Fußball-WM 2026: Umstrittenes Mammutturnier in Nordamerika
Es ist eine Weltmeisterschaft der Superlative, die bereits Monate vor dem offiziellen Anstoß für Kritik stößt. Nicht nur, dass das Teilnehmerfeld mit nunmehr 48 teilnehmenden Ländern eher skeptisch gesehen wird. Auch die Teilnahme des Iran und die große Hitze im Sommer sind ein Thema gewesen.
Das Turnier in Nordamerika ist gleich in zweierlei Hinsicht ein Novum. Erstmals in der Geschichte wird eine WM in gleich drei Ländern gleichzeitig ausgerichtet. Als Co-Gastgeber sind Kanada, Mexiko und die USA bereits automatisch für das Turnier qualifiziert. Erstmals in der WM-Geschichte nehmen 48 Mannschaften an einer Endrunde teil. Mit Curaçao sowie mit Jordanien, Kap Verde und Usbekistan nahmen gleich vier Neulinge an einem WM-Turnier teil.
Spannungen rund um den Iran
Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sorgte die Qualifikation des Iran jedoch für Spannungen. Anfang Mai 2026 konkretisierte die Islamische Republik ihre Bedingungen für eine WM-Teilnahme: So müsse die FIFA verhindern, dass sich US-Präsident Donald Trump in sportliche Angelegenheiten der WM einmische. Da sich der Iran sportlich qualifiziert, sei er "nicht auf dem Niveau, darüber zu entscheiden, ob wir an der Weltmeisterschaft teilnehmen dürfen oder nicht", erklärte der iranische Verbandschef Mehdi Tadsch.
Daneben wolle der Iran unter anderem sicherstellen, dass es bei den Spielen keine politischen Kommentare gegen die Mannschaft oder den Verband gebe. Außerdem müssten die offizielle Flagge des Iran - und nicht die nationale Flagge der Opposition - gehisst werden. Den Spielern sowie dem Trainerstab und den Funktionären sollte außerdem umfassende Sicherheit garantiert werden.
"Das muss uns die FIFA zusichern, und nur unter diesen Bedingungen werden wir teilnehmen."
Mehdi Tadsch, Präsident des iranischen Fußballverbandes (FFIRI)
Trump selbst stichelte vor wenigen Tagen jedenfalls erneut gegen den Iran: "Haben sie wirklich eine gute Mannschaft? Das ist schwer zu glauben, ehrlich gesagt, aber ich denke, wir sollten sie spielen lassen", sagte er im Oval Office. Dennoch fände er es "okay", wenn der Iran bei der WM spielen würde. "Das Problem mit Iran wären nicht die Sportler. Es wären einige der anderen Leute, die sie mitbringen wollen", so Trump.
FIFA-Präsident Gianni Infantino stellte beim jüngsten Kongress des Weltfußballerbandes in Vancouver klar: "Für diejenigen, die vielleicht etwas anderes sagen oder etwas anderes schreiben wollen: Iran wird selbstverständlich an der WM 2026 teilnehmen. Und selbstverständlich wird Iran in den USA spielen". Der Grund dafür sei "ganz einfach: Wir vereinen. Wir müssen die Menschen zusammenbringen. Das ist meine Verantwortung. Das ist unsere Verantwortung."
Einem Ansinnen der Islamischen Republik hat die FIFA allerdings bereits vor einigen Wochen eine klare Absage erteilt: Der Iran muss seine drei Vorrundenspiele wie geplant in den USA austragen. "Die FIFA entschied [...], dass die Spiele nicht von ihren ursprünglichen Austragungsorten verlegt werden können", sagte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum im April 2026.
Sollte die WM boykottiert werden?
Vor dem Hintergrund des andauernden Iran-Krieges sowie der innenpolitischen Geschehnisse in den USA hält sich die Vorfreude auf die WM in Nordamerika eher in Grenzen. Bereits Anfang Februar 2026 hatte DFB-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich eine Debatte über den Umgang mit der Fußball-WM in den USA und einen möglichen Boykott Deutschlands entfacht. "Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist etwas, das ich anstoßen wollte", erklärte er in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).
