Zugriff auf die Arktis: Wem gehört Grönland?
Grönland ist die größte Insel der Welt. Politisch gehört "Kalaallit Nunaat" - so die amtliche Bezeichnung - zum Königreich Dänemark, ist aber innenpolitisch autonom. US-Präsident Donald Trump hat allerdings bereits seit längerem ein Auge auf das arktische Gebiet geworfen. Auch auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos war die Krise um Grönland eines der beherrschenden Themen.
Begründet hat er sein Vorhaben wiederholt mit der "absoluten Notwendigkeit" für die USA, die Insel zu besitzen. Dies sei "im Interesse der nationalen Sicherheit und der Freiheit in der Welt", so Trump. Die tatsächlichen Gründe liegen aber eher auf wirtschaftlichem Gebiet. So verfügt Grönland über zahlreiche Rohstoffe.
"Wir brauchen Grönland, absolut. Wir brauchen es zur Verteidigung"
Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) (2017-2021 und seit 2025)
Ein Großteil davon ist allerdings unter einer dicken Eisschicht verborgen, die durch den Klimawandel jedoch allmählich abnimmt. Nach Angaben der Europäischen Kommission gibt es unter der Eisschicht 25 von 34 Rohstoffen, die von strategischer Bedeutung sind - darunter unter anderem seltene Erden, Gold, Eisenerz, Zink, Platin, Lithium und Uran.
- Wirtschaftswoche (WiWo) über den Grönland-Konflikt: Warum will Donald Trump Grönland kaufen?
- Deutsche Welle (DW) über die Geschichte Grönlands: Von den Wikingern bis zu Trump
Um sein Ziel zu erreichen, gibt es derzeit mehrere Szenarien. Diese reichen von einer militärischen Übernahme über einen Kauf und ein Referendum über einen Anschluss bis hin zu einer stärkeren militärischen Präsenz in der Arktis. "Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen", betonte die US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt bereits Anfang Januar 2026. Dabei stehe "dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung". Konkret wurde sie dabei aber nicht.
"Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann ist alles vorbei."
Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark (seit 2019)
In einer gemeinsamen Erklärung haben sich sieben große europäische Länder auf die Seite Dänemarks und Grönlands gestellt. Dabei betonten die Unterzeichner die große Bedeutung der in der UN-Charta festgehaltenen Prinzipien der Souveränität, territorialen Integrität und Unverletzlichkeit der Grenzen. Auch die skandinavischen Länder haben sich klar hinter Dänemark gestellt. "Grönland ist ein integraler Teil des Königreichs Dänemark. Norwegen steht in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemarks", betonte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre.
"Niemand entscheidet für Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark selbst."
Alexander Stubb, Staatspräsident von Finnland (seit 2024)
Auch ein Kauf der Insel durch die USA scheint nicht ganz unrealistisch zu sein. Bereits 1946 sollen die Vereinigten Staaten Gold im Wert von 100 Gold Millionen US-Dollar angeboten haben. Zu einem Kauf ist es bekanntlich aber nicht gekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters soll jüngst Summen zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Einwohner im Gespräch gebracht haben, um die Einwohner Grönlands von einem Kauf zu überzeugen. Allerdings haben die dänische und die grönländische Regierung diese Avancen bereits abgelehnt.
"Ich fordere die USA [...] dringend auf, die Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk einzustellen, die sehr deutlich gesagt haben, dass sie nicht zum Verkauf stehen."
Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark (seit 2019)
Grönland selbst hat jedenfalls die Forderungen der USA scharf zurückgewiesen. "Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien. Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen", erklärte der grönländische Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen auf Facebook. Dies müsse allerdings "über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen".
Die grönländischen Parteien haben sich in einer gemeinsamen Erklärung den Gebetsanspruch Trumps ebenfalls vehement abgelehnt. "Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein", heißt es darin. "Die Zukunft Grönlands muss von den Grönländern bestimmt werden. Kein anderes Land darf sich einmischen. Wir müssen selbst über die Zukunft unseres Landes entscheiden, ohne Druck zugunsten einer voreiligen Entscheidung, ohne Aufschub und ohne Einmischung anderer Länder", heißt es weiter.
- ZDFheute über Grönland: Was ein Angriff für die NATO bedeuten würde
- ZDFheute: Wie sich Grönland gegen amerikanische Kauf-Ambitionen wehrt
Auch in der US-amerikanischen Öffentlichkeit scheint es mehrheitlich keine Zustimmung keine Trumps Pläne für eine Übernahme Grönlands zu geben. Laut einer Yougov-Umfrage im Auftrag des Economist lehnen 68 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner eine gewaltsame Übernahme Grönlands durch die USA ab. Nur acht Prozent haben sprachen sich dafür aus. Selbst bei den Republikanern stößt die Idee auf breite Ablehnung: Nur 17 Prozent haben sich dafür dafür ausgesprochen. 47 Prozent gaben an, sie seien dagegen.
Auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos hat Trump den Konflikt um Grönland - zumindest rhetorisch - entschärft. So wolle er auf Strafzölle gegen die europäischen Länder als zusätzliches Druckmittel zu verzichten. Vielmehr kündigte er ein mögliches Abkommen über die arktische Insel an. Wie es aus Delegationskreisen hieß, soll der Grönland-Vertrag von 1951 über eine US-Militärpräsenz neu verhandelt werden. Dabei soll auch das geplante US-Raketenabwehrsystem "Golden Dome" berücksichtigt werden. Außerdem sollen ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen Ländern in Grönland erhalten.
"Wir haben eine klare rote Linie. Wir werden die Souveränität über Teile des Königreichs nicht abtreten."
Troels Lund Poulsen, Verteidigungsminister von Dänemark (seit 2023)
Die New York Times berichtete zudem unter Berufung auf Regierungskreise, dass Dänemark den Vereinigten Staaten die Souveränität über kleine Gebiete Grönlands für ihre Militärstützpunkte übertragen könnte. Dabei pochte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf die volle Souveränität des skandinavischen Landes: "Wir können über alle politischen Aspekte verhandeln: Sicherheit, Investitionen, Wirtschaft. Aber wir können nicht über unsere Souveränität verhandeln". Für US-Präsident Trump scheint jedenfalls jetzt schon klar zu sein: "Es ist ein Deal für die Ewigkeit."
Weitere Informationen
- Wikipedia über die Beziehungen zwischen Grönland und den USA
- Wikipedia-Portale über Grönland und Dänemark
- ARD-Thema, ZDF-Thema und DW-Thema über Grönland
- Die Enklaven der Europäischen Union (EU)


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