Fußball-WM 2026: Umstrittenes Mammutturnier in Nordamerika
Es ist eine Weltmeisterschaft der Superlative, die bereits Monate vor dem offiziellen Anstoß für Kritik stößt. Nicht nur, dass das Teilnehmerfeld mit nunmehr 48 teilnehmenden Ländern eher skeptisch gesehen wird. Auch die Teilnahme des Iran und die große Hitze im Sommer sind ein Thema.
Hinweis in eigener Sache: Dieser Text wird bis Ende Juli 2026 kontinuierlich ergänzt und aktualisiert. (Stand: 10.05.2026) |
Das Turnier in Nordamerika ist gleich in zweierlei Hinsicht ein Novum. Erstmals in der Geschichte wird eine WM in gleich drei Ländern gleichzeitig ausgerichtet. Als Co-Gastgeber sind Kanada, Mexiko und die USA bereits automatisch für das Turnier qualifiziert. Erstmals in der WM-Geschichte nehmen 48 Mannschaften an einer Endrunde teil. Mit Curaçao, Jordanien, Kap Verde und Usbekistan nehmen gleich vier Neulinge an einem WM-Turnier teil.
Spannungen rund um den Iran
Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sorgte die Qualifikation des Iran jedoch für Spannungen. Anfang Mai 2026 konkretisierte die Islamische Republik ihre Bedingungen für eine WM-Teilnahme: So müsse die FIFA verhindern, dass sich US-Präsident Donald Trump in sportliche Angelegenheiten der WM einmische. Da sich der Iran sportlich qualifiziert, sei er "nicht auf dem Niveau, darüber zu entscheiden, ob wir an der Weltmeisterschaft teilnehmen dürfen oder nicht", erklärte der iranische Verbandschef Mehdi Tadsch.
Daneben wolle der Iran unter anderem sicherstellen, dass es bei den Spielen keine politischen Kommentare gegen die Mannschaft oder den Verband gebe. Außerdem müssten die offizielle Flagge des Iran - und nicht die nationale Flagge der Opposition - gehisst werden. Den Spielern sowie dem Trainerstab und den Funktionären sollte außerdem umfassende Sicherheit garantiert werden.
"Das muss uns die FIFA zusichern, und nur unter diesen Bedingungen werden wir teilnehmen."
Mehdi Tadsch, Chef des iranischen Fußballverbandes (FFIRI)
Trump selbst stichelte vor wenigen Tagen jedenfalls erneut gegen den Iran: "Haben sie wirklich eine gute Mannschaft? Das ist schwer zu glauben, ehrlich gesagt, aber ich denke, wir sollten sie spielen lassen", sagte er im Oval Office. Dennoch fände er es "okay", wenn der Iran bei der WM spielen würde. "Das Problem mit Iran wären nicht die Sportler. Es wären einige der anderen Leute, die sie mitbringen wollen", so Trump.
FIFA-Präsident Gianni Infantino stellte beim jüngsten Kongress des Weltfußballerbandes in Vancouver klar: "Für diejenigen, die vielleicht etwas anderes sagen oder etwas anderes schreiben wollen: Iran wird selbstverständlich an der WM 2026 teilnehmen. Und selbstverständlich wird Iran in den USA spielen". Der Grund dafür sei "ganz einfach: Wir vereinen. Wir müssen die Menschen zusammenbringen. Das ist meine Verantwortung. Das ist unsere Verantwortung."
Einem Ansinnen der Islamischen Republik hat die FIFA bereits vor einigen Wochen eine klare Absage erteilt: Der Iran muss seine drei Vorrundenspiele wie geplant in den USA austragen. "Die FIFA entschied [...], dass die Spiele nicht von ihren ursprünglichen Austragungsorten verlegt werden können", sagte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum im April 2026.
Soll die WM boykottiert werden?
Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sowie der innenpolitischen Geschehnisse in den USA hält sich die Vorfreude auf die WM in Nordamerika eher in Grenzen. Bereits Anfang Februar 2026 hatte DFB-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich eine Debatte über den Umgang mit der Fußball-WM in den USA und einen möglichen Boykott Deutschlands entfacht. "Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist etwas, das ich anstoßen wollte", erklärte er in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).
Der Deutsche Fußballbund (DFB) ging allerdings recht schnell auf Distanz zu Göttlichs Äußerungen. "Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind, glaube ich, sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Vielmehr sei es "eine Stellungnahme eines einzelnen Vertreters, in der Tat aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden".
Auch DFL-Chef Hans-Joachim Watzke kritisierte die Debatte: "Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren. Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze." Auch in der Bevölkerung scheint ein Boykott eher kein Thema zu sein. Laut einer Statista-Umfrage halten es 54 Prozent der rund 1.000 Befragten für unwahrscheinlich, dass sie FIFA-WM 2026 boykottieren werden. Etwa 21 Prozent vertreten die gegensätzliche Position und 20 Prozent sind in dieser Frage unentschieden.
