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Deutsche Bundeskanzler: Von Konrad Adenauer bis Olaf Scholz

Bundeskanzleramt in Berlin (Quelle: Pixabay)

Der deutsche Bundeskanzler ist gemäß der Verfassung der mächtigste Amtsträger in der Bundesrepublik, obwohl er in der protokollarischen Rangordnung Deutschlands erst an dritter Stelle steht. Als Regierungschef bestimmt er die Richtlinien der deutschen Politik und schlägt zudem die einzelnen Bundesminister vor. 

Der Bundeskanzler wird vom Deutschen Bundestag für vier Jahre gewählt. Vor Ablauf der Amtsperiode kann der deutsche Regierungschef nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst werden. Seit Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 gab es bislang neun Bundeskanzler - von Konrad Adenauer bis Olaf Scholz.

Die deutschen Bundeskanzler

Die Amtszeit Konrad Adenauers (1949-1963) war vor allem durch außenpolitische Ereignisse geprägt. Neben der Westbindung mit dem Beitritt zur NATO und der Gründung der EGKS standen vor allem die deutsch-französische Aussöhnung und die deutsch-jüdische Versöhnung im Mittelpunkt seiner Außenpolitik. Innenpolitisch war seine Regierungszeit vom wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands - dem sogenannten "Wirtschaftswunder" - geprägt.

Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard - Vater des Wirtschaftswunders - war als Bundeskanzler eher glücklos. Seime Amtszeit dauerte gerade mal drei Jahre. Seine Nachfolge trat der damalige Ministerpräsident von Baden-WürttembergKurt-Georg Kiesinger, an. Er bildete 1966 die erste Große Koalition von CDU/CSU und SPD in der bundesdeutschen Geschichte. Im Mittelpunkt seiner dreijährigen Amtszeit stand vor allem die Durchsetzung der Notstandsgesetze.

Im Jahre 1969 zog mit Willy Brandt der erste Sozialdemokrat in das Bundeskanzleramt ein. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Ostverträge und die damit verbundene Aussöhnung Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn ein. Auch die Beziehungen zur DDR stellte er auf eine neue Grundlage. Mit der Enttarnung seines Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion trat Brandt am 6. Mai 1974 zurück.

Die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt (1974-1982) war zunächst durch den Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) - insbesondere im Deutschen Herbst 1977 - geprägt. Innenpolitisch verfolgte Schmidt einen eher konservativen Kurs. Seine politische Unterstützung für den NATO-Doppelbeschlusses brachte ihm zudem viel Kritik aus den eigenen Reihen ein.

Am 1. Oktober 1982 wurde Schmidt als erster und bislang einziger Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum von Helmut Kohl abgelöst. Mit einer Amtszeit von 16 Jahren ist er der bislang am längsten amtierende Bundeskanzler in der Geschichte. Ihren Höhepunkt fand sie zweifellos in der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Das Ende seiner Kanzlerschaft wurde hingegen durch die CDU-Spendenaffäre überschattet.

Unter Gerhard Schröder wurde erstmals eine rot-grüne Regierungskoalition auf Bundesebene gebildet. Innenpolitisch war seine siebenjährige Amtszeit (1998-2005) vor allem durch eine Reihe von Reformprojekten - darunter der Agenda 2010 - geprägt. Außenpolitisch knüpfte Schröder - mit Ausnahme des Irak-Krieges 2003 - an die transatlantische Partnerschaft seiner Vorgänger an.

Mit Angela Merkel wurde am 22. November 2005 erstmals eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. Bei ihrem Amtsantritt war die Naturwissenschaftlerin zudem mit 51 Jahren die jüngste Amtsinhaberin und die erste ehemalige DDR-Bürgerin im Kanzleramt - zunächst gestützt auf eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und Sozialdemokraten. Von 2009 bis 2013 regierte Merkel in einer Koalition mit den Liberalen von der FDP. Als größte Herausforderung ihrer Kanzlerschaft gelten die Verringerung der Arbeitslosigkeit sowie die Bewältigung der Finanz- und Euro-Krise. Hinzu kommen die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie.

Ihr Nachfolger  ist seit 1949 der vierte Sozialdemokrat im Amt des deutschen Bundeskanzlers. Der frühere Erste Bürgermeister der Freien Hansestadt Hamburg sowie ehemalige Vizekanzler und Bundesminister steht der ersten Ampelkoalition auf Bundesebene in der Geschichte der Bundesrepublik vor. Politisch wird Scholz eher dem rechten Flügel der SPD zugerechnet.

Koalitionsregierungen in der Bundesrepublik Deutschland

Die derzeitige Bundesregierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist erst die erste Ampelkoalition auf Bundesebene. Seit der Gründung der Bundesrepublik im Mai 1949 gab es bereits schwarz-gelbe, schwarz-rote, sozialliberale und rot-grüne Koalitionen. In den Bundesländern ist die Koalitionslandschaft jedoch deutlich vielfältiger: Derzeit koalieren die die CDU und die Grünen in sechs Bundesländern, die rund 45 Prozent der Gesamtbevölkerung repräsentieren. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sind schwarz-Grüne Landesregierungen im Amt, in Sachsen regiert die sogenannte Keniakoalition (CDU, SPD und B'90/Grüne). Die Landesregierung in Brandenburg ist eine rot-schwarz-grüne Koalition und in Baden-Württemberg ist die CDU der Juniorpartner von Bündnis 90/Die Grünen.

Quelle: Statista

Kanzler der Reichseinigung

Otto von Bismarck zählt zu den zweifellos bedeutendsten und durchaus auch umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. So steht sein Name innenpolitisch  für die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland, den Kampf gegen die Sozialdemokraten ("Sozialistengesetz") und die katholische Kirche ("Kulturkampf"). Durch seine von "Blut und Eisen" geprägte Kriegspolitik erlangte Preußen zudem die unangefochtene Vormachtstellung in Kontinental-Europa.

Als Ministerpräsident von Preußen (1862-1890) und Kanzler des Norddeutschen Bundes (1867-1871) war von Bismarck maßgeblich an der Gründung des Deutschen Reiches beteiligt. Dabei setzte er sich sogar über das Parlament hinweg. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und im Deutschen Krieg 1866 konnte Bismarck zudem die Deutsche Frage im kleindeutschen Sinne unter der Vorherrschaft Preußens lösen. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war der preußische Politiker auch die treibende Kraft bei der Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 ("Bündnispolitik").

Im gleichen Jahr wurde von Bismarck schließlich von Kaiser Wilhelm I. (1871-1888) zum ersten Reichskanzler berufen. Während seiner Kanzlerschaft trieb es maßgeblich die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland ein. Am 15. März 1890 wurde der erste deutsche Reichskanzler wegen Meinungsverschiedenheiten von Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) entlassen.

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