaum zu verstehen war.
"Wir sind stolz auf Wladislaw und seine Tat. Mut zu haben, bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen."
Wolodymyr Selensky, Staatspräsident der Ukraine (seit 2019)
"Man hört, dass der Ton runtergepegelt wurde", sagte Moderator Jochen Breyer in der Olympia-Sendung des ZDF. Der deutsche Ex-Rodler Johannes Ludwig fand es zudem "äußerst fragwürdig, dass in solchen Momenten einem fast das Wort verboten wird". Dabei sorgte die IOC-Entscheidung vor allem in der Ukraine für deutliche Kritik: "Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit, sondern die olympische Bewegung sollte den Krieg stoppen helfen und nicht dem Aggressor zuspielen", betonte der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selensky. Der ukrainische Außenminister Andrij Syhiba sprach zudem von einem "Moment der Schande".
Quelle: WDR aktuell auf Youtube
In der internationalen Presse sorgte die Entscheidung des IOC ebenfalls für heftige Kritik. Für die britische Zeitung The Telegraph sei die "Heuchelei des IOC im ukrainischen Helmskandal empörend. Das IOC hat mit seiner unsinnigen und widersprüchlichen Haltung zu Wladyslaw Heraskewytsch erneut einen Fehler begangen." Für die Sun steht die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry "vor der größten Herausforderung ihrer neunmonatigen Präsidentschaft, da sie mit den Folgen des Ausschlusses von Wladyslaw Heraskewytsch aus dem Skeleton-Wettbewerb zu kämpfen hat". Zudem zeige der Streit, "wie einseitig das IOK die Neutralität interpretiert", ergänzte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).
Selbst in Russland wurde die IOC-Entscheidung zu Heraskewytsch kritisiert: "Warum nach Kompromissen suchen, wenn anerkannt ist, dass Heraskewytsch gegen die Olympische Charta verstoßen hat?" Vielmehr drohe "die derzeitige Vogel-Strauß-Taktik der IOC-Führung, den Prozess der vollständigen Rückkehr Russlands um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zu verzögern", schrieb die russische Zeitung Sport-Ekspress.
"Eine zu restriktive Auslegung der Regel 50 der IOC Charta, darf nicht dazu führen, dass ihre persönliche Meinungsfreiheit pauschal eingeschränkt und damit verhindert wird, dass sie ihre Vorbildwirkung insbesondere auf der größtmöglichen Bühne voll entfalten können."
Johannes Herber, Geschäftsführer der Vereinigung Athleten Deutschland (seit 2019)
Auch der Sportrechtler Antoine Duval vom Asser International Sports Law Center hielt die "präventive Disqualifikation" eine "übertriebene und völlig unverhältnismäßige Entscheidung". Dabei moniert er vor allem die Lücken im IOC-Regelwerk. So gebe "es weder eine Definition für 'angemessene Äußerung' noch für 'Äußerung mit politischer Konnotation'. Es scheint also weitgehend im Ermessen des IOC zu liegen, zu entscheiden, welche Art von Äußerung eine politische Konnotation hat und welche nicht."
"Das IOC war wohl nicht davon überzeugt, dass sie tatsächlich argumentieren könnten, dass es sich hierbei um politische Propaganda handelt. Das hat dann - das ist die Ironie des Falles - die Anwendung der Expression Guidelines ausgelöst. Richtlinien, die eigentlich die Meinungsfreiheit der Athleten schützen sollen, wurden als rechtliche Grundlage genutzt, um die Meinungsfreiheit der Athleten einzuschränken."
Antoine Duval, Sportrechtler am Asser International Sports Law Center
Lediglich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigte Verständnis für den Beschluss des IOC. "Im Wettkampf sind politische Botschaften und solche, die so interpretiert werden können, sinnvollerweise untersagt", erklärte der Verband. Die Vereinigung Athleten Deutschland hielt die Entscheidung hingegen für "falsch" und "unverhältnismäßig". "Von Athletinnen und Athleten wird erwartet, dass sie Vorbilder sind und Werte vermitteln", betonte der Geschäftsführer Johannes Herber in einer Mitteilung.
