Fußball-WM 2026: Umstrittenes Mammutturnier in Nordamerika

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Es ist eine Weltmeisterschaft der Superlative, die bereits Monate vor dem offiziellen Anstoß für Kritik stößt. Nicht nur, dass das Teilnehmerfeld mit nunmehr 48 teilnehmenden Ländern eher skeptisch gesehen wird. Auch die Teilnahme des Iran und die große Hitze im Sommer sind ein Thema.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Text wird bis Ende Juli 2026 kontinuierlich ergänzt und aktualisiert. (Stand: 12.06.2026)

Das Turnier in Nordamerika ist gleich in zweierlei Hinsicht ein Novum. Erstmals in der Geschichte wird eine WM in gleich drei Ländern gleichzeitig ausgerichtet. Als Co-Gastgeber sind Kanada, Mexiko und die USA bereits automatisch für das Turnier qualifiziert. Erstmals in der WM-Geschichte nehmen 48 Mannschaften an einer Endrunde teil. Mit Curaçao sowie mit Jordanien, Kap Verde und Usbekistan nehmen gleich vier Neulinge an einem WM-Turnier teil.

Spannungen rund um den Iran

Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sorgte die Qualifikation des Iran jedoch für Spannungen. Anfang Mai 2026 konkretisierte die Islamische Republik ihre Bedingungen für eine WM-Teilnahme: So müsse die FIFA verhindern, dass sich US-Präsident Donald Trump in sportliche Angelegenheiten der WM einmische. Da sich der Iran sportlich qualifiziert, sei er "nicht auf dem Niveau, darüber zu entscheiden, ob wir an der Weltmeisterschaft teilnehmen dürfen oder nicht", erklärte der iranische Verbandschef Mehdi Tadsch. 

Daneben wolle der Iran unter anderem sicherstellen, dass es bei den Spielen keine politischen Kommentare gegen die Mannschaft oder den Verband gebe. Außerdem müssten die offizielle Flagge des Iran - und nicht die nationale Flagge der Opposition - gehisst werden. Den Spielern sowie dem Trainerstab und den Funktionären sollte außerdem umfassende Sicherheit garantiert werden.

"Das muss uns die FIFA zusichern, und nur unter diesen Bedingungen werden wir teilnehmen."

Mehdi Tadsch, Präsident des iranischen Fußballverbandes (FFIRI) 

Trump selbst stichelte vor wenigen Tagen jedenfalls erneut gegen den Iran: "Haben sie wirklich eine gute Mannschaft? Das ist schwer zu glauben, ehrlich gesagt, aber ich denke, wir sollten sie spielen lassen", sagte er im Oval Office. Dennoch fände er es "okay", wenn der Iran bei der WM spielen würde. "Das Problem mit Iran wären nicht die Sportler. Es wären einige der anderen Leute, die sie mitbringen wollen", so Trump.

FIFA-Präsident Gianni Infantino stellte beim jüngsten Kongress des Weltfußballerbandes in Vancouver klar: "Für diejenigen, die vielleicht etwas anderes sagen oder etwas anderes schreiben wollen: Iran wird selbstverständlich an der WM 2026 teilnehmen. Und selbstverständlich wird Iran in den USA spielen". Der Grund dafür sei "ganz einfach: Wir vereinen. Wir müssen die Menschen zusammenbringen. Das ist meine Verantwortung. Das ist unsere Verantwortung."

Einem Ansinnen der Islamischen Republik hat die FIFA allerdings bereits vor einigen Wochen eine klare Absage erteilt: Der Iran muss seine drei Vorrundenspiele wie geplant in den USA austragen. "Die FIFA entschied [...], dass die Spiele nicht von ihren ursprünglichen Austragungsorten verlegt werden können", sagte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum im April 2026.

Soll die WM boykottiert werden?

Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sowie der innenpolitischen Geschehnisse in den USA hält sich die Vorfreude auf die WM in Nordamerika eher in Grenzen. Bereits Anfang Februar 2026 hatte DFB-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich eine Debatte über den Umgang mit der Fußball-WM in den USA und einen möglichen Boykott Deutschlands entfacht. "Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist etwas, das ich anstoßen wollte", erklärte er in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).

