Olympia 2026: Der Wintersport kehrt nach Europa zurück

Quelle: Bild von BLazarus auf Pixabay

Es ist lange her, dass die Olympischen Winterspiele in Europa ausgetragen wurden. Erstmals seit zwanzig Jahren ist Italien wieder der Gastgeber für die internationale Wintersportelite. Mit Schauplätzen wie Cortina d’Ampezzo, Mailand, Bormio, Antholz und Livigno verbinden sich für die Athleten wie immer große Hoffnungen. Ganz ohne Kritik und Dissonanzen geht es dann aber doch nicht.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Beitrag wird weiterhin fortlaufend aktualisiert. (Stand: 11.02.2026)

Allerdings sorgten die Spiele bereits im Vorfeld für gespaltene Gemüter. Während der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti auf eine "gesunde Dosis Doping" für das Wirtschaftswachstum hofft, kritisieren Lokalpolitiker, Umweltschützer und auch Athleten wie Ex-Skiprofi Felix Neureuther die Umweltbelastungen, explodierende Kosten, die räumliche Zerstreuung der Spielorte und fehlende Nachhaltigkeit. 

Es würden die "unnachhaltigsten Winterspiele aller Zeiten" drohen, kritisierte die Umweltschutzorganisation Climate Action South Tyrol. Besonders umstritten ist dabei die Bobbahn, die im Wintersportdorf Cortina d’Ampezzo neu gebaut worden ist. Mit 120 Millionen Euro wurde sie erheblich teurer geplant. Der eigentliche Auftrag war ursprünglich für 82 Millionen Euro vergeben worden.

Quelle: Deutsche Welle (DW) auf Youtube

Für heftigen Debatten sorgte im Vorfeld der Spiele auch die Entscheidung der US-Regierung, dass Beamte der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Winterspiele unterstützen soll. Vor allem in Mailand kritisierten Politiker und Kommunalvertreter die Präsenz der US-Behörde. Auch aus Opposition kam deutliche Kritik. Der Grünen-Vorsitzende Angelo Bonelli bezeichnete die US-Einwanderungsbehörde als "Mörderbande".

"Wenn wir in den Alpen sein wollen, können wir nicht alles haben. Alles ist so groß und modern geworden, dass man in den traditionellen Alpen keinen Ort mehr findet, wo alle zusammen sind. Das ist einfach nicht machbar. Ich mag die romantische Vorstellung, wieder in den Alpen zu sein. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass es mehrere Dörfer geben wird. Wir können nicht sagen, wir wollen alles kompakt, aber gleichzeitig die besten Spielfelder nutzen, ohne etwas zu bebauen. Das gibt es nicht."

Christophe Dubi, Direktor des IOC, in einer ARD-Dokumentation über die Olympischen Winterspiele 2026

Das deutsche Olympia-Team ist jedenfalls mit einer Rekord-Teilnehmerzahl am Start. Insgesamt 188 Sportlerinnen und Sportler hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Spiele in Italien nominiert. Dazu gehören auch viele erfahrene Olympiastarter und Medaillengewinner wie Francesco FriedrichFranziska PreußLaura Nolte oder Vinzenz Geiger. "Wir wollen als Wintersportnation vorne dabei sein, denn unsere Athletinnen und Athleten gehören zu den Besten der Welt, aber sie sind keine Maschinen", betont Olaf Tabor, DOSB‑Vorstand Leistungssport und Chef de Mission. 

Kritik gab es allerdings an der umstrittene Quotenregel des IOC. "Die Quotenberechnung passt schon seit Jahren nicht, das ist nicht neu. Dass beispielsweise Nationen, die nur einen Fahrer mit Weltcup-Niveau stellen, drei Startplätze bekommen, kann nicht im Sinne des Leistungssports sein", sagte Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbands (DSV). Besonders hart trifft es dabei die Nordische Kombination. Für das Team D sind bei den Spielen von Italien nur noch drei Athleten am Start. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von 2022 waren es noch fünf Teilnehmer. 

Erstmals in der olympischen Geschichte fungieren zwei Städte als offizielle Gastgeber. Bei der Eröffnungsfeier wurden daher auch zwei Schalen mit je einem olympischen Feuer entzündet. Außerdem fand die Zeremonie erstmals an vier Orten gleichzeitig statt. Um Reisestrapazen zu vermeiden, wurde zusätzlich zu den Ausrichterstätten in Mailand und Cortina d'Ampezzo auch in Livigno und Predazzo eine Zeremonie mit Athleten aus den teilnehmenden Ländern abgehalten. Schon im Vorfeld der Spiele waren im modebewussten Mailand auch die Outfits bei den Winterspielen ein großes Thema. Dabei sorgte das deutsche Olympia-Dress in den sozialen Medien hingegen für großen Wirbel.

Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube

In den internationalen Medien überwiegen jedenfalls die positiven Stimmen über die Eröffnungsfeier. "Eleganz, Kultur und Geschichte: Bei der Eröffnungsfeier in Mailand zeigt Italien seine beste Seite. Die Show stellt in drei Stunden das Schönste der italienischen Kultur und Tradition vor. Alles funktioniert synchron, wie bei einem Bergchor in Cortina - jeder spielt seine Rolle in voller Harmonie, dem Thema der Eröffnungsfeier", schrieb die italienische Zeitung Corriere dello Sport. Aus Sicht der spanischen Zeitung Marca werde die Zeremonie "in Erinnerung bleiben".