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Johannes Klæbo kürt sich zum Wintersport-König - Brasilien schreibt Geschichte
Sportlich gab es dennoch einige Highlights für die olympische Ewigkeit - allen voran durch den norwegischen Langlauf-Star Johannes Høsflot Klæbo. Mit fünf Siegen im Gesamtweltcup, neun olympischen Goldmedaillen, 15 Weltmeistertiteln und 107 Weltcupsiegen im Einzel ist er nicht nur der beste Langläufer aller Zeiten. Mit dem Olympiasieg der norwegischen 4x7,5-Kilometer-Staffel hat er auch seine Landsleute Marit Bjørgen, Ole Einar Bjørndalen und Bjørn Dæhlie als bislang erfolgreichster Winterolympionike aller Zeiten überholt.
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Seinen Platz in den olympischen Annalen hat sich auch Lucas Pinheiro Braathen sicher. Mit seinem Olympiasieg gewann der gebürtige Norweger die erste Goldmedaille für Brasilien in der Geschichte der Winterspiele - und damit überhaupt für Südamerika. Das olympische Edelmetall für das südamerikanische Land sei vor allem das Ergebnis von "Talent, Hingabe und kontinuierlicher Arbeit zur Stärkung des Sports in all seinen Dimensionen", schrieb Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf der Plattform X. "Dieses beispiellose Ergebnis zeigt, dass der brasilianische Sport keine Grenzen kennt", betonte er weiter.
Schlechte Stimmung durch "zerrissene Spiele"?
Derweil haderten viele Athleten hingegen mit der schlechten Stimmung und dem mangelnden olympischen Flair. Die Gründe dafür machen die Kritiker vor allem in der strikten Trennung von Sportlern und Fans sowie der Zersplitterung auf mehrere Wettkampfstätten. So erklärte Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund: "Dass die Wettkampforte so aufgesplittet waren, hat das olympische Flair verhindert. Da habe ich mir schon mehr erwartet. In Predazzo habe ich mir gedacht: Es fühlt sich ein bisschen an wie bei einer Weltmeisterschaft" Weltmeisterschaft".
"Wenn ich das einfach für mich persönlich bewerte, mit dem, was ich normalerweise vorfinde, dann sind hier einfach wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Zuschauern, mit Fans. Und das ist doch am Schluss das, was es ausmacht. Es ist absolut steril. Also ich, ganz ehrlich, kann darauf verzichten."
Linus Straßer, deutscher Skirennläufer
Allerdings scheint es dennoch einige olympische Hotspots zu geben wie im Skicross oder beim Eiskunstlauf mit rund 14.000 Zuschauern. In den Bergen sticht vor allem Antholz heraus, wohin zu den Rennen bis zu 20.000 Fans pilgern. Dabei setzen die Organisatoren auf das altbewährte Rezept bei den Weltcup-Rennen: Orte, an denen die Fans gemeinsam feiern können.
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Ernüchterung über die deutsche Olympia-Ausbeute
Gedämpfte Stimmung herrscht im deutschen Lager allerdings auch über die olympische Medaillen-Ausbeute. So liegt das Team D im Medaillenspiegel nicht unter den erwarteten Top Drei. Vor allem in den Trendsportarten und den klassischen Sportarten schneidet Deutschland schlecht ab. Lediglich im Eiskanal regnete es Edelmetall für deutsche Athleten. In den sonstigen sportlichen Hochburgen Biathlon und Langlauf schrammten die Athleten - bis auf wenige Ausnahmen - mit dem undankbaren vierten Platz wiederholt nur knapp an einer Medaille vorbei. Die deutschen Biathleten verzeichneten sogar ihre schlechteste Bilanz bei Olympischen Winterspielen seit 50 Jahren. Auch das Überraschungsgold von Philipp Raimund im Skisprung sorgte lediglich für einen kleinen Lichtblick im deutschen Lager.