Der Deutsche Fußballbund (DFB) ging allerdings recht schnell auf Distanz zu Göttlichs Äußerungen. "Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind, glaube ich, sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Vielmehr sei es "eine Stellungnahme eines einzelnen Vertreters, in der Tat aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden".

Auch DFL-Chef Hans-Joachim Watzke kritisierte die Debatte: "Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren. Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze." Auch in der Bevölkerung scheint ein Boykott eher kein Thema zu sein. Laut einer Statista-Umfrage halten es 54 Prozent der rund 1.000 Befragten für unwahrscheinlich, dass sie FIFA-WM 2026 boykottieren werden. Etwa 21 Prozent vertreten die gegensätzliche Position und 20 Prozent sind in dieser Frage unentschieden.

Quelle: Statista

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Allerdings hält sich laut Statista das WM-Interesse im Gastgeberland USA eher in Grenzen. Demnach wollen sich nur 34 Prozent der rund 1.000 Befragten die WM-Spiele im Fernsehen oder als Stream ansehen. Zum Vergleich: In Großbritannien wollen sich 59 Prozent die Spiele anschauen. In Deutschland sind es immerhin 51 Prozent der Befragten. Die Chancen, ein Spiel vor Ort anzuschauen scheinen jedoch sehr gering zu sein. 

Quelle: Statista

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Bereits im Januar 2026 berichtete der Kicker von über 500 Millionen Ticketanfragen. Demnach kamen die meisten Anfragen aus den Gastgeberländern Kanada, Mexiko und den USA. Deutschland lag demnach auf Platz vier - gefolgt von England, Brasilien, Spanien, Portugal, Argentinien und Kolumbien.

Quelle: ARD Tagesschau auf Youtube

Wie schneidet Deutschland ab?

In Deutschland scheint der sportliche Blick auf die WM jedenfalls eher gemischt zu sein. Das DFB-Team gehört jedenfalls nach dem jetzigen Stand nicht zu den Top-Favoriten des Turnieres. Zu denen gehören Experten zufolge eher der amtierende Europameister Spanien, Vize-Weltmeister Frankreich  und Titelverteidiger Argentinien. Allerdings dominieren gerade ganz andere Themen die Berichterstattung rund um die deutsche Elf. 

Neben den verletzungsbedingten Ausfall von Serge Gnabry beschäftigen sich die heimischen Medien vor allem mit der Frage, ob Manuel Neuer mit seinen 40 Jahren noch einmal für die Nationalmannschaft reaktiviert werden oder ob Oliver Baumann als Nummer eins im Tor ins Turnier gehen soll. Glaubt man einem Bericht von Sky Sport, soll Neuer in den Kader des DFB-Teams zurückkehren, sofern in den kommenden Tagen nichts Außergewöhnliches passiere. Zudem soll der FCB-Torhüter ein Comeback in der Nationalmannschaft nicht mehr gänzlich ausgeschlossen haben.

Bundestrainer Julian Nagelsmann wollte sich allerdings im ZDF Sportstudio nicht konkret zu einer potenziellen Rückkehr von Neuer äußern. "Ich halte an meiner These fest, dass zuerst der Spieler kontaktiert wird", betonte der DFB-Trainer. Und dies habe "noch nicht stattgefunden. Ich habe ja gesagt, dass jeder Spieler, der in meiner Ära eine Rolle gespielt hat, einen Anruf bekommen wird". Laut verschiedenen Berichten - unter anderem des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung - soll Neuers Name auf der vorläufigen Liste mit 55 Spielern stehen, die der DFB vor der offiziellen Bekanntgabe des WM-Kaders beim Weltverband einreichen musste. "Die Liste ist nicht öffentlich, deshalb kommentiere ich sie nicht. Aber ich kann sagen, es stehen sehr viele Spieler darauf.", erklärte Nagelsmann.

