Olympia 2026: Der Wintersport kehrt nach Europa zurück
Es ist lange her, dass die Olympischen Winterspiele in Europa ausgetragen wurden. Erstmals seit zwanzig Jahren ist Italien wieder der Gastgeber für die internationale Wintersportelite. Mit Schauplätzen wie Cortina d’Ampezzo, Mailand, Bormio, Antholz und Livigno verbinden sich für die Athleten wie immer große Hoffnungen. Ganz ohne Kritik und Dissonanzen geht es dann aber doch nicht.
Hinweis in eigener Sache: Der Beitrag wird bis zum Ende der Paralympischen Winterspiele 2026 fortlaufend aktualisiert. |
Allerdings sorgten die Spiele bereits im Vorfeld für gespaltene Gemüter. Während der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti auf eine "gesunde Dosis Doping" für das Wirtschaftswachstum hofft, kritisieren Lokalpolitiker, Umweltschützer und auch Athleten wie Ex-Skiprofi Felix Neureuther die Umweltbelastungen, explodierende Kosten, die räumliche Zerstreuung der Spielorte und fehlende Nachhaltigkeit.
- ARD Dokumentation: Felix Neureuther · Olympia im Wandel?
- Wikipedia über die Bewerbungen für die Winterspiele 2026
- Wikipedia über die Fahnenträger der Eröffnungsfeier
Es würden die "unnachhaltigsten Winterspiele aller Zeiten" drohen, kritisierte die Umweltschutzorganisation Climate Action South Tyrol. Besonders umstritten ist dabei die Bobbahn, die im Wintersportdorf Cortina d’Ampezzo neu gebaut worden ist. Mit 120 Millionen Euro wurde sie erheblich teurer geplant. Der eigentliche Auftrag war ursprünglich für 82 Millionen Euro vergeben worden.
Quelle: Deutsche Welle (DW) auf Youtube
Für heftigen Debatten sorgte im Vorfeld der Spiele auch die Entscheidung der US-Regierung, dass Beamte der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Winterspiele unterstützen soll. Vor allem in Mailand kritisierten Politiker und Kommunalvertreter die Präsenz der US-Behörde. Auch aus Opposition kam deutliche Kritik. Der Grünen-Vorsitzende Angelo Bonelli bezeichnete die US-Einwanderungsbehörde als "Mörderbande".
"Wenn wir in den Alpen sein wollen, können wir nicht alles haben. Alles ist so groß und modern geworden, dass man in den traditionellen Alpen keinen Ort mehr findet, wo alle zusammen sind. Das ist einfach nicht machbar. Ich mag die romantische Vorstellung, wieder in den Alpen zu sein. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass es mehrere Dörfer geben wird. Wir können nicht sagen, wir wollen alles kompakt, aber gleichzeitig die besten Spielfelder nutzen, ohne etwas zu bebauen. Das gibt es nicht."
Christophe Dubi, Direktor des IOC, in einer ARD-Dokumentation über die Olympischen Winterspiele 2026
Das deutsche Olympia-Team ist jedenfalls mit einer Rekord-Teilnehmerzahl am Start. Insgesamt 188 Sportlerinnen und Sportler hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Spiele in Italien nominiert. Dazu gehören auch viele erfahrene Olympiastarter und Medaillengewinner wie Francesco Friedrich, Franziska Preuß, Laura Nolte oder Vinzenz Geiger. "Wir wollen als Wintersportnation vorne dabei sein, denn unsere Athletinnen und Athleten gehören zu den Besten der Welt, aber sie sind keine Maschinen", betont Olaf Tabor, DOSB‑Vorstand Leistungssport und Chef de Mission.
Kritik gab es allerdings an der umstrittene Quotenregel des IOC. "Die Quotenberechnung passt schon seit Jahren nicht, das ist nicht neu. Dass beispielsweise Nationen, die nur einen Fahrer mit Weltcup-Niveau stellen, drei Startplätze bekommen, kann nicht im Sinne des Leistungssports sein", sagte Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbands (DSV). Besonders hart trifft es dabei die Nordische Kombination. Für das Team D sind bei den Spielen von Italien nur noch drei Athleten am Start. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von 2022 waren es noch fünf Teilnehmer.