Quelle: Statista
Allerdings hält sich laut Statista das WM-Interesse im Gastgeberland USA eher in Grenzen. Demnach wollen sich nur 34 Prozent der rund 1.000 Befragten die WM-Spiele im Fernsehen oder als Stream ansehen. Zum Vergleich: In Großbritannien wollen sich 59 Prozent die Spiele anschauen. In Deutschland sind es immerhin 51 Prozent der Befragten. Die Chancen, ein Spiel vor Ort anzuschauen scheinen jedoch sehr gering zu sein.
Quelle: Statista
Bereits im Januar 2026 berichtete der Kicker von über 500 Millionen Ticketanfragen. Demnach kamen die meisten Anfragen aus den Gastgeberländern Kanada, Mexiko und den USA. Deutschland lag demnach auf Platz vier - gefolgt von England, Brasilien, Spanien, Portugal, Argentinien und Kolumbien.
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Wie schneidet Deutschland ab?
In Deutschland scheint der sportliche Blick auf die WM jedenfalls eher gemischt zu sein. Das DFB-Team gehört jedenfalls nach dem jetzigen Stand nicht zu den Top-Favoriten des Turnieres. Zu denen gehören Experten zufolge eher der amtierende Europameister Spanien, Vize-Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Argentinien. Allerdings dominieren gerade ganz andere Themen die Berichterstattung rund um die deutsche Elf. Neben den verletzungsbedingten Ausfall von Serge Gnabry beschäftigen sich die heimischen Medien vor allem mit der Frage, ob Manuel Neuer mit seinen 40 Jahren noch einmal für die Nationalmannschaft reaktiviert werden oder ob Oliver Baumann als Nummer eins im Tor ins Turnier gehen soll. Immerhin: Der Termin für die Kadervergabe wurde nach Angaben des Deutschen Fußballbundes (DFB) nun vom 12. auf den 21. Mai 2026 verschoben worden. Außerdem beginne das Trainingslager in Herzogenaurach erst am 27. Mai 2026 - und damit zwei Tage später als geplant.
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Sicher ist bislang nur, dass 52 Hauptschiedsrichter bei der WM 2026 pfeifen werden - darunter auch der 45-jährige Felix Zwayer. Daneben wurden auch seine Assistenten Robert Kempter und Christian Dietz berufen. Bastian Dankert ist als einziger DFB-Offizieller als Video-Assistent dabei. "Die Nominierten haben durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und sind dafür zu Recht belohnt worden", betonte DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher.
WM wieder ohne Italien
In Italien ist man in diesen Tagen allerdings weit entfernt von solchen Gedanken. Bereits zum dritten Mal in Folge hat sich die "Squadra Azzura" nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Laut einem Bericht der Financial Times hatte jüngst Paolo Zampolli, Sonderbeauftragter für globale Partnerschaften im Auftrag der US-Regierung, den Vorschlag unterbreitet, "dass Italien den Iran bei der WM ersetzt. Mit vier Titeln haben sie die Reputation, die eine Aufnahme rechtfertigt".
Die Turnierregularien der FIFA sehen derzeit keine konkreten Regeln für den Fall vor, dass ein Teilnehmerland absagt oder ausgeschlossen wird. "Die FIFA kann beschließen, den betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverband durch einen anderen Verband zu ersetzen", heißt es lediglich.
"Wichtig ist, dass man jetzt den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen, um den Fußball in Italien zu revolutionieren."
Valentina Maceri, ehemalige deutsch-italienische Fußballspielerin und heutige Sportjournalistin
Der ehemalige italienische Fußballprofi und Weltmeister von 1982, Fulvio Collovati, bezeichnete diese Pläne hingegen als "demütigend". So hätten manche Leute "diese Ideen eher auf politischer als auf sportlicher Ebene vorangetrieben. Ehrlich gesagt habe ich sie nie auch nur in Betracht gezogen." Vielmehr wäre es aus "sportlicher Sicht demütigend. Im Sport zählen das Spielfeld und das Ergebnis. Man kann nicht über Abkürzungen dorthin gelangen."
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Außerdem sei es "kein Zufall", dass sich Italien "für die letzten drei Weltmeisterschaften nicht qualifiziert habe". Zuvor sei die man "zweimal in Folge in der ersten Runde ausgeschieden. Es ist eine Krise, die seit 20 Jahren andauert, seit 2006. Bevor wir daran denken, zur Weltmeisterschaft zugelassen zu werden, müssen wir über Reformen nachdenken", betonte Collovati.
Quelle: Manu Thiele auf Youtube
Deutliche Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino
Neben sportlichen Aspekten dominieren allerdings auch politische Themen die bevorstehende Weltmeisterschaft. So hat die Menschenrechtsorganisation FairSquare eine Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino eingereicht. Anlass sei der neu eingeführte sogenannte Friedenspreis, den Infantino im Rahmen der WM-Auslosung im Dezember 2025 an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte. Unterstützung erhält FairSquare dabei auch vom norwegischen Fußballverband.