Quelle: Manu Thiele auf Youtube

Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des deutschen WM-Kaders berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass Neuer nun doch in die Nationalmannschaft zurückkehren sowie als Nummer eins im Tor zur WM fahren werde. Laut einem Berichten der Bild habe Nagelsmann den Keeper der TSG 1899 Hoffenheim persönlich in einem Telefongespräch darüber informiert haben. Der Spiegel hat ebenfalls darüber informiert. Bereits am 15. Mai 2026 teilte der deutsche Rekordmeister mit, dass der Vertrag mit Neuer um ein Jahr bis 30. Juni 2027 verlängert wurde. "Hier stimmen alle Voraussetzungen: Wir können mit dieser Mannschaft jeden schlagen, ich fahre jeden Tag mit Spaß an die Säbener Straße und bringe meine Leistung", erklärte Neuer.

"Eigentlich denkt man, es sind nur Profis am Werk und trotzdem herrscht Unklarheit."

Thomas Hitzlsberger, ehemaliger Fußballspieler

Bei der offiziellen Vorstellung des DFB-Kaders am 21. Mai 2026 bestätigte Nagelsmann schließlich auch offiziell, dass Neuer als neue Nummer eins wieder ins Tor der deutschen Nationalmannschaft zurückkehren wird. Abgesehen von der eher zweifelhaften Kommunikation nach außen stellen Beobachter auch Glaubwürdigkeit des Bundestrainers nach innen infrage. Die Entscheidung zugunsten Neuers bleibt jedoch nicht ganz unumstritten. "Nationalmannschaft muss nach dem Leistungsprinzip funktionieren, nicht nach dem Promi-Bonus", kommentierte Johannes Seemüller für die ARD Sportschau.

Hitzlsberger kritisiert "Eiertanz" um Neuer

Deutliche Kritik gab es hingegen an der Kommunikation des DFB und des Bundestrainers. So habe Nagelsmann "nicht jede Woche ein Spiel, über das er sprechen kann, er hat viel Leerlauf und plötzlich wird die Kommunikation viel wichtiger als das Tagesgeschäft auf dem Trainingsplatz und da sind mittlerweile so viele Hürden", sagte der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsberger im Blickpunkt Sport des BR. Zwar sei er ein "erfahrener Trainer, trotzdem auch noch jung und ihm täte es gut, wenn er Leute an seiner Seite hätte, die ihn gut beraten würden. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, würde ich behaupten: Die Beratung hat nicht gut funktioniert."

Deutliche Kritik gab es auch vom ehemaligen DFB-Torhüter Jens Lehmann: "Julian Nagelsmann hatte sich zuletzt offen für Oliver Baumann als Nummer eins ausgesprochen. Wenn es tatsächlich stimmt, dass Manuel Neuer nun im WM-Tor stehen würde, wäre das ein Vertrauensbruch. Auch andere Spieler würden sich Gedanken machen: Kann ich den Aussagen des Bundestrainers glauben?"

Sicher ist übrigens auch, dass 52 Hauptschiedsrichter bei der WM 2026 pfeifen werden - darunter auch der 45-jährige Felix Zwayer mit seinen Assistenten Robert Kempter und Christian Dietz. Bastian Dankert ist als einziger DFB-Offizieller als Video-Assistent dabei. "Die Nominierten haben durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und sind dafür zu Recht belohnt worden", betonte DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher.

WM wieder ohne Italien

In Italien ist man in diesen Tagen allerdings weit entfernt von solchen Gedanken. Bereits zum dritten Mal in Folge hat sich die "Squadra Azzura" nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Laut einem Bericht der Financial Times hatte jüngst Paolo Zampolli, Sonderbeauftragter für globale Partnerschaften im Auftrag der US-Regierung, den Vorschlag unterbreitet, "dass Italien den Iran bei der WM ersetzt. Mit vier Titeln haben sie die Reputation, die eine Aufnahme rechtfertigt".

Die Turnierregularien der FIFA sehen derzeit keine konkreten Regeln für den Fall vor, dass ein Teilnehmerland absagt oder ausgeschlossen wird. "Die FIFA kann beschließen, den betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverband durch einen anderen Verband zu ersetzen", heißt es lediglich.

"Wichtig ist, dass man jetzt den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen, um den Fußball in Italien zu revolutionieren."