Der Deutsche Fußballbund (DFB) ging allerdings recht schnell auf Distanz zu Göttlichs Äußerungen. "Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind, glaube ich, sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Vielmehr sei es "eine Stellungnahme eines einzelnen Vertreters, in der Tat aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden".
Auch DFL-Chef Hans-Joachim Watzke kritisierte die Debatte: "Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren. Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze." Auch in der Bevölkerung scheint ein Boykott eher kein Thema zu sein. Laut einer Statista-Umfrage halten es 54 Prozent der rund 1.000 Befragten für unwahrscheinlich, dass sie FIFA-WM 2026 boykottieren werden. Etwa 21 Prozent vertreten die gegensätzliche Position und 20 Prozent sind in dieser Frage unentschieden.
Quelle: Statista
Allerdings hält sich laut Statista das WM-Interesse im Gastgeberland USA eher in Grenzen. Demnach wollen sich nur 34 Prozent der rund 1.000 Befragten die WM-Spiele im Fernsehen oder als Stream ansehen. Zum Vergleich: In Großbritannien wollen sich 59 Prozent die Spiele anschauen. In Deutschland sind es immerhin 51 Prozent der Befragten. Die Chancen, ein Spiel vor Ort anzuschauen scheinen jedoch sehr gering zu sein.
Quelle: Statista
Bereits im Januar 2026 berichtete der Kicker von über 500 Millionen Ticketanfragen. Demnach kamen die meisten Anfragen aus den Gastgeberländern Kanada, Mexiko und den USA. Deutschland lag demnach auf Platz vier - gefolgt von England, Brasilien, Spanien, Portugal, Argentinien und Kolumbien.
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Deutschland enttäuscht wieder einmal
In Deutschland scheint der sportliche Blick auf die WM jedenfalls eher gemischt zu sein. Das DFB-Team gehörte jedenfalls nicht zu den Top-Favoriten des Turnieres. Zu denen gehörten Experten zufolge eher der amtierende Europameister Spanien, Vize-Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Argentinien sowie das Team aus England. Am Ende waren es auch eben jene vier Teams, die sich schließlich für das Halbfinale qualifizieren konnten. Gleichzeitig dominierten auch ganz andere Themen die Berichterstattung rund um die deutsche Elf.
Neben den verletzungsbedingten Ausfall von Serge Gnabry beschäftigen sich die heimischen Medien vor allem mit der Frage, ob Manuel Neuer mit seinen 40 Jahren noch einmal für die Nationalmannschaft reaktiviert werden oder ob Oliver Baumann als Nummer eins im Tor ins Turnier gehen soll. Glaubt man einem Bericht von Sky Sport, soll Neuer in den Kader des DFB-Teams zurückkehren, sofern in den kommenden Tagen nichts Außergewöhnliches passiere. Zudem soll der FCB-Torhüter ein Comeback in der Nationalmannschaft nicht mehr gänzlich ausgeschlossen haben.
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Bundestrainer Julian Nagelsmann wollte sich allerdings im ZDF Sportstudio nicht konkret zu einer potenziellen Rückkehr von Neuer äußern. "Ich halte an meiner These fest, dass zuerst der Spieler kontaktiert wird", betonte der DFB-Trainer. Und dies habe "noch nicht stattgefunden. Ich habe ja gesagt, dass jeder Spieler, der in meiner Ära eine Rolle gespielt hat, einen Anruf bekommen wird". Laut verschiedenen Berichten - unter anderem des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung - soll Neuers Name auf der vorläufigen Liste mit 55 Spielern stehen, die der DFB vor der offiziellen Bekanntgabe des WM-Kaders beim Weltverband einreichen musste. "Die Liste ist nicht öffentlich, deshalb kommentiere ich sie nicht. Aber ich kann sagen, es stehen sehr viele Spieler darauf.", erklärte Nagelsmann.
Quelle: Manu Thiele auf Youtube
Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des deutschen WM-Kaders berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass Neuer nun doch in die Nationalmannschaft zurückkehren sowie als Nummer eins im Tor zur WM fahren werde. Laut einem Berichten der Bild habe Nagelsmann den Keeper der TSG 1899 Hoffenheim persönlich in einem Telefongespräch darüber informiert haben. Der Spiegel hat ebenfalls darüber informiert. Bereits am 15. Mai 2026 teilte der deutsche Rekordmeister mit, dass der Vertrag mit Neuer um ein Jahr bis 30. Juni 2027 verlängert wurde. "Hier stimmen alle Voraussetzungen: Wir können mit dieser Mannschaft jeden schlagen, ich fahre jeden Tag mit Spaß an die Säbener Straße und bringe meine Leistung", erklärte Neuer.