- ARD Sportschau: Diese internationalen Stars fehlen bei Olympia
- ZDFheute: Das sind die deutschen Gold-Hoffnungen
Erstmals in der olympischen Geschichte fungieren zwei Städte als offizielle Gastgeber. Bei der Eröffnungsfeier wurden daher auch zwei Schalen mit je einem olympischen Feuer entzündet. Außerdem fand die Zeremonie erstmals an vier Orten gleichzeitig statt. Um Reisestrapazen zu vermeiden, wurde zusätzlich zu den Ausrichterstätten in Mailand und Cortina d'Ampezzo auch in Livigno und Predazzo eine Zeremonie mit Athleten aus den teilnehmenden Ländern abgehalten. Schon im Vorfeld der Spiele waren im modebewussten Mailand auch die Outfits bei den Winterspielen ein großes Thema. Dabei sorgte das deutsche Olympia-Dress in den sozialen Medien hingegen für großen Wirbel.
Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube
In den internationalen Medien überwiegen jedenfalls die positiven Stimmen über die Eröffnungsfeier. "Eleganz, Kultur und Geschichte: Bei der Eröffnungsfeier in Mailand zeigt Italien seine beste Seite. Die Show stellt in drei Stunden das Schönste der italienischen Kultur und Tradition vor. Alles funktioniert synchron, wie bei einem Bergchor in Cortina - jeder spielt seine Rolle in voller Harmonie, dem Thema der Eröffnungsfeier", schrieb die italienische Zeitung Corriere dello Sport. Aus Sicht der spanischen Zeitung Marca werde die Zeremonie "in Erinnerung bleiben".
Rund 2.900 Athleten aus 93 Ländern kämpfen in diesen Tagen um die Medaillen. Insgesamt werden 116 Wettbewerbe (54 für Männer, 50 für Frauen und zwölf Mixed-Wettkämpfe) ausgetragen - einem neuen Rekord bei den Winterspielen. Als neue olympische Sportart wurde Skibergsteigen ins Programm aufgenommen. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von Chamonix 1924 waren es nur 16 Wettbewerbe.
Quelle: Statista
Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage bekundeten 40 Prozent der mehr als 2.000 Befragten ihr Interesse an den Spielen. Dabei sehen zehn Prozent in den Winterspielen sogar einen Anlass bzw. eine Motivation, selbst Wintersport zu betreiben. Allerdings hat der Klimawandel auch hier bereits seine Spuren hinterlassen. 55 Prozent der Wintersportler in Deutschland haben ihr Winter-Sportverhalten demnach verändert: 31 Prozent machen weniger Wintersport als früher, 14 Prozent sind auf andere Sportarten umgestiegen und zehn Prozent betreiben Wintersport eher in höher gelegenen Skigebieten. Daher ist auch der Markt für Ski-/Wanderbekleidung und Wintersportartikel rückläufig: Gegenüber 2019 ist der Umsatz im Juni 2025 um knapp von Prozent von 667 auf 609 Millionen Euro zurückgegangen.
Quelle: Statista
Im März 2026 folgen schließlich die Paralympischen Winterspiele für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung. Dabei werden die Medaillen in 79 Wettbewerben - aufgeteilt auf sechs Sportarten - vergeben. Davon werden 30 Wettkämpfe im Ski alpin, 20 im Skilanglauf, 18 im Biathlon, acht im Snowboardfahren, zwei im Rollstuhlcurling und einer im Para-Eishockey stattfinden. Insgesamt werden damit 35 Frauen-, 39 Männerwettbewerbe sowie fünf gemischtgeschlechtliche Wettkämpfe stattfinden.
Weitere Informationen
- ARD Sportschau über die Olympischen Winterspiele 2026
- ZDF Sportstudio über die Olympischen Winterspiele 2026
- Deutsche Welle (DW) über die Olympischen Winterspiele 2026
- Wikipedia über die Olympischen Winterspiele 2026
- Wikipedia über die Paralympischen Winterspiele 2026
- Olympia 2024: Sport bei den Göttern in Frankreich
- Olympische Spiele: Wettkampf zu Ehren der Götter
- Olympische Winterspiele seit 2024 im Überblick



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