Valentina Maceri, ehemalige deutsch-italienische Fußballspielerin und heutige Sportjournalistin

Der ehemalige italienische Fußballprofi und Weltmeister von 1982Fulvio Collovati, bezeichnete diese Pläne hingegen als "demütigend". So hätten manche Leute "diese Ideen eher auf politischer als auf sportlicher Ebene vorangetrieben. Ehrlich gesagt habe ich sie nie auch nur in Betracht gezogen." Vielmehr wäre es aus "sportlicher Sicht demütigend.  Im Sport zählen das Spielfeld und das Ergebnis. Man kann nicht über Abkürzungen dorthin gelangen." 

Außerdem sei es "kein Zufall", dass sich Italien "für die letzten drei Weltmeisterschaften nicht qualifiziert habe". Zuvor sei die man "zweimal in Folge in der ersten Runde ausgeschieden. Es ist eine Krise, die seit 20 Jahren andauert, seit 2006. Bevor wir daran denken, zur Weltmeisterschaft zugelassen zu werden, müssen wir über Reformen nachdenken", betonte Collovati.

Quelle: Manu Thiele auf Youtube

Kurzinformation: Weltmeisterschaft 2026 - Ein Turnier der Superlative

Die Fußball-WM 2026 ist ein Turnier der Superlative. Erstmals in der Geschichte wird das Turnier gleich in drei Ländern ausgetragen. Zudem wurde die Teilnehmerzahl auf 48 Mannschaften aufgestockt, die in 104 Spielen den Weltmeister ausspielen werden. Zum Vergleich: Bei den Turnieren 1986 in Mexiko und 1994 in den USA waren es noch 24 Teilnehmer und 52 Spiele. Da das WM-Turnier in drei Ländern und vier Zeitzonen stattfindet, gibt es daher auch 16 verschiedene Anstoßzeiten. Nur etwa die Hälfte (51) der Partien werden einigermaßen zu mitteleuropäischen Zeiten ausgetragen - also mit einem Anstoß zwischen 18 und 23 Uhr.

Insgesamt werden 1.248 Spieler teilnehmen. Davon sind 891 Spieler erstmals bei einer WM dabei. Der jüngste Spieler ist Gilberto Mora (Mexiko) ist 17 Jahren und 240 Tagen. Ältester WM-Teilnehmer ist der Torhüter Craig Gordon (Schottland) mit 43 Jahren und 162 Tagen. Der älteste Feldspieler ist Cristiano Ronaldo (Portugal) mit 41 Jahren und 126 Tagen. Neben Lionel Messi (Argentinien) und dem mexikanischen Torhüter Guillermo Ochoa ist es für den portugiesischen Superstar übrigens die sechste WM-Teilnahme. Der älteste Trainer ist Dick Advocaat (Curaçao) mit 78 Kajren - der jüngste Coach der WM ist Bundestrainer Julian Nagelsmann mit 38 Jahren. Übrigens: Mexiko ist mittlerweile der Rekordgastgeber. Nach 1970 und 1986 ist es bereits das dritte WM-Turnier, das in dem mittelamerikanischen Land ausgetragen wird.

Quelle: Statista

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Deutliche Unterschiede gibt es hingegen bei den Marktwerten der einzelnen Nationalmannschaften. Mit rund 1.520 Millionen Euro weist Frankreich den teuersten Kader auf. Dahinter folgen England mit 1.3560 Millionen Euro und Spanien mit 1.220 Millionen Euro. Deutschland liegt mit einem durchschnittlichen Martkwert von 947 Millionen Euro auf dem fünften Rang. Die niedrigsten Marktwerte haben der Irak mit 21 Millionen Euro sowie der Teams aus Jordanien und Katar mit jeweils 20 Millionen Euro. Der Mittelwert aller 48 WM-Teilnehmer liegt bei etwa 359 Millionen Euro.