"Eigentlich denkt man, es sind nur Profis am Werk und trotzdem herrscht Unklarheit."
Thomas Hitzlsberger, ehemaliger Fußballspieler
Bei der offiziellen Vorstellung des DFB-Kaders am 21. Mai 2026 bestätigte Nagelsmann schließlich auch offiziell, dass Neuer als neue Nummer eins wieder ins Tor der deutschen Nationalmannschaft zurückkehren wird. Abgesehen von der eher zweifelhaften Kommunikation nach außen stellen Beobachter auch Glaubwürdigkeit des Bundestrainers nach innen infrage. Die Entscheidung zugunsten Neuers bleibt jedoch nicht ganz unumstritten. "Nationalmannschaft muss nach dem Leistungsprinzip funktionieren, nicht nach dem Promi-Bonus", kommentierte Johannes Seemüller für die ARD Sportschau.
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Hitzlsberger kritisiert "Eiertanz" um Neuer
Deutliche Kritik gab es hingegen an der Kommunikation des DFB und des Bundestrainers. So habe Nagelsmann "nicht jede Woche ein Spiel, über das er sprechen kann, er hat viel Leerlauf und plötzlich wird die Kommunikation viel wichtiger als das Tagesgeschäft auf dem Trainingsplatz und da sind mittlerweile so viele Hürden", sagte der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsberger im Blickpunkt Sport des BR. Zwar sei er ein "erfahrener Trainer, trotzdem auch noch jung und ihm täte es gut, wenn er Leute an seiner Seite hätte, die ihn gut beraten würden. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, würde ich behaupten: Die Beratung hat nicht gut funktioniert."
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Deutliche Kritik gab es auch vom ehemaligen DFB-Torhüter Jens Lehmann: "Julian Nagelsmann hatte sich zuletzt offen für Oliver Baumann als Nummer eins ausgesprochen. Wenn es tatsächlich stimmt, dass Manuel Neuer nun im WM-Tor stehen würde, wäre das ein Vertrauensbruch. Auch andere Spieler würden sich Gedanken machen: Kann ich den Aussagen des Bundestrainers glauben?"
Am Ende steht ein neuerliches Debakel
Unter dem Strich endete das "Projekt WM-Titel" in einem neuerlichen Debakel für die DFB-Elf. Nach einer sportlich eher durchwachsenen Vorrunde scheiterte die deutsche Nationalmannschaft als Gruppensieger bereits im Sechzehntelfinale gegen den krassen Außenseiter Paraguay. "Zu träge, zu schlaff, zu eindimensional". lautet die Einschätzung über das WM-Aus. "Leider ist es im Fußball so, dass manche Mannschaften mit einfachen Mitteln gewinnen können", ließ Bundestrainer Nagelsmann nach dem Spiel lapidar wissen.
"Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten Ausscheiden sagen würden, wir gehören zur Weltspitze: Das tun wir nicht."
Julian Nagelsmann, Bundestrainer (2023-2026)
Dennoch hatte er sichtlich Mühe, den Schock zu verarbeiten. "Wenn du so früh ausscheidest, ist es deutlich zu wenig für den deutschen Fußball. Wenn du in einem Turnier ausscheidest, das sind ja immer einschneidende Erlebnisse. Es tut den Fans genauso weh wie uns, das macht kein Trainer mit Absicht."
Die Reaktionen auf das deutsche WM-Aus waren jedenfalls eindeutig. "Im Durchschnitt waren die Auftritte enttäuschend. Es war so bei der EM, es war so bei der Qualifikation und es war so bei der Weltmeisterschaft", kommentierte der frühere Profi Dietmar Hamann. Der ARD Sportschau-Experte Bastian Schweinsteiger monierte etwa das "fehlende fußballerische Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel".