"Wir sind die Nation mit den meisten vierten Plätzen. Das schmerzt deswegen, weil diese vierten Plätze irgendwo zwischen Drama und Tragödie abgelaufen sind."
Olaf Tabor, Chef de Mission des Team Deutschland
Olaf Tabor, Chef de Mission des Team Deutschland, zog kurz vor dem Ende der Winterspiele dennoch ein positives Olympia-Fazit. So blicke er mit "Freude, Stolz und einer Prise Ernüchterung" auf die Zeit in Italien zurück: "Stolz deswegen, weil ich mit den gezeigten Leistungen des Team Deutschland sehr gut leben kann. Damit meine ich nicht nur die medaillenträchtigen Ergebnisse sondern auch die, die bei den Plätzen vier bis acht reingekommen sind".
"Es ist keine Katastrophe, wie manche Couchsportler immer sehr gerne sagen. Aber es ist auch keine Glanzleistung", Ich persönlich sage immer, vier ist das neue Platin, weil das ist Weltspitze", kommentierte Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB. Ein vierter Platz sei "frustrierend für den Athleten (...), aber wir müssen hier als Gesellschaft anders damit umgehen", betonte er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Der unabhängige Verein Athleten Deutschland sieht dies hingegen anders und über Kritik am Verband: "Die Diskussion über das Abschneiden im Medaillenspiegel hat erneut die Defizite der Spitzensportförderung offengelegt".
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Die weiten Distanzen bei den Winterspielen werden die Organisatoren jedenfalls auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt auch an der globalen Erderwärmung. "Wir sehen, dass sich die Schwelle für Schneesicherheit in immer höhere Lagen verschiebt, was sich auf die Kapazitäten der Austragungsorte auswirkt. Die Kosten steigen zudem, sodass nur noch wenige Orte Winterspiele ausrichten wollen, wenn wir keinen Plan haben", sagte etwa Johan Eliasch, IOC-Mitglied und Präsident des Ski-Weltverbands FIS.
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So verwundert es derzeit auch nicht, dass die nächsten Winterspiele 2030 in Frankreich unter keinem guten Stern stehen. Während das französische Organisationskomitee rund um Präsident Edgar Grospiron heillos zerstritten ist, machen die Umweltschützer und Kritiker der horrenden Kosten - mit Investitionen von 1,4 Milliarden Euro - öffentlich Front gegen die Spiele. Auch über den langfristigen Nutzen der Olympischen Spiele gibt es geteilte Meinungen. "Was wir aber feststellen können, sind regionale Effekte. Hier wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Jahr des Events und im Jahr vor dem Event mit einer Steigerung von drei bis vier Prozent in der Ausrichterregion versehen", erklärt Timo Zimmermann, Professor der International School of Management (ISM).
Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube
Doch was passiert direkt nach den Spielen mit den Athleten? Trotz aller organisatorischen Unwägbarkeiten ist die Olympia-Teilnahme noch immer das Highlight der eigenen Karriere. Der Alltag danach trifft viele Athleten unerwartet in Form von Leere, Traurigkeit und Schlaflosigkeit über Monate - manchmal sogar Jahre. Und zwar ganz unabhängig davon, ob die sportlichen Ziele erreicht wurden oder nicht.
- ARD-Dokumentation über die Last der Spiele - Druck. Leere. Post-Olympia-Depression?
Dieses Phänomen der emotionalen Leere nennt sich "Post-Olympia-Depression". Laut einer Studie der dänischen Syddansk Universitet aus dem Jahr 2023 litten fast 30 Prozent der befragten Athletinnen und Athleten nach den Olympischen Spielen in Tokio an depressiven Verstimmungen. Sportpsychologe Moritz Anderten von der Deutschen Sporthochschule Köln wird jedenfalls deutlich: Die Post-Olympia-Depression erfüllt die Kriterien einer klinischen Depression. Ob die Verbände und die Trainer künftig zu entsprechenden Nachbetreuungs-Programmen und zu einer psychologischer Begleitung verpflichtet werden, bleibt jedoch abzuwarten.