Quelle: Statista

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Quelle: Manu Thiele auf Youtube

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Deutliche Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino

Neben sportlichen Aspekten dominieren allerdings auch politische Themen die bevorstehende Weltmeisterschaft. So hat die Menschenrechtsorganisation FairSquare eine Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino eingereicht. Anlass sei  der neu eingeführte sogenannte Friedenspreis, den Infantino im Rahmen der WM-Auslosung im Dezember 2025 an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte. Unterstützung erhält FairSquare dabei auch vom norwegischen Fußballverband

"Es geht darum, dass die FIFA durch ihren Präsidenten gegen die Regeln der politischen Neutralität verstoßen hat, indem sie diesen Friedenspreis verliehen hat. Wir bitten die Ethikkommission, dies zu prüfen", erklärte NF-Präsidentin Lise Klaveness. Demnach stehe der norwegische Verband der generellen Einführung dieses Friedenspreises "kritisch gegenüber. Er hatte keine Verankerung im FIFA-Kongress. Er hat keine Legitimität und liegt eindeutig außerhalb des Mandats der FIFA. Es ist ein schwerwiegender Verstoß, dass ein politischer Preis ohne Verankerung eingeführt wird".

"In den USA kann man sich kein College-Spiel ansehen - ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten Niveau - für weniger als 300 Dollar. Und das ist die Weltmeisterschaft."

Gianni Infantino, Präsident der FIFA (seit 2016)

Deutliche Kritik gibt es darüber hinaus auch an den horrenden Ticketpreisen. So kostet die günstigste Karte auf der FIFA-Verkaufsseite derzeit 1.940 US-Dollar (rund 1.650 Euro). Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite des Weltfußballverbandes sind die Tickets derzeit für mindestens 1.150 US-Dollar (980 Euro) zu erwerben. FIFA-Präsident Infantino hatte die Preise jedoch verteidigt. "Wir müssen den Markt betrachten - wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden", sagte er Anfang Mai 2026 bei der Milken Institute Global Conference in Beverly Hills.

Quelle: ZDF Sportstudio auf Youtube

Zu allem Überfluss setzte ausgerechnet Infantinos Amtsvorgänger Sepp Blatter dem Ganzen noch die ultimative Krone auf. In einem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ließ er 90-jährige Schweizer praktisch kein gutes Haar an Infantino. "Der Präsident, der jetzt da ist, der redet nur noch mit Staatschefs, reist mit Jets um die Welt und hat vergessen, dass die Essenz der FIFA das Spiel ist", monierte Blatter. Offenen Widerspruch gegen Infantinos Kurs sieht Blatter hingegen kaum.

"Die FIFA ist im Moment eine Diktatur. Alles, was der Präsident sagt, wird gemacht. Und alles andere wird zum Schweigen gebracht."

Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)

Kritisch sieht Blatter dabei auch die mangelnde Nachhaltigkeit bei der WM 2026 in Nordamerika. "Diese WM, die jetzt da kommt, da schert sich niemand um Nachhaltigkeit. Wenn ich noch da wäre, wäre das nicht passiert", konstatiert Blatter. Dabei gehört der einstige Fußballfunktionär selbst nicht gerade zu den eifrigsten Nachhaltigkeitsbefürwortern: "Ich war immer der Fußballer, ich war nicht ein Verfechter von Nachhaltigkeit".

Bemerkenswert ist dabei aber vor allem, dass ausgerechnet Blatter selbst während seiner Amtszeit auch nicht gerade für seine Transparenz berühmt war. So stand Blatter - auch verbandsintern - regelmäßig für finanzielles Missmanagement in der Kritik. Außerdem wird ihm vorgeworfen, ein System in der FIFA geschaffen oder zumindest geduldet zu haben, in dem sich die Korruption ausgebreitet hat. 

So wurden unter seiner Präsidentschaft zahlreiche FIFA-Funktionäre wegen Bestechung und Geldwäsche angeklagt oder verurteilt. Dabei soll er korrupte Funktionäre lange geschützt haben, solange diese ihn politisch unterstützten. Vor allem die Vergabe der Weltmeisterschaften lösten dabei massive Kritik aus. Dabei wurden der FIFA eine mangelnde Transparenz, eine mögliche politische Einflussnahme sowie eine mutmaßliche Bestechung im Umfeld der Vergabe kritisiert.

"Es geht nur noch ums Geld und nicht mehr um das Spiel. Von der FIFA, wie sie ist, bin ich enttäuscht."

Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)

Außerdem galt Blatter als äußerst geschickter Machtpolitiker. Dabei wird im vorgeworfen, kleinere Fußballverbände durch Fördergelder politisch an sich gebunden zu haben. Zudem soll er Entwicklungsprogramme strategisch eingesetzt haben, um seine Wiederwahlen zu sichern. Außerdem soll er die FIFA wie ein persönliches Machtzentrum geführt haben. Seine Kritiker werfen ihm daher vor, ein Patronage-System etabliert zu haben. 