Quelle: Manu Thiele auf Youtube
Der einstige englische Fußball-Star und heutige TV-Experte Gary Lineker übte indes eine vernichtende Kritik an der DFB-Elf. "Ich glaube - auch wenn ich mich irren kann -, dass dies eine der schwächsten deutschen Nationalmannschaften ist, die ich je gesehen habe", sagte er der französischen Zeitung L'Équipe. So lebe Deutschland "in der Vergangenheit. Man darf nicht vergessen: Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften sind sie nicht einmal über die Gruppenphase hinausgekommen. Ich glaube also, man kann beruhigt schlafen."
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Quelle: Deutsche Welle (DW) auf Youtube
Erste personelle Konsequenzen hat es nach dem blamablen WM-Aus bereits gegeben. Wie der Deutsche Fußballbund (DFB) am 3. Juli 2026 mitteilte, ist Julian Nagelsmann von seinem Amt als Bundestrainer zurückgetreten. Auch seine Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner müssen den DFB verlassen.
"Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient."
Julian Nagelsmann, Bundestrainer (2023-2026)
Als möglicher Nachfolger wird derzeit Jürgen Klopp gehandelt. Der ehemalige Trainer ist seit Januar 2025 als Global Head of Soccer für die Red Bull GmbH tätig. In einer Mitteilung des DFB hieß es dazu: "Hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens wird die DFB-Spitze nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert", heißt es beim DFB. Bis zu den nächsten Länderspielen im September 2026 muss jedenfalls eine Personalentscheidung getroffen werden.
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Internationale Superstars überzeugen
Im Unterschied zu den deutschen Stars haben die internationalen Superstars bislang die Erwartungen der Experten erfüllt. Während der argentinische Superstar Lionel Messi seine Mannschaft praktisch im Alleingang in die K.O.-Phase geschossen hat, haben Cristiano Ronaldo, Erling Haarland, Kylian Mbappé und Harry Kane ebenfalls einen entscheidenden Anteil am bisherigen Erfolg ihrer Teams.
Dabei hatte die Gruppenphase auch einige Überraschungen zu bieten. Während der Geheimfavorit Türkei als Letzter der Gruppe D bereits die Heimreise angetreten hat, standen die WM-Außenseiter Kap Verde und DR Kongo überraschend in der K.O.-Phase. Die Chance für eine Neuauflage des WM-Finales von 2022 zwischen dem Titelverteidiger aus Argentinien und dem europäischen Topfavoriten Frankreich stehen jedenfalls gut.
Zu den größten Überraschungsteams bei der WM in Nordamerika entwickelte sich der Neuling aus Kap Verde. Nicht nur, dass sich der afrikanische Inselstaat als kleinste Nation in der WM-Geschichte für eine K.O.-Runde eingezogen ist. Dabei brachte das Team im Sechzehntelfinale sogar den Titelverteidiger Argentinien an den Rand einer großen Blamage.
Den WM-Titel sicherte sich schließlich Spanien in einem einseitigen Finale gegen den Titelverteidiger aus Argentinien. Mit dem neuerlichen Erfolg stellten die Iberer gleich noch einen neuen Weltrekord auf: Insgesamt 38 Spiele in Folge ist die "Furja Roja" nun ungeschlagen. "Spanien ist der verdiente, logische Weltmeister - der argentinische Minimalismus wird in einem denkwürdigen WM-Final spät bestraft", kommentierte die Neue Zürcher Zeitung.
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WM wieder ohne Italien
In Italien war man vor der WM allerdings weit entfernt von solchen Gedanken. Bereits zum dritten Mal in Folge hatte sich die "Squadra Azzura" nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Laut einem Bericht der Financial Times hatte jüngst Paolo Zampolli, Sonderbeauftragter für globale Partnerschaften im Auftrag der US-Regierung, den Vorschlag unterbreitet, "dass Italien den Iran bei der WM ersetzt. Mit vier Titeln haben sie die Reputation, die eine Aufnahme rechtfertigt".
Die Turnierregularien der FIFA sahen jedoch keine konkreten Regeln für den Fall vor, dass ein Teilnehmerland absagt oder ausgeschlossen wird. "Die FIFA kann beschließen, den betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverband durch einen anderen Verband zu ersetzen", heißt es lediglich.
"Wichtig ist, dass man jetzt den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen, um den Fußball in Italien zu revolutionieren."