"Es geht darum, dass die FIFA durch ihren Präsidenten gegen die Regeln der politischen Neutralität verstoßen hat, indem sie diesen Friedenspreis verliehen hat. Wir bitten die Ethikkommission, dies zu prüfen", erklärte NF-Präsidentin Lise Klaveness. Demnach stehe der norwegische Verband der generellen Einführung dieses Friedenspreises "kritisch gegenüber. Er hatte keine Verankerung im FIFA-Kongress. Er hat keine Legitimität und liegt eindeutig außerhalb des Mandats der FIFA. Es ist ein schwerwiegender Verstoß, dass ein politischer Preis ohne Verankerung eingeführt wird".
"In den USA kann man sich kein College-Spiel ansehen - ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten Niveau - für weniger als 300 Dollar. Und das ist die Weltmeisterschaft."
Gianni Infantino, Präsident der FIFA (seit 2016)
Deutliche Kritik gibt es darüber hinaus auch an den horrenden Ticketpreisen. So kostet die günstigste Karte auf der FIFA-Verkaufsseite derzeit 1.940 US-Dollar (rund 1.650 Euro). Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite des Weltfußballverbandes sind die Tickets derzeit für mindestens 1.150 US-Dollar (980 Euro) zu erwerben. FIFA-Präsident Infantino hatte die Preise jedoch verteidigt. "Wir müssen den Markt betrachten - wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden", sagte er Anfang Mai 2026 bei der Milken Institute Global Conference in Beverly Hills.
"Die FIFA ist im Moment eine Diktatur. Alles, was der Präsident sagt, wird gemacht. Und alles andere wird zum Schweigen gebracht."
Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)
Zu allem Überfluss setzte ausgerechnet Infantinos Amtsvorgänger Sepp Blatter dem Ganzen noch die ultimative Krone auf. In einem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ließ er 90-jährige Schweizer praktisch kein gutes Haar an Infantino. "Der Präsident, der jetzt da ist, der redet nur noch mit Staatschefs, reist mit Jets um die Welt und hat vergessen, dass die Essenz der FIFA das Spiel ist", monierte Blatter. Offenen Widerspruch gegen Infantinos Kurs sieht Blatter hingegen kaum.
Kritisch sieht Blatter dabei auch die mangelnde Nachhaltigkeit bei der WM 2026 in Nordamerika. "Diese WM, die jetzt da kommt, da schert sich niemand um Nachhaltigkeit. Wenn ich noch da wäre, wäre das nicht passiert", konstatiert Blatter. Dabei gehört der einstige Fußballfunktionär selbst nicht gerade zu den eifrigsten Nachhaltigkeitsbefürwortern: "Ich war immer der Fußballer, ich war nicht ein Verfechter von Nachhaltigkeit".
Bemerkenswert ist dabei aber vor allem, dass ausgerechnet Blatter selbst während seiner Amtszeit auch nicht gerade für seine Transparenz berühmt war. So stand Blatter - auch verbandsintern - regelmäßig für finanzielles Missmanagement in der Kritik. Außerdem wird ihm vorgeworfen, ein System in der FIFA geschaffen oder zumindest geduldet zu haben, in dem sich die Korruption ausgebreitet hat. So wurden unter seiner Präsidentschaft zahlreiche FIFA-Funktionäre wegen Bestechung und Geldwäsche angeklagt oder verurteilt. Dabei soll er korrupte Funktionäre lange geschützt haben, solange diese ihn politisch unterstützten. Vor allem die Vergabe der Weltmeisterschaften lösten dabei massive Kritik aus. Dabei wurden der FIFA eine mangelnde Transparenz, eine mögliche politische Einflussnahme sowie eine mutmaßliche Bestechung im Umfeld der Vergabe kritisiert.
"Es geht nur noch ums Geld und nicht mehr um das Spiel. Von der FIFA, wie sie ist, bin ich enttäuscht."
Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)
Außerdem galt Blatter als äußerst geschickter Machtpolitiker. Dabei wird im vorgeworfen, kleinere Fußballverbände durch Fördergelder politisch an sich gebunden zu haben. Zudem soll er Entwicklungsprogramme strategisch eingesetzt haben, um seine Wiederwahlen zu sichern. Außerdem soll er die FIFA wie ein persönliches Machtzentrum geführt haben. Seine Kritiker werfen ihm daher vor, ein Patronage-System etabliert zu haben. Wenige Monate nach seinem Rücktritt im Juni 2015 wurde Blatter schließlich von der FIFA-Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung für acht Jahre für alle Tätigkeiten rund um den Fußball gesperrt. Zudem wurde eine Geldstrafe von 50.000 Franken gegen ihn verhängt. Im Februar 2016 hatte ein Berufungsgericht die Sperre jedoch auf sechs Jahre verkürzt.
Hintergrundinformationen
- Wikipedia über die Fußball-Weltmeisterschaft 2026
- ARD Sportschau und ZDF Sportstudio über die WM 2026
Weitere Informationen





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