- ARD Sportschau, ZDF Sportstudio und Deutsche Welle (DW) über die Olympischen Winterspiele 2026
Politik dominiert die Paralympics
Kaum sind die Olympischen Winterspiele beendet, warfen die Paralympics vom 4. bis 15. März 2026 bereits ihre Schatten voraus. In sechs Sportarten wurden Medaillen in insgesamt 79 Wettbewerben vergeben. Dabei wurden 30 Wettkämpfe im Ski alpin, 20 im Skilanglauf, 18 im Biathlon, acht im Snowboard sowie zwei im Rollstuhlcurling und einer im Para-Eishockey stattfinden. Dabei finden 35 Frauen-, 39 Männerwettbewerbe sowie fünf gemischtgeschlechtliche Wettkämpfe statt.
Bereits im Vorfeld der Spiele sorgte allerdings die geplante Teilnahme russischer und belarussischer Athleten für Zündstoff. So hat sich Gastgeber Italien bereits gegen die Entscheidung des IPC gestellt, dass die Sportler aus beiden Ländern bereits bei der Eröffnungsfeier unter eigener Flagge und mit eigener Hymne einlaufen könnten. "Die anhaltende Verletzung des Waffenstillstands sowie der olympischen und paralympischen Ideale durch Russland, unterstützt von Belarus, ist mit der Teilnahme ihrer Athleten unvereinbar, es sei denn als neutrale Einzelathleten", erklärten der italienische Sportminister Andrea Abodi und der Außenminister Antonio Tajani in einer gemeinsamen Erklärung.
"Die italienische Regierung bringt ihre absolute Ablehnung gegenüber der Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees zum Ausdruck, sechs russische und vier belarussische Athleten zur Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Mailand-Cortina 2026 zuzulassen"
Antonio Tajani, Außenminister von Italien (seit 2022)
Bereits im September 2025 hatte das IPC die Sanktionen gegen Russland und Belarus aufgehoben. Der Haken: Die sechs Sportarten im Programm unterliegen jedoch den internationalen Verbänden, welche die Suspendierung der russischen und belarussischen Sportler bisher aufrechterhalten haben.
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Bislang stehen die Zeichen jedenfalls eher auf Konfrontation und nicht auf Entspannung. So will die ukrainische Mannschaft aus Protest gegen die Eröffnungsfeier der Winterspiele boykottieren. "Das ukrainische Paralympics-Team und das Nationale Paralympische Komitee der Ukraine boykottieren die Eröffnungsfeier der 14. Paralympischen Winterspiele und fordern, dass die ukrainische Flagge bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2026 nicht verwendet wird", erklärte das Ukrainische Paralympische Komitee in einer Stellungnahme. Man rufe das IPC auf, "sich an die hohen Ideale der internationalen paralympischen Bewegung zu erinnern und den politischen Einfluss eines Landes zu stoppen, das die Welt in Richtung eines dritten Weltkriegs treibt".
Unterstützung erhielt die Ukraine aus Tschechien: "Wir werden in keiner Weise an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Wir sind mit der Teilnahme von Russland und Belarus an den Spielen nicht einverstanden", teilte das Tschechische Paralympische Komitee mit. Die Vertreter des Estländischen Paralympischen Komitees (EPK) wollen der Eröffnungsfeier, der Schlussfeier und den Empfängen des IPC ebenfalls fernbleiben.
Das IPC betonte indes, es habe noch keine offiziellen Informationen aus der Ukraine und Tschechien bezüglich eines Boykotts erhalten. "Viele Länder, die aus Wettkampfgründen ohnehin nicht vorhatten, jemanden zur Zeremonie zu entsenden, behaupten nun, es handele sich um einen Boykott", erklärte IPC-Sprecher Craig Spence gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Man verstehe, "dass viele Länder mit dieser Entscheidung unzufrieden sind, aber sie wurde im Rahmen eines sehr demokratischen Prozesses getroffen".