Valentina Maceri, ehemalige deutsch-italienische Fußballspielerin und heutige Sportjournalistin
Der ehemalige italienische Fußballprofi und Weltmeister von 1982, Fulvio Collovati, bezeichnete diese Pläne hingegen als "demütigend". So hätten manche Leute "diese Ideen eher auf politischer als auf sportlicher Ebene vorangetrieben. Ehrlich gesagt habe ich sie nie auch nur in Betracht gezogen." Vielmehr wäre es aus "sportlicher Sicht demütigend. Im Sport zählen das Spielfeld und das Ergebnis. Man kann nicht über Abkürzungen dorthin gelangen."
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Außerdem sei es "kein Zufall", dass sich Italien "für die letzten drei Weltmeisterschaften nicht qualifiziert habe". Zuvor sei die man "zweimal in Folge in der ersten Runde ausgeschieden. Es ist eine Krise, die seit 20 Jahren andauert, seit 2006. Bevor wir daran denken, zur Weltmeisterschaft zugelassen zu werden, müssen wir über Reformen nachdenken", betonte Collovati.
Quelle: Manu Thiele auf Youtube
Kurzinformation: Weltmeisterschaft 2026 - Ein Turnier der Superlative Die Fußball-WM 2026 war ein Turnier der Superlative. Erstmals in der Geschichte wurde das Turnier in drei Ländern ausgetragen. Zudem wurde die Teilnehmerzahl auf 48 Mannschaften aufgestockt, die in 104 Spielen den Weltmeister ausspielen werden. Zum Vergleich: Bei den Turnieren 1986 in Mexiko und 1994 in den USA waren es noch 24 Teilnehmer und 52 Spiele. Da das WM-Turnier in drei Ländern und vier Zeitzonen stattfand, gab es daher auch 16 verschiedene Anstoßzeiten. Nur etwa die Hälfte (51) der Partien wurden einigermaßen zu mitteleuropäischen Zeiten ausgetragen - also mit einem Anstoß zwischen 18 und 23 Uhr. Insgesamt nahmen 1.248 Spieler teil. Davon waren 891 Spieler erstmals bei einem-WM-Turnier dabei. Der jüngste Spieler war Gilberto Mora (Mexiko) mit 17 Jahren und 240 Tagen. Der älteste WM-Teilnehmer war der Torhüter Craig Gordon (Schottland) mit 43 Jahren und 162 Tagen. Der älteste Feldspieler war Cristiano Ronaldo (Portugal) mit 41 Jahren und 126 Tagen. Neben Lionel Messi (Argentinien) und dem mexikanischen Torhüter Guillermo Ochoa war es für Ronaldo übrigens die sechste WM-Teilnahme. Der älteste Trainer war Dick Advocaat (Curaçao) mit 78 Jahren - der jüngste Coach der WM war Bundestrainer Julian Nagelsmann mit 38 Jahren. Übrigens: Mexiko ist mittlerweile der Rekordgastgeber. Nach 1970 und 1986 war es bereits das dritte WM-Turnier, das in dem mittelamerikanischen Land ausgetragen wurde. Zudem pfiffen 52 Hauptschiedsrichter bei der WM 2026 - darunter der 45-jährige Felix Zwayer mit seinen Assistenten Robert Kempter und Christian Dietz. Bastian Dankert ist als einziger DFB-Offizieller als Video-Assistent dabei. "Die Nominierten haben durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und sind dafür zu Recht belohnt worden", so der DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher.
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Quelle: Statista |
Deutliche Unterschiede gibt es hingegen bei den Marktwerten der einzelnen Nationalmannschaften. Mit rund 1.520 Millionen Euro weist Frankreich den teuersten Kader auf. Dahinter folgten England mit 1.3560 Millionen Euro und Spanien mit 1.220 Millionen Euro. Deutschland lag mit einem durchschnittlichen Martkwert von 947 Millionen Euro auf dem fünften Rang. Die niedrigsten Marktwerte hatten der Irak mit 21 Millionen Euro sowie der Teams aus Jordanien und Katar mit jeweils 20 Millionen Euro. Der Mittelwert aller 48 WM-Teilnehmer lag bei etwa 359 Millionen Euro.