Rund 2.900 Athleten aus 93 Ländern kämpfen in diesen Tagen um die Medaillen. Insgesamt werden 116 Wettbewerbe (54 für Männer, 50 für Frauen und zwölf Mixed-Wettkämpfe) ausgetragen - einem  neuen Rekord bei den Winterspielen. Als neue olympische Sportart wurde Skibergsteigen ins Programm aufgenommen. Zum Vergleich: Bei den Winterspielen von Chamonix 1924 waren es nur 16 Wettbewerbe.

Quelle: Statista

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Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage bekundeten 40 Prozent der rund 1.300 Befragten ihr Interesse an den Spielen.  Dabei sehen zehn Prozent in den Winterspielen sogar einen Anlass bzw. eine Motivation, selbst Wintersport zu betreiben. Der Klimawandel hat allerdings auch hier bereits seine Spuren hinterlassen. 55 Prozent der Wintersportler in Deutschland haben ihr Winter-Sportverhalten demnach verändert: 31 Prozent machen weniger Wintersport als früher, 14 Prozent sind auf andere Sportarten umgestiegen und zehn Prozent betreiben Wintersport eher in höher gelegenen Skigebieten. Daher ist auch der Markt für Ski-/Wanderbekleidung und Wintersportartikel rückläufig: Gegenüber 2019 ist der Umsatz im Juni 2025 um knapp von Prozent von 667 auf 609 Millionen Euro zurückgegangen.

Quelle: Statista

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Die sportlichen Highlights der Spiele

Sportliche Höhenflüge und Tragödien gehören mittlerweile zur DNA der Spiele. Bereits zu Beginn schockte Superstar Lindsey Vonn mit einem schweren Sturz die internationale Skiwelt. Trotz einer Teilprothese im rechten Knie, mit einem frischen Kreuzbandriss und einem kaputten Meniskus im linken Knie kehrte die 41-jährige US-Amerikanerin noch einmal aus der sportlichen Rente zurück. Bereits nach 13 Sekunden fand ihr neuerliche Goldtraum aber sein jähes Ende. Nach eigenen Angaben erlitt sie einen "komplexen Schienbeinbruch". Allerdings sei die Verletzung "derzeit stabil", auch wenn es "aber mehrere Operationen erfordern" werde, "um richtig zu heilen".

Die Bestürzung auf die dramatischen Ereignisse waren dennoch groß. Dementsprechend fielen auch die internationalen Pressestimmen aus. "Sie wollte Gold - trotz eines Kreuzbandrisses, aber ihr Angriff endete in einem echten Drama", kommentiert die ARD Sportschau. "Sie träumte davon, noch einmal bei Olympischen Spielen ganz oben zu stehen. Doch die Olympia-Abfahrt auf der Tofana dauert für Lindsey Vonn gerade mal 13 Sekunden - und endet in einem Alptraum", schreibt die Bild.

Quelle: Eurosport Deutschland auf Youtube

Und Eurosport Spanien kommentierte: "Lindsey Vonn trotzte jeder Logik in einem letzten riskanten Kampf, der tragisch endete. Mit 41 Jahren und einem Kreuzbandriss riskierte die Skilegende ihr Leben für olympischen Ruhm". Auch wenn Vonn ein Karriereende offenließ, scheint die Entscheidung dennoch gefallen zu sein. Nach Meinung ihres Vaters sollte die US-Amerikanerin ihre Laufbahn endgültig beenden. "Sie ist 41 Jahre alt, und das ist das Ende ihrer Karriere", sagte Alan Kildow der Nachrichtenagentur AP.

"Solange ich da noch ein Wörtchen mitzureden habe, wird Lindsey Vonn keine Skirennen mehr fahren."

Alan Kildow, Vater von Lindsey Vonn

An ihre Kritiker hatte Vonn allerdings eine ebenso klare Botschaft: "Mein Kreuzbandriss und andere Verletzungen aus der Vergangenheit hatten nichts damit zu tun. Auch wenn es nicht so geendet ist, wie ich es erhofft hatte, sondern mit massiven Schmerzen für mich: Ich bereue nichts." Bleibt der Vollständigkeit halber zu erwähnen, dass auch die andorranische Skiläuferin Cande Moreno mit einem Kreuzbandriss im linken Knie ins Krankenhaus geflogen werden musste.

Für Probleme sorgten zu Beginn der Spiele allerdings auch die olympischen Medaillen. Bei mehreren Athleten waren sie während ihrer Jubelaktionen vom Band gerissen. Andrea Francisi, der Chief Games Operations Officer, betonte aber, man sei sich der Materialprobleme "bewusst". Nun kündigte das IOC eine Lösung an. So fühle man sich "verpflichtet, dass die Medaillen die höchsten Qualitätsstandards erfüllen".

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Veröffentlicht am 06.02.2026
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