Wenige Monate nach seinem Rücktritt im Juni 2015 wurde Blatter schließlich von der FIFA-Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung für acht Jahre für alle Tätigkeiten rund um den Fußball gesperrt. Außerdem wurde eine Geldstrafe von 50.000 Franken gegen ihn verhängt. Im Februar 2016 hatte ein Berufungsgericht die Sperre jedoch auf sechs Jahre verkürzt.

Umstrittene WM-Vergabe nach Saudi-Arabien

Wirkliche Veränderungen im Weltfußballverband dürften in den nächsten Jahren allerdings wohl nicht zu erwarten sein. Bereits im Dezember 2024 hatte sich FIFA-Chef Infantino praktisch mit seinen Vorstellungen für die künftigen Gastgeber durchgesetzt. Im Jubiläumsjahr 2030 sind mit Marokko, Portugal und Spanien erneut drei Gastgeber für die Fußball-WM auserkoren worden. Außerdem soll es drei Eröffnungsspiele in ArgentinienParaguay und Uruguay geben.

Deutlich mehr Kritik gab es jedoch für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2034 nach Saudi-Arabien. Bereits im Vorfeld hatten die beiden Menschenrechtsorganisationen Sport & Rights Alliance und Amnesty International hatten die FIFA aufgefordert, die Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien zu stoppen. "Wenn die Verbände eine WM vergeben, ohne dass die erforderliche Menschenrechts-Prüfung durchgeführt wurde, sind die Verbände auch für Verstöße", kritisierte Andrea Florence ist Direktorin der Menschenrechtsorganisation Sport and Rights Alliance, in einem Interview mit der ARD Sportschau.

Nach Ansicht des saudischen Menschenrechtsanwaltes Anwalt al-Haji diene die WM vor allem dazu, das schlechte Image des Landes zu übertünchen. "Saudi-Arabien investiert enorme Summen, um Sport- und Filmstars sowie Social-Media-Influencer ins Land zu holen, und führt riesige Projekte durch, die von Offenheit und Reformen sprechen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Repressionen und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen dauern an", erläuterte al-Haji im Dezember 2024.

"Die FIFA muss aus der Vergangenheit lernen und sicherstellen, dass die WM nicht auf den Leichen von Gastarbeitern aufgebaut wird."

Andrea Florence, geschäftsführende Direktorin der Menschenrechtsorganisation Sports and Rights Alliance, im Interview mit der ARD Sportschau

Auch Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für die Region Naher Osten und Nordafrika Amnesty International, kritisierte, dass die "glitzernde Fassade, die Mohammed bin Salman gerne nach Außen" trage, "mitnichten widerspiegeln" würde, "was sich in Saudi-Arabien in Sachen Menschenrechten tut. In der Tat haben wir sogar dokumentiert, dass sich seit Amtsantritt von MbS die Menschenrechtslage erheblich verschlechtert hat." Außerdem habe es "in der Bewerbung keinerlei Strategien oder Garantien, die Menschenrechtslage im Land zu verbessern. Saudi-Arabien hat das nicht aufgeführt. Die FIFA hat es nicht nachgefragt. Der FIFA - das muss man wohl so sagen - war das relativ egal", ergänzte Müller-Falbusch.

Bislang scheint jedenfalls nur eines klar zu sein: Konkrete Lehren aus dem politischen Debakel um die WM 2022 in Katar haben weder die FIFA noch der Deutsche Fußballbund (DFB) gezogen. Und ob die saudische Regierung in den nächsten Jahren tatsächlich einige Reformen durchführen wird, scheint derzeit äußerst unwahrscheinlich zu sein.

Hintergrundinformationen

Literaturtipps


Henning Feindt:
Fußball-WM 2026. Alle Spiele, alle Tore, alle Fakten.
Delius Klasing Verlag 2026 - Preis: 24,90 Euro
ISBN-10: 3667131968 - ISBN-13: 978-3667131966


Weitere Informationen

Veröffentlicht am 04.05.2026
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