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Quelle: Statista |
Deutliche Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino
Neben dem Sport dominierten auch politische Themen das WM-Turnier. Die Menschenrechtsorganisation FairSquare eine Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino eingereicht. Anlass sei der neu eingeführte sogenannte Friedenspreis, den Infantino im Rahmen der WM-Auslosung im Dezember 2025 an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte. Dabei erhält FairSquare dabei auch Unterstützung vom norwegischen Fußballverband.
"Es geht darum, dass die FIFA durch ihren Präsidenten gegen die Regeln der politischen Neutralität verstoßen hat, indem sie diesen Friedenspreis verliehen hat. Wir bitten die Ethikkommission, dies zu prüfen", erklärte NF-Präsidentin Lise Klaveness. Demnach stehe der norwegische Verband der generellen Einführung dieses Friedenspreises "kritisch gegenüber. Er hatte keine Verankerung im FIFA-Kongress. Er hat keine Legitimität und liegt eindeutig außerhalb des Mandats der FIFA. Es ist ein schwerwiegender Verstoß, dass ein politischer Preis ohne Verankerung eingeführt wird".
"In den USA kann man sich kein College-Spiel ansehen - ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten Niveau - für weniger als 300 Dollar. Und das ist die Weltmeisterschaft."
Gianni Infantino, Präsident der FIFA (seit 2016)
Deutliche Kritik gab es darüber hinaus auch an den horrenden Ticketpreisen. So kostete die günstigste Karte auf der FIFA-Verkaufsseite derzeit 1.940 US-Dollar (rund 1.650 Euro). Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite des Weltfußballverbandes waren die Tickets für mindestens 1.150 US-Dollar (980 Euro) zu erwerben. FIFA-Präsident Infantino hatte die Preise jedoch verteidigt. "Wir müssen den Markt betrachten - wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden", sagte er Anfang Mai 2026 bei der Milken Institute Global Conference in Beverly Hills.
Quelle: ZDF Sportstudio auf Youtube
Zu allem Überfluss setzte ausgerechnet Infantinos Amtsvorgänger Sepp Blatter dem Ganzen noch die ultimative Krone auf. In einem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ließ er 90-jährige Schweizer praktisch kein gutes Haar an Infantino. "Der Präsident, der jetzt da ist, der redet nur noch mit Staatschefs, reist mit Jets um die Welt und hat vergessen, dass die Essenz der FIFA das Spiel ist", monierte Blatter. Offenen Widerspruch gegen Infantinos Kurs sieht Blatter hingegen kaum.
"Die FIFA ist im Moment eine Diktatur. Alles, was der Präsident sagt, wird gemacht. Und alles andere wird zum Schweigen gebracht."
Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)
Kritisch sieht Blatter dabei auch die mangelnde Nachhaltigkeit bei der WM 2026 in Nordamerika. "Diese WM, die jetzt da kommt, da schert sich niemand um Nachhaltigkeit. Wenn ich noch da wäre, wäre das nicht passiert", konstatiert Blatter. Dabei gehört der einstige Fußballfunktionär selbst nicht gerade zu den eifrigsten Nachhaltigkeitsbefürwortern: "Ich war immer der Fußballer, ich war nicht ein Verfechter von Nachhaltigkeit".
Bemerkenswert ist dabei aber vor allem, dass ausgerechnet Blatter selbst während seiner Amtszeit auch nicht gerade für seine Transparenz berühmt war. So stand Blatter - auch verbandsintern - regelmäßig für finanzielles Missmanagement in der Kritik. Außerdem wird ihm vorgeworfen, ein System in der FIFA geschaffen oder zumindest geduldet zu haben, in dem sich die Korruption ausgebreitet hat.
So wurden unter seiner Präsidentschaft zahlreiche FIFA-Funktionäre wegen Bestechung und Geldwäsche angeklagt oder verurteilt. Dabei soll er korrupte Funktionäre lange geschützt haben, solange diese ihn politisch unterstützten. Vor allem die Vergabe der Weltmeisterschaften lösten dabei massive Kritik aus. Dabei wurden der FIFA eine mangelnde Transparenz, eine mögliche politische Einflussnahme sowie eine mutmaßliche Bestechung im Umfeld der Vergabe kritisiert.