Zudem hatten auch Finnland, Polen, Lettland, Litauen und Österreich angekündigt, die Eröffnungsfeier zu boykottieren. Das Nationale Paralympische Komitee Kanadas (CPC) gab bekannt, dass keine kanadischen Athleten bei der Eröffnungsfeier einlaufen werden. Allerdings sei diese Entscheidung jedoch kein Boykott. Auch Frankreich und Großbritannien gaben an, aus sportlichen Gründen nicht an der Zeremonie teilzunehmen. Am Ende waren lediglich 28 Nationen mit ihren Athleten bei der Eröffnungsfeier vertreten.
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Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) will die Eröffnungsfeier ebenfalls boykottieren, weil Sportler aus Russland und Belarus unter ihrer eigenen Flagge einlaufen dürfen. "Vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam beschlossen, dass Team Deutschland Paralympics nicht am Einmarsch der Nationen im Rahmen der Eröffnungsfeier in Verona teilnehmen wird", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Zudem diene die Entscheidung "sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen."
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Insgesamt nehmen 611 Sportler aus 55 Ländern teil. Dies ist ein neuer Rekord. Zudem waren insgesamt 160 Athletinnen in allen sechs Sportarten vertreten sein - ein Plus von 18 Prozent gegenüber den Spielen 2022. Mehr als die Hälfte kommen dabei aus Europa. Aus Afrika waren keine Athleten bei den Winterspielen am Start. Mit El Salvador, Haiti, Montenegro, Nordmazedonien und Portugal nehmen fünf Nationen erstmals teil. Der Iran hatte seine Teilnahme wenige Stunden vor der Eröffnung wegen des anhaltenden Konfliktes im Nahen Osten abgesagt.
Das deutsche Team ist mit 40 Athleten - elf Frauen, 29 Männer und acht Guides - bei den Paralympics 2026 vertreten. Dazu kommen 49 Mitglieder des Funktionsteams. Damit ist es die zweitgrößte deutsche Mannschaft in der Geschichte der Paralympics nach Lillehammer 1994. Allein 20 Athleten feierten bei diesen Spielen ihr Debüt. Das deutsche Team war in fünf von sechs Sportarten vertreten, was ebenfalls ein neuer Rekord ist. Die sportliche Bilanz des deutschen Teams ist allerdings durchwachsen. So belegte die deutsche Mannschaft mit 17 Medaillen (zwei Gold, sechs Silber und neun Bronze) den elften Platz - ein historischer Negativrekord. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) gibt sich jedoch betont zufrieden.
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"Unsere Bilanz fällt positiv aus. Acht Athletinnen und Athleten haben die 17 Medaillen gewonnen, dazu die zahlreichen weiteren Top-Ergebnisse. Das zeigt, dass wir hier ein starkes Team am Start hatten, wenngleich wir uns natürlich noch mehr Platzierungen auf dem Podium und auch Ausreißer nach ganz oben gewünscht hätten", kommentiert Marc Möllmann, Vorstand Leistungssport im DSB und erstmals Chef de Mission des Team D Paralympics in einer Verbandsmitteilung.
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Ungeachtet aller sportlichen Erfolge oder Misserfolge wurden die Winter-Paralympics vor allem von den Diskussionen um die Teilnahme von Russland und Belarus überschattet. "Dass das Politische die Paralympics so überschattet, ist einfach total schade", kommentierte die deutsche Para-Biathletin Linn Kazmeier. "Wir haben diese große, weltweite Bühne nur einmal in vier Jahren und jetzt wird nur über Politik geredet", kritisierte auch die deutsche Handbikesportlerin Andrea Eskau.
- ARD Sportschau und ZDF Sportstudio über die Paralympischen Winterspiele 2026
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