"Es geht nur noch ums Geld und nicht mehr um das Spiel. Von der FIFA, wie sie ist, bin ich enttäuscht."
Sepp Blatter, ehemaliger Fußballfunktionär und Präsident der FIFA (1998-2015)
Außerdem galt Blatter als äußerst geschickter Machtpolitiker. Dabei wird im vorgeworfen, kleinere Fußballverbände durch Fördergelder politisch an sich gebunden zu haben. Zudem soll er Entwicklungsprogramme strategisch eingesetzt haben, um seine Wiederwahlen zu sichern. Außerdem soll er die FIFA wie ein persönliches Machtzentrum geführt haben. Seine Kritiker werfen ihm daher vor, ein Patronage-System etabliert zu haben.
Wenige Monate nach seinem Rücktritt im Juni 2015 wurde Blatter schließlich von der FIFA-Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung für acht Jahre für alle Tätigkeiten rund um den Fußball gesperrt. Außerdem wurde eine Geldstrafe von 50.000 Franken gegen ihn verhängt. Im Februar 2016 hatte ein Berufungsgericht die Sperre jedoch auf sechs Jahre verkürzt.
Auf eine Wiederwahl Infantinos dürfte die deutliche Kritik an seiner Amtsführung jedoch keine Auswirkungen haben. Laut verschiedenen Medienberichten hat eine große Mehrheit der nationalen Verbände entsprechende Unterstützerschreiben unterzeichnet. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) habe nur eine Handvoll der 211 Verbände kein solches Schreiben unterschrieben - darunter auch der Deutsche Fußballbund (DFB). Auch wenn diese Unterstützerschreiben nicht bindend sind, dürfte sich Infantino zum jetzigen Stand seiner erneuten Wiederwahl beim FIFA-Kongress am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat sicher sein. Dies ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass der FIFA-Präsident bislang keine Gegenkandidaten hat.
Politische Einmischung durch Donald Trump
Während des Turniers sorgten US-Präsident Trump und Infantino für einen politischen Skandal. Anfang Juli 2026 bestätigte Trump, dass er die FIFA um eine "Prüfung" der Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun gebeten habe. "Das war kein Foul. Das war nicht einmal ein Regelverstoß. Da sind zwei Spieler in vollem Tempo gelaufen und zufällig ineinandergeraten". sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Gleichzeitig warf er dem brasilianischen Schiedsrichter Raphael Clau "eine fragwürdige Vergangenheit" vor.
FIFA-Präsident Trump bestätigte zwar einen Anruf Trumps, wies aber eine Einflussnahme zurück. Allerdings betonte er in einer Stellungnahme des Weltfußballverbandes, dass die FIFA-Disziplinarkommission in der Causa Balogun "unabhängig" entschieden habe. Trump hatte sich zuvor in seinem Online-Netzwerk Truth Social bei der FIFA dafür bedankt, "dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat".
"Die judikativen Gremien der FIFA sind unabhängig. Sie arbeiten autonom, wenden den FIFA-Disziplinarkodex an und entscheiden Fälle auf Grundlage der einschlägigen Bestimmungen und der konkreten ihnen vorliegenden Fakten. Ihre Unabhängigkeit ist für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Fußballs von entscheidender Bedeutung und muss stets respektiert werden", hieß es bei der FIFA.
- Kommentar der ARD Sportschau: Die FIFA spielt längst nach Trumps Regeln
Die Entscheidung der FIFA stieß dennoch auf erhebliche Kritik. "Der Fußball ist - wie jede andere Sportart auch - auf Regeln angewiesen, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal lassen Regeln Spielraum für Interpretationen. In diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessensentscheidung", konstatierte der europäische Fußballverband UEFA in einer Stellungnahme. Dabei dürfe es bei einem fest im Reglement verankerten Grundastz keine Ausnahmen geben, "erst recht nicht mitten in einem Turnier, in dem sich bereits mehrere andere Spieler in derselben Situation befanden und ihre Sperre regulär verbüßt haben".
Auch Hans E. Lorenz, langjähriger Vorsitzender am DFB-Sportgericht, kritisierte die Aussetzung der Sperre deutlich. "Da fällt man aus allen Wolken, das läuft einer jahrzehntelangen Rechtsprechung zuwider. Es war bisher eine Religion der FIFA, dass auf eine Rote Karte mindestens ein Spiel Sperre folgen muss", erklärte der Jurist im Gespräch mit der ARD Sportschau.
Umstrittene WM-Vergabe nach Saudi-Arabien
Wirkliche Veränderungen im Weltfußballverband dürften in den nächsten Jahren allerdings wohl nicht zu erwarten sein. Bereits im Dezember 2024 hatte sich FIFA-Chef Infantino praktisch mit seinen Vorstellungen für die künftigen Gastgeber durchgesetzt. Im Jubiläumsjahr 2030 sind mit Marokko, Portugal und Spanien erneut drei Gastgeber für die Fußball-WM auserkoren worden. Außerdem soll es drei Eröffnungsspiele in Argentinien, Paraguay und Uruguay geben.
- ARD Sportschau: Südamerikas Verband fordert WM 2030 mit 64 Teams
- ARD Sportschau: Von Pakistan bis Bangladesch - Warum so viele große Länder nie bei einer WM sind
- Deutsche Welle (DW): WM 2030 - Chance oder teures Prestige für Marokko?
- Deutschlandfunk (DLF): Was Fans zur Fußball-WM 2030 wissen müssen
Deutlich mehr Kritik gab es jedoch für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2034 nach Saudi-Arabien. Bereits im Vorfeld hatten die beiden Menschenrechtsorganisationen Sport & Rights Alliance und Amnesty International hatten die FIFA aufgefordert, die Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien zu stoppen. "Wenn die Verbände eine WM vergeben, ohne dass die erforderliche Menschenrechts-Prüfung durchgeführt wurde, sind die Verbände auch für Verstöße", kritisierte Andrea Florence ist Direktorin der Menschenrechtsorganisation Sport and Rights Alliance, in einem Interview mit der ARD Sportschau.
Nach Ansicht des saudischen Menschenrechtsanwaltes Anwalt al-Haji diene die WM vor allem dazu, das schlechte Image des Landes zu übertünchen. "Saudi-Arabien investiert enorme Summen, um Sport- und Filmstars sowie Social-Media-Influencer ins Land zu holen, und führt riesige Projekte durch, die von Offenheit und Reformen sprechen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Repressionen und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen dauern an", erläuterte al-Haji im Dezember 2024.
"Die FIFA muss aus der Vergangenheit lernen und sicherstellen, dass die WM nicht auf den Leichen von Gastarbeitern aufgebaut wird."
Andrea Florence, geschäftsführende Direktorin der Menschenrechtsorganisation Sports and Rights Alliance, im Interview mit der ARD Sportschau
Auch Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für die Region Naher Osten und Nordafrika Amnesty International, kritisierte, dass die "glitzernde Fassade, die Mohammed bin Salman gerne nach Außen" trage, "mitnichten widerspiegeln" würde, "was sich in Saudi-Arabien in Sachen Menschenrechten tut. In der Tat haben wir sogar dokumentiert, dass sich seit Amtsantritt von MbS die Menschenrechtslage erheblich verschlechtert hat." Außerdem habe es "in der Bewerbung keinerlei Strategien oder Garantien, die Menschenrechtslage im Land zu verbessern. Saudi-Arabien hat das nicht aufgeführt. Die FIFA hat es nicht nachgefragt. Der FIFA - das muss man wohl so sagen - war das relativ egal", ergänzte Müller-Falbusch.
Bislang scheint jedenfalls nur eines klar zu sein: Konkrete Lehren aus dem politischen Debakel um die WM 2022 in Katar haben weder die FIFA noch der Deutsche Fußballbund (DFB) gezogen. Und ob die saudische Regierung in den nächsten Jahren tatsächlich einige Reformen durchführen wird, scheint derzeit äußerst unwahrscheinlich zu sein.
Hintergrundinformationen
- Wikipedia über die Fußball-Weltmeisterschaft 2026
- Wikipedia mit den Statistiken der Fußball-WM 2026
- ARD Sportschau und ZDF Sportstudio über die WM 2026
Literaturtipps | |
Simon Mayer: | Andreas Matlé: |
Henning Feindt: | Kicker: |
Weitere Informationen





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